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… muessen wir uns dessen anpassen. Bzgl. dieser Anpassung hørt man bisher eigentlich nur Sachen die in den Umkreis der Barrierefreiheit fallen. Das ist natuerlich ganz wichtig, allein schon deswegen, weil der Kørper mit zunehmenden Alter weniger kann.
Bisher habe ich aber nichts bzgl. der sozialen Aspekte gehørt was ueber „alte Menschen sind oft allein“ hinaus geht. Und genau darauf will ich hinaus (das alte Menschen oft allein sind), aber unter einem anderen Blickwinkel als dem, dass das traurig ist (was es natuerlich oft ist).

Zunaechst sei das Folgende gesagt: der Umstand dass immer mehr Menschen im Alter allein sind, ist eine ganz ganz ganz grosze zivilisatorische Errungenschaft! Zum Einen bedeuet dies, dass aeltere und alte Menschen nicht mehr von ihren Kindern abhaengig sind. Das ist deswegen so gut, weil dadurch (viel) mehr Menschen mehr Freiheit haben. Zum Anderen bedeutet es auch, dass Geist und Kørper fuer die Mehrzahl der Menschen im Alter noch gut genug funktioniert, sodass man bspw. noch allein einkaufen gehen und Essen kochen kann. Letzteres ist das auch wegen des oben Gesagten møglich, eben weil mehr und mehr gesellschaftliche Institutionen (bspw. der Supermarkt, das Theater, das Fliegen etc.) barrierefrei werden.

Aber dass alte Menschen mehr und besser allein leben kønnen heiszt auch, dass man sich ueber andere Dinge als (nur) Barrerefreiheit Gedanken machen. Dieses Bild …

… drueckt das was ich sagen will meiner Meinung nach sehr gut aus. Direkte Uebersetzung: Schlag dich nieder! … tihihihi

Hierbei handelt es sich um eine Art Klappstuhl im Supermarkt. Das hat ueberhaupt nix damit zu tun, dass man den Preis besser lesen kann oder alles ebenerdig ist. Es hat aber viel damit zu tun anzuerkennen, dass aelteren Menschen, auch wenn sie autonom sind, schneller die Puste ausgehen kann. Das kommt natuerlich auch anderen Menschen zu Gute; bspw. wenn einem jungen Mann mit niedrigem Blutdruck pløtzlich schwindelig wird.

Dieser Beitrag hier soll nur einen Gedanken umreiszen der mir kam, als ich das was im Bild zu sehen ist zum ersten Mal sah. Mir fehlen die richtigen Worte um dieses Themengebiet innerhalb eines uebergeordneten Rahmens erklaeren zu kønnen. Aber ich hoffe, dass ich zumindest teilweise klarmachen konnte, worauf ich hinaus will, denn es gibt sicherlich noch viel mehr als nur dass einem die Puste ausgeht, ohne dass dies unter den Schirm der Barrierefreiheit fallen wuerde.

Das ist uebrigens auch der Grund, warum ich der Meinung bin, dass die Robotisierung nicht schnell genug voran geht. Man nehme bspw. ein Mann in seinen 70’ern an, der seine Blumen umtopfe will. Er schafft es zum Baumarkt zu gehen und Blumenerde auszusuchen. Die Saecke sind aber zu schwer um diese ueber weite Strecken zu tragen. Nun kønnte man das fuer 20 Euro extra nach Hause liefern lassen. Man kønnte aber auch ein autonomes Kleinstfahrzeug (Laenge = Breite = Høhe = 50 cm) haben mit einer Belademøglichkeit fuer mittelschweres Zeug. Dieses Fahrzeug folgt dem alten Mann nach Hause, wo er die Saecke mit Blumenerde dann nur noch abladen muss. Danach faehrt (oder geht) das Kleinstfahrzeug automatisch zurueck fuer den naechsten Auftrag.

Das soll dazu reichen, wie gesagt, ich weisz das Ganze ja selber gar nicht so richtig in Worte zu fassen.

