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Die beim letzten Mal vorgestellte Messstation stand dann auf dem Kuechentisch und ich liesz die ohne weitere Umschweife ueber ein paar Tage laufen um zu schauen ob das ueberhaupt funktioniert. Alle drei Minuten wurde eine Messung gemacht und das Ergebniss …

… uebertraf alle meine Erwartungen.

Das Gesamtbild ist schnell erklaert. Die Partikeldichtemessungen sind die schwarze (PM10) und die rote (PM2.5) Kurve. „PM“ steht fuer „Particular Matter“ und die Zahl gibt die Grøsze der gemessenen Partikel an. Wie man sieht, kann der Sensor Partikel zweier unterschiedlicher „Klassen“ messen. Man kønnte „Grøsze“ sagen, aber die Messung findet nicht nur fuer Partikel genau einer definierten Grøsze statt, sondern vielmehr werden bei PM10 (PM2.5) alle Partikel mit Grøszen unter 10 µm (2.5 µm) gemessen.
Und das ist alles was ich dazu fand … was total unbefriedigend ist, denn weder weisz ich ob die PM2.5 Partikel bei PM10 mit drin, wo die unteren Messgrenzen liegen. Die Nachteile eines kommerziellen Instruments, denn das soll halt nur eine Zahl ausspucken, damit durchschnittliche Nutzer und Nutzerinnen nicht verwirrt sind.

Letztlich ist’s auch nicht zu wichtig, ich will ja nur wissen, ob die (Fein)Partikeldichte bestimmte Grenzwerte ueberschreitet und wann dem so ist. Im obigen Diagramm sieht man, dass die Grenzwerte (nach europaeischem Standard) fuer moderate Luftqualitaet zwei Mal ueberschritten werden.
Mehr sage ich dazu heute nicht und ich schaue mir die Partikelereignisse in den naechsten Eintraegen genauer an um deren Ursachen herauszufinden.

Die Temperaturkurve ist von dem was gemessen wurde selbsterklaerend (… nun ja … unter Vorbehalt … aber das gehørt hier nicht her). Im Groszen und Ganzen liegt die Temperatur um ca. 22 °C. Die Spitzen nach unten sind schnell aufgeklaert, denn das ist wenn ich’s Fenster zum Lueften aufgemacht habe. Auch dazu erstmal nichts weiter, aber auch hier gibt es ein paar Detail die erklaerungswuerdig sind.

Die relative Luftfeuchte wurde auch gemessen, aber wegen verschiedenen (technischen) Gruende liefern  diese Messungen keine zusaetzlichen Informationen (bestaetigt aber in vielen Faellen die Ueberlegungen und Schluesse).

Alles in allem sind die zu diskutierenden Details fuer sich genommen nix Neues. Ich fand das aber recht spannend, weil dabei so schøn zu sehen ist, wie komplex das „Klima“ einer Wohnung ist und wie sehr das mit allem Møglichem interagiert, von dem man aber normalerweise (fast) nix mitbekommt. Deswegen geh ich da ab dem naechsten Mal etwas ins Detail..

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel darueber, wie das beruehmte Milgram Experiment eigentlich zu interpretieren ist. Zur Erinnerung: es belegt NICHT das „inhaerent Bøse“ in jedem Menschen, sondern vielmehr, dass Menschen etablierten Autoritaeten folgen. In dem dazugehørigen wissenschaftlichen Artikel geht es auch im das beruehmte Stanford Prison Experiment. Da die Schlussfolerungen die gleichen (mich duenkt gar die selben) sind, ging ich darauf nicht weiter ein.

Nun stolperte ich vor Kurzem aber ueber den Artikel „Debunking the Stanford Prison Experiment“ von Thibault Le Texier in American Psychologist, 74(7), 2019, p. 823–839 … (hier in vollstaendig (PDF)). Dort legt der Autor dar, warum das gesamte Experiment mindestens wissenschaftlich fragwuerdig ist und mitnichten den hohen Stellenwert haben sollte den es sowohl in der Psychologie als auch in allgemeineren, gesellschaftlichen Kontexten hat.

Die ethischen Bedenken sind praktisch von Anfang an diskutiert worden.
Mir bisher nicht bekannt, wurde bereits 1975 bemaengelt, dass aus den Instruktionen an die Teilnehmenden vor dem eigentlichen Experiment, Letztere mit groszer Sicherheit erraten konnten, wie sie sich zu verhalten haben. Das fand man heraus, indem man Studenten besagte Instruktionen zu lesen gab (ohne weiteren Kontext) und diese sollten dann beschreiben, wie die Waechter bzw. Gefangenen sich zu verhalten haben:

[o]f the students tested, 81% accurately figured out […] that guards would be aggressive and that prisoners would revolt or comply […].

