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Die duerfen naemlich im øffentlichen Nahverkehr in Kyoto keine Horden von Katzen transportieren:

Tihihihi … das Bild spricht fuer sich und deswegen werd ich dazu auch gar nichts weiter zu sagen.

OKOK … Der Text daneben sagt, dass nur Tiertransportbehaelter mit zulaessigen (maximalen) Abmessungen benutzt werden duerfen … das ist aber nicht halb so lustig wie meine urspruengliche Interpretation … genaugenommen ist das ueberhaupt nicht lustig und deswegen verbreite ich lieber meine urspruengliche Interpretation.

Ich bin so sehr mit Kevin Bacon beschaeftigt, dass ich gerade keine richtige Lust habe, lange Sachen fuer die Artikel dazwischen zu schreiben. Zum Glueck hab ich noch ’n paar Bilder in denen ich vor … bzw. in diesem Falle AUF …

… Dingen stehe. Das hier ist ’ne originale Appollo(leider-nur-test)kapsel mit mir oben drauf. Aber die Grøszenverhaeltnisse und so stimmen.

Arschcool wie ich bin … Wortspielkasse … warum wird gleich klar… hab ich natuerlich auch in der Wueste von Arizona (wo die Kapsel rum lag) schwarze Kleidung an. Es ist festzuhalten: ich war schon immer ziemlich fesch … auszerdem, ist die Kapsel echt winzig.

Zum Ende meines diesjaehrigen Geburtstagsbeitrags schrieb ich:

[…] [D]as Thema […] werde ich anhand eines konkreten Beispiels an anderer Stelle nochmal aufgreifen.

Da ich bisher anderweitig beschaeftigt war, liesz die Antwort auf sich warten (und mir ist bewusst, dass der Abschluss der Hormesis-Reihe schon laenger her ist und dass auch die Feinstaubreihe noch in der Luft haengt).

Das konkrete Beispiel ueber das ich heute schreibe ist eine weitere „Anwendung“ des im Geburtstagsbeitrags anhand eines (anderen) Beispiels illustrierten Prinzips. Oder anders: wieder bleibt mir das „Hab dich!“ (bzw. hier eher „du bist ja doof“) im Halse stecken, wenn ich alles gruendlich durchdenke und mein Gegenueber deswegen besser verstehe.

In kurz geht es um diesen alten Gag …

Geklaut von hier, ’ne echte Originalquelle gibt’s sicher nicht.

… der sich (meist) ueber (US) Amerikaner lustig macht … und frueher hab ich kraeftig mitgelacht (und mitgemacht).

Irgendwann ist mir dann aber mal aufgefallen, dass ich …
… „1 Meter“ sage, mir aber eine Schrittlaenge vorstelle, und zu Fusz gehe …
… „5 Kilometer“ sage, mir aber die Strecke zwischen Buch und Grieben vorstelle, … bzw. heute bei 4 km an einen Spaziergang um den Theisendam denke … und das automatisch mit ca. 1 Stunde spazieren gehen gleichsetze … oder 20 Minuten Fahrrad fahren … oder durchgeweichten Stoffschuhen, aber trockenen Herbstschuhen, bei leichtem Regen, …
… „500 km“ sage, mir aber die Strecke Trondheim – Oslo vorstelle, … und das automatisch mit einer unbestimmten, definitiv nicht metrischen Menge Stress gleichsetze, weil das oft Fliegen bedeutet, …
… „einmal um die halbe Welt“ sage, mir aber die Strecke Norwegen – Japan vorstelle, … *opps* nun ist ja nicht mal mehr das erste metrisch, …

… … … .oO(genug der Laengen) … … …

… „ein halber Liter“ sage, mir aber ’ne Colaflasche vorstelle, …
… „25 kg“ sage, mir aber vorstelle wie schwer ein Sack Zement ist, …
… beim kochen definitiv NICHT „14.7868 Milliliter“ sage oder denke, sondern einfach ’n Essløffel voll benutze (gerne gehaeuft), …
… weisz, dass die Strecke Erde – Sonne ungefaehr 150 Millionen Kilometer sind, das aber (fast) nie benutze sondern (fast) immer an eine Astronomischen Einheit denke, …
… ich von Milli-, Micro, Nanosekunden weisz und oft genug damit zu tun hatte (und habe), ein Tag aber trotzdem 86,400 Sekunden enthaelt.

Ich møchte damit ausdruecken, dass das metrische System zwar toll ist, wenn man was zu rechnen hat und das mit Sachen die nicht in der eigenen „Werkstatt“ (im allerweitesten Sinne) gemacht wurden vergleichen muss. Aber im Alltag verdient es nicht unbedingt die Huldigungen, die es so oft bekommt … insb. von Leuten wie mir. Sobald ich eine „alltagstaugliche“ Zahl im Zusammenhang (Laenge, Masse, Zeit) høre, stelle ich mir Mehltueten anstatt Kilogram, Colaflaschen anstatt Volumen und Stress oder Zeiteinheiten anstatt Laengen vor … und letztere kønnen sogar noch unterschiedlich sein, je nach Verkehrsmittel … oder anders: ich stelle mir alles AUSZER metrischen Einheiten in meinem Alltag vor.

