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Zu dem Beitrag von neulich, in dem ich mich mal ueber die „programmierende Elite“ ausliesz, passt auch dieser kurzer Kommentar des Spiegelfechters.

Warum passt dies?

Ich bin der Meinung, dass in dem Ausdruck „wir sind Elite“ auch mitschwingt, dass andere Sachen weniger wichtig sind. Denn „Elite“ ist ja auch immer etwas erhaben ueber die alltaeglichen Nichtigkeiten, nicht wahr.

Dies gilt insbesondere, wenn sich diese „Elite“ auf ein ganz spezielles, der Allgemeinheit verschlossenes, Gebiet bezieht.

Woher ich das weisz? Nun ja, ich habe Physik studiert. Da bekommt man sowas am laufenden Bande eigetrichtert. Und wenn man mal ein bisschen die Selbsbeweihraeucherung reflektiert, dann erkennt man das auch.

Nun ist es ja aber so, dass bspw. gerade die Programmierkunst auf verschiedenste Weisen mit ganz anderen Gebieten und Interessen zusammenhaengt. Und von diesen Gebieten (wie bspw. die in dem Kommentar herangezogene Økonomie) hat die „Elite“ ja dann meist nicht den blassesten Schimmer (andernfalls waere sie naemlich tatsaechlich elitaer).

In dem Artikel ist eine Art „Umkehrung“ zu sehen. Die Elite macht sich lustig ueber die Nichtelite – dass fuer die gefaehrliche Merkel das Internet „Neuland“ ist. Das hat Elite nun mal so an sich … diese Arroganz. Anstatt vernuenftige Vorschlaege zu machen, wie man den Parlamentariern diese wichtige Welt mal naeher bringt, lacht die „Elite“ sich lieber drueber kaputt, wie man denn „SOWAS“ nicht wissen kann.

Dieses Verhalten ist zutiefst laecherlich. Auszerdem ist es gefaehrlich. Denn ueblicherweise fuehrt es dazu, dass die „andere Elite“ (in dem Fall die der Politik bzw. Økonomie) sich abschottet. Aus der gleichen Arroganz heraus, denn eine „Elite“ kann nunmal nicht zugeben, dass es wichtige Sachen gibt, von denen sie keine Ahnung hat. Denn dann waere es ja keine „Elite“ mehr.
Zirkelschluss, verdammter Mist. Und deswegen aendert sich nichts in dieser Welt, bevor die „alte Garde“ ausgestorben ist.

Deswegen gilt insbesondere fuer die Studierten in dieser Welt: ausbrechen aus diesem ganz speziellen Elitemist!
Oder wie ich es neulich schrieb:

wieder ein Buerger unter Buergern sein

Ueberschriften, welche mit so drastischem, religiøsem Aberglauben daherkommen, mag ich sehr.

Hier ist es sogar passend, denn es soll heute um die fantastisch interessante Substanz Disauerstoffdifluorid – O2F2 – gehen.

Dazu angeregt, mich mit diesem Stoff mal naeher zu beschaeftigen, wurde ich durch Randall Munroes exzellenten what-if Artikel zu Schnellkochtoepfen.

Dort gab es einen Link zu einem, von einem Chemiker geschriebenen, Artikel mit dem Titel: „Things I Won’t Work With: Dioxygen Difluoride“

Dort wiederum standen so neugierig machende Dinge wie

[…] violently hideous […],

[…] deeply alarming […],

[…] chemicals that I never hope to encounter […]

Grund genug also, sich mal den Originalartikel von A. G. Streng mit dem Titel „The Chemical Properties of Dioxygen Difluoride“ zu Gemuete zu fuehren.

Dieser nach Wissen strebende Forscher hat nicht nur immer wieder und wieder dieses Teufelszeug hergestellt (was an sich schon ein Prozess ist, der sich nicht so ganz  ungefaehrlich anhørt), nein, er wollte auch noch wissen, was es so macht, wenn man es mit allem møglichem anderem (gefaehrlichem) Zeug in Beruehrung bringt.