Unter jungen Menschen wird ja gesagt, dass je aelter die Leute werden, desto konservativer werden sie … gerne mit der Konnotation, dass dies schlecht sei.

Als Grund dieser Entwicklung wird dann herangezogen, dass besagte Leute das Leben was sie sich aufgebaut haben nicht verlieren wollen … und deshalb kann man mit denen keine Revolution machen.
Das scheint erstmal so logisch, dass man da nix weiter zu sagt, wohlwissend, dass man ja irgendwann selber aelter wird.

Mich duekt, dass Danigelis N. L., Hardy M. und Cutler S. J. dem nicht zustimmen wuerden, denn in ihrer Studie „Population Aging, Intracohort Aging, and Sociopolitical Attitudes“ im American Sociological Review, 2007, 72(5), pp. 812–830 kommen sie zu einem anderen Ergebniss … *hust*.

Der Artikel ist nicht so richtig spannend zu lesen, weswegen ich den hier kurz fuer euch, meine lieben Leserinnen und Leser, zusammenfasse.

Zunaechst wird dort die Problemstellung etwas wissenschaftlicher ausgedrueckt:

(1) as people age, they hold more tenaciously to their views and are more resistant to change […] and (2) older people’s attitudes are more stable than those of younger people […].

Die Untersuchung selber basiert auf Daten zwischen den Jahren 1972 und 2004. Bei den Ergebnissen muss man unterscheiden zwischen intrinsischer und extrinsischer Aenderung der Meinung innerhalb einer Altersgruppe. Ersteres bedeutet, dass die Menschen waehrend sie aelter wurden wirklich ihre Meinung geaendert haben. Letzteres bedeutet im Wesentlichen, dass die Rassisten und Homophoben wegsterben und durch Menschen die vor 20 Jahren noch jung waren (jetzt aber alt sind), und eine andere Meinung haben, ersetzt werden.

Die Autoren benutzen Mathematik um diese zwei Effekte zu trennen und kommen zum Schluss, dass, entgegen der obigen alten Volksweisheit junger Menschen, die Leute im Allgemeinen liberaler werden mit zunehmendem Alter (mit ein paar Ausnahmen) … (cf. Bild 1 auf Seite 822).

Das ist aber NUR eine Aenderung zum Ausgangszustand und heiszt NICHT, dass, die alten Leute pløtzlich, gesehen vom Standpunkt unserer heutigen, moralisch-ethischen Rahmenbedingungen, supertolle Menschen werden. Oder anders: wenn wer in den 60-er Jahren sagte, dass er oder sie jeden Schwulen in der Nachbarschaft lynchen wuerde und heute aber meint, dass das OK ist so lange die das keinem sagen, dann ist das noch lange keine Unterstuetzung fuer die Schwulenehe! Oder noch anders:

But even when the 60+ group moves toward more tolerant attitudes, we find no case where they end the observation period by overtaking the younger age group. At best the “tolerance gap” between the older and younger groups collapses, and no significant gap remains. In other cases the gap narrows, and occasionally both age groups become more tolerant, but the “gap” between them remains roughly the same.

Juengere Menschen werden auch liberaler und darin liegt der Irrtum obiger „Volksweisheit“. Diese wird naemlich mit „modernen Augen“ gesehen … und da ist jede Veraenderung immer viel zu langsam. Deswegen ist das gut, dass wir damit mal aufgeraeumt haben.

… dann sieht das so aus:

Das Bild habe ich von hier und darauf aufmerksam wurde ich hier. Ich habe mich bemueht, aber leider nicht die Originalquellen dieser Bilder gefunden :( .

Bei diesen grøszeren Vøgeln eher kleinen Dinosaurieren wuerde ich mir im uebertragenen Sinne in die Hose machen, wenn ich denen so begegne. Andersrum machen die aber in keinster Weise den Eindruck, als ob die Angst vor mir haetten!
Und nun stelle man sich vor wie das erscheinen muss, wenn diese prachtvollen Wesen grøszer als 1-Meter sind.

