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… ist das dritte Buch welches ich von Simon Stålenhag habe. Als ich es nach dem Kauf durchblaetterte, war ich zunaechst enttaeuscht, denn es schien auf den ersten Blick eine Abkehr vom Konzept der vorangehenden zwei Buecher zu sein.

Dementsrpechend wartete ich nach dem Kauf recht lange, bevor ich es las. Zu meiner Ueberraschung stellte sich mein erster Eindruck zwar durchaus als richtig, aber meine Reaktion als unbegruendet heraus.

Das zugrundeliegende Konzept der ersten beiden Buecher — imaginierte Kindheit und Jugend in einer Gegend die voll ist mit seltsamen technischen Artefakten welche dem Ganzen eine Art Semi-Endzeitstimmung geben — gibt nunmal nur so viel her bevor es repetitiv wird. In diesem Buch schafft Stålenhag die erfolgreiche Erweiterung dieses Konzepts. Altes wird erhalten und Neues kommt dazu. Genauer ist hier ein ganzes Land (høchstwahrscheinlich der ganze Planet) und alle Bewohner „betroffen“ von den Artefakten; anstelle einer kleinen Gegend in Schweden und den wenigen Leuten die dort wohnen. Auszerdem muss es eine ganz andere Welt sein, denn die Artefakte sind zwar immer noch technisch, aber ganz anderer Natur.

Stålenhag ist sehr geschickt in der Praesentation dieser (neuen) Welt in Text und Bildern und deswegen wurde trotz meiner anfaenglichen Bedenken dieses (dritte) Buch meine Favorit :) .

Im, beim letzten Mal erwaehnten, Artikel von Ugai, T., et al werteten die Autoren unheimlich viele Daten aus.
Dabei ist natuerlich zu bedenken, dass jeder Datenpunkt ein Mensch ist … was mich direkt zum urspruenglichen und eigentlichen Problem zurueck bringt: man kann leicht auf den deprimierenden Gedanlen verfallen, dass alles was von einem am Ende uebrig bleibt, ein Zaehler in einer Statistik ist, der um eins hoch geht. Dann aber bildet sich dieses Problem auf sich selber ab: darueber will man nicht nachdenken und darum tun das die meisten Leute auch nicht. Aber wenn ich mich nicht mit meinen Aengsten beschaeftige, wie soll ich denn dann lernen denen zu begegnen? Und gerade das Thema des eigenen Todes ist unvermeidbar (und absolut).
Mir hilft dabei sehr dass ich dies eben in Datenpunkte abstrahieren kann. Womit der Kreis geschlossen ist … aber ich wollte das mal gesagt haben.

Wieauchimmer, beim Lesen des obigen Artikels erfuhr ich, dass bestimmte Krebsarten bei Menschen unter 50 Jahren mit so und so viel (wenigen!) Prozent pro Jahr zunehmen. Nach dem ersten Schreck stellte ich mir dann die Frage, wie hoch eigentlich die Chance ist, dass ich einen gewissen Krebs bekomme? Und wie sehr erhøht sich das, weil ich mich so wenig bewege?
Die gute Nachricht: die Zahlen sind im Allgemeinen viel (!) niedriger als man glauben mag … mit Einschraenkungen, aber darauf komm ich an anderer Stelle nochmal zurueck

Nochmal anders an Hand eines Fantasiebeispiels mit ausgedachten Zahlen: man nehme an, dass von 1000 Leuten 4 Schilddruesenkrebs bekommen (Bemerkung: die wirkliche Zahl ist eher 3 von 100-tausend … siehe die guten Nachrichten im vorherigen Satz). Desweiteren nehme man an, dass staendiges Sitzen diese Chance um 25 % erhøht (Bemerkung: viel Sitzen geht nicht auf die Schilddruese!). Dann waren das also 5 von 1000 … eine relativ geringe Chance und bei den Zahlen aus dem echten Leben ist die noch viel viel viel geringer.
Weiterhin gilt, dass selbst WENN ich einer von diesen fuenf Leuten bin, dann haette ich mit mehr als vier Mal høherer Wahrscheinlichkeit diesen Krebs auch dann bekommen wenn ich den ganzen Tag im Wald spazieren gehen wuerde!