Das kann also definitiv NICHT mal als einfache Blindstudie angesehen werden.

Spaeter hinzu kamen Hinweise, dass die Teilnehmer vermutlich selbstselektiert waren (mit dem ganzen Rattenschwanz an Problemen fuer insb. psychologische Studien der daraus folgt). Ebenso nahm der Professor (namens Zimbardo, der natuerlich mit dem Experiment beruehmt wurde) die Rolle des Gefaengnisvorstehers (anstatt des auszenstehenden, neutralen Beobachters) an. Diesen Fakt liesz er aber wohl unter den Tisch fallen bei der Praesentation der Ergebnisse.

Der Verfasser des obigen Artikels hat sich nun durch die Originaldaten gearbeitet und weitere Hinweise darauf gefunden, dass dieses Experiment NICHT in die Psychologiebuecher gehørt sondern in die Geschichtsbuecher unter dem Stichpunkt „schlechte Wissenschaft“.
So zum Beispiel erzaehlten der Professor und seine Assistenten …

[…] the objectives of the experiment to the guards during their orientation day […].

Ebenso haben die Waechter die schlimme soziale Situation nicht spontan selbst „gebaut“ sondern …

[…] were given clear instructions for how to create it.

Im (verallgemeinerten) Sinne dessen was ich in meinem Artikel zum Milgram Experiment schrieb (Akzeptanz von Autoritaeten) ist die verherrschende Interpretation der Ergebnisse sehr sehr fragwuerdig, wenn man in Betracht zieht, dass …

[i]n order to get their full participation, Zimbardo intended to make the guards believe that they were his research assistants.

Aber nicht nur die Waechter wurden fuer ihre Rolle „praepariert“. Auch …

[t] he Prisoners were Conditioned by the Experimenters.

Und waehrend Zimbardo immer wieder behauptete, dass die Bedingungen urst realistisch waren (Zitate von ihm) …

[b]y the end of the week, the experiment had become a reality. […]

[I]n a very short time most of the subjects ceased distinguishing between their prison role and prior self-identities. […]

Findet der Autor des Artikels in den Rohdaten, dass …

[…] on the contrary, […] the participants almost never lost touch with reality and were conscious of participating in an experiment.

Da wundert es mich ueberhaupt nicht, dass Zimbardo sehr gerne mit den nicht-wissenschaftlichen Medien sprach war und die Schlussfolgerungen im Wesentlichen schon vor dem Ende des Experiments fertig geschrieben (und auf nichtakademische Ziele; Gefaengnisreform) gerichtet waren:

The press release that Zimbardo disseminated on the second [!] day of the experiment states in conclusion that it aimed at making us aware of the prison reforms needed […].

Und um die Liste voll zu machen wird auch noch Zimbardos Behauptung, dass die Resultate auf …

[…] systematic record keeping and data collection […]

beruhen zunichte gemacht. Der Autor fand vielmehr, dass die Daten …

[…] are neither complete nor uniform.

So fehlen Aufzeichnungen jeglicher Art (egal ob vom Professor selbst oder von seinen Assistenten) vom dritten Tag und von den 150 Stunden die das Experiment lief, gibt es weniger als 10 % auf Video- oder Tonaufnahmen. Und

[…] these 6 hr of video recorded during the experiment are unrepresentative […].

Das soll reichen. Alles in allem ist meine Interpretation, dass das Stanford Prison Experiment nicht nur fragwuerdig, sondern wissenschaftliche gesehen nutzlos, gar absichtlich irrefuehrend ist. Weil das aber so weit weg geht von der etablierten Meinung bin ich mehr als offen die Gegenargumente zu høren.
Hier gibt es wohl einige Gegenargumente von Zimbardo zu obigem Artikel. Leider habe ich darauf keinen Zugriff (und meine uebliche Quelle hat das leider auch nicht). Es gibt eine aeltere Version (PDF) die nicht direkt auf Le Texier eingeht (da vorher erschienen), aber einige der Punkte anspricht.
Le Texier gibt hier eine relativ bissige Antwort. Ich gebe zu, dass die nicht dem wissenschaftlichen Umgangston entspricht (weswegen das wohl auch nie offiziell in einem peer review Journal verøffentlicht wurde). Ich gehe aber nach dem was ich gelesen habe mit seiner Meinung mit, dass Zimbardo nur drumherum redet und die eigentlichen (wesentlichen!) wissenschafltichen Maengel nicht schafft auszuraeumen.