Ja, ich bin der vollen Ueberzeugung, dass dieses Buch …

… eines der wichtigsten Buecher in der Entwicklung der Wissenschaft, und somit der Welt wie wir sie heute kennen, war.
Aber ich møchte mal ein paar Gedanken bzgl. Newton loswerden.

Es ist ja bekannt, dass ich von ihm nicht so super viel halte. Klar, er war ein bedeutender Wissenschaftler. Aber das liegt nur daran, weil eine seiner Aktivitaeten (die Physik) einen so durchschlagenden Erfolg hatte. Haette er sich nur um seine numerologischen Studien (a.k.a. der „Bibelcode“) und Alchemie gekuemmert (die anderen zwei Dinge mit denen er viel Zeit verbrachte), dann wuerde kein Hahn mehr nach ihm kraehen.
Im oben verlinkten Wikipediaartikel ist ein passendes Zitat von John Maynard Keynes:

„Newton was not the first of the age of reason, he was the last of the magicians.“

Das wird nur im heutigen Narrativ nicht erwaehnt.
Das was erwaehnt wird sind die drei Grundgesetze der Bewegung und die Infinitesimalrechnung. Aber dazu muss ich etwas ausholen.

Soweit ich weisz, meinte Einstein wohl, dass die spezielle Relativitaetstheorie an und fuer sich kein groszer Wurf war. Trotzdem Teile dieser Theorie (bspw. das Zwillingsparadoxon oder die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit) heute im zivilisatorischen Unterbewusstsein sind, so lagen die Ideen um 1905 wohl schon eine Weile in der Luft. Ohne Einstein haette das wer anders innerhalb der naechsten 5 bis 10 Jahre ausgearbeitet.
Die Ausarbeitung der allgemeinen Relativitaetstheorie hingegen ist im Wortsinne genial, war der damaligen Zeit 100 Jahre voraus und (wie gesagt: im Wortsinne!) schøpfende Kraft fuer unmessbaren Fortschritt (in sieben Meilen Stiefeln) in der Physik.

Von allem was ich ueber diese Zeit, und den Anfaenge der Wissenschaft wie wir sie uns vorstellen, weisz, lagen die Grundgesetze der Bewegung zu Newtons Zeiten auch in der Luft. Das war also eigentlich gar kein so groszer Wurf die als Erster aufzuschreiben.

Bleibt die Infinitesimalrechnung — auch deren Ausarbeitung ist im Wortsinne genial. Newton hatte grundlegende Ideen dazu høchstwahrscheinlich ein klein bisschen eher als Leibniz. Die Kontroverse darum gab es nur, weil Newton Leibniz einen Brief schrieb, in dem er ganz grob ein paar erste Ideen in diese Richtung schrieb. Davon abgesehen, dass die in dem Brief dargestellten Gedanken nicht ausreichten um die Infinitesimalrechnung nur daraus zu enwicklen, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass Leibniz diese da gar nicht wirklich wahrgenommen hat und sich alles komplett selbst ausgedacht hat.

Auch als Newton alle Ideen fertig ausgearbeitet hatte, so publizierte er diese doch nicht; es ist bekannt, dass Leibniz seine Ideen als erster verøffentlichte … was Newton dann gar nicht passte und der dann anfing zu staenkern und unlaute Mittel in diesem Streit zu benutzen … okok, ich gebe zu, dass Leibniz sich auch nicht ganz „sauber“ verhalten hat.

Hinzu kommt, dass Newton seine Ideen mit Absicht extra verkomplizierte, damit das schwerer fuer Andere wird, damit konkrete Aufgaben zu berechnen … was natuerlich mehr Ruhm fuer ihn bedeutete.
Ironie des Schicksals: Leibniz Darstellung setzte sich schon frueh durch (weil diese viel intuitiver zu verstehen und leichter zu handhaben war) und das ist auch die Methode die man heutezutage in der Schule lehrt.
Schlussendlich musste das auch Newton einraeumen und ich erwaehnte schonmal, dass dies in der 2. Ausgabe des obigen Buches mit aufgenommen wurde.

