Archive for Februar, 2024

Die beim letzten Mal vorgestellte Messstation stand dann auf dem Kuechentisch und ich liesz die ohne weitere Umschweife ueber ein paar Tage laufen um zu schauen ob das ueberhaupt funktioniert. Alle drei Minuten wurde eine Messung gemacht und das Ergebniss …

… uebertraf alle meine Erwartungen.

Das Gesamtbild ist schnell erklaert. Die Partikeldichtemessungen sind die schwarze (PM10) und die rote (PM2.5) Kurve. „PM“ steht fuer „Particular Matter“ und die Zahl gibt die Grøsze der gemessenen Partikel an. Wie man sieht, kann der Sensor Partikel zweier unterschiedlicher „Klassen“ messen. Man kønnte „Grøsze“ sagen, aber die Messung findet nicht nur fuer Partikel genau einer definierten Grøsze statt, sondern vielmehr werden bei PM10 (PM2.5) alle Partikel mit Grøszen unter 10 µm (2.5 µm) gemessen.
Und das ist alles was ich dazu fand … was total unbefriedigend ist, denn weder weisz ich ob die PM2.5 Partikel bei PM10 mit drin, wo die unteren Messgrenzen liegen. Die Nachteile eines kommerziellen Instruments, denn das soll halt nur eine Zahl ausspucken, damit durchschnittliche Nutzer und Nutzerinnen nicht verwirrt sind.

Letztlich ist’s auch nicht zu wichtig, ich will ja nur wissen, ob die (Fein)Partikeldichte bestimmte Grenzwerte ueberschreitet und wann dem so ist. Im obigen Diagramm sieht man, dass die Grenzwerte (nach europaeischem Standard) fuer moderate Luftqualitaet zwei Mal ueberschritten werden.
Mehr sage ich dazu heute nicht und ich schaue mir die Partikelereignisse in den naechsten Eintraegen genauer an um deren Ursachen herauszufinden.

Die Temperaturkurve ist von dem was gemessen wurde selbsterklaerend (… nun ja … unter Vorbehalt … aber das gehørt hier nicht her). Im Groszen und Ganzen liegt die Temperatur um ca. 22 °C. Die Spitzen nach unten sind schnell aufgeklaert, denn das ist wenn ich’s Fenster zum Lueften aufgemacht habe. Auch dazu erstmal nichts weiter, aber auch hier gibt es ein paar Detail die erklaerungswuerdig sind.

Die relative Luftfeuchte wurde auch gemessen, aber wegen verschiedenen (technischen) Gruende liefern  diese Messungen keine zusaetzlichen Informationen (bestaetigt aber in vielen Faellen die Ueberlegungen und Schluesse).

Alles in allem sind die zu diskutierenden Details fuer sich genommen nix Neues. Ich fand das aber recht spannend, weil dabei so schøn zu sehen ist, wie komplex das „Klima“ einer Wohnung ist und wie sehr das mit allem Møglichem interagiert, von dem man aber normalerweise (fast) nix mitbekommt. Deswegen geh ich da ab dem naechsten Mal etwas ins Detail..

Beim letzten Mal zeigte ich (unzureichend vereinfachend und zusammenfassend), dass Seiten mit wenigen Links im Durchschnitt laenger brauchen um zu einer beliebigen anderen Wikipediaseite zu gelangen als Seiten mit vielen Links. Unter Beruecksichtigung der „umgedrehten Situation“ gilt i.A. das Gleiche fuer Seiten mit vielen Zitaten.
Dafuer hatte ich alle Wikipediaseiten (paarweise) in Untergruppen eingeteilt und mir das Verhalten eben jener genauer angeschaut. Besagtes Verhalten ist wie erwartet, zeigt aber kleinere Abweichungen (und mindestens eine grøszere) die ich beim letzten Mal erwaehnte aber nicht weiter untersuchte (oder erklaerte).
Ebenso liesz ich (mit Absicht) einen wichtigen Vergleich weg, denn ich zeigte nicht, inwiefern die Resultate fuer die beiden „Richtungen“, aus denen das Verhalten des kumulativen Anteils der neuen Links bzw. der Linkfrequenz betrachtet werden muss, uebereinstimmen. Ueber alle Seiten betrachtet sind die entsprechenden Kurven (beinahe) deckungslgleich (und sollten es auch sein) … zumindest fuer die fruehen Linklevel bei denen „Mehrfachsichtungen“ in der Linkfrequenz noch (sehr) selten vorkommen und eben diese damit fuer einen solchen Vergleich noch nicht unbrauchbar gemacht haben.

Beide Sachen hole ich heute und beim naechsten Mal nach. Ich teile das auf zwei Artikel auf, denn ich beschraenke mich fuer diesen Artikel nur auf die Resultate fuer die Untergruppen mit wenigen Links bzw. Zitaten. Dies deswegen, weil ich zur Diskussion der Unterschiede (mal wieder) Verteilungen heranziehen muss, diese aber nicht auf die uebliche Art und Weise darstellen kann. Damit es dadurch nicht zu Verwirrungen kommt muss das genau diskutiert. Das macht den heutigen Artikel recht land und deswegen trenne ich das auf.

Aber nun Butter bei die Fische! Der Vergleich der kumulativen Kurven fuer die beiden „Richtungen“ fuer die Untergruppen mit wenigen Links (UWL) und wenigen Zitaten (UWZ):

AHA! Im Gegensatz zu dem was ich oben schrieb bzgl. aller Seiten, sind die Kurven hier definitv nicht (beinahe) deckungsgleich; nicht mal bis LL3! Ist ja interessant und daraus folgt, dass zwei Unterschiede in den Kurven erklaert werden muessen: 1. der Intragruppenabstand zwischen zwei Kurven die zu einer „Richtung“ gehøren und 2. der Intergruppenabstand zwischen den Kurven der zwei verschiedenen „Richtungen“.

Dafuer muessen wir zurueck zu den Verteilungen der Links und  Zitate gehen. Natuerlich nicht fuer alle Seiten sondern nur fuer die, die sich in den beiden Untergruppen befinden.
Hier tut sich nun aber ein Problem auf mit Hinblick auf die Unterguppen mit den vielen Links / Zitaten. Diese enthalten naemlich nur wenige Seiten. Die entsprechenden Verteilung bspw. fuer die UVZ waeren dann nur 703 Striche die alle nur bis eins gehen. Auszerdem erfahren diese Striche auch noch „logarithmische Komprimierung“ und „verschmieren ineinander“.

