Archive for August, 2015

Kinderurinal, kaputtes Urinal …

Kaufhof am Alex

… und Schachfliesen :)

Kaufhof am Alex 2

Es ist mal wieder Zeit fuer etwas andere Kunst.

This is Art

Ich mag die Metaebene :)

Vor einer Weile unterhielt ich mich mit meinem Opa. Es ging auch darum, dass ich versuche, den jungen Mann der bei mir wohnt, zum selbststaendigen Denken zu erziehen.

Als Beispiel benutze ich da immer rote Fuszgaengerampeln.
Anfangs habe ich natuerlich immer angehalten. Dies um ihm beizubringen, dass rotes Licht Gefahr bedeuten kann. Einige Monate bevor er in die Schule kam, fing ich damit an, auch bei Rot mit ihm ueber die Ampel zu gehen. Dies aber natuerlich nur wenn absolut und ganz sicher keine Gefahr bestand. Und (bis heute) mit Erklaerungen warum. Ebenso bestehe ich bis heute darauf, dass er selber auch immer nochmal schaut, ob auch wirklich keine Gefahr besteht.

Im Gegensatz dazu steht, dass ich aber auch lieber den naechsten Bus nehme, wenn die Ampel Rot und die Verkehrslage nicht eindeutig sicher ist.

Dies alles tue ich aus hauptsaechlich zwei Gruenden.
Zum einen der praktische Grund: irgendwann rennen die Kinder sowieso bei Rot ueber die Ampel. Und auch das besterzogenste Kind (was immer das auch sein mag) rennt den anderen Kindern hinterher. Mir ist sehr bewusst, dass ich da ueberhaupt keine Kontrolle drueber habe, egal wie oft und wie lange ich an einer roten Ampel mit ihm warte. Und ich denke, dass alle meine Leserinnen und Leser wissen, dass unreflektierte Verbote oft genug wenig wirksam sind!
Mit dem was ich tue hoffe ich aber, dass mein Sohn mit derartigen Situationen „bekannt“ ist und (semi)-automatisch das Ausschauen nach mglw. doch bestehender Gefahr stattfindet. Da habe ich natuerlich auch keine Gewissheit fuer, aber ich weisz mir nicht anders zu helfen. Und wenn er mal alleine vor faehrt scheint das bisher auch ganz gut zu funktionieren.

Der zweite Grund ist, dass ich møchte, dass mein Sohn lernt selber zu denken und Authoritaeten (insb. mich!) in Frage zu stellen.
Dies sage ich ihm auch ab und zu genau so; mache nicht nur etwas, weil ein anderer das sagt. Auch das scheint ganz gut zu funtionieren bisher.

Ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich Ampeln fuer sinnvoll und wichtig halte. Stehen diese doch an Orten potentiell erhøhter Gefahren. Deswegen ja auch das Extra-Gruendlich-Nach-Links-Und-Rechts-Schauen.
Und das oben Geschriebene gilt NICHT fuer motorisierte Vehikel! Ist doch die Sicht bspw. in Autos deutlich eingeschraenkt (eine Abschaetzung der Gefahr also nur bedingt møglich) und insb. kønnen damit betraechtliche Schaeden an uebersehenen Fuszgaengern angerichtet werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Bspw. Nachts auf Gelb gestellte Ampeln.

Nun zurueck zum Anfang des Artikels. Das Gespraech mit meinem Opa.

Er war damit ueberhaupt nicht einverstanden. Meinte er doch, dass ich meinen Sohn damit dazu erziehe eine Ordnungswidrigkeit zu begehen.
Ich bin mir unsicher, ob er meine Argumente verstanden hat.

Allerdings war er auch viele Jahre lang Polizist.

Wieauchimmer, brachte mich dieses Gespraech doch (mal wieder) dazu mal drueber nachzudenken, was ich da mache und vor allem warum.

Ich kamen zwar auf keine neuen Gedanken diesbezueglich, aber da Opa nicht mit besseren Argumenten kam, konnte er meine Beweggruende auch nicht entkraeften.

Und dann las ich neulich einen Artikel ueber die Ausbildung der Rechtsstudenten in Dtschl. Trotzdem ich eine allgemeine Leseempfehlung fuer ausnahmslos alle Artikel von Thomas Fischer geben wuerde (auch wenn diese fuer heutige Maszstaebe „lang“ sind und man sich teilweise ganz schøn anstrengen muss, um die zu verstehen), so wollte ich da eigentlich hier nichts darueber schreiben. Bis ich auf diesen Absatz gestoszen bin, wie Rechtsstudenten lernen zu denken:

[…] das Eintauchen in […] eine Welt der Unterwerfung und der Gewalt, der Ansprüche und Normen, der Herrschaft und der Abstraktion.

