… denn die Alten funktionieren nicht mehr.

In diesem Beitrag møchte ich an das anknuepfen, was ich in der kurzen „Zaesur„-Reihe schrieb.
Dazu werde ich Zitate aus dem absolut lesenswerten Artikel „Information Consumerism – The Price of Hypocrisy“ gebrauchen (Hervorhebungen sind von mir) und mit eigenen, Kommentaren beisteuern.
Mich duenkt, ich zitierte bereits daraus, aber ich bin gerade zu faul rauszusuchen in welchem Beitrag das war.

Normalerweise versuche ich Zitate so weit wie møglich auf das Wesentliche zu kuerzen. Diesmal habe ich mich aber entschieden laengere Zitate zu gebrauchen. Zum Einen um nochmal gewisse Tatsachen ins Gedaechtnis zu rufen, zum Anderen um meine vorherigen Behauptungen zu unterstuetzen und zum Letzten um natuerlich zur Intention dieses Artikels zu gelangen.

Genug der Vorrede, los geht’s. Zunachst nochmals die Situation ins Gedaechtnis rufen:

What will happen in five years, as all objects and appliances turn “smart” – i.e. they suddenly have a cheap but sophisticated sensor built into them – and become connected to each other and to the Internet? Many such objects are already commercially available and many more will be soon: smart forks that monitor how fast we eat; smart toothbrushes that monitor how often we brush our teeth; smart shoes that tell us when they are about to get worn out; smart umbrellas that go online to check when it will rain and warn us to take them with us on leaving the house. And then, of course, there’s that smartphone dangling in your pocket and – soon – Google Glasses adoring your face.

Sehr offensichtlich gilt:

All these objects are capable of generating a data trail.

und deswegen:

[…] they don’t have to install a security camera in your kitchen to know what you’ve been eating: they can figure it out by tinkering with the smart toothbrush in your toothbrush or the smart trashbin in your kitchen.

Wie war das nochmal? Ich habe ja nichts zu verstecken und so?

Aber wer kauft sowas eigentlich?

Niemand … bzw. WIR! Denn wir werden es nicht kaufen muessen, wir werden es geschenkt bekommen … siehe bspw. kostenlose E-Mails (im Artikel kommt gmail zur Sprache) oder:

One set of business models will supply us with gadgets and objects that will either be free or be priced at a fraction of their real cost. In other words, you get your smart toothbrush for free – but, in exchange, you allow it to collect data on how you use the toothbrush. It’s this data that will eventually finance the cost of the toothbrush. Or, for objects with screens or speakers, you might see or hear a personalized ad based on your use of the device – and it’s the ad that will underwrite the cost.

Hørt sich doch eigtl. ganz gut an, oder nicht? Neue Technik und wir muessen nicht fuer bezahlen.

Aber kann das wirklich funktionieren? Das will doch keiner haben! Da merken die Leute doch sofort, dass da was mit faul sein muss, wenn denen das geschenkt wird. Hmmm …

This, for example, is the model that Amazon is already pursuing with its Kindle ereaders: if you want a cheaper model, you simply accept to see advertising on their screens. Amazon’s ultimate Faustian bargain would be to offer us a free ereader along with free and instantaneous access to all of the world’s books on one condition: we will agree to let it analyze everything we read and serve us ads accordingly.

Ach, so schlimm ist das nicht. Werbung guck ich sowieso nicht an und wenn ich Werbung bekomme, fuer Produkte die mich wirklich interessieren, ist das doch eigtl. was Gutes.

Und mehr als Werbung geht ja sowieso nicht. … Doppel-Mhm …

Under a slightly modified model […] you can actually make money off that data by selling it yourself – and not just from the toothbrush but from across any smart object that you interact with: your car, your desk, your trashbin. One start-up – Miinome – even allows you to make money by putting up your genetic code online; whenever a third-party company accesses it – perhaps, to customize advertising or to use it in some Big Data experiment – you get a small payment.

Ich raeume ein, die Datenkatastrophe (oder gern auch Informationsapokalypse, ich mag kraeftige Woerter) ist ziemlich esoterisch

[…] etwas Irrationales, Rätselhaftes bis Nebulöses, das nur von Eingeweihten zu verstehen ist und dessen praktischer Nutzen eher theoretischer Natur ist […].
(aus Wikipedida: Esoterisch)

Deswegen wird in dem Artikel etwas Bekanntes, in dem wir uns ja eigtl. alle einig sind, zur Veranschaulichung herangezoegen. Die sich vor unseren Augen abspielende Klimakatastrophe. Und weil das so gut geschrieben ist, uebernehme ich das hier.