Das ist zunaechst nix Schlimmes, denn fuer Histogramme fasst man oft ohnehin alle Messungen mit Werten (einer bestimmten Charakteristik, hier bspw. der Anzahl der Links) die nahe beisammen liegen in einem „Eimer“ zusammen. Alle „Eimer“ sind gleich grosz (bspw. 1 bis 5 Links, 6 bis 10 Links usw.)  und das Histogramm selber zaehlt fuer jeden Balken dann wie viele Messungen in dem „Eimer“ sind.
Die Wahl der Grøsze dieser „Eimer“ kann mitunter trickreich sein. Bisher brauchte ich das nicht machen, weil es so viele Wikipediaseiten gibt und die entsprechenden Verteilungen auch ohne „Eimer“ aussagekraeftig waren. Bei nur (bspw.) 703 Seiten ist dem aber nicht mehr so.

Die „Eimer“ løsen das erste Problem, die Balken der Verteilung wuerden bei gut gewaehlter „Eimergrøsze“ unterschiedlich grosz ausfallen. Nun ist es aber so, dass die Abzsisse fuer die Histogramme (wie so oft) logarithmisch ist. Wenn man nicht gerade gigantische „Eimergrøszen“ heran zieht, tritt also weiterhin das Problem der „logarithmischen Komprimierung“ auf. Ganz davon abgesehen, dass wenn „Eimer“ fuer hohe Grøszenordnungen gewaehlt werden (bspw. von 100-tausend bis 110-tausend) die gleiche „Eimergrøsze“ sich ueber mehrere Grøszenordnungen bei kleinen Werten erstreckt (in diesem Fall vier von 1 bis 10k).
Die von mir gewaehlte Løsung besteht darin, dass ich die Grøsze der Eimer davon abhaengig mache, in welcher Grøszenordnung sie sich auf der Abzisse befinden. Ich nenne das „magnitudal bins“ oder „Grøszenordnungseimer“.

Das hørt sich vermutlich komplizierter an, als es ist. Kurzgesagt teile ich jede Grøszenordnung (also von 0 … 9, 10 … 99, 100 … 999 usw.) auf der Abzsisse in neun, jeweils gleich grosze „Eimer“  ein. In der ersten Grøszenordnung „fallen“ die Seiten in jeden „Eimer“ wie gehabt. In der zweiten Grøszenordnung „fallen“ in den ersten „Eimer“ alle Seiten die zehn oder mehr Links / Zitate haben, aber weniger als 20. Der zweite „Eimer“ ist entsprechend fuer alle Seiten mit 20 bis 29 Links / Zitaten und der neunte fuer alle Seiten mit 90 bis 99 Links / Zitate. Bei 100 erfolgt der Uebergang zur naechsten Grøszenordnung und der entsprechende erste „Eimer“ ist nun zehn Mal so grosz — also eine Grøszenordnung mehr — (denn dieser enthaelt alle Seiten mit 100 bis 199 Links / Zitaten).

Das løst alle Probleme fuehrt aber zu einer kleinen Verkomplizierung, die man im Hinterkopf behalten muss. Beim Uebergang von einer Grøszenordnung zur naechsten wachsen die Balken des Histogramms pløtzlich sprunghaft an. Der Grund liegt natuerlich darin, weil in besagten Balken pløtzlich zehn Mal mehr Seiten stecken als noch einen „Schritt“ vorher. Gedanklich muss man die Balken an solchen Grenzen also entsprechend verkleinern.
Im hiesigen Zusammenhang spielt das keine all zu grosze Rolle, denn es reicht zu sehen, ob eine Untergruppe mehr Seiten links (oder rechts) vom „Maximum“ der Verteilung der anderen Untergruppe hat. Letzteres ist auch der Grund, weswegen ich die Histogramme normiere.

Genug geredet, hier sind sie, die Verteilungen der Links und Zitate der UWL und UWZ:

Fetzt wa! Bei den grauen Balken (Verteilung der Links der UWZ) sieht man beim Wert 10 auf der Abzsisse deutlich das Phaenomen, was man im Hinterkopf behalten muss. Nicht ganz so deutlich sieht man es auch an dem entsprechenden roten Balken (Verteilung der Zitate der UWL). Aber eigentlich will ich damit ja die Intra- und Intergruppenabstaende erklaeren. Darum der Reihe nach.
Ach so, ich hab die Abzsisse bei 1000 abgeschnitten. Danach gibt es zwar noch ein paar Balken, die sind aber so klein, dass sie vøllig irrelevant sind.

Zunaechst der Intragruppenabstand. Die Kurve fuer den kumulativen Anteil der neuen Links der UWZ (schwarz) liegt unter der Kurve fuer die UWL (hellschwarz … vulgo: grau). Das geht natuerlich nur, wenn die Seiten in der UWZ mehr (neue) Links sehen als die Seiten in der UWL. An den Histogrammen sehen wir, dass dem tatsaechlich so ist.
Ist ja auch eigentlich auch ganz klar, denn die Seiten der UWL wurden deswegen in die UWL einsortiert, weil diese 5 Links oder weniger hatten. Deswegen gibt es im Histogramm keine schwarzen Balken bei Werten mit 6 oder mehr auf der Abzsisse.
Das spielte aber bei den Seiten in der UWZ ueberhaupt keine Rolle, denn diese wurden nach der Anzahl der Zitate (0 bis 3) ausgesucht. Deswegen sind die grauen Balken ueberall zu finden und das ist entscheidend fuer den Intragruppenabstand.

Weil die UWZ Seiten (als Ensemble) signifikant viel mehr Seiten schon „ab Start“ (also LL0) sehen (das ist was obiges Histogramm u.a. aussagt), verzweigt das Linknetzwerk auf kleinen Linkleveln schneller und somit ist die kumulative Kurve bzgl. der neuen Links der UWZ ueber der entsprechenden Kurve der UWL. Das macht auch nix, dass die beiden Untergruppen unterschiedlich viele Seiten enthalten, denn die kumulativen Kurven sind ja „normiert“.

Beim Intergruppenabstandes der kumulativen Kurven bzgl. der Linkfrequenz (die rote / hellrote Kurve(n)) geht die Argumentation genau so. Die Seiten der UWZ wurden danach ausgewaehlt, dass sie 3 oder weniger Links haben (deswegen keine rosa Balken rechts davon). Fuer die Seiten der UWL war das aber kein Kriterium und im Histogramm sehen wir an den roten Balken, dass diese von mehr Seiten gesehen werden, weswegen die entsprechende kumulative Kurve der UWL høher liegt als die der UWZ.