Die Experimente musste er bei tiefen Temperaturen ausfuehren. So bspw. 90 K. Das sind -183 Grad Celsius! Weiter unten wir dem Leser sicherlich klar, warum er das so kalt machen musste.
Dabei sollten wir unsere eigenen chemischen Experimente (kochen, grillen, Chemiunterricht in der Schule) und technische Groszprozesse (die Herstellung von Duenger, oder der Katalysator im Auto) immer im Kopf behalten. Da passiert eigentlich NIE was, solange man das nicht ueber einen Bunsenbrenner haengt.
Die gar winzigliche Energie, welche noch bei -183 Grad Celsius vorhanden ist, reicht aber aus, um O2F2 noch gar fantastische Reaktionen zu entlocken. Von selbst, ganz ohne Starthilfe via „Feuer“.

Genug der Vorrede. Im folgenden zitiere ich aus dem oben verlinkten Artikel von A. G. Streng (Hervorhebungen sind von mir).

Und nicht vergessen: MINUS 183 Grad Celsius!

– Ethanol  Feuer

It reacted instantaneously with solid ethyl alcohol, producing a blue flame and an explosion.

– Methan  Feuer

When a drop of liquid O2F2 was added to liquid methane […] a white flame was produced […]
[unter anderen Bedingungen (aber immer noch 90 K!)] a violent explosion occurred.

– keine Reaktion mit CO2 (Trockeneis)

When added to Dry Ice, dioxygen difluoride did not react and was only absorbed by the solid.

– aber wehe, es wird Aceton  Feuer  Reizend dazu gegeben

Addition of acetone to this mixture resulted in sparking accompanied by an explosion.

– Und da das noch nicht reicht, muss natuerlich auch noch die Reaktion mit Flusssaeure (HF)  sehr giftig  Aetzend untersucht werden. Wie zu erwarten:

A 2% [!!!] solution  of O2F2 in HF reacted violently […]

Eine 2%-Løsung! Das ist wie wenn man ein Trinkpaeckchen verduennt mit zwei voll gefuellten Wassereimern.

– Ammoniak  sehr giftig  Umweltgefaehrlich

Liquid dioxygen difluoride reacted vigorously when added to solid anhydrous ammonia […]

– Wasser (in Form von Eis natuerlich)

It caused explosions when added to ice […]

Was macht man, wenn man Flusssaeure schon ausprobiert hat und die Verbindung die man untersucht schon eine Fluorverbindung ist?
RICHTIG! Man schielt verstohlen zu den Chlorverbindungen.

– Chlor  sehr giftig  Umweltgefaehrlich

A rapid addition of chlorine to dioxygen difluoride […] caused a violent explosion.

Nein, nein, warum denn langsam, wenn man es auch schnell machen kann? Die Kollegen warten sicher schon am Mittagstisch. Aber keine Sorge, denn beim zweiten Mal (!) hat er das Chlor langsamer einstrømen lassen um die Reaktionsprodukte besser untersuchen zu kønnen.

– Chlorfluorid  (keine Einstufung verfuegbar!!! – Das Zeug ist von sich aus schon so reaktiv und unter widrigen Umstaenden herzustellen, dass das noch nicht mal in ausreichenden Mengen produziert wurde um es zu klassifizieren!)

The study of the reaction […] showed that if the reaction is carried out without special precautions […] the two substances react violently […]

Es waren sicherlich immer noch die wartenden Kollegen am Mittagstisch, die ihn zur besonderen Eile antrieben. Da kann man dann auch schon mal zwei Experimente gleichzeitig machen.

Mhm … Nix weiter beim Chlor. Na dann nehmen wir doch

– Brom  sehr giftig  Aetzend  Umweltgefaehrlich. Der aufmerksame Leser ahnt es bereits

Liquid O2F2 […] reacted vigorously when added to solid bromine […]

Da die Reaktionen mit Bromtrifluorid (fuer das es auch noch keine Einstufung gibt) nur als

proceeded rapidly

beschrieben ist, sehe ich dies als eher uninteressant an und møchte meine Leser nicht weiter damit langweilen.

