Archive for the ‘Kevin Bacon’ Category

… dieser Maxiserie ist noch nicht da, denn ich meine das Ende der Gesamtverteilung der totalen Links per Linklevel … hier nochmal zur Erinnerung:

Den „Schwanz“ der Verteilung (ich sag jetzt mal ab ca. LL25) sieht man natuerlich nur in der logarithmischen Darstellung und der verlaeuft ziemlich flach. Mit dem Wissen was wir bereits haben kønnen wir dies relativ leicht mittels einer Fermi-Abschaetzung erklaeren.
Wenn ich die Zahlen ganz grob aus dem Diagramm ablese, dann sehe ich, dass ich nach 25 Schritten nur noch ca. 500 totale Links habe. (Nicht vergessen: der grosze Wert auf der Ordinate muss durch ca. 6 Millionen dividiert werden, denn die Summe der totalen Links bildete ich ja ueber die Summe der Verteilungen aller Seiten). Zu dem Zeitpunkt habe ich dann aber die allermeisten Seiten schon besucht. Mein „Bauchgefuehl“ sagt mir, dass ich bei LL25 90 % dieser Links deswegen nicht weiter verfolge. Bleiben noch 50 neue, nicht besuchte Links uebrig.
Bei so hohen Linkleveln befinden sich vermutlich nur noch wenig zitierte Seiten (denn wenn die oft zitiert werden wuerden, haette ich die schon eher gesehen). Von frueher wissen wir, dass wir bei dieser Ueberschlagsechnung mit durchschnittlich 10 Links pro Seite rechnen kønnen. Das bedeutet dann, dass ich dann beim LL26 wieder 500 totale Links habe.
Schwuppdiwupp, ist der flach verlaufende Schwanz der Verteilung qualitativ (!) erklaert. Dabei ist zu bedenken, dass man bei einer Fermi-Abschaetzung versucht die Grøszenordnung richtig hin zu bekommen. Also waere ein Ergebniss von 50 oder 5000 auch gut gewesen.

Das ist ein guter Punkt, um endlich auf die naechste gemessene Grøsze ueber zu gehen: die Anzahl der _neuen_ Links pro Linklevel. Im linken Diagramm sieht man die Verteilung der Summe aller neuen Links pro Linklevel als rote Kurve:

Die Summe ist wieder so zu verstehen, dass ich die Anzahl der neuen Links aller Seiten aufaddiert habe, um obige Kurve zu erhalten.
Die rote Kurve ist sehr aehnlich der Verteilung der Summe der totalen Links (schwarze Kurve) … was zu erwarten war. Der grøszte Unterschied ist, dass die Amplitude pro Linklevel geringer ist … aber das muss ja so sein. Ebenso wird das Maximum (die zwei (!) høchsten Punkte) ein Linklevel eher erreicht … auch das war zu erwarten, wenn man mal drueber nachdenkt.

Im Diagramm auf der rechten Seite habe ich diese Verteilung mal grob „normiert“ auf die Anzahl aller Wikipediaseiten. Grob deswegen, weil ich 6 Millionen als Teiler genommen habe und nicht die wahre Anzahl (welche auch beruecksichtigen muesste, dass Seiten „rausfallen“ wenn deren Linkkette aufhørt). Das ist aber genug um die durchschnittliche Anzahl der neuen Links pro Linklevel zu sehen.
Der Verlauf dieser Kurve ist selbstverstaendlich (!) der Selbe. Aber durch die deutlich kleinere Skala sieht man (wieder), dass man zwischen Linklevel 20 und 45 durchaus mit ca. 10 neuen Links rechnen kann.
Auszerdem sieht man, dass die (normierte) Kurve ab LL48 parallel zur Abzsisse verlaeuft mit einem Wert von 1. Dies ist natuerlich Ausdruck des ausfuehrlich besprochenen Artefakts und soll nicht nochmal Thema sein.

Ich denke nicht, dass ich hier noch viel rausholen kann, aber ich schicke diese Zahlen mal durch die gleichen Analysen wie vorher. Daraus mach ich dann ’ne Zusammenfassung, auszer, wenn ich auf was Ungewøhnliches stosze.

Einen Teil der ersten Frage hatte ich bereits hier beantwortet, wo ich schrieb, …

[…] dass alles was ich schrieb und beobachtete tatsaechlich in den Daten vorkommt. Das ist also in dem Sinne „die Wahrheit“ […].

So wie die Daten sind, sehe ich wirklich zwei „Phasen“.

Ich dekonstruierte dieses Bild aber wieder, weil ich vermutete, dass die zweite „Phase“ durch ein Artefakt der Datenbehandlung zustande kommt. Ich erwaehnte an anderer Stelle, dass in den „Extremen“ (bspw. zum Ende des Linknetzwerks) …

[…] von mir gemachte Fehler [in der Datenaufbereitung] deutlich sichtbar werden.

Waehrend den Artikeln zur Dekonstruktion zeigte ich, wie ein spezifisches Artefakt das gemessene Signal plausibel erklaeren wuerde. Ich zeigte zwar immer nur alles bis LL59 aber das geht tatsaechlich ungefaehr bis zum Anfang dieser „festen Phase“. Zwar nicht absolut, denn es schummeln sich irgendwann ein paar andere Seiten als die des São Paulo FC dazwischen und die Jahre werden auch nicht mehr unbedingt von allen Seiten in der „richtigen“ Reihenfolge durchschritten, aber das was ich schrieb stimmt ist richtig fuer die Majoritaet der Seiten.

Damit kann ich direkt uebergehen zur anderen Frage im Titel. Die individuellen Verteilungen der totalen Links gaben mir ein Bauchgefuehl, dass da was zu holen ist. Spaeter hatte ich die Idee mit den Phasenuebergaengen. Den Gedanken untersuchte ich im Laufenden weiter und fand, dass die „Messungen“ diese Idee durchaus unterstuetzen.
Das war ein begeisternder Prozess! Mir praesentierte sich ein „Mysterium“ und ich wollte rausfinden was das ist. Ich fand eine Beschreibung die passt und das war natuerlich voll toll und ich schrieb die entsprechenden Beitraege mit høchster Begeisterung … bis auf den zuletzt verlinkten Beitrag. Denn zwei Tage bevor ich den schrieb fiel mir der Umstand auf, der zur Dekonstruktion fuehrte … ich denke, dass man beim Lesen merkt, dass da weniger Elan drin steckt. Aber die Dekonstruktion an sich war dann wieder voll toll! Ein neues Mysterium was es zu løsen galt!

Ein Grund warum ich diesen Prozess so detailliert aufschrieb (davon abgesehen, dass das zum Kevin Bacon Projekt an sich gehørt) ist die beschriebene Freude, an der ich euch, meine lieben Leserinnen und Leser, teilhaben lassen wollte.

Apropos Freude, diese vøllige Abstraktion weg von Wikipediaseiten mit (totalen) Links zu (besetzten) Zustaenden brachte mir auch groszes intellektuelles Vergnuegen. Zum Ende hin konnte ich in beiden „Bildern“ (Seiten mit Links vs. Zustaende) gleichzeitig denken … das ist unglaublich toll und es gibt mir Energie eine Sache so abstrahieren, bedenken und beschreiben zu kønnen … Physiker halt :)

Aber ich schwoff ab, denn ich wollte einen weiteren Grund fuer all diese Artikel nennen: so sollte die wissenschaftliche Herangehensweise an ein Thema funktionieren. Nur weil ich eine coole Sache vermute und dafuer „Beweise“ finde, heiszt das noch lange nicht, dass die coole Sache auch richtig ist. Gerade wenn eine Beschreibung zu schøn ist um wahr zu sein, muss man das extra genau beleuchten.
Hier kam heraus, dass meine These von den Phasenuebergaengen nicht in der Staerke haltbar ist, wie ich sie in den entsprechenden Artikeln vertreten habe. Irgendwie ist das ja auch klar, und ich erwaehnte es bereits, in was fuer „Phasen“ sollen denn Wikipediaseiten uebergehen?
Ich lasse das aber so stehen wie es ist, eben um oben erwaehnten Prozess zu beleuchten … auszerdem habe ich mir nun schon die Arbeit gemacht das alles aufzuschreiben.