Das ist wichtig, denn 25 % hørt sich nach URST viel an und auf den ersten Blick interpretierte ich das so, dass meine mir lieben und wichtigen Hobbies (Zocken, Lesen, Programmieren und Datenanalyse … nicht notwendigerweise in dieser (oder irgend einer) Reihenfolge) mich umbringen werden!
Wie aber bereits dieses Fantasiebeispiel mit viel zu groszen Zahlen zeigt, ist dem mitnichten so! Die erste Aussage zeigt, dass ich høchstwahrscheinlich eh keinen Schilddruesenkrebs bekommen werde. Die zweite Aussage bedeutet, dass selbst wenn es doch passiert, es nicht wegen meiner Hobbies war.

Diese Erkenntnisse fand ich spannend und deswegen machte ich mich daran, die wirklichen, altersspezifischen Zahlen zu finden … aber dazu mehr beim naechsten Mal (auch wenn ich oben schon ein Resultat gespoilert habe).

Ein Thema ueber das man nicht spricht … und (noch) eine Fortfuehrung der hier begonnenen Gedanken. Letztere gehen bei mir ja nun auch schon wieder zwei Dekaden zurueck, ein semi-abhaengiger Aspekt der an sich schon interessant ist … aber darum soll es nicht gehen.

Auch wenn ich hier auf ganz andere Dinge eingehen werde, so liegt die Motivation doch in dem worueber letztlich auch eine andere zur Zeit laufende Miniserie handelt:

[…] ich versuche zu lernen, mit der Absolutheit meiner eigenen Sterblichkeit umzugehen […] [indem ich] schwere Probleme in Teile [zerlege] die ich prozessieren kann … und oft kommen dabei Fragen und Antworten und Ideen und Ueberlegungen bei raus, die ganz unabhaengig vom urspruenglichen (oder eigentlichen) Problem durchaus interessant sind :) .

So ist das auch hier.

Ueberhaupt darauf gekommen bin ich, weil ich neulich ueber einen sehr interessanten Artikel von Ugai, T., et al. mit dem Titel „Is early-onset cancer an emerging global epidemic? Current evidence and future implications“ in Nature Reviews Clinical Oncology, 19, 2002, pp. 656–673 gestoszen bin (zur Zeitpunkt des Schreibens war das leider nicht verfuegbar bei meiner ueblichen Quelle).
„Early onset“ bedeutet in dem Zusammenhang, bevor man 50 ist und das ist von Interesse, denn junge Menschen bekommen _deutlich_ seltener Krebs und wenn sich da was messbar aendert fuer die Menschheit, dann ist es wichtig die Gruende heraus zu finden.

Wieauchimmer, dort fand ich heraus, dass …

[…] prolonged sedentary television viewing time was associated with an increased incidence of early-onset [colorectal cancer] independent of exercise and BMI.

Ich guck zwar nicht all zu viel TV, aber ich zocke viel und sitze auch auf Arbeit den ganzen Tag. Deswegen war ein naheliegender Gedanke: „Verdammte Kacke .oO(Wortspielkasse)“. Meinem normalen Bewaeltigungsmechanismus folgend versuchte ich diesen gigantischen Schreck in kleinere, verstehbare Teile zu zerlegen.

Um diesen ersten Beitrag mit einer positiven Note abzuschlieszen eine gute Nachricht: ich kam zu dem Schluss, dass ich mir darueber nicht wirklich den Kopf zerbrechen muss … aber dazu komme ich erst an spaeterer Stelle … denn der Weg zu dieser Erkenntnis war gepflastert mit voll spannenden Sachen … und darueber geht diese Miniserie.

Vor einer Weile liesz ich mich darueber aus, dass die Rolle der Kirche zu Galileis Zeiten mitnichten bøse, garstig und rueckwaertsgewandt war. Vielmehr hat diese in weltlichen (!) Fragen mittels der damaligen (!) „wissenschaftliche Methode“ gearbeitet und die Wissenschaften sogar aktiv unterstuetzt. Nur in geistlichen Fragen liesz sie sich nicht reinreden. Mittlerweile denke ich, dass das (unter den damaligen Umstaenden!) durchaus gerechtfertigt war. Fuer die Kirche war ein Galilei der was in spirituellen Dingen erzaehlt ungefaehr so wie wenn mir ein Koch sagt, dass Impfen zu Autismus fuehrt. Im besten Fall nervig, im schlimmsten Fall den øffentlichen Frieden (zer)størend.
An anderer Stelle liesz ich mich ueber Newton, und wie dieser eigentlich gar kein Wissenschaftler im heutigen Sinne war, sondern vielmehr einer der letzten Magier.