Nun zum Intergruppenabstand. Dafuer betrachte ich nur die hellrote und die graue Kurve (eigtl. muessten alle vier Kombinationen von (hell)rot zu (hell)schwarz untersucht werden, aber das ist immer das selbe Prinzip und gibt keinen weiteren Erkenntnissgewinn).

Die hellrote Kurve entsteht dadurch, dass die Seiten der UWZ (neue) Links sehen. Die graue Kurve entsteht dadurch, dass die Seiten der UWZ von anderen Seiten zitiert werden. Im Histogramm muessen fuer den Intergruppenabstand also die Balken der Links und der Zitate der UWZ verglichen werden. Man sieht nun, dass die UWZ sehr viele graue Balken rechts von den hellroten Balken hat. Die weitere Argumentation ist dann wie Oben.

Fuer die schwarze und rote kumulative Kurve(n) ist die Argumentation qualitativ die selbe. Quantitativ muss man aber im Histogramm etwas genauer hinschauen, denn die roten Balken erstrecken sich auch rechts von den schwarzen Balken (obwohl die schwarze Kurve ueber der roten liegt). In diesem Fall sieht man aber, dass der grøszte rote Balken definitiv links vom grøszten schwarzen Balken liegt und die roten Balken rechts vom letzten schwarzen Balken sind nicht sehr hoch. All das bedeutet, dass im Durchschnitt die Seiten der UWL NICHT von mehr Seiten gesehen werden als sie (neue) Links haben. Die zwei høchsten roten Balken sagen aus, dass die meisten Seiten nur ein bzw. zwei  Mal zitiert werden, waehrend die zwei høchsten schwarzen Balken aussagen, dass viele (mglw. gar die allermeisten) der selben Seiten mindestens vier oder fuenf Links haben. Die wenigen Seiten mit mehr als fuenf Zitaten spielen da dann auch keine Rolle mehr.

Jut … das soll reichen hierzu. Beim naechsten Mal das Gleiche fuer die anderen beiden Untergruppen und mit der ganzen Vorrede hier kann ich die Diskussion dort kuerzer halten :)

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel darueber, wie das beruehmte Milgram Experiment eigentlich zu interpretieren ist. Zur Erinnerung: es belegt NICHT das „inhaerent Bøse“ in jedem Menschen, sondern vielmehr, dass Menschen etablierten Autoritaeten folgen. In dem dazugehørigen wissenschaftlichen Artikel geht es auch im das beruehmte Stanford Prison Experiment. Da die Schlussfolerungen die gleichen (mich duenkt gar die selben) sind, ging ich darauf nicht weiter ein.

Nun stolperte ich vor Kurzem aber ueber den Artikel „Debunking the Stanford Prison Experiment“ von Thibault Le Texier in American Psychologist, 74(7), 2019, p. 823–839 … (hier in vollstaendig (PDF)). Dort legt der Autor dar, warum das gesamte Experiment mindestens wissenschaftlich fragwuerdig ist und mitnichten den hohen Stellenwert haben sollte den es sowohl in der Psychologie als auch in allgemeineren, gesellschaftlichen Kontexten hat.

Die ethischen Bedenken sind praktisch von Anfang an diskutiert worden.
Mir bisher nicht bekannt, wurde bereits 1975 bemaengelt, dass aus den Instruktionen an die Teilnehmenden vor dem eigentlichen Experiment, Letztere mit groszer Sicherheit erraten konnten, wie sie sich zu verhalten haben. Das fand man heraus, indem man Studenten besagte Instruktionen zu lesen gab (ohne weiteren Kontext) und diese sollten dann beschreiben, wie die Waechter bzw. Gefangenen sich zu verhalten haben:

[o]f the students tested, 81% accurately figured out […] that guards would be aggressive and that prisoners would revolt or comply […].

Das kann also definitiv NICHT mal als einfache Blindstudie angesehen werden.

Spaeter hinzu kamen Hinweise, dass die Teilnehmer vermutlich selbstselektiert waren (mit dem ganzen Rattenschwanz an Problemen fuer insb. psychologische Studien der daraus folgt). Ebenso nahm der Professor (namens Zimbardo, der natuerlich mit dem Experiment beruehmt wurde) die Rolle des Gefaengnisvorstehers (anstatt des auszenstehenden, neutralen Beobachters) an. Diesen Fakt liesz er aber wohl unter den Tisch fallen bei der Praesentation der Ergebnisse.

Der Verfasser des obigen Artikels hat sich nun durch die Originaldaten gearbeitet und weitere Hinweise darauf gefunden, dass dieses Experiment NICHT in die Psychologiebuecher gehørt sondern in die Geschichtsbuecher unter dem Stichpunkt „schlechte Wissenschaft“.
So zum Beispiel erzaehlten der Professor und seine Assistenten …

[…] the objectives of the experiment to the guards during their orientation day […].

Ebenso haben die Waechter die schlimme soziale Situation nicht spontan selbst „gebaut“ sondern …

[…] were given clear instructions for how to create it.

Im (verallgemeinerten) Sinne dessen was ich in meinem Artikel zum Milgram Experiment schrieb (Akzeptanz von Autoritaeten) ist die verherrschende Interpretation der Ergebnisse sehr sehr fragwuerdig, wenn man in Betracht zieht, dass …

[i]n order to get their full participation, Zimbardo intended to make the guards believe that they were his research assistants.

Aber nicht nur die Waechter wurden fuer ihre Rolle „praepariert“. Auch …

[t] he Prisoners were Conditioned by the Experimenters.

Und waehrend Zimbardo immer wieder behauptete, dass die Bedingungen urst realistisch waren (Zitate von ihm) …

[b]y the end of the week, the experiment had become a reality. […]

[I]n a very short time most of the subjects ceased distinguishing between their prison role and prior self-identities. […]

Findet der Autor des Artikels in den Rohdaten, dass …

[…] on the contrary, […] the participants almost never lost touch with reality and were conscious of participating in an experiment.

Da wundert es mich ueberhaupt nicht, dass Zimbardo sehr gerne mit den nicht-wissenschaftlichen Medien sprach war und die Schlussfolgerungen im Wesentlichen schon vor dem Ende des Experiments fertig geschrieben (und auf nichtakademische Ziele; Gefaengnisreform) gerichtet waren:

The press release that Zimbardo disseminated on the second [!] day of the experiment states in conclusion that it aimed at making us aware of the prison reforms needed […].

Und um die Liste voll zu machen wird auch noch Zimbardos Behauptung, dass die Resultate auf …

[…] systematic record keeping and data collection […]

beruhen zunichte gemacht. Der Autor fand vielmehr, dass die Daten …

[…] are neither complete nor uniform.