Andererseits ist auch nicht alles verloren. Auch wenn ich (fast) alles ab ca. LL45 als hauptsaechlich durch das besprochene Artefakt zustande kommend ansehe, so ist das Verhalten der „Zustaende“ davor immer noch interessant.
Man schaue sich nochmal die individuellen Verteilungen in dem Bereich an, den ich manchmal als „fluessige Phase“ bezeichnet habe (ungefaehr zwischen LL13 und LL42). Es ist schon verwunderlich, dass die Anzahl der totalen Links fuer alle der fast 6 Millionen Seiten auf diesen Linkleveln so dicht beisammen liegt. Oder anders: Auf LL1 und LL2 reichen die Zustaende bis in den Bereich von mehrere 10 Millionen aber dies von ganz vorne; es sind also Zustaende mit nur 5, 23 oder 137 totalen Links besetzt. Warum ist aber auf LL23 kein Zustand oberhalb ca. 1.500 bzw. unterhalb von ca. 450 totalen Links besetzt? Warum begrenzt sich die Anzahl der Zustaende derart? …
Diese Frage(n) kann ich leider nicht beantworten, aber darum ist es mglw. doch gar nicht so verkehrt hier von einer Phase zu sprechen. Dies deswegen, weil das beschriebene Verhalten typisch fuer alle Wikipediaseiten (als ein System) ist, dabei aber nicht bei vorherigen Linkleveln auftritt.

Sooo … das soll nun aber genug sein damit. Der naechste Artikel ist nochmal ganz kurz was zu den totalen Links und dann gehe ich zu einer anderen „Messgrøsze“ ueber — den neuen Links pro Linklevel. Das sollte relativ schnell gehen, weil ich vermute, dass alle auftretenden Phaenomen mit dem bisherigen Wissen erklaert werden kønnen. Da muss ich das dann nicht mehr im Detail besprechen. Andererseits dachte ich das auch bzgl. der totalen Links.

Das feine Bild mit den Pfeilen vom letzten Mal ist ein Ausdruck der Hypothese, dass (fast) alle Seiten zum Ende ihres Linknetzwerkes auf den selben Seiten landen. Dort legte ich auch dar, dass die dort gezeigten Daten sehr sehr sehr stark fuer die Richtigkeit dieser Hypothese sprechen.
Aber man schaue sich das Bild nochmal an und nehme LL59 genauer unter die Lupe. Ich schreibe zwar, dass sich die drei „Mitglieder“ die Gruppe Alpha in der Saison des São Paulo FC von 1943 befinden, aber ich habe keine direkten Beweise dafuer. Prinzipiell kønnten naemlich auch irgendwelche anderen Seiten sich bei LL59 auf wiederum irgendwelchen anderen Seite mit 37 totalen Links befinden und diesen Zustand dadurch besetzen. Oder anders: die Gruppen (und Jahre) die ich dort angebe kønnten prinzipiell wild durcheinandergewuerfelt sein, womit die Beschriftung der Datenpunkte vøllig sinnlos waere.

Ich gebe zu, dass die Chance, dass fast 6 Millionen Seiten zum Ende hin nur diese paar Zustaende besetzen (welche auch noch mit den totalen Links der Seiten der Hypothese uebereinstimmen), unglaublich klein ist.
Dennoch wollte ich gerne noch eine weitere Sache untersuchen, welche die Richtigkeit der Hypothese kraeftigen wuerde.

Diese weitere Sache ist die Høhe der Balken, oder besser ausgedrueckt die Amplitude des „gemessenen“ Signals.
Bisher habe ich mir nur die Position der Balken angeschaut. Im uebertragenen Sinne waere das so, wie wenn ich Nachts in den Himmel schaue, dort den Vollmond sehe und daraus schliesze, dass das wohl die Sonne sein muss. Die Sonne ist (fuer mich gesehen) naemlich eine leuchtende „Scheibe“ (Signal) mit gleicher Grøsze am Himmel (Position). Erst die Auswertung der „Leuchtkraft“ (Signalstaerke/Amplitude) erlaubt mir zwischen Sonne und Mond zu unterscheiden.

Hier wird es nun ein klein bisschen komplizierter, denn ich muss zwischen zwei verschiedenen Amplituden unterscheiden: der gemessenen Signalstaerke in jedem Zustand und der Amplitude der einzelnen Gruppen.
Ersteres kann ich aus den einzelnen Verteilungen einfach ablesen. Letzteres ergibt sich aus der Verteilung der „Aussteiger“ pro Linklevel, denn alle Wikipediaseiten die beim selben Linklevel aussteigen gehøren zu einer Gruppe. Hier nochmal der relevante Teil von Letzterem ein bisschen modifiziert.

Laut der Hypothese sollte diese Verteilung sich genau so wie sie ist, d.h. OHNE Veraenderung der Amplitude der einzelnen Zustaende, durch die letzten Linklevel ziehen.
Das kønnen wir aber, in der Art und Weise wie die oben verlinkten individuellen Verteilungen bisher gezeigt wurden, nicht, bzw. nur indirekt, sehen. Das hat zwei Gruende. Der Erste ist, dass im obigen Bild die Gruppen gezeigt sind, die Abzisse der individuellen Verteilungen aber aufsteigende Zahlen die møgliche Anzahl der totalen Links (bzw. die møglichen Zustaende) wiederspiegelt. Der zweite Grund ist, dass manche Jahre/Saisons des São Paulo FC gleich viele totale Links haben und somit mehrere Gruppen in den selben (!) Zustand des gemessenen (!) Signals fallen.
Ersteres kann durch eine Achsentransformation geløst werden, Letzteres durch abzaehlen und aufpassen.

Etwas detaillierter: laut der Hypothese werden die Jahre/Saisons der Reihe nach (rueckwaerts) durchlaufen. Diesen Prozess habe ich beim letzten Mal im Detail beschrieben. Nun trage ich auf der Abzsisse nicht alle Zustaende auf, sondern _nur_ die tatsaechlich Besetzten. Auszerdem trage ich diese nicht in der Reihenfolge auf in der sie innerhalb der natuerlichen Zahlen auftauchen, sondern in der Reihenfolge, in der diese (rueckwaerts „laufend“) von Gruppe Alpha „aktiviert“, und dann der Reihe nach von den anderen Gruppen durchlaufen, werden. Mehrfach besetzte Zustaende tauchen mehrfach auf, unterschieden durch In­di­zes.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte:

Hier sehen wir das gemessene Signal auf LL59 als blaue Balken; ich komme darauf gleich zurueck. Die roten Balken sind identisch mit denen aus dem vorigen Bild; die obere Abzsisse zeigt an welche Gruppe dem jeweiligen (roten) Balken zuzuordnen ist. Cool wa! Bisher hatte ich unterschiedliche Farben wenn dann nur an den Ordinaten … das geht natuerlich auch bei den Abzsissen … aber ich schweife ab.
Die rote Beschriftung der unteren Abzisse ist eigentlich nicht nøtig, hilft aber mglw. beim Verstaendniss und bezeichnet das Jahr in welchem sich die jeweilige Gruppe gerade befindet. Dies wird in der darunterliegenden Beschriftung in den richtigen Zustand der diesem Jahr entspricht projiziert.
Nun zu mehrfach besetzten Zustaenden. Die Seiten der Jahre 1933 und 1934 haben gleich viele Links — 26 — aber (laut Hypothese) befindet sich nur Gruppe Kappa im Jahre 1934 und nur Gruppe Lambda im Jahre 1933 (auf LL59). Das Gruppensignal aus dem Jahre 1934 — 1 — traegt dann mit dem Gruppensignal aus dem Jahre 1933 — auch 1 — zum gemessenen Signal im Zustand 26 — 1 + 1 = 2 — bei. Das sollen die Pfeile andeuten. Bei diesem Beispiel kann man das gut nachvollziehen. Aufgrund der logarithmischen Achse wird das aber schwerer (bzw. unmøglich) mit grøszeren Zahlen. Deswegen schreibe ich (hier) bei Zustand 31 und Zustand 34 ran wie viele Webseiten ich in diesen Zustaenden tatsaechlich messe. Und das stimmt ueberein mit der Summe der Signale der Gruppen die sich in diesen Zustaenden befinden.

Wie oben erwaehnt sollten sich bei voranschreitendem Linklevel die roten Balken so wie sie sind nach links schieben. Die blauen Balken sollten diese Verschiebung wiederspiegeln. Und das ist auch das was tatsaechlich passiert:

Oder vielmehr „passiert“ nur das gemessene Signal. Das schlieszt nicht aus, dass andere Seiten mit gleich vielen Links „besucht“ werden. Ich sehe die Gruppensignale nicht wirklich, ich nehme nur an, dass diese dem gemessenen Signal zu Grunde liegen. Aber, dass ueber mehrere Linklevel genau die richtigen Seiten mit der richtigen Anzahl an Links besucht werden und auch in genau der richtigen Menge sodass das gemessene Signal erhalten bleibt ist sehr unwahrscheinlich. Die einfachere und plausiblere Erklaerung ist meine Hypothese: die Gruppen besetzen tatsaechlich der Reihe nach die jeweiligen Zustaende.

Im uebrigen enthaelt das hier Gezeigte auch das was ich beim letzten Mal diskutierte. Das war aber leichter es so rum „aufzuziehen“ und so rum habe ich mich auch selber der Problemstellung genaehert.