Wieauchimmer, Giordano Bruno ist eine weitere mythische Figur. (Auch) von ihm wird gerne behauptet, dass er ein ganz aufrichtiger Wissenschaftler war und fuer die (einzig wahre) Wissenschaft gestorben ist. Junge, Junge, da hab ich neulich was zu gelesen. Naemlich den Artikel von Lawrence S. Lerner und Edward A. Gosselin mit dem Titel „Was Giordano Bruno a Scientist?: A Scientist’s View“ im American Journal of Physics 41, 24, 1973, pp. 24–38 … *hust*.

Ich fand den Artikel schwer zu lesen und den angefuehrten Beispielen schwer zu folgen. Aber die Schlussfolgerung ist diese: Bruno hat NICHT die damaligen wissenschaftlichen Argumente durchdrungen, sondern eher nur nachgeplappert. Die Autoren geben dafuer gute Argumente anhand von Brunos Buechern, im Vergleich mit anderen zeitgenøssischen Quellen. Er war also mitnichten ein Wissenschaftler, auch nicht unter damaligen Gesichtspunkten und wir romantisieren das, weil es uns besser in den Kram passt.
Bruno tat dies um seine eigene, eher religiøs/spirituell ausgerichtete Agenda zu førdern … Uff! … was fuer eine Verkuerzung der Argumente und des Geschehenen, aber letztllich laeuft es darauf hinaus.

Die Autoren schreiben dazu schon in der Zusammenfassung:

Bruno’s “scientific” arguments do not exhibit any understanding of scientific reasoning or purpose. Rather they serve the totally unrelated function of allegorical descriptions of a metaphysical relationship between Man and God […]. Bruno sees Nature as the signature of God, and he believes that this signature can best be perceived through the hieroglyph of the Copernican theory.

Auszerdem war er ein Querulant und Størenfried, der sein Leben lang an keinem Ort verweilen konnte, weil er es sich mit den Leuten immer dermaszen verscherzte, dass sein Leben in Gefahr war. Am Ende konnte er nirgendwoanders mehr hingehen und kehrte in eine Gegend zurueck von der er wusste, dass er dort eingesperrt wird.

Letzteres ist auch der Unterschied zu Galilei. Ich kenne keine einzige Wissenschaftlerin (!) die fuer ihre Wissenschaft gestorben ist (dito fuer die Wissenschaftler). Galilei hat widerrufen, weil ein lebender Mensch sich wenigstens Gedanken machen kann ueber wissenschaftliche Belange und das nehmen ihm zu kurz denkende Menschen heutzutage uebel. Oder anders: Wissenschaftler sind eben gerade KEINE Maertyrer, denn ihnen stehen andere Wege der Wahrheit zur Verfuegung.
Und hier liegt der Hase im Pfeffer, denn der Begriff Maertyrer ist zurecht (fast?) ausschlieszlich dem religiøsen Bereich zugeordnet. Bruno wird nun gemeinhin als Maertyrer der Wissenschaft angesehen … ein Widerspruch in sich und dann auch noch falsch (siehe oben).

Aber ACHTUNG! Das bedeutet NICHT, dass Bruno und seine Buecher irrelevant waren (oder sind). Ganz im Gegenteil! Seine philosophischen Argumente haben spaeter wichtige Wissenschaftler wie Galilei oder Huygens massiv beeinflusst. Bruno spielt in der Entwicklung der Wissenschaft also eine wichtige Rolle. Aber nicht als (Proto)Wissenschaftler, wie es der heutige, weitverbreitet Narrativ ist. Und das wollte ich mal gesagt haben.

Die Absolutheit der eigenen Sterblichkeit ist ein ganz furchterregendes Thema, dem man sich nicht wirklich naehern kann. Die allermeisten Leute beschaeftigen sich damit entweder gar nicht oder nur mittels Hilfe religiøser Argumente.