So fehlen Aufzeichnungen jeglicher Art (egal ob vom Professor selbst oder von seinen Assistenten) vom dritten Tag und von den 150 Stunden die das Experiment lief, gibt es weniger als 10 % auf Video- oder Tonaufnahmen. Und

[…] these 6 hr of video recorded during the experiment are unrepresentative […].

Das soll reichen. Alles in allem ist meine Interpretation, dass das Stanford Prison Experiment nicht nur fragwuerdig, sondern wissenschaftliche gesehen nutzlos, gar absichtlich irrefuehrend ist. Weil das aber so weit weg geht von der etablierten Meinung bin ich mehr als offen die Gegenargumente zu høren.
Hier gibt es wohl einige Gegenargumente von Zimbardo zu obigem Artikel. Leider habe ich darauf keinen Zugriff (und meine uebliche Quelle hat das leider auch nicht). Es gibt eine aeltere Version (PDF) die nicht direkt auf Le Texier eingeht (da vorher erschienen), aber einige der Punkte anspricht.
Le Texier gibt hier eine relativ bissige Antwort. Ich gebe zu, dass die nicht dem wissenschaftlichen Umgangston entspricht (weswegen das wohl auch nie offiziell in einem peer review Journal verøffentlicht wurde). Ich gehe aber nach dem was ich gelesen habe mit seiner Meinung mit, dass Zimbardo nur drumherum redet und die eigentlichen (wesentlichen!) wissenschafltichen Maengel nicht schafft auszuraeumen.

Der Artikel von Le Texier ist jetzt nur ein Artikel, scheint aber in einen grøszeren Zusammenhang zu fallen, in dem die Ergebnisse solcher (falschen!) Leuchtturmexperiment neu betrachtet und vøllig anders interpretiert werden. Es wird also nur noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis sowohl das Milgram Experiment, als auch das Stanford Prison Experiment ihren verdienten Platz im wissenschaftlichen Kanon einnehmen … naemlich als Datenpunkte in der Sektion „(langsame) Selbstkorrektur der Wissenschaft“.

Eine ganz andere Sache noch zum Abschluss, weil mir das am Herzen liegt:

[…] the [Stanford Prison Experiment] survived for almost 50 years [among other things] because no researcher has been through its archives. This was, I must say, one of the most puzzling facts that I discovered during my investigation.

Das wundert mich ehrlich gesagt ueberhaupt nicht. Es ist viel „sexier“ neue Behauptungen raus zu hauen als sich alte Sachen mal genau anzuschauen. Insb. dann, wenn es um scheinbar vom ganzen wissenschaftlichen Feld etablierte Fakten geht.
Das ist in der Wissenschaft nicht anders als auszerhalb davon. Unter anderem auch deswegen lese ich Originalartikel und will ab und zu auch gerne die Rohdaten haben um die selbst zu analysieren. Weswegen mein Plan fuer die Rente ja auch ist, dass ich versuche werde in den Archiven von Museen zu forschen :)  … aber das war’s nun wirklich fuer heute.

Neulich stolperte ich ueber den sehr interessanten und ueberraschend spannend zu lesenden Artikel „Israel’s 1979 Nuclear Test and the U.S. Cover-Up“ von Leonard Weiss in Middle East Policy 18(4), 2011, pp. 83–95 … *hust* … *doppelhust*.
In kurz: darin geht es darum, wie der Vela-Zwischenfall „gehandhabt“ wurde. Aber der Reihe nach.

Besagter Zwischenfall kam durch ein Signal zustande welches verdaechtig (aber nicht eindeutig) nach einem Atomtest aussah. Die Nichteindeutigkeit ruehrte daher, dass die zwei, auf dem Satelliten nahe beieinander liegenden Sensoren deutlich unterschiedliche Signalkurven registrierten. Die plausible Annahme ist, dass der eine Sensor kaputt war. Andere Quellen (bspw. radioaktive Rueckstaende, andere Satellitenmessungen) fanden (zum Teil) nix was weiter zur Uneindeutigkeit beitrug (wobei der Konsens millterweile aber wohl ist, dass es sich dabei tatsaechlich um eine Atomexplosion handelte).

Der Zwischenfall erregt zum Teil noch heute die Gemueter, aber damals war das eine urst krasse Sache denn zum Einen waren die SALT II (Strategic Arms Limitation Talks) gerade zum Abschluss gekommen und zum anderen deutete alles auf einen Atomtest der Israelis hin. Ersteres war wichtig, denn Jimmy Carter baute seinen Wahlkampf unter anderem um die Nichtverbreitung und Abruestung von Kernwaffen auf … was nur funktioniert, wenn man „die Anderen“ kontrollieren kann und uneindeutige Signale sind nicht gerade førderlich um einen Eindruck zu erwecken, dass man das kønnte. Zweiteres war wichtig, denn … nun ja, die USA haben aus den verschiedensten (und im „intern System“ durchaus logischen und wichtigen) Gruenden lange Jahrzehnte hindurch die Politik gefahren, dass sie Israels Bombe nicht offiziell anerkennen … mich duenkt, dass sie bis heute so tun als ob sie von nichts wuessten.
Allerdings konnte das Alles nicht unter den Teppich gekehrt werden, weswegen eine offizielle Alternative zu den Geschehnissen her musste … das „Cover-Up“ im Titel des Artikels.

Auf all das geht der Artikel ein und ich haette mir durchaus gewuenscht mehr Details zu den vielen „Akten des Dramas“ zu erfahren. Leider darf so ein Artikel nicht all zu lang werden und trotz der Kuerze die dem Autor zur Verfuegung stand und der ziemlichen „Trockenheit“ des Themas hat dieser eine echt gute Arbeit abgeliefert, die sich durchaus lohnt zu lesen.

Ach ja #1, woher kommt der Titel dieses Beitrags? Das ist einfach zu erklaeren, denn ein Bhangmeter ist ein Spezialmessgeraet, mit dem man normale Lichtblitze (bspw. durch Reflexionen an Weltraumschrott) von solchen durch Atomexplosionen unterscheiden kann. Ich hatte vorher noch nie was davon gehørt (warum auch) und fand den Namen … nun ja … ich sag jetzt mal passend.

Ach ja #2, Ironie der Geschichte: am Ende von SALT II stand ein Vertrag der von beiden Parteien niemals unterschrieben wurde. Die Amerikaner taten es nicht wg. des Angriffs der Sowjetunion auf Afghanistan und entsprechend unterzeichneten die Russen den Vertrag auch nicht. Beide Parteien hielten sich dennoch an die waehrend der Gespraeche gemachten Absprachen. Es dauerte mehr als ein weiteres Jahrzehnt, bis endlich 1991 START I (Strategic Arms Reduction Treaty) ganz offiziell unterzeichnet wurde.