Ich denke, dass ich nun genug gezeigt habe bzgl. des Artefakts in den Daten, welche letztlich den zweiten Phasenuebergang ausmachen. Fuer heute soll es genug sein. Beim naechsten Mal komme ich aber nochmal darauf in einem grøszeren und allgemeineren Zusammengang zurueck. Weil’s so cool ist :)

Ach doch, eine Sache noch. Auch wenn alles darauf hindeutet, so ist all dies natuerlich immer noch kein direkter Beweis, dass es sich bei den Zustaenden wirklich um die Seiten der Saisons des São Paulo FC handelt. Wenn ich es nicht vergesse, dann werde ich darauf an anderer Stelle nochmal zurueck kommen.

Die lange Vorrede habe ich beim letzten Mal getaetigt. Deswegen geht’s sofort los. Kurz zur Erinnerung: meine Hypothese ist, dass die Linknetzwerke (fast) aller Wikipediaseiten bei den Saisons des São Paulo FC enden. Ganz direkt geht es heute um das Folgende: Ich nehme an, dass (fast) alle Wikipediaseiten bei der 1930 Saison des São Paulo FC enden. Dann sollten die besetzten Zustaende auf den letzten Linkleveln genau der Anzahl der totalen Links dieser Seite, und der Seiten der direkt davor (bzw. zeitlich direkt dahinter) liegenden Saisons, entsprechen.

Das ist tatsaechlich das was ich sehe:

Cool wa? Aber was sehe ich hier eigentlich? Das Diagramm ist von rechts nach links zu lesen um es dann von links nach rechts zu interpretieren. Ich gehe weiter unten naeher darauf ein. Zunaechst sei so viel gesagt. Die schwarzen Punkte sind die besetzten Zustaende bei den entsprechenden Linkleveln. Die roten Punkte entsprechen der Anzahl der totalen Links einer Wikipediaseite der Saison eines gegebenen Jahres. Jede horizontale Reihe roter (!) Punkte kommt durch die totalen Links der Saison eines Jahres (manchmal mehrerer) zustande. Die entsprechenden Jahre sind gekennzeichnet, wenn sie (rueckwaerts gesehen) das erste Mal auftauchen.
Die besetzten Zustaende kann ich direkt aus den individuellen Verteilungen ablesen. Dass diese mit den roten Punkten, also der Anzahl der totalen Links der entsprechenden Seiten zum Ende der Kette der Saisons des São Paulo FC, uebereinstimmen ist ein starkes Indiz dafuer, dass meine Hypothese richtig ist.
Wenn es (scheinbar) zu keiner Aenderung im Diagramm von einem Linklevel zum vorherigen/naechsten gibt, dann liegt das daran, dass zwei hintereinander liegende Saisons die selbe Anzahl an totalen Links haben. Dann kommt natuerlich kein weiterer Punkt dazu, weil dies ein und demselben Zustand entspricht. Beispiele sind 1933 und 1934 oder 1936 und 1942.

Nun naeher dazu wie das Diagramm zu lesen (und dann zu interpretieren) ist, mit Hinblick auf obige Hypothese. Zur besseren Veranschaulichung nehme man dieses Diagramm in dem ich die roten Punkte wieder weglasse, weil die ja identisch sind mit den schwarzen Punkten (den Pfeilen ist beim Lesen rueckwaerts zu folgen und beim interpretieren vorwaerts):

Auf LL72 sind nur zwei Zustaende besetzt — Zustand Null und Zustand 27. Letzteres bedeutet, dass die Seiten die in diesem Zustand sind, total 27 Links haben. Zustand Null wird heute nicht beachtet, denn dieser entspricht den ausgestiegenen Seiten.
Aus der Betrachtung der Aussteiger wissen wir, dass es nur (!) eine Gruppe mit drei Seiten gibt, die erst bei LL73 aussteigt und somit als einzige ein Signal auf LL72 geben kann. Ich gebe dieser Gruppe den Namen Alpha und entsprechend der Hypothese muss Gruppe Alpha sich im Jahre 1930 befinden. Das Jahr 1930 hat tatsaechlich 27 Links in meinen Daten.

Wir gehen rueckwaerts und auf LL71 sind drei Zustaende besetzt, wobei Zustand Null wieder unberuecksichtigt bleibt. Somit bleiben als besetzte Zustaende nur Zustand 27 und Zustand 30. Einer dieser Zustaende muss von Gruppe Alpha kommen. Diesmal aber aus dem Jahre 1931, welches tatsaechlich 30 totale Links in meinen Daten hat. Der andere Zustand wird durch Gruppe Beta besetzt, welche auf LL71 zum letzten Mal zum Gesamtsignal beitraegt. Entsprechend der Hypothese sollte Gruppe Beta sich auf LL71 im Jahre 1930 (und somit Zustand 27) befinden. Das ist genau das, was in den Daten zu sehen ist.

Wir gehen noch ein Linklevel rueckwarts zu LL70 und die dort besetzten Zustaende sind 27, 30 und 22. Weil wir rueckwaerts gehen wird Gruppe Gamma „wiedererweckt“ und befindet sich im Jahre 1930. Gruppe Beta ist hier nun im Jahre 1931 und Gruppe Alpha im Jahre 1932 (mit 22 totalen Links).

Der naechste Schritt rueckwaerts folgt dem gleichen Schema. Spaetere Gruppen besetzen Zustaende die (rueckwaerts gesehen!) durch Gruppe Alpha eingefuehrt wurden und Gruppe Alpha selber fuehrt via des Jahres 1933 den Zustand 26 ein.
Nun wird’s aber ein ganz klein bisschen komplizierter. Wenn Gruppe Alpha beim naechsten Rueckwaertsschritt ins Jahr 1934 springt, dann bleibt es im Zustand 26, weil dieses Jahr genausoviele totale Links hat wie 1933. Gleichzeitig besetzt nun aber auch Gruppe Beta Zustand 26 (via des Jahres 1933).
Noch einen Schritt rueckwaerts verlaeszt Gruppe Alpha Zustand 26 wieder (und geht ueber zu Zustand 24), Gruppe Beta bleibt in Zustand 26 (aber nun im Jahr 1934) und hinzu kommt in den selben Zustand Gruppe Gamma (via des Jahres 1933).

All das was ich hier niederschrieb ist im rechten Teil des obigen Diagramms entsprechend markiert.
So geht das dann weiter so weit das Diagramm reicht. Dass bei frueheren Linkleveln immer noch Signal aus Zustand 27 kommt liegt natuerlich daran, dass weitere Gruppen „wiedererweckt“ werden und die genannten Zustaende dann weiterhin besetzen.

Zu interpretieren ist das dann in der richtigen Reihenfolge, wobei „richtig“ in diesem Falle aufsteigende Linklevel meint.
Bei LL59 sind (in dieser Reihefolge) die Zustaende 27, 30, 22, 26, 26, 24, 31, 40, 34, 34, 34, 38, 31, und 37 (man beachte die Mehrfachnennungen gewisser Zustaende!) durch die Gruppen Xi, Nu, Mu, Lambda, Kappa, Iota, Theta, Eta, Zeta, Epsilon, Delta, Gamma, Beta, und Alpha besetzt, welche sich jeweils in den Jahren 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936, 1937, 1938, 1939, 1940, 1941, 1942 und 1943 befinden. … … … Ich gebe zu, dass ich das nur so weit getrieben habe, weil ich schon immer mal das Symbol fuer Xi benutzen wollte … tihihi.
Beim Schritt zu LL60 bewegen sich alle Gruppen ein Jahr rueckwaerts und in die entsprechenden Zustaende; Gruppe Alpha zu Zustand 31, Gruppe Beta zu Zustand 38, Gruppe Gamma zu Zustand 34 usw. Gruppe Xi steigt aus.
Dito beim Schritt zu LL61; Gruppe Alpha zu Zustand 38, Gruppe Beta zu Zustand 34, Gruppe Gamma (ebenso) zu Zustand 34 usw. Gruppe Nu steigt aus.
Das Beschriebene ist entsprechend im linken Teil des obigen Diagramms markiert und die geneigte Leserin oder der geneigte Leser møge den blauen Pfeilen im Diagramm (und somit Gruppe Alpha) folgen um mittels dieser Argumentation bis zum Ende zu gelangen.

Zum Abschluss sei dies gesagt: die Anzahl der totalen Links der Saisons des São Paulo FC stimmt (zum Ende des Linknetzwerkes) auf so vielen Linkleveln mit den besetzten Zustaenden ueberein, dass dies ein extrem starkes Indiz fuer die Richtigkeit der Hypothese ist.
ABER, dadurch dass ich nicht im Einzelnen nachvollziehen kann, welche Seite auf welchem Linklevel zitiert werden, kønnte es immer noch sein, dass das einfach nur Zufall ist. Oder anders: es ist møglich dass die drei Wikipediaseiten von Gruppe Alpha am Ende alle in drei verschiedenen Seiten sind, die zufaelligerweise alle 27 Links haben. Ich gebe zu, dass das aber schon ungeheure Zufaelle sein muessten, wenn das bei so vielen Linkleveln komplett uebereinstimmen soll. Die Chance dafuer ist also sehr klein, aber nicht null.