For much of the 20th century, we assumed that our energy use was priced correctly and that it existed solely in the consumer paradigm of “I can use as much energy as I can pay for.” Under that paradigm, there was no ethics attached to our energy use: market logic has replaced morality […]

But as we have discovered in the last decade, such thinking rested on a powerful illusion that our energy use was priced correctly – that we in fact paid our fair share. […]

But of course we had never priced our energy use correctly because we never factored in the possibility that life on Earth might end even if we balance all of our financial statements.„

Das ist zwar alles (mittlerweile) fuer die Leserinnen und Leser dieses weblogs vøllig klar und eindeutig, aber das ist so WICHTIG (!!!) dass ich das hier nochmal explizit stehen haben møchte. Wir haben bei der Klimakatastrophe Dinge nicht mit einkalkuliert, die verheerende Kosten nach sich ziehen kønnten, vermutlich werden.

Soweit zum Analogon. Dies møgen meine Leserinnen und Leser bitte im Hinterkopf behalten, wenn es mal wieder schwer faellt, sich die Informationsapokalypse vorszutellen.

Weiter geht es dann im Artikel mit …

we cannot imagine an information disaster as easily as we can imagine an environmental disaster. 

Und wer ist Schuld? So Leute wie ich sind mindestens mit daran schuldig:

[…] our technophilic intellectuals, in love with Silicon Valley and buzzwords like “innovation”, are partly to blame.

Mhm … immer nur meckern, aber mach doch mal einen besseren Vorschlag.

Nicht sehr konkret, aber ein Anfang:

What we need is a sharper, starker picture of the information apocalypse that awaits us in a world where personal data is traded like coffee

Mit der Zaesur-Reihe hab ich das ja ein bisschen versucht.

Diesbezueglich kommt der Autor dann auch zu sprechen auf das was ich dort bereits erwaehnte. Den geringeren Preis zu zahlen bei einer Versicherung, weil man erlaubt, dass diese die Logs der Zahnbuerste (oder des Tachometers) mitlesen duerfen, ist die eine Seite der Medaille.

Great: if you are better than the average, you get to pay less.

Und die andere Seite ist:

But the problem with averages is that half of the population is always worse than the benchmark. […] that other half will be forced to pay more […].

Wen kuemmert das schon? Ich befuerchte niemanden, denn …

[…] for as the more successful of us take on self-tracking, most social institutions would (quite logically) assume that those who refuse to self-track have something to hide. Under this model, the implications of my decision to trade my personal data are no longer solely in the realm of markets and economics – they are also in the realm of ethics

Und „ethics“ … pfffffff … wen interessiert dieses Geschwaetz der Akademiker denn schon?

Aber hey … wenigstens haben so Spinner wie ich eine Aufgabe.

Making these consequences more pronounced and vivid is where intellectuals […] ought to focus their efforts. We should do our best to suspend the seeming economic normalcy of information sharing. […] Information sharing might have a vibrant market around it but it has no ethical framework to back it up.

Mhmmm … Mist „Informationsapokalypse“ … Computer und so …sollte man das nicht besser den Profis ueberlassen?

It’s wrong to think that all this digital stuff can just be […] delegated to the […] people who know how to code.

Und warum ist das verkehrt?

This “digital stuff” is of fundamental importance for the future of privacy, autonomy, freedom, and democracy itself [!!!]

Aber genug des theoretischen Geschwafels.

What we must focus on is creating environments where actual freedom can still be nurtured and preserved.

Da habe ich ja grosze Hoffnung, dass das bspw. die Hackerspaces sein kønnten, die ja nun in zahlreichen Staedten entstehen. Und ich møchte da nochmal drauf hinweisen. Um dort mitzumachen, muss man nicht programmieren oder løten kønnen. Die Damen und Herren dort kønnen mal ’ne andere Sicht auf die Dinge ganz gut gebrauchen. Auszerdem soweit ich Hacker bisher kennengelernt habe, sind die auch ganz lieb und møchten gerne helfen. Ein guter Grund dort mal aufzuschlagen waere ja um E-Mail Verschluesselung eingerichtet zu bekommen.

Aber Hackerspaces muessen nicht die einzige Møglichkeit sein.

Warum brauchen wir ueberhaupt „(semi)øffentliche Raeume“ fuer die Freiheit? Nun ja, der Rueckzug ins Private hat noch nie funktioniert! Da braucht man sich ja nur die letzten 100 Jahre der Menschheitsgeschichte, insb. In Europa anzuschauen.