Die Frage „wie vielen Links muss eine Wikipediaseite im Durchschnitt folgen um eine andere Wikipediaseite zu sehen“ wurde sowohl von der einen Richtung (ausgehend von einer Seite), als auch von der anderen Richtung (kommend von anderen Seiten) beantwortet. Beide Ergebnisse stimmen ueber alle Wikipediaseiten gesehen ueberein (zumindest so lange, wie „Mehrfachsichtungen“ die Linkfrequenz nicht zu sehr dominieren).
Andererseits wissen wir, dass nicht alle Seiten gleich sind und es stellt sich dann die Frage, ob Seiten mit vielen Links (oder Zitaten) frueher beliebige andere Seiten sehen (von anderen Seiten gesehen werden), als Seiten mit wenigen Links (oder Zitaten). Rein logisch und auch intuitiv wuerde ich das mit Ja beantworten. Das will ich aber in den Daten sehen und deswegen arbeitete ich beim letzten Mal aus, wie bspw. „wenige Links“ oder „mittelviele Zitate“ objektiv zu interpretieren sind. Die entsprechenden Seiten wurden in die sechs Untergruppen UWL, UWZ, UML, UMZ, UVL und UMZ zusammengefasst.

In den Abkuerzungen steht das „U“ fuer „Untergruppe“, „W“, „M“ und „V“ fuer „wenige“, „mittelviele“ und „viele“ und „L“ und „Z“ ensprechend fuer „Links“ und „Zitate“. Das ist leicht verstaendlich; dennoch gebe ich zwei Beispiele, denn ich werde ab sofort nur noch diese Abkuerzungen verwenden.
Die Seiten in der „UWL“ kennzeichnen sich alle dadurch aus, dass sie … in der Tabelle vom letzten Mal nachschau … null bis maximal 5 … also Wenige, Links zu anderen Seiten haben. Wieviele Zitate die Seiten in der UWL haben ist aber NICHT festgelegt (das wird an spaeterer Stelle uebrigens nochmal wichtig).
Die Seiten in der „UMZ“ kennzeichnen sich alle dadurch aus, dass sie 20 bis maximal 1000, also Mittelviele, Zitate zu anderen Seiten haben. Wieviele Links die Seiten in der UMZ haben ist NICHT festgelegt.

Nach der Vorrede kann ich ohne weitere Abschwiffe gleich das erste Ergebniss zeigen. Dieses Diagramm zeigt, wie schnell die Seiten in den Untergruppen beliebige (!) andere Seiten (also auch die der eigenen Gruppe) sehen (die Linien dienen wieder nur der besseren Visualisierungen, denn es gibt keine gebrochenen Linklevel):

Die Kurven beginnen natuerlich bei LL0 und gehen deutlich weiter als bis LL6. Von Interesse ist aber nur der Punkt, an dem die Seiten in den Untergruppen (als (Untergruppen)Ensemble gesehen) im Durchschnitt die Haelfte aller Seiten gesehen haben. Zur Erinnerung: wenn man alle Seiten zusammen betrachtet, lag dieser Uebergang zwischen dem 3. und 4. Linklevel (aber etwas naeher an LL3 als an LL4).
Es gibt natuerlich kein „zwischen“ zwei Linkleveln. Das ist so zu verstehen, dass im Durchschnitt bis LL3 die meisten Seiten noch NICHT 50 % aller anderen Seiten gesehen haben, waehrend auf LL4 die meisten Seiten (im Durchschnitt) sehr wohl 50 % aller anderen Seiten gesehen haben.
„Naeher an LL3“ ist so zu verstehen wie der Ordinatenwert fuer diese Stelle ist: bis dahin wurden (im Durchschnitt) fast 40 % aller anderen Seiten schon gesehen. Es sollten also bereits merkbar viele Seiten auftreten (aber noch nicht die Mehrzahl), bei denen (im uebetragenen Sinne) bereits ein Muenzwurf ausreicht um zu entscheiden ob (im Durchschnitt) eine beliebige andere Seiten gesehen wurde oder nicht. Waehrend die ueber 80 % auf LL4 bedeuten, dass das Ensemble aller Seiten diesbezueglich einen riesigen Schritt gemacht hat und nun die Mehrzahl der Seiten (im Durchschnitt) vier von fuenf beliebigen andere Seiten gesehen hat.

Hier nun sehen wir zwei wichtige Dinge:
1.: die Ergebnisse fuer die Gruppen (wenige, mittelviele, viele Links / Zitate) unterscheiden sich wie erwartet; Seiten mit mehr Links sehen eine beliebige andere Seite eher als Seiten mit weniger Links. Das war erwartet (siehe oben). Dennoch freut es mich, dass die Unterschiede so deutlich sind … ich waere etwas ratlos gewesen, wenn dem nicht so gewesen waere.
2.: die Ergebnisse fuer die der paarweisen Untergruppen liegen nahe genug beisammen, sodass ich das als „das ist innerhalb des Fehlers gleich“ betrachten, und zunaechst nicht auseinanderklamuesern muss. Man sieht zwischen den paarweisen Untergruppen kleine Unterschiede (am grøszten sind die fuer die zwei Gruppen mit den wenigen Links / Zitaten), aber darauf gehe ich an anderer Stelle ein.

Prima! Nun andersrum: wie schnell werden die Seiten der Untergruppen von anderen Seiten gesehen:

Im linken Diagramm zunaechst eine „grøbere“ Uebersicht um zu zeigen, dass die Untergruppen bzgl. des kumulativen Anteils jeweils høhere „Schlussprozente“ erreichen. Zur Erinnerung: ueber alle Seiten gesehen wird im Durchschnitt ueber das gesamte Linknetzwerk aller Seiten jede Seite fast 2 1/2 Mal von jeder anderen Seite gesehen.
Fuer die Untergruppen war zu erwarten, dass die nach der Anzahl der (von anderen Seiten erhaltenen) Zitate sortierten Gruppen auch entsprechend høhere Schlussprozente haben. Ist ja logisch, eine Seite die nur ein Mal zitiert wird, wird letztlich auch nur ein Mal von allen anderen Seiten gesehen (wenn auch vermutlich auf unterschiedlichen Linkleveln). Eine Seite die 1000 Zitate von anderen Seiten erhaelt hat hingegen eine (hohe) Chance im Linknetzwerk einer Urpsrungsseite mehrfach aufzutreten und wird somit mehrfach von jeder (Ursprungs)Seite gesehen. Dieses Phaenomen spiegelt sich in den „Schlussplateaus“ der hellfarbigen Kurven im linken Diagramm wider.