Mhm … was fuer andere, an sich schon reaktionsfreudige Substanzen enthaelt denn das Periodensystem sonst noch? Richtig!

– Phosphor  Feuer  sehr giftig  Aetzend  Umweltgefaehrlich

With red phosphorus, O2F2 reacted vigorously when added rapidly […]

Manchmal kann es aber auch verdammt schwierig sein, den Zufluss einer Substanz klein zu halten.
Aber nach all den vorherigen Ergebnissen ist eine nur „lebhafte Reaktion“ ja ein bisschen langweilig. Let’s spice it up a little with:

– Phosphor(III)-fluorid  sehr giftig  Aetzend

[…] the reaction proceeded with flame […]

Nun ja, Teufelszeug schrieb ich ja schon. Da liegt es nahe, es auch mit Schwefel und seinen Verbindungen zu testen.

– Schwefel  Reizend

When added rapidly to sulfur […] liquid O2F2 reacted instantaneously with a flash.

Der Mann muss echt unter Zeitdruck gestanden haben, musste ja immer alles „schnell, schnell“ gehen.

– Schwefeltetrafluorid  sehr giftig  Aetzend

Sulfur tetrafluoride, SF4, reacted violently with concentrated O2F2 […]

Mglw. um die Reaktion etwas zu verlangsamen, wurde das SF4 verduennt (nicht mit Wasser, denn das vertraegt sich nicht so gut, wie wir oben gelernt haben).
Wenn man bedenkt, mit welchem verve so Begriffe wie „instantaneously“, „with flame“, „reacted vigorously“ oder „added rapidly“ bisher benutzt wurden, so wirkt die Beschreibung der Reaktion des verduennten SF4 møglicherweise etwas alarmierend auf den Laien:

[…] the reaction went out of control with an explosively violent evolution of gas and heat.

Aber keine Sorge: es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr fuer die Bevølkerung.

Und dieses „out of control“ spornt einen Forschergeist ja manchmal noch so extra an. Das muss ja systematisch untersucht werden. Deswegen wurden die Experimente mit dem verduennten SF4 weiter gefuehrt, selbst wenn

This reaction […] even more difficult to control [is] […].

Als Resultat konnte bestaetigt werden:

In most cases it proceeds directly […] to an explosion.

Na man gut, dass wir das bestaetigt bekommen haben. Haette ja sein kønnen, dass die erste Explosion nur ein dummer Zufall war.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Denn wenn man ein anderes Verduennungsmittel nimmt, so gilt

[…] explosions could be avoided in some cases […]

Nochmal Glueck gehabt!

Zur Reaktion mit Schwefelwasserstoff  Feuer  sehr giftig  Umweltgefaehrlich steht zwar nicht, wie das ausgegangen ist, aber dabei entsteht eine Waerme von 433 kcal pro mol. Eine Kalorie ist die Menge an Waerme, die man braucht um 1 kg Wasser um ein Grad Celsius zu erwaermen. Hierbei wird beinahe eine halbe Million Kalorie an Energie frei! Zu recht wird dies in dem „Things I Won’t Work With„-Artikel beschrieben als

[…] which is the kind of every-man-for-himself exotherm that you want to avoid at all cost.

Wir alle haben ja sicherlich noch die Knallgasexplosion im Chemiunterricht im Kopf. Wo ein winzig kleines bisschen Waserstoff in eine Blechdose geleitet und da dann mal ein Streichholz heran gehalten wurde. Die Dose flog mit ziemlicher Wucht zur Decke. (Jup, ich hatte ’ne coole Chemielehrerin :) ). Dort wird weniger als ein Drittel dieser Energie frei!

Dem Forscherdrang war damit aber kein Ende gesetzt, denn er untersuchte auch noch die Reaktionen mit Stoffen, die er einfach nur als

some other substances

bezeichnet. Da muss noch was uebrig gewesen sein, von dem Teufelszeug und der A. G. Streng konnte wohl nicht der Neugierde widerstehen, dass dann auch an allem auszuprobieren, was seine Kollegen so im Lab haben rumliegen lassen.
Ich denke, dass der aufmerksame Leser sich selbst ausmalen kann, wie diese Reaktionen abgelaufen sind. Stichworte sind da bspw. „reacted vigorously“ oder „exploded“.