Eine weitere Reaktion bzgl. der Absolutheit dessen was unendlich mal weniger als Nichts ist, so viel weniger, dass wir dafuer nicht mal einen Begriff haben, denn das waere ja schon etwas, besteht darin, etwas „Bleibendes“ zu schaffen. Das ist das, was ganz grosze Kunst ganz grosz macht. Man fuehlt das Kaempfen der Kunstschaffenden gegen die Absolutheit des Todes in Gustav Vigelands Skulpturen, den Bildern von Vincent van Gogh oder Pieter Bruegel (der Aeltere), den Buechern von Kurt Vonnegut, Hannah Arendt, Karl Marx etc. pp., der Musik von Beethoven, Bach oder auch Jean Michel Jarre und nicht zuletzt in Videospielen wie bspw. (und mir sehr am Herzen liegend) Hellblade: Senua’s Sacrifice.
Es ist also ein natuerliches und sehr menschliches Verlangen etwas Bleibendes zu hinterlassen, was die „Essenz“ des Selbst ausdrueckt.

Die meisten Leute kønnen keine Kunst schaffen … das gilt aber nicht fuer Kinder.
Weiterhin ist es so, dass egal von wem geschaffene, Produkte immer auch einen „Teil“ der Person enthalten (wenigstens die Lebenszeit die es brauchte um das Produkt zu erschaffen). Das gilt fuer den liebevoll gebackenen Kuchen, das gebaute Haus, der Programmcode und nicht zuletzt so ziemlich jeder Weblog. Nicht alles ist Kunst, nicht alles ist Bleibend und nur das Allerwenigste drueckt auch die Essenz des Selbst aus … aber es ist immer ein Teil der Person in dem Geschaffenen.

Nun ist es scheinbar (!) naheliegend, dieses Prinzip auf das „Produkt der Lenden“ … ich bitte diesen Ausdruck zu entschuldigen, dieser ist aber allgemein bekannt (und gebraucht) und passt genau in das was ich hier eigentlich sagen will … zu erweitern … insb. auch deswegen, weil dieses die Haelfte der Gene der oder des „Erschaffenden“ enthaelt. Wobei Letzteres natuerlich ein sehr neues Konzept ist und ich komme darauf an anderer Stelle nochmal zurueck.

Und eben darin liegt das Problem … meine, von mir geschaffenen Produkte enthalten einen Teil von mir, denn ansonsten waere das ja nicht von mir geschaffen … wenn meine Enkel den Kuchen von wem anders essen kuemmert mich das ja nicht, bzw. nur in so fern, dass der besser schmecken kønnte als meine Kuchen und damit wer anders mehr geschaetzt wird als ich … Mist … ich schaffe es nicht besser auszudruecken was ich meine, aber ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, ahnt vielleicht worauf ich hinaus will.

Wieauchimmer, ein Kind erlebe ich aber als Mensch und wenn ein Mensch einen Teil von mir enthaelt, dann muss das ja wie ich sein, denn ansonsten waere das ja nicht von mir.
DAS spricht dem Kind aber sowohl Autonomie und eine eigene Persønlichkeit ab. Ersteres deswegen weil es meinem Willen unterliegen muss (denn ich habe Macht ueber meine Produkte), Letzteres weil es ja „meine Essenz“ enthaelt und die kann ja nix Anderes sein als ich selber.
Diese Uebertragung ist natuerlich groszer Unsinn … und sicherlich einer der zugrundeliegenden Mechanismen der Probleme zwischen Eltern und Kindern. Dass es eine all zu menschliche Herangehensweise ist, aendert nichts daran, dass es Unsinn ist.

Puuuuuuuuh … verwirrend, ich bin immer noch dabei mich in meinen Gedanken bzgl. dieser Fragestellung voran zu tasten. Das erkennt man daran, dass ich mit Beispielen (anstatt Verallgemeinerungen) arbeite und so manches mehrfach sage. Aber ich hoffe, dass am Ende dieser Miniserie alles etwas deutlicher wird.

Ich bin einer der wenigen Menschen, die diesen Film im Kino gesehen haben. Ich fand den ganz hervorragend! Nicht nur als Film an sich, sondern auch weil ich (nur) dadurch auf den Autor Kurt Vonnegut aufmerksam wurde, den ich mittlerweile sehr schaetze.