Heute habe ich mir nur die Position der besetzten Zustaende angeschaut, aber nicht wie „voll“ diese sind. Diese Information und wie sich der „Fuellstand“ „zeitlich“ entwickelt werde ich beim naechsten Mal untersuchen — Spoiler: was ich dort sehe bringt die Sicherheit fuer die Richtigkeit der Hyptohese so nahe an 100 %, dass die verbleibende potentielle Møglichkeit der Unsicherheit nicht mal mehr als „Rundungsfehler“ gelten kønnte.
Dafuer muss ich eine coole Achsentransformation durchfuehren … und um all das zu erklaeren brauche ich ein paar Wørter, aber dieser Beitrag hier ist schon so lang.

Nun habe ich all das untersucht und so viel dazu geschrieben und dann steht da pløtzlich „Dekonstruktion“ im Titel … *seufz* … … … Aber der Reihe nach.

Zunaechst ist zu sagen, dass alles was ich schrieb und beobachtete tatsaechlich in den Daten vorkommt. Das ist also in dem Sinne „die Wahrheit“, dass das nicht durch Schummeln herauskommt. Waere ja auch wenig sinnvoll von mir, soviel Zeit in eine Sache zu stecken nur um irgendwen zu beeindrucken … zumal ich nicht wirklich denke, dass das hier wer liest … naja, vllt. der kleine Mann *wink*.

Aber dann ist mir aufgefallen, dass der Anfang des Phaenomens welches ich hier als die „2. Phase“ (oder „feste Phase“) bezeichne, verdaechtig mit dem Beginn der fruehen „Ausstiege“ zusammenfaellt.
Zu Letzteren schrieb ich,

[…] dass jede einzelne dieser Seiten vom Typ XXXX São Paulo FC season war, wobei das XXXX fuer ein Jahr steht. Beispielsweise 1944 São Paulo FC season oder 1980 São Paulo FC season oder 1994 São Paulo FC season usw. usf.

Genauer gesagt gehen die Jahre von 1930 bis 1994 und die Links bilden eine schøne Kette. Das heiszt, dass ein gegebenes Jahr viele Links hat, aber fast alle von diesen wurden beim Durchlaufen des Linknetzwerk bereits besucht; diese sind also KEINE validen Ausgaenge. Uebrig bleiben nur zwei potentielle Ausgaenge: die Links zu den Saisons des vorigen und des naechsten Jahres. Nun muss man aber irgendwo in die Kette einsteigen muss und sich dann die Jahre entweder vorwaerts oder rueckwaerts entlanghangeln. Deswegen wirkt einer dieser zwei Links als „Eingang“ und somit bleibt nur der andere Link als Ausgang.
Die Situation sieht also theoretisch so aus: … <=> 1977 <=> 1978 <=> 1979 <=> 1980 <=> 1981 <=> 1982 <=> 1983 <=> 1984 <=> …

Auch wenn es eines der Resultate vorweg nimmt, so sei hier gesagt, dass die (hier relevanten Teile dieser) Kette immer in die gleiche Richtung, naemlich rueckwaerts gehen. Das wuerde bedeuten, dass die Linknetzwerke aller Wikipediaseiten bei der Saison des São Paulo FC des Jahres 1930 enden.

Ich erwaehnte ebenso bereits, dass dies wenn dann ein Artefakt der Behandlung der Daten waere, weil diese validen Links aus der Infobox stammen und ich Daten daraus eigentlich nicht beruecksichtigen wollte. Aber in diesen Faellen ist besagte Infobox derart im Quelltext kodiert, dass sie nicht rausgefiltert wurde … *seufz*.

Dies als Vorrede um das vermutete Problem etwas naeher zu beleuchten. Weil es so wichtig ist bzgl. dessen was ich in den vorherigen Beitraegen beschrieb, untersuchte ich genau dieses Problem genauer.
Ich kann leider keine _direkten_ Beweise dafuer anfuehren. Dafuer haette ich fuer jede Seite auf jedem Linklevel registrieren muessen, welche Seiten verlinkt werden. Das waere eine dreidimensionale Matrix mit ca. 6 Millionen Wikipediaseiten mal 6 Millionen Wikipediaseiten mal 100 Linklevel = 3.6 mal 1015 Eintraege. Beim Durchlaufen des Linknetzwerks wusste ich noch nicht wo das maximale Linklevel liegt, deswegen hier die 100. Sechs Billiarden ganze Zahlen wuerden selbst in C und mit dem „char-Trick“ mindestens 3.6 PetaBytes (!) belegen … so viel Platz habe ich nicht. Und selbst wenn ich so viel Speicher haette, wuerde ich dann vor dem naechsten Problem stehen, dass das pro Wikipediaseite Hunderte von Millionen Schreibvorgaenge waeren. Prinzipiell passt dies fuer eine Seite alles in den RAM und das waere relativ schnell. Aber ich habe sechs Millionen Seiten und alles was im RAM ist, muss nach der Analyse des Linknetzwerkes permanent gespeichert werden. Letzteres ist URST lahm und damit waere das dann wieder nicht møglich gewesen.
Aber ich gebe zu, dass ich mit der Idee spielte.

Ein Kompromiss ist, was ich hier beschrieb. Aber soweit bin ich noch nicht in meiner Analyse.

Deswegen bringe ich in den naechsten zwei Artikeln dieser Reihe starke, wenn auch indirekte, Beweise, dass obige Hypothese — dass (fast) alle Linknetzwerke auf dieser Seite enden — richtig ist.

Das ist zwar etwas komplizierter, beleuchtet aber mehrere Aspekte ganz gut, bzgl. dessen wie ein Data Scientist arbeiten sollte. Und weil dies ja auch ein Grund fuer diese Serie ist, werde ich das dann doch alles darlegen … davon abgesehen, dass ich das durchaus spannend fand :) .

Das hier wird keine richtige Fehlerbetrachtung. Aber hier sagte ich, dass ich 0.1 % aller „Ereignisse“ als Ausreiszer ansehe und diese bei den beim letzten Mal durchgefuehrten Betrachtungen nicht beruecksichtige. Die 0.1 % wuerde bei ca. 6 Millionen Wikipediaseiten bedeuten, dass (høchstens) ca. 3-tausend Seiten jeweils am Anfang und Ende der Verteilung(en) pro Linklevel wegfallen wuerden.

Ich gab zu, dass ich den konkreten Wert von 0.1 % hauptsaechlich aus aesthetischen Gruenden waehlte, dass man das Wesentliche aber auch sieht, wenn man (viel) weniger „Ereignisse“ als Ausreiszer definiert, wenn man weisz, wonach man gucken muss. Und hier ist der „Beweis“ dafuer:

In blau ist hier wieder das Ergebniss vom letzten Mal dargestellt und die rote Kurve ist das Gleiche, aber wenn man „vorne und hinten“ nur jeweils ca. 30 Ausreiszer rausschmeiszt.
Wie erwaehnt, sieht man auch dann noch alles, was ich beim letzten Mal als Resultat meiner Betrachtungen erwaehnte. Nur eben nicht mehr ganz so schøn — das erste Plateau ist kein richtiges Plateau mehr, die eigentlichen Uebergaenge sind nicht ganz so eindeutig und alles „zappelt“ mehr. Aber die entscheidenden Merkmale sind definitv noch da.

Das zweite Plateau ist in beiden Faellen beinahe identisch ist. Das liegt daran, dass ich Ausreiszer lieber dringelassen habe, wenn die Anzahl der „wegzuschneidenden“ Elemente mitten in einen Zustand fiel. Ich erklaerte das im Detail im verlinkten Beitrag. Im Falle der 0.1 % Ausreiszer zeigt dieses Diaramm, dass da (fast) alle Daten dringeblieben sind.

Ich wollte das hier mal erwaehnt wissen.

Wie beim letzten Mal gesagt, heute nun endlich:

„Butter bei die Fische“.

Und nach den langen Vorreden die letzten Male, gehe ich heute gleich in die Vollen und zeige sofort das Ergebniss (ACHTUNG: bei den hier dargestellten Daten wurden die Ausresizer rausgeschmissen, so wie beim letzten Mal diskutiert):

Cool wa! … Aber was ist hier eigentlich dargestellt?
Nun ja, das steht an der Abzsisse dran: ich habe mal geschaut, wie sich der Anteil der tatsaechlich besetzten Zustaende in Bezug zur Anzahl aller møglichen (und plausiblen) Zustaenden entwickelt.