 

Genug dazu.

Ich hatte grosze Freude beim Lesen des Artikels von A. G. Streng und die Leute in der Straszenbahn werden sich sicherlich gefragt haben, worueber ich mich denn so amuesiere. Auch das Schreiben dieses Artikels machte mir Spasz.
Wer ebenso Freude am Lesen des meinigen Artikels hatte, dem empfehle ich wirklich die Lektuere des „Things I don’t want to work with“ Artikels. Ich kønnt mich wegschmeiszen vor lachen, wie der Chemiker sich dort dazu ausdrueckt.

Im Ernst møchte ich aber das folgende noch dazu sagen bzw. aus dem empfohlenen Artikel zitieren:

If the paper weren’t laid out in complete grammatical sentences and published in JACS, you’d swear it was the work of a violent lunatic.

Absolute Zustimmung! ABER an dem Paper sieht man, dass tatsaechlich ordentlich und auch vernuenftig gearbeitet wurde.
Auch wenn mir bei den beschriebenen Reaktionen Bilder von in Flammen aufgehenden und explodierenden Laboren vor Augen kamen, so war es letztlich doch „halb so schlimm“. Den Sicherheitsstandards (und vermutlich der Liebe zum eigenen Leben) wegen, wurden naemlich nur kleine Mengen dieses Teufelszeugs benutzt und sicherlich auch alle anderen, nøtigen Vorsichtsmasznahmen ergriffen.

Ich wollte das ganze etwas humoristisch praesentieren. Aber der Umgang mit gefaehrlichen Stoffen, ist mitnichten witzig. Auch wenn die Chemikalien nicht mal einen Bruchteil so gefaehrlich sind, wie O2F2, so gilt dennoch, dass man vorsichtig und ordentlich zu arbeiten und auch die erforderlichen Schutzmasznahmen zu ergreifen hat. Es ist naemlich ganz und gar nicht mehr komisch, wenn einem der Erlenmeyerkolben ins Gesicht explodiert und man die Schutzbrille nicht aufgesetzt hat, weil ja all die letzten Jahren auch nie was passiert ist. Alles schon erlebt, zum Glueck nicht persønlich.

Nachtrag: ich sehe gerade, dass der Originalartikel von A. G. Streng nicht frei zugaenglich ist. Bei Interesse kann ich den natuerlich dem interessierten Leser zukommen lassen.

Gar kein Problem! Norwegische Nahrungsmitteleinkaufsbutzen stellen gern auch die Mikrowelle dafuer zur Verfuegung um das Lunch zu erwaermen:

Und immer noch ist es toll zu sehen wie sich in diesem groszartigen Land um die Beduerfnisse der Kunden gekuemmert wird :)

… nur auch mit nackten Frauen, so wie es in dieser ZDF Reklame von 2004 suggeriert wurde.

Olympia

 

DAS wuerde doch dem Zuschauerschwund in den Stadien entgegenwirken. Und wenn beide Geschlechter das so machen muessten, dann waere das ja auch gleichberechtigt.

Aber ach … was gaebe das wieder fuer ein Geschrei von den religiøsen Fanatikern, die uns unsere Freude am Kørper abspenstig machen wollen.

JIPPIE – Die Tickets sind heute angekommen:

OHM Ticket_child

OHM Ticket

Ich freu mich drauf!

Nachdem ich die frisch aus der Fraese kommenden, neuen Laborgegenstende abholte, ritt ich durch’s Gebaeude …

Teflonhalbkugeln

… und keinem dieser jungen Huepfer (a.k.a. Studenten) fiel diese Hommage auf. Banausen!

Schade, schade, dass ich den dtsch. Titel nehmen musste, aber im Original haette es nicht funktioniert.