Das gleiche Verhalten ist ebenso im Durchschnitt der Untergruppen zu erwarten, die nach der Anzahl der Links sortiert wurden. Zur Erinnerung: (im Durchschnitt!) gibt es (wie wir seit langem wissen) einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Links und der Anzahl der Zitate, welche mittels eines maechtigen Gesetzes mit positivem Exponenten beschrieben werden kann. Das bestaetigt sich in der (normal) roten und (normal) blauen Kurve.
Fuer die (normal) lila Kurve, also die Seiten der UVL, gilt dies jedoch nicht. Das ist ein wichtiger Unterschied und ich komme darauf an anderer Stelle zurueck.

Im rechten Diagramm zeige ich den hier und heute interessanten Bereich von Nahem. Von den Ergebnissen fuer die UVL abgesehen gilt i.A. das Gleiche was ich bzgl. den Ergebnissen zum kumulativen Anteil der neuen Links sagte. Die Unterschiede sind deutlich zu sehen und verhalten sich wie erwartet. Paarweise gesehen sind die Kurven fuer die UWL / UWZ bzw. UML / UMZ zwar nicht so schøn beisammen wie beim kumulativen Anteil der neuen Links aber hier und heute sind mir die Diskrepanzen klein enug genug um das innerhalb des Fehlers als das Gleiche zu betrachten. Letzteres gilt wie gesagt fuer die UVL und UVZ nicht.

Somit ist fuer heute festzuhalten: Seiten die bestimmten Untergruppen zuzuordnen sind, verhalten sich anders und die Andersartigkeit ist i.A. wie erwartet.
Nichtsdestotrotz gibt es unerwartete Unterschiede die erklaert gehøren. Das dauerte eine Weile bis ich die Erklaerung beisammen hatte und ist das was ich in diesem Beitrag schon mehrfach andeutete. Mehr dazu beim naechsten Mal.

Als ich die sog. „verlorene(n) Dekade(n)“ das erste Mal erwaehnte, zeigte ich Bilder von øffentlich zugaenglicher Infrastruktur und meinte, dass das fuer mich alles nach 30 Jahren (mehr oder weniger) normaler Entwicklung aussieht.

Infrastruktur muss aber auch gebaut werden und das Geld dafuer muss irgendwo herkommen. Letzteres sind die Gewinne privater Firmen oder Steuern … oder Kredite … mhmmmmm … Japan ist seit Jahrzehnten und mit weitem Abstand der Staat mit der grøszten Verschuldung der Welt (noch vor Griechenland) … und gerade die Leute in Dtschl. haben ja fast schon ’nen Fetisch diesbezueglich … andererseits habe ich nicht den Eindruck, dass die Glaeubiger (wer auch immer das ist) kein Vertrauen mehr in Japan haben was (nach herrschendem økonomischen Dogma) ganz schlecht waere (siehe Griechenland) … und die USA haben auch eine sehr hohe Staatsverschuldung … der Kosovo oder die (sog.) Demokratische Republik Kongo hingegen nicht … mhmmmm … also im Groben wird diese Kenngrøsze schon wichtig und richtig sein, aber im spezifischen muss man wohl genauer hinschauen … … …

OI, da bin ich aber abgeschwiffen … ich wollte darauf hinaus, dass Infrastruktur bezahlt werden muss und das Geld dafuer kommt i.A. aus dem von Arbeitern produzierten Mehrwert. Oder anders: „verlorene Dekade“ verbinde ich mit hoher Arbeitslosigkeit, weil weniger Arbeitsplaetze da sind, weswegen nix produziert wird und dadurch kein Geld fuer Infrastruktur vorhanden ist. Die Bilder im verlinkten voherigen Beitrag sprechen dagegen und bei der Betrachtung der Arbeits“losigkeit“ stellte sich heraus, dass sich dort ein langanhaltender Trend findet, der nix mit (einer oder mehreren) „verlorene(n) Dekade(n)“ zu tun hat.

Zwei andere Messgrøszen bzgl. des Vorhandenseins von Arbeit sind die offenen Arbeitsstellen und die offenen Stellen pro Bewerber; beide sind in diesem Diagramm dargestellt:

Im Wesentlichen sieht man bei den offenen Arbeitsstellen den gleichen, in den 70’er Jahren gestarteten, langanhaltenden Trend wie bei der Arbeitslosigkeit und die Stellen pro Bewerber sind seit den 70’er Jahren bis ungefaehr 2010 konstant bei einem Wert von ca. 0.7 .
Oder anders: auch hier ist wieder nix von einer „verlorenen Dekade“ (und schon gar nichts von mehreren) zu sehen.

Mglw. aendert sich das generelle Verhalten der roten Kurve ab 2010. Das ist in den groszen Schwankungen schwer auszumachen, weil noch nicht genug Zeit vergangen ist.
Sollte das eine tatsaechliche Aenderung im verherrschenden Trend sein, so faellt diese mit dem bereits mehrfach angesprochenen demografischen Wandel in Japan zusammen. Deswegen wuerde es mich nicht wundern, wenn die rote Kurve eine Weile grøszere Werte annimmt. Alte Leute konsumieren schlieszlich nicht weniger als vorher; wenn aber nicht so viele junge Leute nachkommen um die frei werdenden Stellen zu besetzen, nimmt das Verhaeltnis der Stellen pro Bewerbung zu.
Aber auch das hat natuerlich nix mit dem Gebrabbel der Økonomen zu tun … wobei ich annehme hoffe annehme, dass das nur solche Økonomen brabbeln, die Karl Marx so ganz vortrefflich als „Vulgaerøkonomen“ bezeichnete … aber das ist ein ganz anderes Thema.

Beim letzten Mal kuendigte ich eine Untergruppenanalyse an … natuerlich mit Blick auf die Frage wieviele Schritte eine Seite im Durchschnitt machen muss um eine andere Seite zu erreichen.

Bzgl. der Untergruppen schrieb ich zunaechst was von „wichtigen“ und „unwichtigen“ Seiten, aber das sind natuerlich schwer (bzw. gar nicht) zu quantifizierende Begriffe.
Hier kommt mir nun zu Hilfe, dass ich mich bereits an einem aehnlich schwer zu quantifizierenden Begriff, naemlich der Relevanz, abgearbeitet habe. Dort nahm ich einen „Umweg“ ueber die Anzahl der Zitate die eine Seite erhielt um dieser dann einen „Relevanzwert“ zuzuordnen. Ungefaehr so mache ich das hier auch.