Aber um diesen Artikel nicht zu positiv abzuschlieszen und den Finger nochmal in die eiternde Wunde zu halten:

Let’s face it: most of us would rather not think about the ethical implications of smart toothbrushes […]

The least we can do is to acknowledge that the crisis is much deeper and that it stems from intellectual causes […].

Und ganz konkret nochmal:

Information consumerism, like its older sibling energy consumerism, is a much more dangerous threat to democracy than the NSA.

Mich juckt’s ja jetzt auch noch das hier zu schreiben:

Facebookkonto løschen! Jetzt!

Und dann ueberlegen, ob man verschluesselte Mails nicht eigentlich doch recht fetzig waeren. … Hinweis: Sind sie! Versprochen.

Im neulich bereits vorgestellten Dokument steht auch:

Man lieset, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu lesen; […]

Welch gar unglaubliche Dekadenz!
Das gehørt eindeutig verhindert!

1.: Ich weisz nicht, ob das ein Rechtschreibfehler im Dateinamen war, oder ob das so sein soll.

2.: Dieses Restaurant gibt es an dieser Stelle nicht mehr.

3.: Essen war so, wie man es bei so einem Restaurant erwartet.

Wenn ich mich richtig erinnere, so hing dort ein Bueffelkopf an der Wand.

Bei der Toilette …

Steak House bei vår fru kirke

… sind eigentlich nur die haptikerfreundlichen Fliesen erwaehnenswert.

Mit diesem Beitrag bin ich dann erstmal auch fertig mit der kurzen Trondheimspeisestaettentoilettenbilderminiserie, denn diesbezueglich ist mein umfangeiches Bilderarchiv erstmal leer.

Im Film Riddick gibt es eine Szene, in der besagte Figur in Ketten ist und geschlagen wird. Daraufhin fragt eben diese Figur, seit wan DAS denn gemacht wird.

In was fuer einer Welt leben wir Wir leben in einer Welt, in der ausgerechnet in RIDDICK (!!!) so etwas nicht nur thematisiert, sondern auch noch negativ beantwortet wird. Dies im Gegensatz zur aktuellen Politik (auch dtsch. Politik! Siehe bspw. der Fall Kurnaz, Polizeigewalt, etc. pp.).

2004 erschien ein Artikel mit dem Titel „The Road to Abu Ghraib„.

Ich mag daraus nicht zitieren. Oder vielmehr kann ich nicht.
Ich konnte immer nur 1 bis 2 Seiten lesen. Mehr schaffte ich nicht. Zum einen aus Wut, dass Mitglieder der selben Spezies der ich angehøre derartige Dinge erlauben. Man erinnere sich: Homo sapiens sapiens – der wissende, weise, ja man kønnte gar sagen der sich selbst bewusste Mensch! Wie kann man sich selbst bewusst sein, ohne sich des Anderen bewusst zu sein?
Zum anderen, weil mir aufgrund der dort berichteten Vorfaelle die Traenen in die Augen stiegen.

Wie wir alle wissen ist in der seitdem vergangenen Dekade noch viel mehr passiert und es hat sich ueberhaupt nichts gebessert. Aber das wollen wir nicht wahr haben und deswegen versuchen wir da lieber nicht dran zu denken oder uns mit zu beschaeftigen.

Keine Leseempfehlung deswegen an dieser Stelle. Zu viel Realitaet. Das ist nur ganz schwer auszuhalten.

Skistua ist ein Ausflugsrestaurant in der Naehe einer Radarstation. Dort gibt es das typische, norwegische Standardausflugsrestaurantangebot – Waffeln, Pølse, Kaffee, Brause, Schokoladenriegel.

Nicht so sehr standardisiert sind die Toiletten in der 2. Etage.

Skistua 2. Etage

Was fuer eine urst haessliche Wanddekoration. Finde ich gut :)

Auch der Uebergang des Abflussrohres von weisz zu schwarz ist gut durchdacht.

Ebenso ist die Zuflussrohrkonstruktion beachtenswert.

Beim Sitzklo faellt auf, …

Skistua 2. Etage 2

… dass sich jemand Gedanken machte, wie die Klobrille zu dieser haesslichen Wanddekoration passt.

Prima!

Aufgrund solcher Perlen lohnt es sich all die vielen, weniger groszenartig gelungen Texte zu lesen.

Und dabei ist es nicht mal eine Seite lang.

Schon etwas laenger her:

Eier

Wie man sieht (oder vielmehr nicht sieht), sind keine gluecklichen Huehner auf dem Bauernhof abgebildet. Oder anderer, verkaufsførdernder Kram.

Dort steht in groszen Buchstaben: „12 kleine/mittelgrosze Eier von Kaefighuehnern“.

