Archive for Juli, 2009

… und ich moechte den heutigen Eintrag nutzen um kurz zu erklaeren, warum ich (gestern wieder) so gegen das dtsch. „System“ wetter(t)e und warum ich die Sprache und „Stilmittel“ derart drastisch waehle.

Die ganze Entwicklung der letzten dreizig Jahre, aber deutlich verschaerft nochmal unter Gerhard Schroeder, fuehrte zu einer massiven Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Und ja, Studenten sind auch arm (in einem viel weiteren Umfang als nur die monetaeren Mittel betreffend)! Oder warum gibt es so wenige Studenten mit Kindern? Wieauchimmer, im Folgenden moechte ich gern vier (neuere) Beitraege von den nachdenkseiten.de zitieren. Dabei handelt es sich um die zwei Artikel Armut untergräbt das Fundament der Demokratie und Die gespaltene Gesellschaft – Arm und Reich im Konflikt von Christoph Butterwegge, den Thesen für eine Podiumsdiskussion bzgl. des Themas Armut gefährdet unsere Demokratie von Wolfgang Lieb (besonders zu empfehlen, da dort viele Studien, diesbezueglich und zu stark verwandten Themen, genannt werden, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen mag)  und um den Beitrag von Johano Strasser mit dem Titel Armut als Politisches Problem. Die Quellen werden bei den einzelnen Zitaten nicht erneut kenntlich gemacht.

In einer wohlhabenden Gesellschaft, die den Anspruch erhebt, sozial, gerecht und demokratisch zu sein, müssen Armut […] wie Reichtum  […] öffentlich gerechtfertigt werden.

Dies geschieht in Dtschl. durch die Mythen des Neoliberalismus; Leistungstraeger sind eben wohlhabender als „Faulenzer“ und „Sozialschmarotzer“. Man beachte bitte die Wortwahl (die ja auch vom ehemaligen Bundeskanzler (!) so aehnlich benutzt wurden).

Reichtum bedeutet die Möglichkeit, wirtschaftlich und politisch Macht auszuüben, wie Armut umgekehrt bedeutet, ökonomische und soziale Ohnmacht zu erfahren.

Dazu spaeter noch ein paar weitere Punkte.

Breitet sich die Armut in einem reichen Land aus, wird ein Großteil der Bevölkerung marginalisiert, die Menschenwürde gleich massenhaft verletzt und den Betroffenen „strukturelle Gewalt“ (Johan Galtung) angetan […] während Politik, Staat und Verwaltung nicht selten die Armen anstelle der Armut bekämpfen, statt für einen gerechten sozialen Ausgleich zu sorgen.

Und weiter heiszt es:

Die zunehmende soziale Spaltung erhöht […] das Konflikt- und Gewaltpotenzial der Gesellschaft […] [es] kann sich eine latente Bürgerkriegsstimmung ausbreiten.

Ich denke die Wahl des Wortes „Buergerkrieg“ ist durchaus gerechtfertigt. Sowohl als „Hinweis“ darauf was Dtschl. moeglicherweise erleben wird (wenn auch nicht in dem Ausmasz wie bspw. im ehemaligen Jugoslawien), als auch bzgl. der „sozialen Stimmung / Sichtweise“, sowohl von „oben“ nach „unten“ als auch umgekehrt. Dazu zwei Beispiele

1.: Der T-Shirt-Aufdruck: „Eure Armut kotzt mich an“

2.: der Spruch: „Denkst du etwa du bist etwas Besseres wenn du studierst?“

(Geistige und) Gesellschaftliche Abgrenzung fuehrt immer zu weniger Kommunikation, das fuehrt zu weniger Verstaendnis, das fuehrt zu mehr Vorurteilen … und letztlich fuehrt alles zur Gewalt untereinander. Dazu auch:

Wer die brisante Mischung von berechtigter Empörung, ohnmächtiger Wut und blankem Hass auf fast alle P(arteip)olitiker/innen unseres Landes kennt, wie sie wohl nur in Versammlungen von Hartz-IV-Bezieher(inne)n existiert, […] kommt zu dem Schluss, dass innerhalb der Bundesrepublik längst zwei Welten oder „Parallelgesellschaften“ existieren und die Brücken dazwischen endgültig abgebrochen sind.

bzw.:

Wo die Armut grassiert, wird die Demokratie automatisch paralysiert.

Warum das so ist:

[Demokratie] beinhaltet [mehr], als dass Bürger/innen alle vier oder fünf Jahre zur Wahlurne gerufen werden, [sondern auch] dass sie gleichberechtigt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen können. Hierzu müssen sie über die materiellen Mittel verfügen, um auch in ferner gelegenen Orten stattfindende politische und Bildungsveranstaltungen […] zu besuchen.