Der Artikel von Le Texier ist jetzt nur ein Artikel, scheint aber in einen grøszeren Zusammenhang zu fallen, in dem die Ergebnisse solcher (falschen!) Leuchtturmexperiment neu betrachtet und vøllig anders interpretiert werden. Es wird also nur noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis sowohl das Milgram Experiment, als auch das Stanford Prison Experiment ihren verdienten Platz im wissenschaftlichen Kanon einnehmen … naemlich als Datenpunkte in der Sektion „(langsame) Selbstkorrektur der Wissenschaft“.

Eine ganz andere Sache noch zum Abschluss, weil mir das am Herzen liegt:

[…] the [Stanford Prison Experiment] survived for almost 50 years [among other things] because no researcher has been through its archives. This was, I must say, one of the most puzzling facts that I discovered during my investigation.

Das wundert mich ehrlich gesagt ueberhaupt nicht. Es ist viel „sexier“ neue Behauptungen raus zu hauen als sich alte Sachen mal genau anzuschauen. Insb. dann, wenn es um scheinbar vom ganzen wissenschaftlichen Feld etablierte Fakten geht.
Das ist in der Wissenschaft nicht anders als auszerhalb davon. Unter anderem auch deswegen lese ich Originalartikel und will ab und zu auch gerne die Rohdaten haben um die selbst zu analysieren. Weswegen mein Plan fuer die Rente ja auch ist, dass ich versuche werde in den Archiven von Museen zu forschen :)  … aber das war’s nun wirklich fuer heute.

Neulich stolperte ich ueber den sehr interessanten und ueberraschend spannend zu lesenden Artikel „Israel’s 1979 Nuclear Test and the U.S. Cover-Up“ von Leonard Weiss in Middle East Policy 18(4), 2011, pp. 83–95 … *hust* … *doppelhust*.
In kurz: darin geht es darum, wie der Vela-Zwischenfall „gehandhabt“ wurde. Aber der Reihe nach.

Besagter Zwischenfall kam durch ein Signal zustande welches verdaechtig (aber nicht eindeutig) nach einem Atomtest aussah. Die Nichteindeutigkeit ruehrte daher, dass die zwei, auf dem Satelliten nahe beieinander liegenden Sensoren deutlich unterschiedliche Signalkurven registrierten. Die plausible Annahme ist, dass der eine Sensor kaputt war. Andere Quellen (bspw. radioaktive Rueckstaende, andere Satellitenmessungen) fanden (zum Teil) nix was weiter zur Uneindeutigkeit beitrug (wobei der Konsens millterweile aber wohl ist, dass es sich dabei tatsaechlich um eine Atomexplosion handelte).

Der Zwischenfall erregt zum Teil noch heute die Gemueter, aber damals war das eine urst krasse Sache denn zum Einen waren die SALT II (Strategic Arms Limitation Talks) gerade zum Abschluss gekommen und zum anderen deutete alles auf einen Atomtest der Israelis hin. Ersteres war wichtig, denn Jimmy Carter baute seinen Wahlkampf unter anderem um die Nichtverbreitung und Abruestung von Kernwaffen auf … was nur funktioniert, wenn man „die Anderen“ kontrollieren kann und uneindeutige Signale sind nicht gerade førderlich um einen Eindruck zu erwecken, dass man das kønnte. Zweiteres war wichtig, denn … nun ja, die USA haben aus den verschiedensten (und im „intern System“ durchaus logischen und wichtigen) Gruenden lange Jahrzehnte hindurch die Politik gefahren, dass sie Israels Bombe nicht offiziell anerkennen … mich duenkt, dass sie bis heute so tun als ob sie von nichts wuessten.
Allerdings konnte das Alles nicht unter den Teppich gekehrt werden, weswegen eine offizielle Alternative zu den Geschehnissen her musste … das „Cover-Up“ im Titel des Artikels.

Auf all das geht der Artikel ein und ich haette mir durchaus gewuenscht mehr Details zu den vielen „Akten des Dramas“ zu erfahren. Leider darf so ein Artikel nicht all zu lang werden und trotz der Kuerze die dem Autor zur Verfuegung stand und der ziemlichen „Trockenheit“ des Themas hat dieser eine echt gute Arbeit abgeliefert, die sich durchaus lohnt zu lesen.

Ach ja #1, woher kommt der Titel dieses Beitrags? Das ist einfach zu erklaeren, denn ein Bhangmeter ist ein Spezialmessgeraet, mit dem man normale Lichtblitze (bspw. durch Reflexionen an Weltraumschrott) von solchen durch Atomexplosionen unterscheiden kann. Ich hatte vorher noch nie was davon gehørt (warum auch) und fand den Namen … nun ja … ich sag jetzt mal passend.