Es ist so, dass …

Wer Jura studiert hat, wird nie mehr auf die Idee kommen, man dürfe in der Fußgängerzone vor allem deshalb nicht Radfahren, weil das gefährlich für Fußgänger ist.

Also das was ich oben zu roten Ampeln schrieb. Die stehen dort aufgrund potentieller Gefahren, und diese Gefahren bestehen nicht immer und dann ist es erlaubt selber zu denken! Hingegen gilt ja (nicht nur fuer Rechtsstudenten) das im ersten Zitat Gesagte. Warum darf man nun also nicht in Fuszgaengerzonen Fahrrad fahren?

Der Grund ist vielmehr: Es wurde dort gemäß Paragraf X der Straßenverkehrsordnung in Verbindung mit Paragraf Y einer Kommunalen Satzung das Verkehrsschild Z aufgestellt.

Schauderlich, nicht wahr.

Und dies gilt natuerlich nicht nur fuer Rechtsstudenten, sondern fuer leider viel zu viele Menschen. Auch hier in Norwegen.

Und deswegen bringe ich meinem Sohn bei, (sicher) ueber rote Ampeln zu gehen.

Think for yourself – Question Authority (siehe bspw. auch hier).

Vor einiger Zeit stolperte ich ueber dieses Bild bzgl. der Kostueme  in (Computer)-Rollenspielen (aber nicht nur dort):

Is it sexist

Und erstmal dachte ich „Hey, das ist super :) „.

Dann aber wollte ich einen kurzen Weblogartikel draus machen und recherchierte dem Bild hinterher. Waehrend ich nicht das Original finden konnte, so stiesz ich doch auf einen Artikel mit dem Titel „When Is It Sexist?: A Chart That Doesn’t Get It Quite Right„. Und der hat ein paar gute Argumente, die meinem weniger gut qualifizierten ersten Gedanken teilweise widersprechen.

So steht dort:

The first set is definitely sexist […] and the second set is definitely one of the better, non-sexist ways to go about creating armored characters […]

The third set of characters are supposed to be the non-sexist way […][of] “we have magic barriers and don’t need no stinking armor […]“ […].

Aber dann geht’s los:

The problem […] with the [third] picture, and with that whole mindset in general [!], is that the sexual objectification and sexiness aren’t equalized between the genders.

Wait, what? Mal schnell weiterlesen.

[…] clothing (or lack thereof) is not the end-all-be-all measure of sexual objectification.

Auch wenn Kleidung das offensichtlichste Merkmal bei dieser Diskussion ist, so gibt es doch andere Dinge, die auch dazu gehøren:

In this particular case, there are four distinct things that keep the sexualization unequal (and therefore sexist): pose, type of clothing worn, facial expression, and anatomy.

Das hørt sich interessant an, nicht wahr. Fangen wir mit der Anatomie an. Zunaechst der Mann:

[…] the man […] is very much idealized. […] [He] has a body that would only be attainable by a select few men in the real world […].

Bei der Frau hingegen ist es deutlich schlimmer:

The woman’s body, however, is not an idealized body, but a body that has been distorted out of normal proportions into a sexual object that approximates a hyper-real idea of what a ‘Sexy Woman’ looks like. Her body is not even physically possible for humans outside of some pretty radical surgery: she’s missing parts of her rib cage and her waist is smaller than her head. There is also something to be said for the fact that the woman’s breasts are very exaggerated […].

Ok, da waeren meine Leserinnen und Leser (und auch ich) mglw. auch selber drauf gekommen, wenn man das mal analysiert haette. Aber es geht ja nocht weiter:

[…] their poses, [are] also unequal. The man is in a passive pose that suggests sexual objectification, but he’s also still standing at the ready. The only thing the woman appears to be ready for is knee pain and toppling over at the slightest breeze.

Als drittes dann:

[…] the issue of clothing. […] the man is […] not wearing much of anything at all, but the woman’s outfit far out strips (ha!) him in objectification. The man’s outfit, […] still somewhat looks like actual armor with it’s studded belt, large shoulder guards, and normal boots.

Die Frau hingegen …

[…] has almost nothing approaching real armor […] but does have components that would actively get in her way during combat or any sort of vigorous movement: high heeled boots, long hair that hangs loose in and around her face, and that strappy contraption trying to pass as a bra.