In klein dann daneben, dass es ab 2012 keine derartigen Eier mehr bei Rema 1000 geben wird und wie schlimm Kaefighuehner das doch haben. Auszerdem, dass es ja auch besser fuer die Qualitaet des Essens (und somit fuer die Kunden) ist, wenn das von gluecklichen Huehnern kommt.

Rema 1000 ist die hiesige (grøszte) billig-und-direkt-von-der-Palette-verkauft-Kette. Sowas wie Aldi, nur nicht so schlimm, weil sie das hier nicht duerfen.

Und da fragt man sich dann unwillkuerlich: HAEH? Warum machen die das?

Sicherlich nicht, weil ihnen die armen Huehner so am Herzen liegen.

Ich nehme an, dass es eine Gesetzesinitiative hierzulande gegeben hat, die den Tier-, und mglw. damit auch den Verbraucherschutz, staerkte.
Ich habe jetzt aber keine Lust das zu recherchieren. Aber da „Selbstverpflichtung“ im Kapitalismus nicht funktioniert, denke ich mal, dass diese Annahme durchaus plausibel ist.

In einem feinen Land wohne ich hier, nicht wahr. Denn wiedermal sieht man was so alles møglich ist, wenn die Volksvertreter nur wollen.

Aber natuerlich sollte man nicht vergessen, inwiefern dies fuer arme Menschen negtive Konsequenzen hat.
Und auch, dass es freilaufende Huehner eigentlich nicht so richtig gut haben, sollte nicht vergessen werden.
Es handelt sich also nur um einen kleinen Schritt. Aber durch viele kleine Vorwaerts(!)schritte kommt man ja auch voran.

Tchibo2

In „Sie sind ja auch nur ein Exemplar!“ behauptet Dietmar, dass …

[…] die Existenz von Klassenschranken oder sexistischer Benachteiligung […] in Deutschland […] praktisch unumstritten [ist].

Um im Satz gleich darauf, so brilliant wie immer, seine Beobachtungen in der realen Welt auf den Punkt zu bringen:

Das ist eine These, die man […] [sich] rasch abgewöhnen könnte, wenn [man] einmal eine Woche in einem Mediengroßbetrieb oder an einer naturwissenschaftlichen Universitätsfakultät verbringen müßte, wo man von der Armut oder vom Sexismus hauptsächlich weiß, daß die Achtundsechziger und Alice Schwarzer sich das ausgedacht haben.

Lest ihr, meine lieben Leser und Leserinnen das nochmal durch und lasst es euch auf der Zunge zergehen.

Das mit der Armut habe ich extra drin gelassen.
Als Vergleich, bzw. Mittel um sich besser in die Situation hinein zu versetzen. Denn ueber die Jahre, hat zumindest mein (naeheres) soziales Umfeld die Situation bzgl. der Armut begriffen. Erkennt aber gleichzeitig, dass ein groszer Teil der Bevølkerung in Dtschl. dieses Problem nicht wahr haben will (uns in Dtschl. geht es doch gut – die uebliche Propaganda eben).

Ungefaehr so aehnlich ist das auch mit dem Anerkennen der ungerechten Ungleichbehandlung von Frauen und Maennern. … Denn eigentlich … soooooo schlimm ist das doch gar nicht. Nicht wahr. Den Leuten muss es doch gefallen, wenn Frauen derartig in der Reklame dargestellt werden. Ansonsten gaebe es das ja gar nicht. … Das stimmt zwar schon. Es gefaellt (mir) durchaus. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies hilft positive Veraenderungen diesbezueglich zu bewirken. Meiner Meinug nach ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Pizzeria gleich in der Naehe meiner zweiten Whg. ist gar nicht mal so schlecht. Zwar eher „Standardessen“, aber meistens ist es ja doch genau das, was man will, wenn man spontan „aus geht“ und das nicht laenger geplant hatte. Auszerdem ist „Standardessen auch etwas was der junge Mann, der bei mir wohnt, isst.

Standard ist auch das Klo.

Pizzeria Napoli

Diese blauen, glaenzenden Fliesen verspruehen irgendwie „DDR-Charme“. Auch finde ich die Stuetzen die aus der Wand kommen irgendwie cool. Sieht so aus, als ob die sich gleich selbststaendig machen und einen greifen … tihihi … Must Kill … All … Humans

So kann man es auch sehen:

Das Lesen wird als Kulturleistung unangemessen verherrlicht. Wieso liest man sich etwas durch, was jemand anderes geschrieben hat? Das tun eigentlich nur Lehrer oder Geheimdienste.
(von hier)

Sozusagen in Anlehnung an den letzten Beitrag in dieser Kategorie.