Ach ja #2, Ironie der Geschichte: am Ende von SALT II stand ein Vertrag der von beiden Parteien niemals unterschrieben wurde. Die Amerikaner taten es nicht wg. des Angriffs der Sowjetunion auf Afghanistan und entsprechend unterzeichneten die Russen den Vertrag auch nicht. Beide Parteien hielten sich dennoch an die waehrend der Gespraeche gemachten Absprachen. Es dauerte mehr als ein weiteres Jahrzehnt, bis endlich 1991 START I (Strategic Arms Reduction Treaty) ganz offiziell unterzeichnet wurde.

Als ich die sog. „verlorene(n) Dekade(n)“ das erste Mal erwaehnte, zeigte ich Bilder von øffentlich zugaenglicher Infrastruktur und meinte, dass das fuer mich alles nach 30 Jahren (mehr oder weniger) normaler Entwicklung aussieht.

Infrastruktur muss aber auch gebaut werden und das Geld dafuer muss irgendwo herkommen. Letzteres sind die Gewinne privater Firmen oder Steuern … oder Kredite … mhmmmmm … Japan ist seit Jahrzehnten und mit weitem Abstand der Staat mit der grøszten Verschuldung der Welt (noch vor Griechenland) … und gerade die Leute in Dtschl. haben ja fast schon ’nen Fetisch diesbezueglich … andererseits habe ich nicht den Eindruck, dass die Glaeubiger (wer auch immer das ist) kein Vertrauen mehr in Japan haben was (nach herrschendem økonomischen Dogma) ganz schlecht waere (siehe Griechenland) … und die USA haben auch eine sehr hohe Staatsverschuldung … der Kosovo oder die (sog.) Demokratische Republik Kongo hingegen nicht … mhmmmm … also im Groben wird diese Kenngrøsze schon wichtig und richtig sein, aber im spezifischen muss man wohl genauer hinschauen … … …

OI, da bin ich aber abgeschwiffen … ich wollte darauf hinaus, dass Infrastruktur bezahlt werden muss und das Geld dafuer kommt i.A. aus dem von Arbeitern produzierten Mehrwert. Oder anders: „verlorene Dekade“ verbinde ich mit hoher Arbeitslosigkeit, weil weniger Arbeitsplaetze da sind, weswegen nix produziert wird und dadurch kein Geld fuer Infrastruktur vorhanden ist. Die Bilder im verlinkten voherigen Beitrag sprechen dagegen und bei der Betrachtung der Arbeits“losigkeit“ stellte sich heraus, dass sich dort ein langanhaltender Trend findet, der nix mit (einer oder mehreren) „verlorene(n) Dekade(n)“ zu tun hat.

Zwei andere Messgrøszen bzgl. des Vorhandenseins von Arbeit sind die offenen Arbeitsstellen und die offenen Stellen pro Bewerber; beide sind in diesem Diagramm dargestellt:

Im Wesentlichen sieht man bei den offenen Arbeitsstellen den gleichen, in den 70’er Jahren gestarteten, langanhaltenden Trend wie bei der Arbeitslosigkeit und die Stellen pro Bewerber sind seit den 70’er Jahren bis ungefaehr 2010 konstant bei einem Wert von ca. 0.7 .
Oder anders: auch hier ist wieder nix von einer „verlorenen Dekade“ (und schon gar nichts von mehreren) zu sehen.

Mglw. aendert sich das generelle Verhalten der roten Kurve ab 2010. Das ist in den groszen Schwankungen schwer auszumachen, weil noch nicht genug Zeit vergangen ist.
Sollte das eine tatsaechliche Aenderung im verherrschenden Trend sein, so faellt diese mit dem bereits mehrfach angesprochenen demografischen Wandel in Japan zusammen. Deswegen wuerde es mich nicht wundern, wenn die rote Kurve eine Weile grøszere Werte annimmt. Alte Leute konsumieren schlieszlich nicht weniger als vorher; wenn aber nicht so viele junge Leute nachkommen um die frei werdenden Stellen zu besetzen, nimmt das Verhaeltnis der Stellen pro Bewerbung zu.
Aber auch das hat natuerlich nix mit dem Gebrabbel der Økonomen zu tun … wobei ich annehme hoffe annehme, dass das nur solche Økonomen brabbeln, die Karl Marx so ganz vortrefflich als „Vulgaerøkonomen“ bezeichnete … aber das ist ein ganz anderes Thema.

*kicher* … der Titel ist geil. Ausgerechnet der Poststrukturalismus hat was systematisiert … ich hoffe doch, dass sich die Poststrukturalisten der Ironie bewusst sind … tihihi.

Wieauchimmer, es soll ja eigtl. um etwas gehen, was der Max Planck gesagt hat. Ich schliesze diese Miniserie heute ab mit ein paar Zitaten aus seinem Essay ueber Religion und Naturwissenschaften (ab Seite 151 in seiner Wissenschaftlichen Autobographie).