Und fuer heute als Letztes die Gesichtsausdruecke:

The man has got some vague bored/nonchalant/neutral expression on his face. The woman is in the middle of having a… really nice time.

Mhm … schon interessant all diese Punkte, die so schwer wahrzunehmen sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden …

[…] the man in this picture is being sexually objectified what with his lack of clothing, idealized body, and passive stance.

Aber …

[…] the woman is far more objectified because her body has been distorted to non-human proportions, she is wearing very little clothing that also restricts her ability to be active, and has an overtly sexualized facial expression.

Deswegen sind diese zwei Charaktere nicht gleich, und anders als es in der dritten Zeichung steht …

[…] this pairing is actually sexist as well.

Wenn auch nicht mal in der Naehe des ersten Zeichnung, aber …

[…] it definitely does still have some lingering sexism in it.

Interessant fand ich auch den Abschluss des Artikels:

[…] for the last panel of this chart to be true […] We would need to see a man in heels and a skimpy, flimsy loin cloth that lifts and separates his balls, posed  in an odd, unbalanced way that best shows off his impossibly tiny hips and waist and perfectly sculpted pecs while making a face better reserved for the bedroom than the battlefield.

Das ist aber nicht so gezeichnet, denn …

[…] it would look freaking ridiculous, just like the woman already does.

Und hier kommt das Wichtige:

We’re just so used to ridiculously sexualized images of women that it doesn’t even register as such anymore.

So von wegen, wenn mal wieder ein Spinner behauptet, dass wir ja laengst Gleichstellung haetten.

Und wie immer noch mein eigenes Bild; sozusagen als (einfache) Hausfaufgabe:

Arcor3

Auch wenn ich fast nichts von Wolfgang Jeschke gelesen habe, so war mir doch immer bewusst, wie wichtig er fuer die Science Fiction in Dtschl. war. Dietmars kurzer und wuerdevoller Nachruf mit dem passenden Titel „Herr Zukunft ist fort“ ist lesenswert. Auch wenn man sich nicht dafuer interessiert.

Die Erwaehnung des Buches „Der letzte Tag der Schøpfung„, brachte mich mal dazu darueber nachzudenken, welche von mir gelesenen Sci-Fi Buecher ich denn NICHT-Sci-Fi Fans empfehlen wuerde (und warum).

– Das bereits erwaehnte „Der letzte Tag der Schøpfung“ muss ich hier nochmals nennen. Es ist definitiv eines der spannendsten Buecher mit Science Fiction Thema. Dies ohne sich dabei auf epische Laenge auszudehnen. Die Staerke liegt gerade in der Beschraenkung auf wesentliche Dinge. Dadurch liest es sich schnell, weil man unbedingt wissen møchte, wie es weiter geht.

– „Der ewige Krieg“ von Joe Haldeman, ist ebenso ein erstaunlich duennes Buch, welches einen durchgehend die ganze Zeit fesselt. Ich habe mich lange Jahre vor der Lektuere gedrueckt, aber als ich es denn endlich las, war ich innerhalb eines Tages fertig. Ein interessantes Setting, und auch auch wichtige und spannende ethische Fragen kommen nicht zu kurz. Letzteres aber ohne den erhobenen Zeigefinger.

Und hier war ich durch mein Buecherregal durch und fand keine weiteren Buecher, die unter die oben genannte Praemisse fallen.

Na klar, es sind so einige andere Buecher in meinem Regal, die ich empfehlen wuerde. Ganz oben auf der Liste steht der Dune-Zyklus von Frank Herbert. Der ist aber ziemlich Hardcore ;) .

Als Letztes møchte ich noch erwaehnen, dass die oben genannten Buecher davon ausgehen, dass die Leser selber denken kønnen. Mglw. deren grøszte Staerke.

Dort speiste ich mal mit einem Freund :)

Restaurant Trattoria MD

Eine nicht so gewøhnliche Urinalform. Auch der Marmor an der Wand ist cool :) .

Restaurant Trattoria MD 2

Nichts erwaehnenswertes beim Sitzklo.

Die Etablierung, dass auch „normale“ Dinosaurier Federn hatten, passt gut in diese fortlaufende Miniserie „Science Works“. Vor einigen Jahren hatte das Museum fuer Naturkunde in Berlin (immer mal wieder einen Besuch wert :) ) dazu eine sehr gute Sonderausstellung.