Wie in den letzten beiden Artikeln dargelegt muss die Frage aus zwei „Richtungen“ beantwortet werden; wie schnell erreicht eine Seite andere Seite und wie schnell erreichen andere Seiten (die) eine Seite.
Die Zugehørigkeit einer Seite zu einer bestimmten Gruppe laeszt sich dann durch die Anzahl der Links die die Seite hat bzw. die Zitate die diese (direkt) von anderen Seiten bekommt bestimmen. Anstatt Gruppen fuer „unwichtige“, „mittelwichtige“ und „wichtige“ Seiten habe ich nun also Gruppen fuer Seiten mit „wenigen“, „mittelvielen“ und „vielen“ Links bzw. Zitaten.

Wieviele Links bzw. Zitate das jeweils sein muessen scheint zunaechst immer noch subjektiv zu sein, aber ich versuche heute darzulegen inwieweit das „objektiviert“ werden kann (um mich dann beim naechsten Mal der eigtl. Untergruppenanalyse zu widmen).
Dazu nehme ich zwei vorhergehende Resultate zu Hilfe: die Kurven der kumulativen Links / Zitate per Seite in (logarithmischer) Abhaengigkeit von der Anzahl eben diesen Links / Zitate.

Zur Erinnerung: die Kurven berechnete ich aus den Histogrammen. Bei Letzteren war die Anzahl der Links pro Seite bzw. Zitate die eben diese erhielt auf der Abzsisse abgetragen, waehrend die Ordinate nur „zaehlte“, wie oft eine Seite mit so vielen Links / Zitaten in der Wikipedia vorkommt.
Fuer die „kumulativen Kurven“ wird die Abzisse beibehalten. Fuer jeden Wert auf der Abzsisse rechnete ich dann zunaechst das Produkt aus diesem Wert (also die Anzahl der Links / Zitate) mit dem entsprechenden „Zaehler“ des Histogramms aus. Das Produkt deswegen, weil bspw. 23 Seiten mit jeweils 10 Links zum kumulative-Links-Signal 230 „Punkte“ beitragen. Wie fuer kumulative Kurven ueblich, addierte ich schlussendlich die Werte von links (also null) beginnend auf und nach „Normierung“ auf 100 % hatte ich die entsprechenden Diagramme.

Von Interesse ist jetzt die S-Form der Kurven (bei logarithmischer Abzsisse). Es gibt drei deutlich unterscheidbare Bereiche.
– Einen Anfang, bei dem trotz der hohen Anzahl von Seiten das Signal nur sehr langsam ansteigt, weil diese nur sehr wenige Links / Zitate haben.
– Einen mittleren Bereich, in dem die Kurve linear ansteigt. Weil die Abzsisse logarithmisch ist, bedeutet das, dass „in Echt“ der Anstieg der Kurve URST KRASS ist, trotzdem die Anzahl der Seiten nach einem maechtigen Gesetz abnimmt … obige Multiplikation ist dafuer verantwortlich.
– Ein Ende, in dem trotz der hohen Anzahl an Links / Zitaten das Signal (wieder) nur sehr langsam waechst, weil es da nur sehr wenige Seiten gibt die so viele Links / Zitate haben. Also die umgekehrte Situation zum Anfang.

Diese drei Bereiche entsprechen den oberen Gruppen … wobei das Adjektiv „mittelviele“ unguenstig gewaehlt ist … aber mir faellt kein anderes ein. Das folgende Diagramm verdeutlicht die Situation und macht (hoffentlich) klar, dass man die obige (zunaechst) subjektiv erscheinende Situation „objektivieren“ kann (man beachte die unterschiedlichen Abzsissen):

Die Tabelle enthaelt die „Kennwerte“ fuer die drei gewaehlten Bereiche (wenige, mittelviele, viele) die dann in nochmal zwei Untergruppen (Anzahl Links oder Zitate) unterteilt sind:

Gruppe||AbkuerzungLinks von … bisumfasst so viele Seiten||AbkuerzungZitierungen von … bisumfasst so viele Seiten
"wenige"||U(ntergruppe) W(enige) L(inks) = UWL0 … 5778,958 (13.43 %)||U(ntergruppe) W(enige) Z(itate) = UWZ0 … 32,198,825 (37.92 %)
"mittelviele"||UML16 … 1002,515,857 (40.9 %)||UMZ20 … 1k1,149,358 (18.95 %)
"viele"||UVL1k … Schluss2,380 (0.04 %)||UVZ10k … Schluss703 (0.01 %)

Am Diagramm und den Zahlen in der Tabelle sieht man, dass die Gruppen NICHT identisch sind, ja deutliche Unterschiede aufweisen. Das fetzt, macht es das ganze naemlich interessant.
Natuerlicherweise befinden sich viele der Seiten die nach der Anzahl der Links eingruppiert wurden auch in der gleichen Gruppe bezueglich der Zitate. Der Grund liegt im „maechtigen Zusammenhang“ zwischen der Anzahl der Links und der Anzahl der Zitate.
Genauer gesagt sind 562,474 der Seiten in der Gruppe mit wenigen Links auch in der Gruppe mit wenigen Zitaten. In den Gruppen mit den „mittelvielen“ Links / Zitaten sind es 863,304 Seiten. Allerdings sind es nur 33 Seiten in der Gruppen mit den vielen Links / Zitaten. Letzteres erklaert sich daraus, dass in diesem Bereich der oben erwaehnte „maechtige Zusammenhang“ fuer viele (die meisten?) der sich dort befindenden Seiten nicht mehr gilt.

Das Verhalten dieser sechs Gruppen wird beim naechsten Mal jeweils paarweise analysiert. Die Statistik fuer die ersten beiden sollte gut genug sein, sodass ich dort trotz der Unterschiede nur geringe Diskrepanzen erwarte, was die „Richtung“ der Beantwortung der Frage angeht.
Augrund des geringen Ueberlapps wuerde mich bei den Gruppen mit den vielen „Links / Zitaten unterschiedliche Resulte nicht verwundern … ich kønnte mir sogar denken, dass die relativ grosz sind … aber das dann erst beim naechsten Mal.

*kicher* … der Titel ist geil. Ausgerechnet der Poststrukturalismus hat was systematisiert … ich hoffe doch, dass sich die Poststrukturalisten der Ironie bewusst sind … tihihi.

Wieauchimmer, es soll ja eigtl. um etwas gehen, was der Max Planck gesagt hat. Ich schliesze diese Miniserie heute ab mit ein paar Zitaten aus seinem Essay ueber Religion und Naturwissenschaften (ab Seite 151 in seiner Wissenschaftlichen Autobographie).