Schon im ersten Teil schreibt er (S. 156):

I need not go here into a more detailed discussion of the fact that the victory of atheism would […] destroy the most valuable treasures of our civilization […].

Schade, dass er nicht weiter darauf eingeht, denn die Argumentation haette mich interessiert; aber prinzipiell geh ich da mit. Nicht nur Bach setzte unter seine Werke das Kuerzel S.D.G. — Soli Deo gloria. Bzw. sind die zwei schlimmsten totalitaeren Regime des letzten Jahrhunderts hinlaenglich bekannt dafuer alles vernichtet zu haben, das auch nur im Entferntesten gegen die entsprechende Ideologie stand. Und Religion ist prinzipiell und per definitionem antagonistisch gegenueber allen (sog. „weltlichen“) Autoritaeten.
Ich nøchte von Max Plancks Meinung insofern abweichen, dass ich es nicht derart absolut ausdruecken wuerde. Ich hoffe, dass ein informierter Atheismus schøne Dinge bestehen lassen kann, auch wenn diese einen religiøsen Ursprung haben.

Mit „informierter Atheismus“ meine ich etwas, was Max Planck dann im zweiten Teil des Essays anspricht (S. 163):

[…] a religious symbol, be it ever so venerable, never represents an absolute value but is always only a more or less imperfect sign of something higher and not directly accessible to human senses.

Oder anders (und aus dem oben verlinkten Wikipediaartikel zum Poststrukturalismus zitierend):

[…] [he] questions the objectivity or stability of the various interpretive structures that are posited by [atheism] […].

[…] [he understands that] there is concrete reality on the one hand, abstract ideas about reality on the other hand, and a „third order“ [e.g., art] that mediates between the two.

ACHTUNG: die Einfuegungen sind von mir um das Zitat dem hiesigen Zusammenhang anzupassen. Der Sinn bleibt aber definitiv erhalten.

Deswegen kann ich hier nur (wieder?) vor Technokraten (im weitesten Sinne) warnen, die implizit den objektiven (oftmals technischen) „Fortschritt“ vor alles andere stellen. Ohne Bach, Beethoven, Shakespeare, Vigeland, Schiele (und viele viele Andere) ist naemlich auch der Quantencomputer (mglw. gar das Ueberleben der Menschheit in die ferne Zukunft) nicht viel wert … und den Quantencomputer hab ich deswegen als Beispiel genommen, weil Max Planck der „Vater der Quanten“ ist und diesen Essay geschrieben hat … den alle Technokraten lesen sollten … wobei ich bezweifle, dass das viel helfen wuerde, wenn sie solche Meinungen haben … aber ich hoffe, dass Menschen (i.A.) es prinzipiell schaffen Ideen zu abstrahieren und auf andere Gebiete zu uebertragen.

Vor vielen Jahren (mich duenkt noch zu Zeiten des Vordiploms, aber es kønnte auch danach gewesen sein) hørte ich jemanden sagen, dass er versucht ein Mensch zu sein.

Dieser jemand ging nicht naeher darauf ein was er damit meint (oder ich hab’s vergessen), aber es fuehlte sich instinktiv richtig an und wenn ich mich richtig erinnere fand ich gar nicht all zu lange danach heraus wie diese Aussage einzuordnen ist. Dazu aus der heutigen Wikipedia:

Mensch (Yiddish: מענטש, mentsh […]) means „a person of integrity and honor“ […], a mensch is „someone to admire and emulate, someone of noble character. The key to being ‚a real mensch‘ is nothing less than character, rectitude, dignity, a sense of what is right, responsible, decorous.“

Und ja, das strebe ich an in den Augen und dem Bewusstsein anderer (!) zu sein (meine eigene Meinung ueber mich zaehlt hier naemlich nicht im Geringsten) … wohlwissend, dass ich sehr oft (meistens? allermeisens? immer?) daran scheitere, die zurecht sehr hohen Huerden zu ueberwinden, welche nøtig sind sind um die Bezeichnung Mensch zu verdienen.

Das wollte ich schon laengere Zeit mal niedergeschrieben haben.

In einem komplizierten Verhaeltniss mit der ungenutzten Arbeitskraft vom letzte Mal steht die Rate der Personen die am Erwerbsleben teilnehmen. Kurz gesagt ist das der Quotient aus allen Menschen die Arbeit haben oder (inklusives oder) arbeiten wollen und allen Menschen im „arbeitsfaehigen Alter“.
Der Nenner ist etwas salopp formuliert und ist eigtl. die Grøsze der jeweiligen Alterskohorte. Der Nenner enthaelt also ALLE Leute. Im Zaehler hingegen sind Menschen NICHT mitgezaehlt wenn diese nicht arbeiten wollen und dadurch aus der Arbeitslosenstatistik raus fallen … ich diskutierte das etwas detaillierter beim letzten Mal.