Das Pferd muss man ueberigens nicht aus Teflon machen. Teflon ist ziemlich teuer. Zwei Kokosnussschalenhaelften tun’s auch.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Wenigsten meiner lieben Leser, den groszen, Chicagoer Musiker Wesley Willis kennen.

Dies ist sehr schade, denn wenn man sich mal etwas abseits der ueblichen Quellen (vulgo: wikipedia) umschaut, dann sieht man, wie sehr er das Leben so vieler Menschen positiv beeinflusste.

Seine Lieder waren sich alle sehr sehr aehnlich, um nicht zu sagen „gleich“. Ein vom Keyboard vorgegebener Rythmus und Wesley sang dazu.
Auch seine Texte waren sich immer sehr aehnlich. Am Ende dann gefolgt von „Rock over London, Rock On Chicago“ und einem Reklamespruch wie bspw. „Taco Bell, make a run for the border“ oder „Kinkos, it’s the copy center“.

Mein schriftstllerisches Talent reicht leider nicht aus, um hier Wesley Willis adaequat zu wuerdigen ohne andere zu kopieren. Deswegen zitiere ich lieber gleich einen anderen groszen Musiker, Jello Biafra:

one of the most unique songwriters and entertainment personalities in history. His music, lyrics, drawings, insight and the way he put them together are like no one else. Ever. There will never be another.
(von hier)

Was Jello Biafra dort schreibt laeszt sich an einem (nicht ganz so) zufaellig gewaehltem Liedtext illustrieren:

Wesley Willis – Rock Saddam Hussien’s Ass

Play that rock lead guitar
Rock it like a magikist
Rock and roll is the joyride music
Whip that snow leopard’s ass

Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass

Play that Westone guitar
Rock it to the break of dawn
Rock in on the mic in front of 50,000 people
Rock the jam session on Saddam Hussein

Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass

Play the rock solo as hard as you can
Make the crowd roar like a tidal wave
Rock the jam session on a good free will
Whip the hell out of that snow leopard’s ass

Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass
Rock Saddam Hussein’s ass

Rock over London, Rock On Chicago
TCBY, it’s the country’s best yogurt

Aufmerksam wurde ich auf Wesley Willis als ich halb so alt war wie heute. Als ich gerade mit meinem Abitur anfing.
Juergen Kuttner spielte mal ein paar seiner Lieder in seiner Sprechfunk-Sendung auf Radio Fritz. Und dieser Sound sprach mich irgendwie an. Erstmal (natuerlich?) aufgrund einer allgemeinen Faszination fuer das Andersartige, das Skurile und nicht zuletzt auch das Morbide.
Fuer mich nicht weiter verwunderlich, bei Liedern wie bspw. Jesus ist the Answer oder Alanis Morrisette.

Erstaunlicherweise gab es im lokalen Multiwarengeschaeft (vulgo: SB-Markt, … mhm es kønnte auch ein Edeka gewesen sein) der Kreisstadt Stendal eine CD von ihm. Die Fabian Road Warrior. Und wenn ich da jetzt mal so drueber nachdenke, war dieses Geschaeft sowieso ganz erstaunlich. Dort gab es naemlich auch die deutsche Ausgabe des Scientific American; was zur damaligen Zeit, aus verschiedenen Gruenden, fuer mich ja sowas wie die heilige Schrift war.

Wesley Willis hat eine unglaubliche Anzahl von Liedern produziert. Leider konnte ich derer nur ca. 700 habhaft werden. Der Grund liegt darin, dass die allermeisten seiner CD’s selbstproduziert waren und nur auf seinen Konzerten verkauft wurden.

Dass ich ueberhaupt so viele Lieder von ihm habe liegt daran, dass ich vor einiger Zeit auf diese Seite stiesz. Dort stellt der Kuenstler Derek Erdman viele Lieder von Wesley Willis zum Download zur Verfuegung.