Anstatt an dieser Stelle nochmals auf die Dinge einzugehen, welche so zentral waren in vorherigen Beitraegen in dieser Miniserie, lasse ich einen Cartoon sprechen:

Heute mal wieder eine schønere Toilette im alten klassischen Stil:

Lukasklause2

Und auch die Sitztoilette hat einen gewissen (Toiletten)-Charme:

Lukasklause1

Vor allen Dingen die Bodenfliesen tragen zum Flair bei :) .

Aber eigentlich wollte ich mal Peter Hacks zitieren:

Mit dem Fortschritt kann es jeder halten, wie er will, ausgenommen die Künstler. Das Prinzip Hoffnung mag ein Weltprinzip sein oder auch keines; jedenfalls ist es ein Kunstprinzip. Indem einer Kunst macht, verrät er, dass er mit dem Weltende nicht rechnet. Er gibt sich nicht die ganze Mühe, um einen befristeten Stoff für einen befristeten Verbraucher herzurichten. Würde er mit dem Weltende rechnen, würde er die Sache lassen.

Entdeckt habe ich dieses Zitat in Dietmars Artikel „Peter Hacks II Ihm war zeit seines Lebens kalt„.

Dieser Ort ist meinen Leserinnen und Lesern ja bereits bekannt aus dieser Miniserie.

Hier nun die Toiletten:

StockholmsmässanUnd das Sitzklo:

Stockholmsmässan 2

Dietmar schrieb 2005 im Artikel „Wo der Daumen rechts ist

In Wirklichkeit ist die größtenteils verklärte bis imaginäre gute alte Zeit, in der „die Wirtschaft“ das Gemeinwesen allein über die Lohnarbeit konstituieren konnte, wohl vorbei.

Ehrlich gesagt hoffe ich das doch stark. Siehe auch bzgl. dem was ich als „Das Ende der Arbeit“ bezeichne.

Dann schreibt er weiter:

In absehbarer Zukunft gibt es nur noch zwei Wege, den Fliehkräften der sozialen Desintegration zu begegnen, […]. Man kann entweder eine Art Zweistufenplan aus Leitkultur und Kontrollgesellschaft durchprügeln, der das Gemeinwesen mit Propaganda- und Arbeitsdienstmaßnahmen zwangsvergesellschaftet und erbarmungslos alle durchs Netz fallen läßt, die da nicht mitspielen […]

… meiner Beobachtung nach, scheint es leider genau in diese Richtung zu gehen; Stichwørter waeren da „Ueberwachung“, „Griechenland“, „Hartz-IV“ …

[…] oder man muß sich programmatische Gedanken und politische Handlungen dazu einfallen lassen, welche Art von Ökonomie eventuell doch wieder imstande wäre, ein lebensfähiges Gemeinwesen zu stiften, wenn es denn die vorhandene evidentermaßen nicht mehr ist.

Diesen Satz møgen sich meine Leserinnen und Leser bitte mal nochmal durch den Kopf gehen lassen. Der ruettelt naemlich so sehr an dem, was uns die ganze Zeit eingetrichtert wird und an das wir so bereitwillig glauben.

Weiter dann dazu (Hervorhebungen von mir):

Daß statt der Gratisverteilung schöner Ausdrücke und damit verhübschter strafferer Almosenprogramme die Gesellschaft so einzurichten sei, daß es niemandem mehr einen Vorteil bringt, Leute aus der Vergesellschaftung fallen zu lassen.

… … …

Eine kurze Pause hier.

Das hørt sich doch irgendwie vernuenftig an, nicht wahr.

… … …

Aber wie geht es denn weiter? Was kønnte diese Idee denn eigtl. sein?

Dies kønnte es sein:

[…] war einmal die positive Idee derer, welche die „soziale Frage“ stellten. Diese Idee hatte einen Namen, […] [und der] heißt „Sozialismus“.

Leider gilt, dass es …

[…] so etwas wie eine Sozialdemokratie in irgendeinem programmatisch kohärenten und politisch nachvollziehbaren Sinn derzeit nicht [gibt].

In 2005 konnte Dietmar dann abschlieszend noch hoffnungsvoll schreiben:

[…] der Kunde [will] sich aber andererseits mit der Abschaffung des Produkts [der sozialen Gesellschaft] keineswegs abfinden und erst recht nicht mehr den Quatsch kaufen […], der von der alten Firma unter schicken Bauernfängernamen wie „Neue Mitte“ unters staunende Volk gebracht werden sollte.

Wir wissen ja, wie die Realitaet sich dann leider entwickelte und wie es heute aussieht in Dtschl. und Europa.

Ich finde es so schade, dass die Menschen so eine Angst haben vor ihren Mitmenschen :( .