Oder anders: auch in diesem Fall passt das Zitat von Keynes, denn Magier wollen ihre Zaubersprueche geheim halten.

Leider wird Newton heutzutage als der grosze „Bringer der Vernunft“ dargestellt. Waehrend Leibniz Genie zwar bekannt ist, aber doch eigentlich nur den Leuten, die ein bisschen mit Mathematik zu tun haben.
Und das passt mir nicht und deswegen wollte ich das hier mal aufgeschrieben haben.

Das Weihnachtsgeschenk von neulich war natuerlich KEINE Originalausgabe von Newtons Principia.

Das Weihnachtsgeschenk war, dass ich mir die mal in Echt und ohne Glas dazwischen anschauen und sogar mit meinen Patschehaendchen betatschen durfte … Immer noch voll toll wa!

Ich fand es uebrigens ganz erstaunlich, wie gut das Papier erhalten war. In Film, Fernsehen und Computerspielen zerfallen alte Dokumente immer sofort zu Staub und sowas aehnliches erwartete ich. Klar, ich musste die Seiten sorgfaeltig behandeln und war extra vorsichtig, aber das Papier war normal handhabbar und fuehlte sich mitnichten bruechig an.
Diese haptische Erfahrung hat man natuerlich nicht, wenn man etwas in einer Vitrine sieht. Und deswegen war das so ein voll tolles Weihnachtsgeschenk :) .

Vor einiger Zeit wurde ich lieb darauf hingewiesen, dass im Osten Deutschlands aufgewachsene (in Norwegen lebende) Deutsche, wenn sie gefragt werden, wo sie herkommen „aus Ostdeutschland“ sagen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich etwas Entsprechendes tatsechlich noch nie wirklich jemanden sagen høren, wenn die Person aus Nord- oder Sueddeutschland kommt. Da wird die Himmelsrichtung im Allgemeinen weggelassen.

Wieauchimmer, das soll nur der Einstieg sein, denn ich stolperte ueber eine interessante Studie von Becker, S. O., Mergele, L. und Woessmann, L. mit dem Titel „The Separation and Reunification of Germany: Rethinking a Natural Experiment Interpretation of the Enduring Effects of Communism.“ im Journal of Economic Perspectives, 34 (2), p. 143–71, 2020. Wobei ich eher diese Version hier empfehle, denn die enthaelt (am Ende) mehr informative und leicht zu interpretierende Bilder.

Diese Studie ist durchaus lesenswert, aber es reicht auch, wenn man sich die Bilder anschaut. Man sieht dort deutlich, dass die gesellschaftliche, politische und økonomische „Landschaft“ im Osten Deutschlands bereits vor dem 2. Weltkrieg anders war.

Bspw. war der Anteil der Arbeiterklasse an der Bevølkerung VIEL høher als im Rest Deutschlands. Wir reden hier von Werten zwischen 50 bis 75 Prozent im gesamten Ostdeutschen Bereich, waehrend es in Westdeutschland (abgesehen vom Ruhrgebiet) nur 10 bis 30 Prozent sind! Damit war natuerlich auch der Anteil der Linkswaehler deutlich grøszer. Interessant, nicht wahr! Aber das wussten wir ja schon vorher, dass die beruehmteste „Arbeiter“partei in der Geschichte Deutschlands mitnichten fuer die Arbeiter stand.
Und diese groszen Unterschiede gelten auch fuer den Anteil der Protestanten, auszerehelichen Kindern oder Teilhabe der Frauen am Arbeitsleben.

Worauf ich hinaus will: die Ostdeutschen waren (in neuerer Zeit) schon immer anders; und wenn das naechste Mal wer sagt, dass das Spaetwirkungen des seit ueber 3 Jahrzehnten ueberwunden DDR-Regimes sind, dann kann ich ’n Vogel und diese Studie zeigen. Ist doch immer schøn, wenn man echte Fakten in der Hand haelt, nicht wahr.

… dass moderater Alkoholkonsum gut fuer einen ist.