Im Zuge meines „Katalogisierungswahns“ wollte ich die Lyrics in alle meine mp3-Dateien einpflegen. Das ist ein noch langwierigerer Vorgang als es sich anhørt, denn denen ist teilweise sehr schwer beizukommen. Dies gilt insbesondere fuer Wesley Willis‘ Lyrics.
Auf den ueblichen Seiten die Songtexte zur Verfuegung stellen, gab es nur eine sehr begrenzte Anzahl seiner Texte. Deswegen musste ich jedes einzelne Lied noch „manuell“ suchen. Startpage und insbesondere youtube halfen dabei sehr.

Nach sehr vielen Stunden, letztlich immer gleicher und doch recht langweiliger, Arbeit, hatte ich dann einen gar nicht so unbetraechtlichen Teil der Willisschen Liedtexte zusammen getragen.

Ich war Derek Erdman sehr dankbar, dass er die Sammlung seiner Wesley Willis Lieder der Allgemeinheit zur Verfuegung stellt. Deswegen dachte ich mir, dass diese seine Seite ein natuerlicher Ort ist, um dort auch die Lyricssammlung anderen interessierten Menschen zum Download anzubieten.
Und deswegen findet sich, ganz entgegen meines sonst ueblichen Anonymitaetswahns, mein Name auf der Seite.

… ist ein Sport, bei dem durchaus scharfe Tanten …

001_scharfe Roller Derby Tanten

… … … Damit waere dann auch bereits alles Wichtige gesagt (auszer natuerlich, dass dieses Bild wie immer von meiner liebsten Frau gemacht wurde) und ich beende den heutigen Artikel an dieser Stelle. Es wird ja gesagt, dass man aufhøren soll, wenn es am schønsten ist.

Was fuer aberglaeubische Leute diese Christen doch sind.

Wenn ich das so schreibe (ist ja nicht das erste Mal), dann glaube ich immer, dass møgliche christliche Leser meines Blogs in einen ziemlichen Konflikt mit der Meinungs- und Religionsfreiheit geraten. Warum zum Teufel gilt die denn eigentlich auch fuer Meinungen, die uns nicht in den Kram passen? Was fuer ein mistiges System das doch ist, nicht wahr.
Auch wenn ich mir da einen heimliche Spasz draus mache, mag ich schreiben, dass es auch mir schwer faellt, aufgrund anerzogener (nicht unbedingt falscher!) Denkreflexe, es derart auszudruecken.

Aber zurueck zum Ausgangspunkt.

Dass viele sog. „christliche Braeuche“ (auch, aber nichr nur) rund um Ostern „heidnischen“ Ursprung haben ist ja bekannt. Damit faellt dieser wichtige Bestandteil des Festes bereits unter den Begriff „Aberglaube“, denn nach eigener christlicher Definition, gilt dies ja fuer jedweden nichtchristlichen Glauben. Somit sollte es den Gesetzen der Logik auch fuer alles gelten, was von eben diesen uebernommen wurde. Aber das ist ja bekannt, dass alle Religionen dieser Welt ziemlich flexibel sind, was die Dogmen anbelangt, welche der Machterlangung und -erhaltung dienen.

Ich møchte eigentlich auf einen ganz spezielles Detail hinaus.

Wie wir alle wissen, ist Ostern jedes Jahr an einem anderen Tag. Dies deswegen, weil der Ostersonntag der ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Fruehling ist.

Nichts Neues soweit.

Aber warum ist dem eigentlich so?

Der Grund ist ganz einfach: damit garantiert ist, dass Ostern niemals wieder eine Sonnenfinsternis stattfinden kann!

Und damit bin ich eigentlich auch schon fertig. Den Zusammenhang zwischen dem wichtigsten christlichen Fest und warum gewuenscht ist, dass dort niemals wieder eine Sonnenfinsternis stattfinden kann, den kønnen sich meine lieben Leser sicher selbst denken.

Quod erat demonstrandum, denn wie wir alle wissen, glauben nur aberglaeubische Wilde, dass eine Sonnenfinsternis die Strafe eines anthropomorphen, „allmaechtigen“ Wesens ist.

Dies schrieb ich neulich. Oder vielmehr drueckte ich es dort, via einer Durchstreichung, mit einem kleinen Funken Hoffnung aus.