Die (Rate der) Beteiligung am Erwerbsleben sieht fuer Japan nun so aus:

OI … das ist ja vøllig anders als die Arbeitslosenrate vom letzten Mal. Aber wenn man das der Reihe nach durch geht und die Geschichte mit in Betracht zieht ist die Kurvenform erklaerbar.

Zunaechst denke ich, ist es plausibel davon auszugehen, dass im kriegszerstørten Japan viele Frauen gar keine Wahl hatten und arbeiten mussten (das war ja bspw. in Dtschl. nicht anders). Deswegen hat die Kurve am Anfang hohe Werte.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurden aber viele Frauen aus dem Arbeitsleben gedraengt. Und von allem was ich weisz (was zugegebenermaszen nicht viel ist und nur halb (oder weniger) richtig sein kann) erwartete die japanische Gesellschaft das von den Frauen. Wobei natuerlich auch zu bedenken ist, dass es gesamtgesellschaftlich nicht nur schlecht ist wenn so viel Reichtum ueber fast alle Einwohner verteilt ist, sodass nur die Haelfte der Leute arbeiten muss und das Geld trotzdem reicht. Leider bedeutet das in der Realitaet immer, dass die Maenner arbeiten gehen und die Frauen zu Hause bleiben. Wenn ich auf Ersteres hinweise, dann bedeutet das natuerlich NICHT, dass ich die wirtschaftliche Abhaengigkeit der Frauen von den Maennern befuerworte; GANZ IM GEGENTEIL! … Aber ich schweife ab, das Thema ist deutlich komplizierter und darueber will ich gerade nicht schreiben.
Der Prozess den ich eben beschrieb fuehrt aber NICHT dazu, dass die Frauen dann arbeitslos sind. Das zeigt ein Blick auf das Diagramm vom letzten Mal: die Arbeitslosenrate bleibt niedrig. Die Frauen „fallen raus“ aus den Personen im Zaehler des Quotienten (weil die japanische Gesellschaft eben erwartete, dass sie sich NICHT arbeitssuchend melden). Im Nenner sind sie aber noch mit dabei … oder anders: der Quotient wird kleiner und das ist genau das was man sieht.

Ca. Anfang der 70’er Jahre ist der beschriebene Prozess zu Ende und die Werte der Kurve unterliegen keinen wesentlichen Aenderungen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. … … … Wait! … What? … in der „verlorenen Dekade“ haette ich erwartet, dass mehr Leute gezwungen sind sich Arbeit zu suchen (auch wenn sie die nicht unbedingt finden), der Nenner somit grøszer wird und die Kurve wieder ansteigt. Aber dem ist anscheinend nicht so … vielmehr setzt sich auch hier wieder ein Trend fort, der 20 Jahre vorher begann.

Was mich zurueck zum Anfang des Arguments bringt was ich oben nicht weiter verfolgte: anscheinend ging es der Gesellschaft auch in der „verlorenen Dekade“ weiterhin so gut, dass es reichte, wenn nur die Maenner arbeiten gegangen sind. … Mhmmmm … dann kann die Zeit ja gar nicht so „verloren“ gewesen sein … finde ich.

Das soll reichen fuer heute. Zum Abschluss sei nur noch schnell der Rest der Kurve erklaert.
Ab 2000 schlaegt die Demographie wieder zu: die vielen Leute aus den vorhergehenden Jahren fangen an in Rente zu gehen. Der Zaehler nimmt also ab (waehrend der Nenner weiter waechst, wenn auch langsam) und die Werte der Kurve werden kleiner. … … … Was natuerlich auch wieder gegen mehrere „verlorene DekadEN“ spricht, denn das sieht mir hier mitnichten nach „Alterarmut“ aus, die ich damit in Verbindung bringe … meiner Meinung nach.
Ab 2010 sieht man das Umgekehrte: Rentner fangen an zu sterben. Der Zaehler bleibt im Wesentlichen gleich, waehrend der Nenner abnimmt und die Kurve steigt wieder an.
Das sind aber alles lang anhaltende Trends die keiner singulaeren Erklaerung beduerfen.

Obiges ist natuerlich komplizierter (und vermutlich auch langweiliger fuer die meisten Leute) als _ein_ Grund der sich gewaltig (und zunaechst sogar plausibel) anhørt.
Jetzt habe ich geschaut _ob_ die Leute arbeiten, beim naechsten Mal schaue ich mir an wieviel Arbeit es ueberhaupt gab.

