… dass moderater Alkoholkonsum gut fuer einen ist.

Ich habe in den vorherigen Beitraegen in dieser Reihe viel aus der (Literatur)Anaylse von Hans Olav Fekjær in Addiction 108 (12), pp. 2051–2057, 2013 zitiert, weil alle dort dargestellten Sachverhalte so schøn den Selbstkorrekturmechanismus der Wissenschaft darstellen. Die gesamte „Geschichte“ geht im Allgemeinen ungefaeher so.

Eine Beobachtung (in diesem Falle besagte „Volksweisheit“) wird gemacht und sehr, sehr oft in vielen unabhaengigen Faellen (scheinbar) bestaetigt.
Diese Studien sind mal mehr, mal weniger gut und die weniger Guten fallen erstmal nicht auf. Bzw. wird den Schwaechen frueherer Studien damit begegnet, indem in neueren Studien immer mehr Størfaktoren in Betrachtung gezogen und „herausgerechnet“ werden.
Ueber viele Jahre scheint sich scheinbar ein bestimmtes „Bild“ einzustellen … aber dann schaut sich eine neue Generation von Forschern dieses „Bild“ mal mit grøszerem Abstand an und sieht die Ungereimtheiten.
Hierbei kann man im Allgemeinen nicht einmal die frueheren Forscher beschuldigen etwas falsch gemacht zu haben. Besagte Ungereimtheiten fallen naemlich nur auf, wenn man alles zusammen, und nicht einzeln (oder begrenzt auf bestimmte Arbeitsgebiete) betrachtet. Das konnten fruehere Forscher aber nicht machen, aus dem einfachen Grund, weil „alles“ ja noch gar nicht da und das „Bild“ erst am Entstehen war.

Fekjær raeumt nun durchaus ein, dass …

[t]here is solid evidence that light or moderate drinkers have a reduced risk of several diseases which are influenced by life-style factors.

Kommt aber nach Blick auf das „Gesamtbild“ auch zum Schluss …

[w]hether or not the lower risk is due to alcohol is a more complicated issue.
Taken together, the existing evidence does not seem to meet the criteria for inferring causality […].

Ganz konkret (als Zusammenfassung dessen was ich in vorherigen Artikeln ansprach):

[f]or almost all the diseases, we do not know of any plausible biological mechanism explaining a causal preventive role for alcohol. In theory there might be a common, as-yet undiscovered mechanism, but the diverse nature of the diseases makes it unlikely. Another criterion for causality which is almost completely lacking is the biological gradient, or dose–response relationship.

und zum Ende kann sich Fekjær ein abschlieszendes Kommentar bzgl. Beobachtungsstudien nicht verkneifen (Hervorhebung von mir):

Some recent studies attempt to overcome the problem by including more confounders than previously […]. Like others before them, the authors seem to be confident that all relevant confounders have been taken into account.

*lacht*

Dies soll es abschlieszend dazu sein.

Der andere Weg der Selbstkorrektur in der Wissenschaft ist die Anwendung neuer, besserer Methoden. Eine derartige neue Methode wurde bzgl. dieses spezifischen Themas, und weiter beschraenkt auf Herz- und Kreislauferkrankungen, von Holmes, M. V. et al. angewandt und im (ebenso detailliert besprochenen) dazugehørigen Artikel in BMJ, 2014; 349:g4164 vorgestellt.
Dieser Weg ist auch voll spannend und oft eindeutiger bzgl. der Schlussfolgerungen. Aber da beide Methoden in diesem konkreten Fall zum selben Ergebniss fuehren, gehe ich darauf nicht nochmal gesondert ein.

Tja, und das war’s dann mit dieser Miniserie. Ich hoffe, dass ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, aehnlich viel Freude daran hattet wie ich beim Lesen und (zumindest teilweise) Verstehen der Artikel.

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