Dazu weiter

Arme sind nicht nur sozial benachteiligt, vielmehr in aller Regel auch politisch weniger aktiv, skeptischer gegenüber der parlamentarischen Demokratie[…]. Hieraus kann eine Legitimationskrise der Demokratie erwachsen.

Und genau dies ist eigentlich der Kernpunkt meines Zorns, denn meine persoenliche Existenz ist so extrem abhaengig von der Meinungsfreiheit (und allem was daraus folgt). Diese kann (zur Zeit) allerdings nur in einer Demokratie gewaehrleistet werden; und dies war der entscheidende Grund warum ich Dtschl. verlassen musste, denn ich wollte meine Familie nicht in Gefahr bringen!

Und ein weiterer Punkt warum Armut mehr bedeutet (und so schlimm ist) als „nur“ kein Geld fuer Obst fuer die Kinder zu haben:

Vor allem in einem Land, das nach wie vor unter dem geistig-politischen Einfluss des Neoliberalismus steht und daher stark auf Leistung und ökonomischen Erfolg setzt, bedeutet Armut nicht bloß, dass ein Mangel an prestigeträchtigen Konsumgütern besteht, sondern auch, dass hiermit ein Makel verbunden ist, der das Selbstwertgefühl davon Betroffener erschüttert.

Und genau dort setzen die Nazis an!

ABER (und den Punkt bringe ich auch, weil mir ein aehnlicher Vorwurf bereits gemacht wurde):

Es ist falsch, die Unzufriedenheit mit der demokratischen Praxis mit einem Verdruss über die Demokratie als Staatsform zu verwechseln.

doch leider ist …

Die einzige Partei, welche die neuen Armen heutzutage bilden, […] die Partei der Nichtwähler; sie wird immer größer, hat aber keine politische Kraft.

und das ist gefaehrlich denn …

Es ist zu befürchten, dass sie exakt deswegen destruktive Energie entwickelt – weil nämlich Demokratie nicht mehr gut funktionieren kann, wenn ein immer größerer Teil der Gesellschaft nicht mehr dabei mitmacht. [!!!]

Erinnert ihr euch daran was ich immer sage? Ich nenn mal nur die Stichworte „Gesellschaft“ und „partizipieren am Staate“.

Und bevor es wieder zu dem Spruch: „Mecker doch nicht rum, schlieszlich geht es dir gut, denn du koenntest ja auch in Afrika leben und dort verhungern“ kommt:

Armut wird heute im Unterschied zu absoluter Armut gemeinhin in Relation zum gesellschaftlichen Umfeld definiert: Aus dieser Sicht ist arm, wer weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens in seinem Land zur Verfügung hat. […] Armut ist eben kein ganz und gar objektives, sondern auch ein subjektives Problem.

Weiter geht es mit:

Besonders schlimm ist die Lage, wenn sich Arbeitslosigkeit und Armut vererben.

In den naechsten zwei bis drei Jahrzehnten werde ich vermutlich genau dies bei meiner Schwester und ihrem Kind beobachten … dies entsteht hier also nicht aus irgendeiner verworrenen (und hauptsaechlich theoretischen) „Gutmensch“-Ecke heraus.

Weiter im Text:

Zum Armutsproblem gehört auch die öffentliche Armut. Öffentliche Armut, d.h. die mangelnde Ausstattung der öffentlichen Institutionen mit Mitteln zur Erfüllung ihrer Aufgaben, verstärkt in aller Regel die individuelle Armut.

dazu weiter …

Ohne einen funktionierenden und finanziell abgesicherten öffentlichen Sektor, der allen zugängliche öffentliche Güter, z.B. Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Kultur, bereitstellt, kann es eine demokratische und zivilisierte Gesellschaft, in der jeder eine faire Chance hat, sein Leben in Würde und Selbständigkeit zu führen, nicht geben.

und …

Armutsbekämpfung ist Gesellschaftspolitik in dem ganz konkreten Sinn, dass sie die Voraussetzungen dafür schafft und erhält, dass ein Zusammenleben in einem zivilen und demokratischen Gemeinwesen auf Dauer überhaupt möglich ist.

Wie ihr aber gestern gesehen habt, werden die Armen in Armut gehalten und das trotzdem …

Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit […] die objektiven, die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen für die Befreiung der Arbeit, für die Angleichung der Lebenschancen, für die Überwindung von Hunger und Elend, für die nachhaltige Organisation des Stoffwechsels von Mensch und Natur so groß wie heute [waren].

Und deswegen zum Abschluss nocheinmal:

Wachsende Armut führt zum Zerfall der Gesellschaft.

EURER Gesellschaft!