Vor vielen Jahren (zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels definitiv mehr als 5 Jahre, wahrscheindlich ca. 10 Jahre, ziemlich sicher weniger als 15 Jahre) hørte ich (mich duenkt in einem Hackerpodcast), dass der (ein?) Hackspace (?) in Stuttgart ein Arduinoprojekt erstellt hat, mit dem man Feinstaub selber messen kann. Und Arduino … das kann ich doch :).

Jahrelang wollte ich das immer mal machen, hatte da aber nie die Musze, mich mal im Detail zu informieren.

Vor nicht ganz so vielen Jahren (um meinen 40. Geburtstag rum) tat ich das dann doch endlich mal und fand das entsprechende Projekt auch. Die Quellen von damals verlinke ich nicht, denn irgendwann ist das alles umgezogen (und umstrukturiert) auf sensor.community. Mit den dem damals dort verfuegbaren (und heute sehr anderem) Tutorial fand ich raus was ich dafuer brauche um Feinstaub bei mir selber zu messen. Noch viel wichtiger war, dass ich auch den Eindruck bekam, dass ich das wirklich ohne Hilfe hinbekommen kønnte … ahnte ich doch noch nicht, dass der Treiber fuer den Sensor einen Fehler enthielt.

Also bestellte ich schnurstracks den Sensor und wartete ganz hibbelig. Ihr, meine lieben Leserinnen und Leser muesst nicht so lange rumhibbeln, denn ich zeig euch das Gute Dingens ohne Umschweife …

… von vorne (oberes Bild) und von hinten (unteres Bild).

Das Alles ist (und funktioniert) …
– … ein Ventilator der durch …
– … den Schlauch Luft einzieht …
– … durch die dann ein Laser „schieszt“ und das Licht wird an den in der Luft befindlichen Teilchen gestreut; …
– … ein Sensor erfasst das gestreute Licht, das Signal ist abhaengig von der Grøsze und Dichte besagter Teilchen, …
– … welchesdurch die Auswerteelektronik ausgewertet wird um dann …
– … die Resultate  via der Anschluesse an den Arduino zu schicken.

An das Ende des Schlauches habe ich noch einen unabhaengigen Temperatur- (da muss man schon ganz genau hinschauen, denn der ist so klitzeklein) und einen weiteren (ebenso unabhaengigen) Feuchtigkeitssensor (der auch die Temperatur messen kann) angebracht.

So weit, so einfach … Der Code fuer den Arduino war auch „geradeaus“ und nicht all zu schwer zu verstehen.
Aber irgendwie klappte das nicht so wie das sollte. Nach langem Herumprobieren stellte sich heraus, dass ein Pin der Anschluesse des Sensors was anderes macht, als vom Treiber angenommen … bzw. war es noch schlimmer, denn es war eigentlich spezifiziert, dass der Treiber das weisz und beruecksichtigt … tat er aber nicht. Bevor ich DAS nach etlichem systematischem Herum- und Ausprobieren herausfand, raufte ich mir viele Male die Haare … denn ich nehme doch immer erstmal an, dass der Fehler auf meiner Seite liegt (oder, dass was kaputt ist) und nicht im Treiber … denn an Treiber(software) trau ich mich nicht ran … ist zu weit ab dessen was ich kann.

Auszer in diesem Falle … und ich bin da maechtig gewaltig stolz drauf. Nicht nur fand ich raus woran es liegt, sondern ich konnte den Bug auch beheben UND den modifizierten Treiber einsetzen, sodass dann alles ging.

Prima, wa!

Mehr will ich zum Technischen auch gar nicht sagen. Beim naechsten Mal dann die Ergebnisse.

Zur Erinnerung: Økonomen behaupten, dass die 90’er Jahre in Japan eine „verlorene Dekade“ gewesen sind. Dieser Ausdruck wird gern ausgeweitet auf die zwei darauffolgenden Jahrzehnte. Der Grund dafuer liegt darin, weil die Wirtschaft Japans da nicht mehr so stark „gewachsen“ ist.

Auszer den von den Økonomen ueblicherweise herangezogenen Indikatoren (die im Wesentlichen aussagen, dass die Reichen immer reicher werden … etwas ueberspitzt formuliert … aber nicht all zu sehr), gibt es aber noch andere Messgrøszen, an denen man den Zustand eines Landes „ablesen“ kann.
Dank dieser Quelle konnte ich mir davon ein paar anschauen und wie so oft ist das etwas komplizierter. Aber der Reihe nach (und aufgeteilt auf mehrere Beitraege).