Nun habe ich aber gerade eben diesen Artikel gelesen. Der Artikel handelt darueber, wie bestimmte Gruppierungen auf der Klaviatur der Vorurteile spielen und damit erfolgreich sind. Erfolgreich deswegen, weil KEIN Sturm der Entruestung durch das dtsch. Volk geht. Weil die Leute immer noch zu diesen Aerzten gehen. Und irgendwie ist dieses zum Himmel schreiende Phaenomen der Totenstarre nicht mit meiner Vorstellung von modernen (und freien) Zeiten in Einklang zu bringen.

Aber ich will das nicht nur als Fingerzeig auf die Kirche verstanden haben. Denn wie schreibt Uena es in einem Kommentar:

[…] wie selbstverständlich [ist] Homosexualität in unserer Gesellschaft tatsächlich verankert und akzeptiert [?] Für den fortschrittlichen Geist angeblich kein Thema mehr […]. Diese Akzeptanz ist aber nur oberflächlich und äußert sich in vielen kleinen Details, die eine homosexuelle Lebensweise eben nicht als normal interpretieren. Beispielhaft sei hier genannt, dass bei Homosexuellen dieses Attribut in Medien sehr häufig als Adjektiv mit erwähnt wird, obwohl es mit dem eigentlichen Kontext nichts zu tun hat. Das gibt es bei Heterosexuellen nicht. Oder wie schnell das Schimpfwort “Schwuchtel” ausgesprochen wird. Normalität wird nicht als Beleidigung herangezogen, weil sie nicht greift. Die ganze Debatte über rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare zu heterosexuellen zeigt ebenso, wie unglaublich verquer die ganze Einstellung noch ist.

Ich selber brauchte ueber eine Dekade um genau dieses beschriebene Denken zu wandeln. Und das schaffte ich nur dank tatkraeftiger Unterstuetzung einer mir sehr wichtigen Person. Und selbst heute ertappe ich mich noch immer dabei, wie sich solche Vorurteilen in meinen Gedanken bilden. Wenn es mir denn dann aufaellt, versuche ich das natuerlich aktiv zu reflektieren. Ein zeitaufwendiger Prozess, da es auch so viele andere Bereiche gibt, wo das passiert (bspw. Frauen, Auslaender etc.)

Das Zitat spricht also den eigentliche Knackpunkt an. Denn wer kennt es nicht, wenn das Thema auf gleichgeschlechtliche Liebe (!!!!) kommt, sind wir zwar alle fuerchterlich aufgeklaert, aber mehr so in der Art und Weise „Na heutzutage sind wir ja so modern, da soll doch jeder machen was sie (oder er) will; solange die (!) mich damit in Ruhe lassen“.

Dies ist tatsaechlich (!) eine moderne und aufgeklaerte Haltung. Bewusst gegen die eigenen anerzogenen Reflexe und Instinkte anzutreten kann nicht anders als modern bezeichnet werden. Aber die Art und Weise wie wir das denken, ist doch arg bemueht. Eben durch aeuszere Umstaende auferzwungen. Auch daran ist nichts Schlimmes, denn so beginnen moderne Zeiten immer. Verantwortungsbewusste Fuehrungspersønlichkeiten sorgen dafuer, dass wir das Unnøtige, aber tief in der Gesellschaft verwurzelte, unserer Vergangenheit ablegen. Dies bspw. durch Gesetze oder durch deutliches Sichtbarmachen bestimmter Probleme. Deswegen schaffen wir, die Leser dieses weblogs, es eben auch sich tatsaechlich modern zu verhalten.

Dummerweise haben wir (diesmal ist damit ein etwas grøszerer Kreis moderner Menschen gemeint) es nicht geschafft, dass diese, dem 21.sten Jahrhundert wuerdigen, notwendigen Verhaltensaenderungen auch im Rest der Gesellschaft tatsaechlich ankommt. Und deswegen sind bspw. die oben erwaehnten Gruppierungen (aber nicht nur die) eben kraeftig dabei, all das Erreichte wieder zu annullieren. Weil sie wissen, dass sie damit auf laengere Sicht Erfolg haben werden. Und deswegen bin ich der Meinung, dass die dunklen Zeiten bereits begonnen haben. Denn in wahrhaft modernen Zeiten waere dies nicht møglich.