Ich habe in den vorherigen Beitraegen in dieser Reihe viel aus der (Literatur)Anaylse von Hans Olav Fekjær in Addiction 108 (12), pp. 2051–2057, 2013 zitiert, weil alle dort dargestellten Sachverhalte so schøn den Selbstkorrekturmechanismus der Wissenschaft darstellen. Die gesamte „Geschichte“ geht im Allgemeinen ungefaeher so.

Eine Beobachtung (in diesem Falle besagte „Volksweisheit“) wird gemacht und sehr, sehr oft in vielen unabhaengigen Faellen (scheinbar) bestaetigt.
Diese Studien sind mal mehr, mal weniger gut und die weniger Guten fallen erstmal nicht auf. Bzw. wird den Schwaechen frueherer Studien damit begegnet, indem in neueren Studien immer mehr Størfaktoren in Betrachtung gezogen und „herausgerechnet“ werden.
Ueber viele Jahre scheint sich scheinbar ein bestimmtes „Bild“ einzustellen … aber dann schaut sich eine neue Generation von Forschern dieses „Bild“ mal mit grøszerem Abstand an und sieht die Ungereimtheiten.
Hierbei kann man im Allgemeinen nicht einmal die frueheren Forscher beschuldigen etwas falsch gemacht zu haben. Besagte Ungereimtheiten fallen naemlich nur auf, wenn man alles zusammen, und nicht einzeln (oder begrenzt auf bestimmte Arbeitsgebiete) betrachtet. Das konnten fruehere Forscher aber nicht machen, aus dem einfachen Grund, weil „alles“ ja noch gar nicht da und das „Bild“ erst am Entstehen war.

Fekjær raeumt nun durchaus ein, dass …

[t]here is solid evidence that light or moderate drinkers have a reduced risk of several diseases which are influenced by life-style factors.

Kommt aber nach Blick auf das „Gesamtbild“ auch zum Schluss …

[w]hether or not the lower risk is due to alcohol is a more complicated issue.
Taken together, the existing evidence does not seem to meet the criteria for inferring causality […].

Ganz konkret (als Zusammenfassung dessen was ich in vorherigen Artikeln ansprach):

[f]or almost all the diseases, we do not know of any plausible biological mechanism explaining a causal preventive role for alcohol. In theory there might be a common, as-yet undiscovered mechanism, but the diverse nature of the diseases makes it unlikely. Another criterion for causality which is almost completely lacking is the biological gradient, or dose–response relationship.

und zum Ende kann sich Fekjær ein abschlieszendes Kommentar bzgl. Beobachtungsstudien nicht verkneifen (Hervorhebung von mir):

Some recent studies attempt to overcome the problem by including more confounders than previously […]. Like others before them, the authors seem to be confident that all relevant confounders have been taken into account.

*lacht*

Dies soll es abschlieszend dazu sein.

Der andere Weg der Selbstkorrektur in der Wissenschaft ist die Anwendung neuer, besserer Methoden. Eine derartige neue Methode wurde bzgl. dieses spezifischen Themas, und weiter beschraenkt auf Herz- und Kreislauferkrankungen, von Holmes, M. V. et al. angewandt und im (ebenso detailliert besprochenen) dazugehørigen Artikel in BMJ, 2014; 349:g4164 vorgestellt.
Dieser Weg ist auch voll spannend und oft eindeutiger bzgl. der Schlussfolgerungen. Aber da beide Methoden in diesem konkreten Fall zum selben Ergebniss fuehren, gehe ich darauf nicht nochmal gesondert ein.

Tja, und das war’s dann mit dieser Miniserie. Ich hoffe, dass ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, aehnlich viel Freude daran hattet wie ich beim Lesen und (zumindest teilweise) Verstehen der Artikel.