Ich gebe aber zu, dass dieser Film sehr absurd zu sein scheint. Ich denke, dass dies zu den schlechten Bewertungen beitraegt, denn Menschen versuchen ja Geschichten immer zu verstehen im Zusammenspiel mit der Welt auszerhalb des Kinos (oder Fernsehsessels).
Wenn man den Film aber unter seinen eigenen Praemissen  betrachtet (was mir mglw. leichter faellt als anderen), dann ist das zwar immer noch absurd, aber eine andere Art von absurd … das Absurde ist genau genommen der zentrale (und springende) Punkt der ganzen Sache. Und das ist einer der Gruende, warum ich den so toll finde.

Wieauchimmer, ich hatte mir vor vielen Jahren den Film auf VHS besorgt und von den vielen die ich mal hatte, ist es die einzige Film-Videokassette die noch in meinem Besitz ist:

Beinahe zwei Jahrzehnte lang versuchte ich diesen Film auf DVD zu bekommen, aber der wurde nur ein Mal auf diesem Medium verøffentlicht und ist seitdem so eine Art „Sammlerstueck“. Nicht weil die DVD so wertvoll waere, sondern weil man so schwer ran kommt.

Aber letztes Jahr Weihnachten bekam ich diese endlich als Geschenk. Toll wa!

Magic: The Gathering ist ein Kartenspiel, bei dem jeder Spieler ein Set von unterschiedlichen Karten hat die im Spielablauf verschiedene Sachen machen. Die grundlegenden Regeln sind im Wesentlichen (wie bei jedem Kartenspiel) sehr simpel: Spiel in deinem Zug eine Karte und wenn auf der was drauf steht, dann mach das.
Die Dinge die auf den Karten stehen sind im Grunde auch nicht sehr komplex. Das wuerde dem Grundgedanken eines (Gesellschafts)Spiels entgegen stehen. Die Komplexitaet liegt in der Interaktion und wenn man nun bestimmte Karten in einer bestimmten Reihenfolge spielt, kann man damit eine Turingmaschine bauen.

Churchill, A., Biderman, S. und Austin Herrick schreiben ueber die Konstruktion einer Turing Maschine aus diesen einfachen Grundbausteinen in ihrem Artikel mit dem passenden Titel „Magic: The Gathering is Turing Complete“ … aber der Reihe nach.

Im Allgemeinen war dies der Konsensus bzgl. normaler, nicht-elektronischer (!) (Gesellschafts)Spiele :

[t]he approach of embedding a Turing machine inside a game directly is generally not considered to be feasible for real-world games […].

Der Grund war, dass …

[…] the unbounded memory required to simulate a Turing machine entirely in a game would be a violation of the very nature of a game.

Darum die obige Beschraenkung auf nicht-elektronische Spiele, denn Minecraft oder Dwarf Fortress haben im Wesentlichen Zugriff zu „unendlichem Speicher“ und da ist es zwar immer noch eine ziemliche Leistung eine Turingmaschine zu bauen, aber es verwundert nicht all zu sehr.

Ein weiterer Grund fuer den bisherigen Konsensus war, dass …

[…] almost every real-world game is trivially decidable, as they produce game trees with only computable paths.

Das kann zwar SEHR komplex (bspw. im Schach) werden, prinzipiell ist das natuerlich richtig. Diese Eigenschaft steht aber einer Turingmaschine entgegen, denn diese ist Turing-vollstaendig. Zur Erinnerung: letzteres bedeutet, dass man ALLE Algorithmen implementieren kann, also auch solche bei den man NICHT entscheiden kann ob die anhalten (oder nicht); was dann ja zum Halteproblem fuehrt.

Der Artikel ist stellenweise lustig zu lesen, denn normalerweise liest man so Sachen wie …

[c]onsider the following situation: both players control Lich, Transcendence, and Laboratory Maniac. One player then casts Menacing Ogre.

… eher nicht in einer wissenschaftlichen Publikation … tihihi.

Aber wie sind die verschiedenen Teile einer Turingmaschine nun konstruiert? Der Speicher ist einfach, das sind einfach nur Karten mit verschiedenen Werten (und Farben, aber ’ne Farbe ist ja auch ein Wert).

Als naechstes braucht man einen Schreib- und Lesekopf und Instruktionen was der (auf dem Speicher) machen soll.

Control instructions in a Turing machine are represented by a table of conditional statements of the form “if the machine is in state s, and the last read cell is symbol k, then do such-and-such.”

Hier nimmt man Karten mit bestimmten Bedingungen …

[m]any Magic cards have triggered abilities which can function like conditional statements.