Und wie so oft ist der konkrete Aufhaenger dieses Artikels nur als Beispiel zu sehen. Neben der nicht-heterosexuellen Liebe gibt es viele andere Beispiele in diesem Themengebiet.
– Die bereits mehrfach erwaehnte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau; warum werd ich komisch angeschaut, wenn ich sage, dass ich gern zu Hause bleiben und mich um’s Kind kuemmern will?
– Die ebenso bereits mehrfach in diesem weblog erwaehnte Einstellung zur Sexualitaet und zum ficken.
– Die Einstellung der Bevølkerung zu fundamentalen Buergerrechten, die nunmal auch fuer Nazis und schlimmere Verbrecher zu gelten haben (auch dies war bereits mehrfach ein Thema in diesem weblog).
– Die fundamentale Angst vor dem Fremden (die leider auch all zu oft das zugrundeliegende meiner eigenen Gedanken ist).
– Und nicht vergessen werden duerfen die Einstellungen gegenueber armen (oder ungebildeten) Menschen.
Dies sind natuerlich nur die wenigen Themen, die mir am Herzen liegen und mit denen ich mich ein wenig beschaeftigt habe.

Es ist natuerlich nicht zu vergessen, dass nach den Schwulen und Auslaendern immer straks die Intellektuellen (und deren Kinder) auf dem Scheiterhaufen (oder in neuerer Zeit im KZ) landeten. Dies ist natuerlich der aeuszerst egoistische Grund, warum ich immer und immer und immer wieder darueber schreibe (und spreche).

Auf lange Sicht, gibt es gluecklicherweise Hoffnung. Die Geschichte hat es naemlich immer wieder gezeigt, dass ueber kurz oder lang, die Menschen wirklich unmenschliche Systeme zu Fall bringen und fuer einen gewissen Zeitraum durch etwas Besseres ersetzen. Nur dummerweise leiden und sterben bis dahin und in diesem Prozess so viele Menschen. Und die dunklen Zeiten muessen ja auch erstmal durschritten werden.
Nur dummerweise hilft dies nicht uns (oder unseren Kindern), denn wir kommen ja gerade aus einem goldenen Zeitalter.

Und deswegen møchte ich mich an dieser Stelle nochmals wiederholen:

Lasst uns unsere Kinder so erziehen, dass sie in der Lage sind, die Fackel der Freiheit, die wir (kurzzeitig) erleben durften, weiter zu tragen, durch die Nacht.

Freiheit! Liebe Leute, sprecht darueber. Und in dunkler Vorahnung, darob der Zustaende in einigen Jahrzehnten (Jahren?) møchte ich dazu schreiben: solange ihr euch damit nicht in unnøtige Gefahr bringt.
Fuer die Menschen in vierhundert Jahren. Und damit dass Leiden all der Millionen bis dahin nicht umsonst ist.

Eine letzte Sache noch, welche mehr in die philosophische Richtung geht.

Es gibt aeuszersts wichtige Unterschiede zwischen Pessimismus und und Fatalismus.
All das was ich so schreibe ist mitnichten fatalistisch! Ich halte uns (ganz konkret uns, aber auch die Menschen als Ganzes) fuer allzeit und fundamental handlungsfaehig. Daraus resultieren eben auch die staendigen, impliziten Aufrufe: denkt mal drueber nach; versucht zu erkennen, wie diese erschreckenden Entwicklungen auch ganz konkret euch betreffen; und vor allem, versucht diesen Entwicklungen etwas entgegen zu setzen. Ich selber versuche ja auch mit (und nach) den mir gegeben Møglichkeiten zu handeln.
Man kønnte also sagen, dass zwar all das was ich schreibe recht pessimistisch ist, dass ich aber eine grundsaetzlich optimistische Lebens- und Handlungseinstellung habe.