Schon im ersten Teil schreibt er (S. 156):

I need not go here into a more detailed discussion of the fact that the victory of atheism would […] destroy the most valuable treasures of our civilization […].

Schade, dass er nicht weiter darauf eingeht, denn die Argumentation haette mich interessiert; aber prinzipiell geh ich da mit. Nicht nur Bach setzte unter seine Werke das Kuerzel S.D.G. — Soli Deo gloria. Bzw. sind die zwei schlimmsten totalitaeren Regime des letzten Jahrhunderts hinlaenglich bekannt dafuer alles vernichtet zu haben, das auch nur im Entferntesten gegen die entsprechende Ideologie stand. Und Religion ist prinzipiell und per definitionem antagonistisch gegenueber allen (sog. „weltlichen“) Autoritaeten.
Ich nøchte von Max Plancks Meinung insofern abweichen, dass ich es nicht derart absolut ausdruecken wuerde. Ich hoffe, dass ein informierter Atheismus schøne Dinge bestehen lassen kann, auch wenn diese einen religiøsen Ursprung haben.

Mit „informierter Atheismus“ meine ich etwas, was Max Planck dann im zweiten Teil des Essays anspricht (S. 163):

[…] a religious symbol, be it ever so venerable, never represents an absolute value but is always only a more or less imperfect sign of something higher and not directly accessible to human senses.

Oder anders (und aus dem oben verlinkten Wikipediaartikel zum Poststrukturalismus zitierend):

[…] [he] questions the objectivity or stability of the various interpretive structures that are posited by [atheism] […].

[…] [he understands that] there is concrete reality on the one hand, abstract ideas about reality on the other hand, and a „third order“ [e.g., art] that mediates between the two.

ACHTUNG: die Einfuegungen sind von mir um das Zitat dem hiesigen Zusammenhang anzupassen. Der Sinn bleibt aber definitiv erhalten.

Deswegen kann ich hier nur (wieder?) vor Technokraten (im weitesten Sinne) warnen, die implizit den objektiven (oftmals technischen) „Fortschritt“ vor alles andere stellen. Ohne Bach, Beethoven, Shakespeare, Vigeland, Schiele (und viele viele Andere) ist naemlich auch der Quantencomputer (mglw. gar das Ueberleben der Menschheit in die ferne Zukunft) nicht viel wert … und den Quantencomputer hab ich deswegen als Beispiel genommen, weil Max Planck der „Vater der Quanten“ ist und diesen Essay geschrieben hat … den alle Technokraten lesen sollten … wobei ich bezweifle, dass das viel helfen wuerde, wenn sie solche Meinungen haben … aber ich hoffe, dass Menschen (i.A.) es prinzipiell schaffen Ideen zu abstrahieren und auf andere Gebiete zu uebertragen.

Beim letzten Mal stellte ich die WildC.A.T.s vor und erzaehlte etwas ueber den (damals) neuen Ansatz der beim (damals) neuen Verlag Image Comics probiert wurde. Neu sowohl bzgl. der (Mitsprache)Rechte der Kuenstler was ihrer Kreationen anbelangt, als auch wie die Comics an sich waren. Aus dem gleichen Verlag stammt das Comic Cyber Force

… welches damals auch ganz neu war und aufgrund der enormen Bekanntheit ihres Schøpfers sich wie geschnitten Brot verkaufte … ach was sage ich … deswegen gab es damals einen ursten Hype in der Comicszene. Letzteren habe ich aber nur noch indirekt mitbekommen, denn zum Einen musste der erstmal ueber den Atlantik schwappen. Zum Zweiten befand ich mich im comicskeptischen Dtschl. wo es zum Dritten und i.A. schwer war an Comics heranzukommen.

Und zum Vierten lagen zwischen dem ersten Auftauchen der Cyber Force in den Comiclaeden (in den USA) und meinen ersten Beruehrungen „mit der Szene“ (auch nur sehr passiv durch Comics lesen) noch ca. ein halbes Jahrzehnt.

Wieauchimmer, Cyber Force erschien in Dtschl. nur beim damaligen Splitter-Verlag (ueber den ich mich bereits beim letzten Mal ausliesz) und ich beschaffte mir die Hefte dann erst im Ramschverkauf nach deren Konkurs.

Soviel dazu … beim erneuten Lesen der Comics muss ich sagen, dass auch hier wieder der Nachteil des „Image Modells“ hervorkommen. Klar, die Zeichnungen und die dort dargestellte Action sind gerade am Anfang der Serie echt toll (und wie gesagt, das war damals auch irgendwie neu), aber die Story laeszt sehr schnell nach … oder besser gesagt ist nie wirklich da und auch irgendwie ziellos. Und ’ne Characterentwicklung findet auch nur sehr spaerlich statt.

Anders als bei den WildC.A.T.s gab es hier keinen Alan Moore der dem Ganzen fuer eine Weile wenigstens ein bisschen Qualitaet verpasste. Deswegen war ich auch nicht traurig, als meine Cyber Force Comics dann zu Ende waren. Und trotzdem besagtes Ende in der Mitte einer laengeren Geschichte geschah, schaute ich diesmal nicht, ob die mir fehlenden Ausgaben im Internet vom Laster gefallen sind.

Vor vielen Jahren (mich duenkt noch zu Zeiten des Vordiploms, aber es kønnte auch danach gewesen sein) hørte ich jemanden sagen, dass er versucht ein Mensch zu sein.

Dieser jemand ging nicht naeher darauf ein was er damit meint (oder ich hab’s vergessen), aber es fuehlte sich instinktiv richtig an und wenn ich mich richtig erinnere fand ich gar nicht all zu lange danach heraus wie diese Aussage einzuordnen ist. Dazu aus der heutigen Wikipedia:

Mensch (Yiddish: מענטש, mentsh […]) means „a person of integrity and honor“ […], a mensch is „someone to admire and emulate, someone of noble character. The key to being ‚a real mensch‘ is nothing less than character, rectitude, dignity, a sense of what is right, responsible, decorous.“

Und ja, das strebe ich an in den Augen und dem Bewusstsein anderer (!) zu sein (meine eigene Meinung ueber mich zaehlt hier naemlich nicht im Geringsten) … wohlwissend, dass ich sehr oft (meistens? allermeisens? immer?) daran scheitere, die zurecht sehr hohen Huerden zu ueberwinden, welche nøtig sind sind um die Bezeichnung Mensch zu verdienen.

Das wollte ich schon laengere Zeit mal niedergeschrieben haben.