OK, das ist leicht zu verstehen … aber was passiert hier eigentlich? … Øhm, das zu erklaeren dauert etwas laenger.
In der „Gasphase“ ganz am Anfang sind alle møglichen Zustaende auch mit mindestens einem „Partikel“ / Wikipediaseite besetzt. Waehrend des „Aufheizens“ steigt die Anzahl der _møglichen_ Zustaende stark. Beim vorletzten Mal haben wir gesehen, dass die Anzahl der tatsaechlich besetzten Zustaende auch stark ansteigt. Ersteres geht schneller als Letzteres und deswegen wird der hier dargestellte Quotient (multipliziert mit 100 um den Anteil zu erhalten) entsprechend kleiner. Das Tal zwischen LL3 und LL7 liegt daran, dass ich nur ca. 6 Millionen „Partikel“ habe. Die Konsequenzen dieser Limitierung wurde auch bereits beim vorletzten mal besprochen.
Waehrend des „Abkuehlens“ nimmt die Anzahl der møglichen Zustaende ab und das System besetzt mehr und mehr dieser _møglichen_ Zustaende, die somit _tatsaechlich besetzte_ Zustaende werden. Irgendwann sind alle „Partikel“ „kondensiert“ und (im Wesentlichen) wird jeder møgliche Zustand ab LL13 auch (von mindestens einer Seite) besetzt. Das System ist komplett von der „gasførmigen“ in die „fluessige Phase“ uebergegangen und dieser Phasenuebergang fuehrt zu einem „Plateau“ in der blauen Kurve. Dies bleibt so bis ca. LL43/44. Dann passiert etwas Interessantes: Der Anteil der besetzten Zustaende faellt sprunghaft auf 60 %. Das ist das erwaehnte pløtzliche „Gefrieren“ — ein weiterer Phasenuebergang.

Das das Signal am Ende so „zappelt“ liegt daran, dass ich hier im Bereich unterhalb von 100 Zustaenden, ab ca. LL50 sogar unterhalb von 10 Zustaenden arbeite. Da fuehren dann bspw. zwei zusaetzliche besetzte Zustand zu einem deutlichen Unterschied im Signal. Aber trotz dieser unguenstigen Voraussetzungen erkennt man dennoch eindeutig, dass die „feste Phase“ ein zweites, unabhaengiges Plateau bildet.
Umgekehrt sind diese unguenstigen Voraussetzungen auch genau der Grund warum ich meinem Bauchgefuehl echte Daten folgen lassen wollte. Denn das Gefrieren in nur ganz wenige Zustaende haette ja auch eine Art optische Taeuschung sein kønnen. Durch die logarithmische Komprimierung sehe ich naemlich gar nicht, ob bei 10-tausend totalen Links nicht vielleicht auch nur 50 % aller møglichen Zustaende besetzt sind.

Und das ist sooo krass, dass man durch „richtige“ Betrachtung der Daten den Phasenuebergang von „fluessig“ zu „fest“ (und eigentlich auch von „gasførmig“ zu „fluessig“) so klar sieht.

Ich bin aber noch nicht fertig damit, doch bevor ich weitermache zunaechst ein kurzer Einschub: normalerweise mag ich diese Art der Darstellung in einem Liniendiagramm nicht. Ich bevorzuge Punktdiagramme, denn die Linien sind ueberfluessig, gar irrefuehrend. Die Daten sitzen an bestimmten Punkten und dazwischen gibt es nix. Manchmal benutze ich diese Art der Darstellung dennoch, weil es dem Auge des Betrachters eine Art „Stuetze“ gibt, die hilft dem Verlauf besser zu folgen. Ich erwaehne dies, weil Daten oft bescheuert praesentiert werden und so viel vom Informationsinhalt unter und deswegen oft verloren geht.
Heute habe ich diese Form nicht als Stuetze fuer das Auge gewaehlt. Der Verlauf ist hier (erstmal) nicht so subtil, dass das vonnøten waere. Aber im naechsten Diagramm gibt es (mehr oder weniger) subtile Unterschiede die man besser sieht, wenn man eine Linie (anstatt von Punkten) benutzt. Damit das konsistent bleibt auch im obigen Diagramm eine Linie.

Letzteres ist auch der Grund warum die obige Linie ausnahmswiese blau ist. Die Farben rot und schwarz habe ich beim vorletzten Mal benutzt. Dort habe ich auch versprochen, dass diese Daten nochmals (in leicht modifizierter Form) auftreten werden. Nun ja, hier sind sie nun (in leicht modifizierter Form):

Die rechte Ordinate ist fuer die schwarze und die rote Kurve(n). Diese Kurven entstanden, indem ich die Anzahl der tatsaechlich besetzten (schwarz) und totalen Zustaende (rot) durch die Anzahl der (noch nicht ausgeschiedenen) Seiten dividiert habe.

Die Gruende fuer den Verlauf der Kurve wurde bereits oben (und beim letzten Mal) besprochen. Wie zu erwarten ist der Wert der Amplitude des Maximums der schwarzen Kurve ungefaehr eins (etwas kleiner, weil ca. 15 % aller Zustaende mehrfach besetzt sind) und die Anzahl der møglichen Zustaende (rote Kurve) ist ungefaehr zehn mal grøszer.
Etwas Interessantes passiert bei ca. LL23/13: hier fallen beide Kurven zusammen. Auch das war zu erwarten, denn die blaue Kurve geht bei diesem Linklevel zum ersten Plateau ueber mit einem Wert von 100 %. Das Interessante ist also nicht unerwartet.
Aus den selben Gruenden ist die Separation der beiden Kurven bei ca. LL44/45 nicht unerwartet. Nun wird’s aber interessant.

Der Grund fuer den Unterschied zwischen der roten und der schwarzen Kurve im Maximum waehrend des „gasførmigen Phase“ war, dass es einfach zu viele Zustaende gibt und diese mit der begrenzten Anzahl an „Partikeln“ nicht besetzt werden kønnen. Das ist aber bei der „festen Phase“ mitnichten der Fall! Jeder møgliche Zustand kønnte dort mehrere hundertausend Mal besetzt werden. Es sollte also keine Separation geben! Dass es diese dennoch gibt, ist natuerlich ein weiterer Hinweis darauf, dass das System der Wikipediaseiten (oder mglw. das System der Linknetzwerke) tatsaechlich „physikalisch“ zwei sehr unterschiedliche Dinge bei hohen bzw. niedrigen Linkleveln ist.
Was genau diese zwei „Dinge“ sind kann ich nicht beantworten. Denn „fluessig“ und „fest“, wie in der physikalischen Bedeutung dieser zwei Wørter, sind die Seiten ja schlieszlich nicht. Und wie eben kurz in der Klammer im vorigen Satz erwaehnt, sind es mglw. auch gar nicht die Wikipediaseiten selber, sondern deren Linknetzwerk (was ja noch einen Schritt „aetherischer“ ist).

Aber genug fuer heute. Ich bin maechtig stolz darauf, dass ich zwei Phasenuebergaenge entdeckt habe. Oder vielmehr habe ich das intuitiv in den Daten erkannt und die eigentlich spannende Information dann aus selbigen herausgekitzelt.

Die beim vorletzten Mal eingefuehrte Analogie, in der Wikipediaseiten angesehen werden wie Partikel eines idealen Gases, welche bei bestimmten „Temperaturen“ (Linklevel) bestimmte Zustaende (Anzahl der totalen Links) einnehmen kønnen, hilft mir beim naechsten Mal zwei Phasenuebergaenge dingfest zu machen.
Aber weil’s so wichtig ist, møchte ich heute darueber sprechen, dass ich die Daten die ich beim letzten Mal praesentiert habe, nicht einfach so nehmen kann, wie sie sind.  Der Grund ist (wie ich beim vorletzten Mal schrieb), dass ich […]

[…] die Zustaende zwischen dem kleinsten und dem grøszten besetzten Zustand einfach abzaehle und damit dann die Anzahl aller (plausiblen) Zustaende auf einem gegebenen Linklevel erhalte.

Es gibt aber in jeder Verteilung Zustaende die so weit weg sind vom Rest der Verteilung, dass die alles „kaputt“ machen. Oder anders: durch den Abstand eines einzigen Zustands vom Rest der Gruppe entstehen so viele leere plausible Zustaende, dass die aus der Anzahl aller plausiblen Zustaenden errechnten Ergebnisse nicht mehr sinnvoll sind.

Bei richtigen Messungen nennt man sowas „Ausreiszer“ und die dtsch. Wikipedia schreibt dazu:

[…] man [spricht] von einem Ausreißer, wenn ein Messwert […] allgemein nicht den Erwartungen entspricht.