Im Zuge der Ueberlegungen zu dieser Serie ist mir meine Tante Anneliese (eigentlich die Schwester meiner Oma) eingefallen. Denn Tante Anneliese musste immer auf Kruecken laufen und wenn mich meine Erinnerung nicht taeuscht, so war die Ursache dafuer die unter Anderem als Kinderlaehmung bekannte Krankheit. Diese war bis in die 60’er Jahre gefuerchtet, und entgegen des Namens sind auch Erwachsene vor dem Erreger nicht sicher.

Hier ist also eine Sache der ich noch persønlich begegnet bin; wenn auch am Rande und nicht in massiven Umfang. Gleichzeitig ist diese Krankheit aber von der Allgemeinheit im Wesentlichen vergessen wurde. Letzteres liegt natuerlich am massiven Erfolg der Impfstoffe und der nicht zu vergessenden, dazugehørenden, jahrzehntelang anhaltenden Impfkampagnen.

„Vergessen“ ist jetzt etwas harsch ausgedrueckt. Gerade im Zuge der Covidepidemie wurden die Erfolge des Impfens oft anhand des sehr starken Rueckgangs dieser Krankheit illustriert. Aber seien wir mal ehrlich. Das ist so, wie wenn von der Pest erzaehlt wird. Egal ob das 70 Jahre her ist oder 700. Der Schleier der Zeit macht tiefgreifendes Verstehen durch Erleben in beiden Faellen unmøglich.

Wie vormals, ist es auch in diesem Fall groszartig, dass wir, als Gesellschaft, uns dieses furchtbaren Schreckens nicht mehr wahrhaft bewusst sind. Wie ehedem, ist dies ein Ausdruck dafuer, wie weit die Menschheit es gebracht hat … dennoch (oder eigentlich gerade deswegen) sollten wir die Krankheit der sogenannten Kinderlaehmung und deren Folgen in Erinnerung halten.

… dass moderater Alkoholkonsum gut fuer einen ist.

Und noch mehr Zitate bzgl. Dingen die in ihrer Gesamtheit nicht sinnvoll sind, bzgl. dieser „Volksweisheit“, und ich zitiere auch heute wieder aus der (Literatur)Anaylse von Hans Olav Fekjær in Addiction 108 (12), pp. 2051–2057, 2013.

Ich hatte bereits kurz erwaehnt, dass Beobachtungsstudien ihre ganz eigenen Probleme haben. Fekjær drueckt das deutlich direkter und weniger diplomatisch aus (Hervorhebung(en) von mir):

The number of observational studies is not an indicator of the strength of the evidence for causal effect. Observational studies remain second-class evidence. This is also confirmed by the many studies giving unreasonable results.

Er gibt ein interessantes Beispiel bzgl. der „Beweiskraft“ von Observationsstudien:

One example is that television viewing is associated with higher cardiovascular and total mortality, independent of [!!!] physical activity, gender, age, education, smoking, alcohol, medication, diabetes history, family history of cardiovascular disease and cancer and body mass index […].

Wenn all das im obigen Zitat aufgefuehrte in Betracht gezogen wurde, dann stellt sich zu Recht die Frage:

[w]hy is TV viewing more harmful than, for instance, book reading?

Weil es nicht im Fernseh schauen selber liegen kann (denn dann waeren Fernseher und Monitore aller Art eine Gefahr fuer alle Menschen), muss es eine Eigenschaft der Gruppe der Vielfernsehschauer sein, die diese Ergebnisse plausibler erklaeren wuerden. In der Beobachtungsstudie kommt aber „Fernseh gucken“ raus. So weit ich weisz sind Beobachtungsstudien von sich aus verhaeltnismaeszig anfaellig fuer derartige … mhm … ich sag jetzt mal Fehler.

Davon unabhaengig ist auch die Klassifizierung von Menschen in Trinker und Nichttrinker problematisch. So tendieren Menschen dazu (deutlich) weniger zu trinken, so denn (generelle) Gesundheitsprobleme auftreten. Fekjær zitiert bspw. eine Studie die zu dem Schluss kommt, dass Ex-Trinker betraechtlich øfter vertreten sind unter den Todesfaellen durch Herz- und Kreislauferkrankungen. Entsprechend ist die …

[…] excess total or coronary mortality of non-drinkers […] found only in studies where ex-drinkers or occasional drinkers were included in the non-drinker group […].