… und mithilfe wiederum anderer Karte modifiziert man diese Bedingungen gezielt. Letztlich wird dann ein …

Rotlung Reanimator („Whenever Rotlung Reanimator or another Cleric dies, create a 2/2 black Zombie creature token“)

modifiziert mit …

Artificial Evolution […] „Change the text of target spell or permanent by replacing all instances of one creature type with another […]“

… zu:

Rotlung Reanimator [modifiziert] […] „Whenever Rotlung Reanimator or another Aetherborn dies, create a 2/2 white Sliver creature token“.

Das entspricht dann einer Instruktion wie oben beschrieben; ganz konkret in diesem Fall:

When reading symbol 1 in state A, write symbol 18 and move left.

Symbol 1 ist „Aetherborn“ (A), Symbol 18 ist „Sliver“ (S), „write“ weil Aetherborn mit Sliver ersetzt wird und aus der Farbe der Karte (hier sind die weisz) folgt automatisch, wie sich der Kopf danach bewegen muss.

Das macht man nun mit verschiedenen Karten / Kreaturen und am Ende hat man alle Instruktionen und Teile (man braucht noch mehr als Speicher und Schreib/Lesekopf) die man fuer eine Turingmaschine braucht.
In einem Spielzug fuehrt man dann bspw. eine Aktion aus, die dazu fuehrt, dass gewisse Kreaturen sterben; das triggert die modifizierten Rotlung Reanimators und dann wird eine Instruktion ausgefuehrt.

Nun gibt es Zustaende des „Spielbretts“ (also der Karten die ausliegen), die einem Spieler (prinzipiell) erlauben unendlich viele Zuege hintereinander zu machen … ZACK! Hat man eine Schleife … und die kann prinzipiell unendlich lange laufen … und wenn man das hat, werden die Konsequenzen vorheriger Spielzuege (die ja das Spielbrett in eine gewisse Situation bringen) prinzipiell unverhersagbar … damit hat man keinen Entscheidungsbaum mehr und steht vor dem Halteproblem welches eine Turingmaschine nun mal mit sich bringt.

URST COOL WA!

Um DOOM auf Magic laufen zu lassen, muss man „uebersetzen“ was ein Brettzustand, eine Karte, eine Kombination von Karten usw. usf. denn bedeutet. DAS ist urst kompliziert. Aber dadurch, dass eine Turingmaschine konstruiert werden kann ist Magic Turing vollstaendig und das bedeuet, dass es jedwedes Programm ausfuehren kann und daraus folgt, dass es eine solche Uebersetzung geben muss … Aber die ist bestimmt so involviert, dass die Framerate dieses DOOM bei einem Bild alle zehntausend Jahre liegt oder so … das ist etwas unpraktisch, nicht wahr … Aber um tatsaechliche Durchfuehrbarkeit geht’s mir ja ueberhaupt nicht.

Neulich stolperte ich ueber dieses Diagramm:

Aus diffusen rechtlichen Gruenden buchstaeblich vom Bildschirm abfotografiert, wobei das hier meine Quelle war. Wie ueblich im Internet konnte ich die Originalquelle des Bildes nicht ausfindig machen, aber entweder das Bild oder wenigstens die Daten dazu scheinen aus diesem Buch zu stammen.

Willow kann seine (ihre? ich kenn mich damit nicht so aus) Abstammung in einer langen Linie bis zu Susan zurueck verfolgen. Und dann wird so gern gesagt, dass ein Teil von Susan in Willow bis ins 21. Jahrhundert gelebt hat.

Das erinnerte mich daran, wie in Frank Herberts Dune-Universum die Erinnerungen der Vorfahren in den Genen gespeichert sind und besagte Vorfahren dann mehr oder weniger autonome innere Ratgeber fuer einen Menschen werden kønnen, wenn der „genetische Wissensspeicher“ aktiviert wird.

Und da stellte sich mir die Frage: wie viel ist eigentlich noch von „mir“ (beachte die Anfuehrungszeichen (!); deren Bedeutung wird aber erst im Laufe dieser Miniserie klar) in 1000 Jahren „vorhanden“?
Oder in kurz, es geht irgendwie mal wieder irgendwie um das worueber ich bereits hier sprach.
Im Laufe dieser Miniserie werde ich Argumente bringen, warum diese Vorstellung (dass da noch was von „mir“ sein wird) alberner Unsinn ist und ich die Frage von Anfang an (also nicht erst nach 1000 Jahren) ganz konkret mit < NICHTS > beantworten kann. Aber es wird auch im mehr als dies gehen.