Das ist korrekt, aber etwas zu spezifisch. Denn ich habe keine Erwartungen, oder vielmehr wiesz ich nicht, was ich erwarten soll. Denn trotz der Analogie sind die Wikipediaseiten eben doch kein ideales Gas, von dem ich erwarte, dass es sich auf bestimmte Art und Weise verhaelt. Entpsrechend habe ich keinen Erwartungswert um den rum ich eine gewisse Streuung der „Messwerte“ als normal ansehe und alles was auszerhalb des Bereiches faellt falsch sein muss.

Deswegen gefaellt mir (mal wieder) besser, was die englische Wikipedia schreibt:

[…] an outlier is a data point that differs significantly from other observations.

AHA! Das ist doch mal was. Mich duenkt, die dtsch. Wikipedia wollte das so sagen, aber die spezifischen Worte die gebraucht wurden druecken das nicht aus, wenn man mal naeher drueber nachdenkt.

Das hilft mir in diesem Fall zwar weiter, ist aber _zu_ diffus um irgendwas quantifizieren zu kønnen. Wo høren die validen Beobachtungen auf und wie signifikant ist signifikant? In der Praxis ist man da oft genug bei der Streuung um den Erwartungswert zurueck. Und das ist ja auch richtig so, denn das macht die Reproduzierbarkeit aus.

Es gibt ein paar mathematische Tests fuer Ausreiszer. Leider bauen diese wieder darauf auf, dass man etwas erwartet. Also entweder verteilt sich (wieder) alles um einen (oder mehrere) Erwartungswert(e) oder, dass bei „wilden“ Verteilungen (bspw. mit mehreren Maxima oder Verteilungen die sich aus mehreren Normalverteilungen zusammen setzen etc. pp.) die mathematische Beschreibung der besagten Verteilung bekannt ist.
Die Verteilungsfunktion der Zustaende der Wikipediaseiten ist mir nicht bekannt und veraendert sich im gegebenen Fall auch von Linklevel zu Linklevel. Und was sind die Erwartungswerte, wenn sich die Zustaende ueber mehrere Grøszenordnungen erstrecken?
Im Wesentliche stehe ich vor dem „Das-sieht-ma-doch“-Problem, was sich aber mathematisch nicht klar ausdruecken laeszt. Als Beispiel zur Illustration nehme man die Verteilung der Zustaende auf LL3:

Die paar Zustaende ganz links, zwischen Werten von 7 und ca. 120 totalen Links, sind eindeutig Ausreiszer … das sieht man doch. Aber was ist mit den Werten zwischen ca. 180 und 100 totalen Links? Die sehen ja aus, als ob die schon noch dicht genug an den anderen Observationen liegen. Andererseits ist das ’ne logarithmische Achse und das ist sicher OK die als Ausreiszer zu definieren.
Mhmm … wenn ich das so sage, was ist denn dann mit den Zustanden zwischen 10-tausend und ich sag jetzt mal ca. 50-tausend totalen Links? Das Maximum der Verteilung liegt eindeutig bei ca. 10 Millionen totalen Links, das ist ganz schøn weit weg.
Und dann die Zustaende zum Ende der Verteilung! Aufgrund der logarithmischen Komprimierung sehen die zwar aus wie ganz dich am Rest, aber da gibt es bei lineraer Achse sicherlich deutlich grøszere Leerraeume als bei den ganz eindeutigen Ausreiszern ganz am Anfang. Sind Letztere dann vielleicht doch keine Ausreiszer?

Wie man sieht ist das alles nicht so einfach. In meiner zweiten Doktorarbeit habe ich mich damit professionell herumgeschlagen. Leider kann die dort entwickelte Methode der Detektierung (und Korrigierung) von Ausreiszern, wenn man nicht weisz was man erwarten soll, hier nicht angewendet werden.

Deswegen bin ich dann doch darauf zurueckgefallen, dass ich die jeweils ersten und letzten 0.05 % aller Zustaende einfach abschneide (insgesamt schlieszt das 0.1 % aller Zustaende aus).
Aber Achtung das sind Maximalwerte und in den meisten Faellen schliesze ich weniger Zustaende aus:

Der Grund ist, dass ich einen mehrfach besetzten Zustand nicht aufteile in „gut“ und „schlecht“. Alle Seiten („Partikel“) in diesem Zutand sind gleichwertig. Oder anders: sollte die Ausschlieszungsgrenze von 0.05 % in die Mitte eines mehrfach besetzten Zustandes fallen, dann werden vielmehr alle Seiten die in diesem Zustand sind als „gut“ gewertet und in den auszuwertenden Datensatz uebernommen.

Der Gebrauch des Wertes 0.1 % bedeutet, dass (bei ca. 6 Millionen Seiten) an beiden Enden im Extremfall ca. 3000 Zustaende ausgeschlossen werden.
Ich gebe zu, dass ich mich entschied 0.1 % als Kriterium bzgl. des Ausschlieszens von Ausreiszern zu nehmen, weil ich einen praktikablen Kompromiss finden musste, zwischen „aesthetischen Gruenden“ und dem Wunsch so viele Daten wie møglich hinzuzunehmen. Wobei Ersteres dominierte, weil ich bei diesem Wert die Phasen (deren Vorhandensein zwar vermutet wird, aber der Nachweis noch ausstand; bzw. in dieser Reihe noch aussteht) besser unterscheiden kann.
Man sieht aber alles bereits deutlich, wenn man nur 30 Zustaende an den Enden wegschneidet. Ja selbst wenn ich nur die 3 aeuszersten Werte ausschliesze, treten die entscheidenden Merkmale bereits sichtbar hervor. Und wenn man weisz wonach man sucht, sieht man es auch im kompletten Datensatz … aber das war ja das Problem, ich wusste zunaechst nicht so richtig wonach ich suche, wie sich das in den Daten ausdrueckt und wo das konkret ist … selbst wenn ich Vermutungen diezbezueglich hatte.

Trotz aller Rhe­to­rik bzgl. der Integritaet der Wissenschaft(ler) ist diese Herangehensweise insb. in den sog. „angewandten Wissenschaften“ sehr weit verbreitet. Daran ist erstmal nix auszusetzen, solange das ordentlich diskutiert wird und Ergebnisse nicht pløtzlich verschwinden, wenn man die Daten anders „aufbereitet“. Leider passiert Ersteres so weit ich weisz nie und Letzteres vermutlich (deutlich) øfter als uns lieb ist … *seufz*. … Und auch wenn ich oben explizit die sog. „angewandten Wissenschaften“ erwaehne, ist das im Groszen und Ganzen in allen (Teil)Gebieten der Wissenschaft so … mit ein paar Ausnahmen, wie bspw. die Hochenergiephysik oder (heutzutage) einige (viele?) groszangelegte klinische Studien, die mehr und øfter vorregistriert werden … wobei das auch nicht immer hilft, am Ende doch noch was „schick zu machen“, damit das imponierender bei der Publizierung aussieht.

Das soll genug sein fuer heute, beim naechsten Mal gibt’s dann endlich „Butter bei die Fische“.

Beim letzten Mal habe ich eine Analogie eingefuehrt, in der ich davon sprach, dass man Wikipediaseiten ansehen kann wie Partikel eines idealen Gases. Das Linklevel entspricht in der Analogie erhøhten oder erniedrigten Temperaturen. Das Durchlaufen von einem Linklevel zum anderen kønnte dann gleichgesetzt werden mit dem „Aufheizen“ und danch wieder „Abkuehlen“ der Wikipediaseiten (gesehen in ihrer Gesamtheit als ein System). Dabei scheint es zu Phasenuebergaengen zu kommen. Schlussendlich kann die Anzahl der totalen Links die eine Seite auf einem gegebenen Linklevel hat, als ein „Zustand“ angesehen werden, den diese Seite bei der gegebenen „Temperatur“ annehmen kann.
Im Weiteren werde ich den Begriff des Zustands (den eine Seite annehmen kann) sehr haeufig benutzen. Dabei ist immer zu beachten, dass dies nicht buchstaeblich gemeint ist. Dieses Denkmodell ist nur eine gedankliche Stuetze, die mir hilft gewisse Dinge innerhalb eines (in der Physik etablierten) Konzepts zu vereinen und zu interpretieren und in bessere Zusammenhaenge zu bringen.

Hier ist nun die Anzahl der „besetzten“ Zustaende und die daraus errechnte Anzahl der totalen (plausiblen) Zustaende:

Das „Aufheizen“ am Anfang fuehrt dazu, dass immer mehr Zustaende „besetzt“ werden (die schwarzen Punkte haben høhere Werte). Oder anders: fast jede Wikipediaseite ist „allein“ in ihrem Zustand denn die Anzahl der totalen Links einer Seite auf bspw. LL5 ist anders als die der allermeisten anderen Seite.
Allerdings habe ich nur ca. 6 Millionen Wikipediaseiten und deswegen bleiben die schwarzen Punkte immer unter diesem Wert.