Und nicht ueberraschend findet eine (andere) (Meta)Studie, dass…

[…] the apparent protective effect of alcohol disappeared when ex-drinkers and occasional drinkers were excluded from the non-drinker group […].

Das soll genug fuer heute und insgesamt dazu sein. Beim naechsten Mal dann eine (vielleicht) kurze und (vielleicht) knappe Zusammenfassung :)

… dass moderater Alkoholkonsum gut fuer einen ist.

Es folgen weitere Zitate bzgl. der Ungereimtheiten rund um diese „Volksweisheit“, aus der (Literatur)Anaylse von Hans Olav Fekjær in Addiction 108 (12), pp. 2051–2057, 2013.

Beim letzten mal erwaehnte ich, dass leicht und moderat trinkende Menschen, optimal in die Gesellschaft integriert sind und dass wahrscheinlich dies (und nicht der moderate Alkoholkonsum) die positive Auswirkungen auf die Gesundheit erklaert. Da ist es dann natuerlich naheliegend zu fragen, wie es den Menschen so geht, die nix trinken.
Historisch gesehen war das mal eine recht breite Bevølkerungsgruppe. Heutzutage sind’s ’n paar Prominente und „komische Vøgel“ … und viele „unsichtbare“ Menschen. Und um Letztere geht es heute, denn …

[t]oday’s abstainers are, […] not an average group of people who happen to have a temperance conviction, but are more often a somewhat deviant and marginalized group.

Leider schlaegt sich das im Durchschnitt auf die Lebensfuehrung nieder und …

[…] abstainers generally have less favourable life-styles than light or moderate drinkers.

So ist es bspw. so, dass …

[a]bstainers as a group have a less healthy diet and exercise less than moderate drinkers […].

Aber …

[t]hese key confounders are rarely mentioned in the observational studies.

Nun ist es aber so, dass man schlechte Ernaehrung und wenig Bewegung als „Størfaktoren“ mit in Betracht ziehen kann. Aber selbst denn gilt, dass  …

[e]ven when all known confounders are taken into account, psychosocial factors seem to have a considerable impact on morbidity and mortality, probably through mechanisms which are still unknown. One study concluded that abstainers have more of several psychosocial risk factors such as low education, passive life-style, being unmarried, disabled or depressed […].

Und das hat mich ueberrascht. Aber ausgehend von mir, haette mich das nicht ueberraschen sollen. Ich leide zwar z.Z. nicht unter einer Depression, bin nicht eingeschraenkt in meinen kørperlichen Funktionen und wuerde sagen, dass meine (formale) Bildung relativ „hoch“ ist, aber der Rest passt (leider) durchaus. Da war ich natuerlich blind meinem eigenen, ungesunden Lebensstil gegenueber (ich fuehl mich doch gut!). Auszerdem frage ich mich, ob das anders waere, wenn mich bspw. wer zum klettern (oder ins Trainingsstudio) mitgenommen haette, oder wenn ich einmal pro Monat (oder mglw. gar Woche) soziale Zusammenkuenfte haette, die mich inspirieren wuerden, besser zu essen. Die Studien sagen dazu: JA, denn gute, soziale Integration hat schon seine Vorteile. Im Zusammenhang mit dem Thema dieses Artikels bedeutet dies …

[…] abstainers have fewer and poorer social relationships […] [and] [d]ata across 308 849 individuals […] [shows] that individuals with adequate social relationships have a 50% greater likelihood of survival compared to those with poor or insufficient social relationships. The magnitude of this effect is comparable with quitting smoking and it exceeds many well-known risk factors for mortality (e.g. obesity, physical inactivity) […].

Kein Wunder, dass es in Beobachtungsstudien scheint, als ob es schlecht fuer die Gesundheit ist, wenn man gar keinen Alkohol trinkt. Das hat aber vermutlich nichts mit dem Alkohol zu tun.