… … …

… … …

… … …

… … …

… … …

… … …

Auch wenn dies in eurem kleinen sozialen Habitat vermutlich auf laengere Zeit nicht zu bemerken sein wird!

… „In was fuer einer Gesellschaft wollt ihr leben?“ … Da es (un)erklaertes Ziel dieses Blogs ist Norwegen ueber den gruenen Klee zu loben und diese Frage bereits wieder so einen wetternden Unterton enthaelt, koennt ihr meine lieben Leser es euch sicherlich denken, dass es mal wieder um euer Dtschl. geht. Anlass dieser erneuten Schmaehungen ist eine ARD-Reportage von Eva Müller, welche in drei Teilen auch auf youtube zu finden ist. Ich moechte kurz aus den „weiteren Informationen“ zitieren:

Derzeit entsteht ein neuer Markt rund um Armut und Hartz IV […]. Die Reportage […] zeigt auf, wie Geschäftemacher mit 1-Euro-Jobbern und „subventionierten Mitarbeitern“ viel Geld „erwirtschaften“ und die Menschen selbst weiterhin in Armut gehalten werden [!!!].

Die Reportage ist nur ca. 30 Minuten lang und wirklich zu empfehlen, denn diese zeigt auf, wie mit EUREN Steuergeldern staatlich sanktioniert echte Arbeitsplaetze vernichtet und ueber eine Million Menschen in Zwangsarbeit gehalten werden! Oder wie wuerdet ihr das nennen, wenn Menschen zum Verrichten stupider Arbeiten gezwungen werden unter Androhung der Kuerzung lebensnotwendiger Unterstuetzung? Es geht nicht darum, dass dies von den Geschaeftemachern ausgenutzt wird. Dies ist inhaerent in diesem System. Es geht aber sehr wohl darum, dass dieses System (meiner Meinung nach) politisch gewollt ist; dass Sklavenarbeit und Arbeitslosigkeit politisch gewollt ist. … Und wie oben geschrieben unterstuetzt ihr dies in diesem Fall (durch eure Steuergelder) direkt (und nicht nur ueber irgendwelche „unsichtbaren“ Wege die moeglicherweise nur in meinem Kopf existieren). …

Aber letztlich denke ich, dass auch dieser Beitrag nur wieder (mehr oder weniger ungelesen) ein weiterer Grund fuer die korrekte Namensgebung dieser Kategorie ist.

Aber hey … ihr habt ja bald Wahlen … Zeit die Verraeter abzuwaehlen … wobei ich auch da pessimistisch bin, wenn man bedenkt, dass dieser unsaegliche Bundespraesident (oder diese unsaegliche Kanzlerin) bei der Bevoelkerung so gut angesehen sind.

Naechstes mal dann bestimmt wieder nur belangloser Schnullibulli … … … liest den Blog eigentlich noch wer?

Meine Rumpelbude Mein Buero sah gestern wie folgt aus:

Buero_090722_1

Buero_090722_2

Man beachte bitte, dass ich meinen Schreibtisch an dem Tag aufgeraeumt hatte! Und ach ja … ich weise mal ganz direkt auf meinen neuen 22 Zoll Monitor hin … schon toll das Ding *grins* … war in einem Sommersonderangebot mit drin … und was soll der im Labor fuer die User stehen … der passt doch viel besser in mein Buero.

Ganz besonders toll sind die vielen Sachen auf meinem „Beistelltisch“, deswegen davon noch eine Groszaufnahme:

Buero_090722_3

Mittlerweile ist’s wieder aufgeraeumter, aber da ist ja nicht so spannend anzuschauen … ach verdammt … ich muss meine Blumen mal wieder gieszen …

… die Norweger …

Ach verdammt … jetzt hab ich vergessen die Geschichte dazu zu erzaehlen … diese geht wie folgt:

Gestern musste ich eine lange Strecke mit dem Bus fahren, um zu einem Einkaufsgebiet zu gelangen. Da ich Urlaub habe, nahm ich natuerlich das kleine Kind, welches seit einiger Zeit bei uns wohnt, mit. Ich steig in den Bus ein und moechte (so wie ich’s gewohnt bin) das Ticket gern mit meiner Kreditkarte bezahlen. Dies war (ganz unueblich) leider nicht moeglich. Also sagte ich dem Busfahrer, dass ich dann wieder aussteigen muss, da ich kein Bargeld dabei habe. Daraufhin frage er mich, wo ich denn hinmoechte. Aus der Antwort konnte er schlieszen, dass es nicht mal kurz um die Ecke war; dennoch meinte er (sinngemaesz) zu mir: „Bleib sitzen, kannst trotzdem mitfahren“.

Jaja … so sind sie … die Norweger :) .