Wie beim letzten Mal beschrieben, erhalte ich die Anzahl der møglichen (plausiblen) Zustaende (die roten Quadrate), indem ich …

[…] die Zustaende zwischen dem kleinsten und dem grøszten besetzten Zustand einfach abzaehle […].

Weil die Anzahl der totalen Links bei einigen Seiten bis fast 90 Millionen geht, kann die Anzahl der møglichen Zustaende die der tatsaechlich besetzten Zustaende im Maximum um mehr als eine Grøszenordnung uebersteigen. In dem Fall gibt es also plausible Zustaende, die kønnen aber nicht besetzt werden, weil ich keine „Partikel“ habe die die besetzen kønnten.

Danach folgt die „Abkuehlung“ und die Anzahl der besetzten und møglichen Zustaende nimmt (wie zu erwarten war) ab.

In der Phase der „Kondensierung“ sammeln sich mehr und mehr „Partikel“ in den selben (!) Zustaenden; die schwarzen Punkte haben Werte weit unter 6 Millionen. Dennoch, einige Zustaende bleiben unbesetzt. Dadurch ist die Anzahl der møglichen Zustaende wieder grøszer als die Anzahl der besetzten Zustaende, aber hier aus einem ganz anderen Grund! Man schaue sich bspw. LL40 an. Dort habe ich ca. 500 møgliche Zustaende, aber nur ca. 100 besetzte Zustaende. Die 6 Millionen Seiten kønnten locker alles auffuellen. Das passiert aber nicht … kein Wunder, dass mein Bauchgefuehl mir sagte, dass da doch was sein muss.

Andererseits kann ich das nicht an den „totalen Zahlen“ sehen, die hier dargestellt sind. Denn hier liegen die roten Punkte immer ueber den schwarzen Punkten. Deswegen komme ich (nach einem wichtigen Einschub beim naechsten Mal) nochmals auf diese Kurve (in etwas modifizierter Form) zurueck.

UI! Manchmal kann ich mich kurz halten!

Beim letzten Mal zeigte ich die Verteilungen der totalen Links fuer jedes Linklevel und ich teilte alles in 4 Abschnitte ein. Ich erwaehnte auch, dass der Uebergang von Abschnitt drei zu Abschnitt vier total krass ist, und dass es wie ein Phasenuebergang aussieht, wenn der „Wald der Balken“ sich so pløtzlich massiv lichtet.

Aber warum erinnerte mich das an einen Phasenuebergang? Und was ist das ueberhaupt? Und was fuer „Phasen“ sollen denn Wikipediaseiten annehmen? Und wie sollen Wikipediaseiten von einer „Phase“ in eine andere „Phase“ wechseln?

Nun ja, ich dachte dabei zunaechst an die Bildung von Cooper-Paaren oder ein Bose-Einstein-Kondensat. Aber beide diese Effekte kenne ich nur rein phaenomenologisch (bzw. ist mein Verstehen der Gleichungen bzgl. der Cooper-Paarbildung mittlerweile 20 Jahre her).
Deswegen ein anderes Beispiel, von dem ich hoffe, dass es zu mehr Klarheit beitraegt: unterkuehltes Wasser, das pløtzlich gefriert. Etwas bildlicher: in fluessiger Form kann ein Wassermolekuel viele Geschwindigkeiten (und Orte) annehmen, pløtzlich gefriert dann alles und in der festen Form nehmen alle Molekuele nur noch eine einzige Geschwindigkeit an (sie stehen dann still). Das ist ein Phasenuebergang von der fluessigen Phase zur festen Phase. Meist geschieht der nur nicht so pløtzlich.
Ein kurzes und schønes Video bzgl. des oben erwaehnten Bose-Einstein-Kondensats zeigt was ich meine … wobei ich zugebe, dass der allerletzte Schritt im Video fuer Nicht-Physiker vermutlich eher esoterisch erscheinen mag … ok ich gebe es zu, auch fuer Physiker erscheint das bestimmt esoterisch.
Aber ich greife hier eigentlich vor, denn das ist genau das, worueber der heutige Artikel geht.

Wieauchimmer, dass das wie ein Phasenuebergang aussieht, hat mir mein Bauchgefuehl im Wesentlichen sofort gesagt. Danach beschaeftige mich das tagelang und ich habe etliche Stunden mit der Analyse und dem Schreiben von Programmen (zur Analyse) verbracht. Letzteres, weil ich eine Grøsze oder Eigenschaft der Verteilungen finden wollte, welche mir erlaubt dieses Bauchgefuehl zu testen. Denn bei einem Phasenuebergang verhalten sich bestimmte, ein System beschreibende Grøszen charakteristisch.

Zunaechst verfolgte ich einen Ansatz, bei dem ich die „Dichte des Balkenwaldes“ untersuchte. Das brachte mich aber weder bei linearer Definition noch bei logarithmischer Definition eines „Volumens“ (Abschnitt auf der Abzsisse) weiter. Die Idee mit der Dichte ging aber schon in die richtige Richtung … und dann fiel es mir auf! Mensch! Auf LL0 scheint die Verteilung der Links eine gewisse Aehnlichkeit aufzuweisen, mit der Verteilung die meine unfaire Muenze vor ein paar Jahren produzierte! Letztere war eine Maxwell-Boltzmann Verteilung und der Zusammenhang damit brachte mich auf den richtigen Weg, wie ich einen Phasenuebergang nachweisen kønnte. Aber der Reihe nach.

Die Maxwell-Boltzmann Verteilung wurde urspruenglich „erfunden“ um bei einer gegebenen Temperatur die Geschwindigkeitsverteilung der Partikel eines idealen Gases zu beschreiben.
Man denke sich wieder das Beispiel von Wasser, nur dieses Mal nicht unterkuehlt, sondern mit einer Temperatur von 101 Grad Celsius (bei Normaldruck) und somit in der Form von Wasserdampf. Ein Wassermolekuel kann von sehr langsam bis sehr schnell viele Geschwindigkeitszustaende annehmen. Die Maxwell-Boltzmann Verteilung beschreibt nun, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Molekuel sich in einem bestimmten Geschwindigkeitszustand befindet. Bei gerade mal 101 Grad Celsius sind die meisten Molekuele relativ langsam und ein paar sind sehr schnell. Die Wahrscheinlichkeit ein Molekuel zu finden welches sehr sehr sehr sehr schnell ist, ist im Wesentlichen Null.

Jetzt verandere ich die Temperatur dieses Systems in mehreren Schritten … und in Gedanken.

Zuerst heize ich den Wasserdampf immer weiter auf. In einem geschlossenen Gefaesz steigt dann der Druck. Der Druck ist aber im Wesentlichen die Kraft, mit der die Wassermolekuele gegen die Wand pressen. Da sich die Masse der Molekuele nicht aendert muss die (mittlere) Geschwindigkeit der Molekuele zunehmen, wenn bei steigender Temperatur der Druck steigt. Das bedeutet, dass sich das Maximum der Verteilung zu høheren Geschwindigkeitszustaenden verschiebt. Auszerdem wird die Verteilung breiter. Das bedeutet, dass bei steigender Temperatur die Wahrscheinlichkeit ein sehr sehr sehr sehr schnelles Teilchen zu finden (deutlich) zunimmt. Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit ein sehr langsames Molekuel zu finden ab.

Im naechsten Schritt kuehle ich den Wasserdampf wieder ab. Die im letzten Paragraphen beschriebenen Dinge gehen zunaechst „rueckwaerts“ und wenn ich zu 100 Grad Celsius (und darunter) abkuehle, passiert etwas „Seltsames“ — ein Phasenuebergang. Die Wassermolekuele klumpen sich zusammen, sie kondensieren aus der gasførmigen in die fluessige Phase.
In der fluessige Phase sind die møglichen Zustaende fuer ein Wassermolekuel stark begrenzt. Sowohl was die Geschwindigkeit, als auch den Ort belangt. Die Verteilung wird also deutlich schmaler, einfach schon aus dem Grund, weil ich keine sehr (sehr sehr sehr) schnellen Teilchen mehr finden kann.
Nichtsdestotrotz ist das Maximum der Verteilung immer noch bei relativ hohen Geschwindigkeiten. Wie jeder aus eigener Erfahrung weisz, ist frisch gebruehter Tee ziemlich heisz. Das bedeutet dann aber, dass die mittlere Geschwindigkeit der Wassermolekuele (trotz aller Einschraenkungen) immer noch relativ hoch ist.
Ach ja, die Geschwindigkeitsverteilung von fluessigem Wasser wird nicht mehr durch die Maxwell-Boltzmann Verteilung beschrieben, aber das ist nicht so wichtig, denn eine Geschwindigkeitsverteilung ist es immer noch.