Jetzt beim Schreiben faellt mir auf, dass das eigentlich alles Gedanken im grøszeren Umfeld dessen sind, dass ich versuche zu lernen, mit der Absolutheit meiner eigenen Sterblichkeit umzugehen … aber so mache ich das ja immer, ich zerlege schwere Probleme in Teile die ich prozessieren kann … und oft kommen dabei Fragen und Antworten und Ideen und Ueberlegungen bei raus, die ganz unabhaengig vom urspruenglichen (oder eigentlichen) Problem durchaus interessant sind :) .

… ist die Fortsetzung der Tales from the Loop. Aber anders als man vielleicht erwarten mag. Die Grundstimmung bleibt durchaus erhalten — (verlorene) Vergangenheit, unerklaerliche Dinge im Hintergrund des Lebens. Aber im ersten Buch ist es ein Kind, welches diesen Hintergrund ins Leben integriert und davor (mit seinen Freunden) agiert. Das Unerklaerliche ist spannend, wird konfrontiert und ein groszer Abenteuerspielplatz. Nun aber …

… ist’s ein Jugendlicher, also ein Mensch der mehr und mehr aus der Welt der Abenteuer faellt, ja, fallen muss. Das Unerklaerliche wird zum Teil profan und ist mindestens nicht mehr mysteriøs. Somit ist es nicht mehr spannend und wird halt hingenommen. Noch dazu ist es ein Scheidungskind was natuerlich die Psyche und damit den Blick auf die Welt beeinflusst und so eine positive Rueckkopplungsschleife bzgl. des zuerst Gesagten bildet.

Vielleicht war es deswegen, dass mir dieses Buch nicht so gut gefallen hat. Was eigentlich paradox ist, denn die Art der Kunst und der Motive aendert sich nicht. Auszerdem ist das Buch wirklich gut darin die Stimmung dieses Lebensabschnitts in der gegebenen Umgebung einzufangen. Das es mir nicht so fut gefaellt liegt also nicht am Buch, sondern an mir, dem Leser, denn ich hatte vermutlich nochmals eine durchaus positive Geschichte erwartet.

Man nimmt von sich selber ja immer an, dass man die Krone (also das Ende) der Schøpfung ist. Die Evolution des Menschen ist aber mitnichten abgeschlossen. Hier erwaehnte ich, dass …

[…] die letzten zwei Mutation die sich im menschlichen Genom durchgesetzt haben vor ca. 20-tausend und ca. 7-tausend Jahren stattfanden […]

… blieb die Quelle(n) aber schuldig (und kann diese leider auch heute nicht liefern).

Aber bei dem hier erwaehnten Artikel (*hust*) verblueffte mich auch diese Stelle:

[…] falciparum malaria in its present form is probably only a few thousand years old.

Die Einschraenkung auf „in its present form“ ist wichtig, denn man kann die verantwortlichen Parasiten weitaus laenger zurueck verfolgen. Aber die fuer die Sichelzellenkrankheit verantwortlichen Gene (und somit die direkt zugrundeliegenden Ursachen) sind evolutionsbiologisch ziemlich neu (schon erstaunlich, und urst cool, dass man sowas datieren kann, nicht wahr). Diese Gene konnten sich trotz der gewaltigen negativen Konsequenzen bei homozygotischen Traegern regional in mit Malaria verseuchten Gebieten erhalten. Letzteres natuerlich, weil Menschen die nur eine Kopie dieser Gene mit sich herum tragen besser gegen diese Krankheit geschuetzt sind.

Ich erwaehne das, weil es ein echt tolles Beispiel fuer die oft als „natuerliche Auslese“ bezeichneten Prozesse der Evolution ist. Selbst (und immer noch) beim Menschen und auch in dem Falle hier, wo im Groszen und Ganzen die Ueberlebenswahrscheinlichkeit der Spezies durch solche Gene reduziert wird (wenn diese sich in der gesamten menschlichen Population durchgesetzt haetten), eben weil diese _nur_ auf das Ueberleben gegen Malaria optimiert sind.

Aber damit bin ich bei dem was ich bereits (unter anderem) beim letzten Mal besprach und kann es heute kurz halten.