Mit dem Begriff „verlorene Dekade“ verbinde ich, dass viele Menschen arbeitslos sind (mit besonderem Augenmerk auf die sog. Jugendarbeitslosigkeit). Und tatsaechlich, beide Messgrøszen sind erst seit ungefaehr 2018 wieder auf den Wert vom Ende der 80’er Jahre zurueck:

Da scheint also was an den „verlorenen Dekaden“ dran zu sein. Das Problem ist nun aber, dass die Arbeitslosenrate mitnichten erst am Anfang der 90’er Jahre anstieg. Vielmehr sieht es mir nach einem laenger andauernder Prozess aus, der mindestens schon 20 Jahre eher begann. Man sieht das an den Geraden im Diagramm. Diese legte ich zunaechst nur durch die Werte von Anfang der 70’er bis Ende der 80’er Jahre (durchgezogene Linien) und extrapolierte danach (gestrichelte Linien … und „extrapoliert“ ist ein piekfeines Wort um nicht „laenger ziehen“ sagen zu muessen … tihihi). Die Trendgeraden beschreiben die generelle Entwicklung verdammt gut, auch wenn es natuerlich (zum Teil sehr starke) Schwankungen darum gibt.

Der Anstieg der Arbeitslosenrate laeszt sich aufgrund des Bevølkerungswachstums nach dem 2. Weltkrieg und der so wichtigen (finanziellen) Emanzipation der Frauen erklaeren. Wobei ich nicht abschaetzen kann, wie stark letzterer Effekt in Japan war … mein Bauchgefuehl sagt mir, dass Japan doch noch eine sehr traditionelle Gesellschaft ist diesbezueglich.
Und hier schnappt die Falle bei solchen Statistiken zu: zur Arbeitskraft zaehlen naemmlich NUR Menschen die eine Arbeitsstelle haben, ODER (inklusives oder) die eine Arbeitsstelle haben wollen. Wenn eine Person das nicht møchte (bspw. aufgrund sog. „traditioneller“ Verhaeltnisse in denen der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause bleibt), dann zaehlt diese Person nicht zur Arbeitskraft … trotz der vielen nicht entlohnten Arbeit die von ihr (oder ihm) verrichtet wird.
Letzteres erklaert dann auch, warum die Kurven ab ca. 2012 (?) wieder runter gehen. Die vorherige Generation geht in Rente (sucht also NICHT mehr nach Arbeit); aufgrund der Entwicklung der Demographie in Japan werden diese aber nicht mehr vollstaendig ersetzt.

Worauf ich hinaus will: auch wenn es zunaechst scheint (!), als ob die Arbeitslosenrate fuer „verlorene Dekaden“ spricht, so denke ich, dass das bei genauer Betrachtung der Daten nicht haltbar ist, weil das auch viel einfacher und weniger „einzigartig“ mit einem lang anhaltenden Trend erklaert werden kann.
Økonomen wissen das im Uebrigen, weswegen ich bei Diskussionen um die „verlorene(n) Dekaden“ zwar was vom stagnierenden Wirtschaftswachstum aber nichts von den Arbeitslosenzahlen høre. Wuerde das naemlich als Argument gebraucht werden waere das viel zu einfach zu wiederlegen.

Ab und zu hørt man, dass die Wissenschaft nicht durch Akzeptanz vorwaerts schreitet sondern weil die Gegner eines neuen Gedankengebaeudes nach und nach sterben. Das wird auch Plancks Prinzip genannt und ich hatte das in diesem Weblog schon mindestens zwei Mal erwaehnt.

Aber bis vor Kurzem wusste ich nicht wo oder in welchem Zusammenhang er das sagte. Bis ich ueber seine Wissenschaftliche Selbstbiographie stolperte. Der Volltext war zunaechst unheimlich schwer aufzutreiben, das Internet Archive konnte dann aber zum Glueck (wie so oft) liefern … aber so richtig gut origanisiert ist das Wissen dort leider nicht … bzw. denke ich, dass das Wissen vermutlich gut organisiert ist, die Suche hingegen ist wenig hilfreich … zumindest dann, wenn man nur mal kurz was sucht … ich gab schon fast auf.

Wieauchimmer, in besagtem Buch auf den Seiten 33 und 34 findet sich das Original (auf englisch; wobei ich denke, dass er’s urspruenglich auf dtsch. sagte, aber den dtsch. Text wollte ich nun nicht auch noch suchen):

A new scientific truth does not triumph, by convincing, its opponents and making them see the light, but rather because its opponents eventually die, and a new generation grows up that is familiar with it.

Weil das einer der Sprueche ist, die es (verkuerzt, wenn auch nicht sinnentstellt) ins kulturelle Unterbewusstsein geschafft haben (zumindest in meinem sozialen Habitat), wollte ich hier die Quelle mal festgehalten haben.