Nun kuehle ich noch weiterab. Das Maximum de Geschwindigkeitsverteilung „wandert“ zu immer kleineren Geschwindigkeiten und bei Null Grad Celsius gefriert das fluessige Wasser zu Eis. Dies ist ein weiterer Phasenuebergang, der die møglichen Zustaende der Wassermolekuele nochmals massiv einschraenkt. Unter bestimmten Umstaenden kann Wasser sich deutlich unter den Gefrierpunkt abkuehlen, ohne dass es zur Eisbildung kommt, bis dann ganz pløtzlich alle Molekuele auf einmal die Phase wechseln — und damit bin ich bei dem was ich oben erwaehnte.

So, ihr meine lieben Leserinnen und Leser seid ja aufmerksam und denkt mit. Deswegen seid ihr bestimmt selber drauf gekommen, dass die obigen vier Paragraphen, und was ich da ueber die Geschwindigkeitsverteilung der Wassermolekuele bei den verschiedenen Temperaturen sage, uebertragen werden kann auf die vier Abschnitte bei der Verteilung der Anzahl der totalen Links Seite und Linklevel vom letzten Mal! … Krass wa!

Das ist natuerlich der Grund, warum ich das beim letzten Mal so detailliert aufgeschrieben habe. Selbstverstaendlich ist die Analogie nicht perfekt, aber mir geht es auch nur im die Idee, dass die Partikel eines gegebenen Systems mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gewisse Zustaende einnehmen kønnen. Die Wahrscheinlichkeit fuer manche Zustaende ist grøszer (oder kleiner) als fuer andere und wenn ich die Parameter des Systems veraendere, dann aendern sich die Wahrscheinlichkeiten, dass die Partikel gewisse Zustaende annehmen.

Im gegebenen Fall sind die „Partikel“ die individuellen Seiten, die „Temperatur“ ist das Linklevel und der „Zustand“ die ein „Partikel“ bei einer gegebenen „Temperatur“ annehmen kann, ist die Anzahl der totalen Links. Wenn ich nun die Anzahl der Zustaende weisz und wie diese besetzt sind, dann kann ich damit andere Sachen berechnen und letztlich auch Hinweise fuer Phasenuebergange finden.

Soweit zur Analogie. Das Problem ist nun aber, dass, anders als bei einer Maxwell-Boltzmann Verteilung, die Wahrscheinlichkeiten der Zustaende auf einem gegebenen Linklevel keinem (mir) bekannten mathematischen Gesetz folgt. Pragmatisch wie ich bin, benutze ich (wie so oft) einen phaenomenologischen Ansatz und nehme eben diese Daten um mehr ueber die Zustaende und deren Verteilung heraus zu finden.

Das bedeutet das Folgende.
Zunaechst einmal nehme ich an, dass die Statistik gut ist. Bei fast 6 Millionen „Partikeln“ ist diese Annahme durchaus gerechtfertigt.
Desweiteren nehme ich an, dass alle Zustaende die das System (also die Gesamtheit aller „Partikel“) auf einem gegebenen Linklevel annehmen kann, im Wesentlichen auch angenommen werden. Das bedeuet NICHT, dass jeder Zustand auch von (mindestens) einem Partikel angenommen wird. Es bedeutet aber, dass sich die Balken in den Verteilungen (mehr oder weniger) ueber den gesamten „Zustandsraum“ verteilen. Oder anders: zwischen dem ersten und letzten Zustand kønnen durchaus grøszere Luecken sein, aber vor dem ersten Zustand und hinter dem letzten Zustand ist dann auch wirklich nix; bzw. sind dort die Wahrscheinlichkeiten, dass ein Zustand dort angenommen wird so klein, dass diese nicht betrachtet werden muessen.
Als Beispiel nehme man die Verteilungen von Abschnitt 3 vom letzten Mal. Die Balken der Verteilung sind alle in einem kleinen Bereich und dass ich die nur dort sehe bedeutet dann, dass die Zustaende auszerhalb dieses Bereichs auch nicht angenommen werden kønnen, unter den gegebenen Umstaenden.
Im Gegensatz dazu die Verteilung bei LL4:

Das Meiste spielt sich zwischen ca. 5 Millionen und ca. 80 Millionen ab. Aber die Verteilung hat Auslaufer bis ca. 1k mit unbesetzten Luecken dazwischen.

Das ist eine sehr wichtige Sache, denn wie oben geschrieben, will ich ja wissen, wie viele Zustaende ich habe und wie diese bestzt sind. Aber wie komme ich auf die Anzahl ALLER (plausiblen) Zustaende? Bei Maxwell-Boltzmann kann ich die einfach aus der mathematischen Funktion berechnen und dann sagen, dass bspw. ab einer Wahrscheinlichkeit von 10-6 die Besetzung nicht mehr plausibel ist und ich alle Zustaende mit kleinerer Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit zur Anzahl aller Zustaende dazurechne.
Hier aber sehe ich, dass ich bis zu ca. 90 Millionen Links haben kann (bei „hohen Temperaturen“). Ich kann nun aber die Anzahl der møglichen Links in der „heiszen, fluessigen Phase“ im besagten Abschnitt 3 nicht bis 90 Millionen ausdehnen. Dass ein solcher Zustand angenommen wird, ist nicht plausibel. Dito bzgl. all zu kleinen Zahlen der totalen Links bei „erhøhten Temperaturen“.
Die Løsung des Problems liegt in obiger (innerhalb gewisser Grenzen durchaus gerechtfertigter) Annahme. Praktisch bedeutet das, dass ich die Zustaende zwischen dem kleinsten und dem grøszten besetzten Zustand einfach abzaehle und damit dann die Anzahl aller (plausiblen) Zustaende auf einem gegebenen Linklevel erhalte.

Wenn ich die Anzahl aller møglichen (plausiblen) Zustaende habe, zaehle ich ab, welche Zustaende tatsaechlich besetzt sind. Damit kønnte ich dann eine Entropie berechnen. Ich weisz aber nicht, ob ich damit auch was sehe.
Desweiteren schaue ich, in welchen Zustaenden sich die Majoritaet der „Partikel“ befindet. Befindet sich die Majoritaet in nur ein paar wenigen der møglichen Zustaende, kønnte es sich um ein Gruppenphaenomen, bspw. das „ausfrieren“ in einen „festen Zustand“, handeln.
Auszerdem untersuche ich dann noch, wieviele „Partikel“ sich einsam und allein in ihrem Zustand aufhalten (oder vielleicht auch mal zu zweit oder zu dritt, je nach „Phase“ oder so), oder ob sie sich mit anderen „Partikeln“ zusammen tun. Der Unterschied zum Obigen liegt darin, dass hier immer noch relativ viele Zustaende besetzt sind, aber mit mehreren „Partikeln“ (bspw. 5 oder 23 oder 523 oder so). Das ist dann also kein Gruppenphaenomen.
Und letztlich kønnte ich als Ausreiszer all jene Zustaende definieren, die sich bspw. nicht innerhalb des Gebietes befinden, in dem (bspw.) 90 % aller besetzten Zustaende sind. Aber da bin ich unsicher, ob ich das auch machen werde. Naja, ich werde mir das schon mal anschauen, aber wenn es schønere Ergebnisse gibt, wenn ich die Ausreiszer drin lasse, dann lasse ich die drin … denn dann sind sie ja per Definition keine Ausreiszer mehr sondern gehøren zum ordentlichen Datensatz.

Aber auf all dies muesst ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, euch noch gedulden. Dieser Artikel hier ist naemlich schon lang genug.

Ach so, der Grund, warum mich die oben erwaehnte „Dichte des Balkenwaldes“ auf den richtigen Weg fuehrte (selbst wenn der konkrete Ansatz erfolglos war) ist, dass ich bei Anzahl der møglichen und tatsaechlich besetzten Zustaende an die Zustandsdichte in der Festkørperphysik dachte; diese ist naemlich …

[…] the proportion of states that are to be occupied by the system at each energy.

Hier kam mir also (mal wieder) mein Hintergrundwissen in der Physik zugute. Das Studium hat sich also (mal wieder) voll gelohnt :) .

Im Weiteren betrachte ich KEINE Zustandsdichte(n) nach der formalen Definition in der Festkørperphysik. Aber ich werde die im letzten Paragraphen erwaehnten „Messgrøszen“ in Bezug setzen zur Anzahl aller møglichen Zustaende und das wir ja dann auch so eine Art „Dichte“.
Den Titel behalte ich bei, weil der so schøn zeigt, aus wie vielen Quellen Inspiration kommt, die dann zur Løsung (mehr oder weniger) komplexer Fragestellungen fuehrt :) … Toll wa! So ist’s eben in der Wissenschaft und Forschung :) .