Und selbst das Rechnen ist physikalisch gesehen nur in kleinen Bereichen metrisch. Ich wuerde sagen bis zu Laengen von ca. 1/2 Million Kilometer, dann faengt man eher an in Lichtsekunden zu rechnen. Ab ca. 50 Millionen Kilometern in astronomischen Einheiten, ab ca. 1 Billion Kilometern in Lichtjahren und ab ca. 1 Billiarden Kilometern in Parsec … und irgendwann ist alles so weit weg, dass man nur noch in Rotverschiebung rechnet. Keine einzige dier Einheiten ist mit den anderen Einheiten mittels einer fein durch 10 teilbaren Konstante „verbunden“. Vielmehr ist es ein buntes Kuddelmuddel an Umrechnungsfaktoren. Und alle Umrechnungsfaktoren beziehen sich auf Dinge die man sich vorstellen kann (mehr oder weniger).

Dito, bei der Zeit. Im ganz Kurzen ist alles metrisch, aber schon die Minute hat 60 Sekunden … wenigstens bleibt der Faktor auch fuer die naechste Einheit erhalten. Und dann kommt der Tag mit seinen 24 Stunden … aber das basiert ja wenigstens alles noch auf der Zahl 6 … aber die 6 ist definitiv nicht metrisch. Und dann schwankt die Anzahl der Tage im Monat … und das Jahr laeszt sich weder in eine 10-er Zaehlung noch eine 6-er Zaehlung pressen (auch der franzøsische Revolutionskalendar løste Problem nicht in Gaenze). Dennoch, wird so vieles in Jahren angegeben. Und sobald man 10 Jahre voll hat, geht es wieder mit 10-Faktoren los … wobei eine Dekade oder ein Jahrhundert ja dann doch auch wieder nicht mit der „durch 1000 teilen“ Regel zusammen passt. Und ich hab auch noch nie jemanden sagen høren: ich bin jetzt 0.044 Millenia alt … vielleicht sollte ich damit anfangen, einfach um die Leute zu verwirren … tihihi.

Die gleichen Ueberlegungen zur Masse ueberlasse ich euch, meinen lieben Leserinnen und Lesern, zur Uebung als Hausaufgabe.

Die Einheitlichkeit (!) aller Masze (und Gewichte … wie man frueher sagte, auch wenn ein „Gewicht“ ja auch nur ein Masz fuer Masse ist) ueber die Dorf- und Landesgrenzen hinweg (und ebenso wichtig: ohne Aenderungen dieser Einheitlichkeit ueber die Jahre) ist wichtiger als der Umrechnungsfaktor zwischen den verschiedenen Einheiten der verschiedenen Skalen. Es ist fein, dass dieser im metrischen System ein Faktor 1000 ist. Das macht bestimmte technische Berechnungen auf gewissen, eher limitierten Skalen (siehe oben), einfacher.

Aber wenn alle Leute einheitlich irgend ein anderes System benutzen wuerden, weil sie damit aufgewachsen sind, dann waere das in den allermeisten Faellen genauso gut. Ich brauche naemlich nie ’ne Tonne Salz beim Kochen und wenn ich mal 10 Liter Milch brauche, dann schreibe ich nicht „10 Liter Milch“ auf den Einkaufszettel sondern nur „Milch x10“ (man beachte hier, dass ich die Maszeinheit weglasse). Heutzutage muss das naemlich nicht mehr im Laden abgemessen werden und ich kann mich drauf verlassen, dass eine Tuete Milch genauso viel Fluessigkeit enthaelt wie die die daneben steht. Und ja! Es liegt an genau der Vereinheitlichung, dass ich mich drauf verlassen kann. Was fuer eine das ist, ist aber egal und in den USA wuerden es dann eben nur zwei grosze Milchflaschen werden (da fehlt dann zwar ungefaehr 1 Liter, aber bei 10 Litern kommt’s darauf dann auch nicht mehr wirklich an bzw. ist das Kuchenrezept angepasst).

Zusammengefasst bedeutet das zwei Sachen:
1.: Wer im Glashaus sitzt (und selber alles als „Døner pro Fuszballfeld“ im Geiste wahrnimmt), sollte sich nicht ueber Leute lustig machen die das direkt, also ohne Umwege (mehr oder weniger) lebensferner Maszsysteme, tun.
2.: Das macht natuerlich im obigen Bilde auch schon den Ursprungsbeitrag unnuetz. Es kuemmert mich doch ueberhaupt nicht, wie viele Fuesze in einer Meile sind. Eine Meile bedeutet doch viel eher, dass ich das nicht laufen werde, sondern in 2 Minuten (eine Zeiteinheit) mit dem Auto (eine „Arbeitseinheit“ oder „Stresseinheit“ oder „Faulheitseinheit“ wenn man auch gehen kønnte) da bin.

All das Gesagte ist natuerlich anders zu sehen, wenn ich Zucker in andere Laender verschicken oder an der internationalen Raumstation mitbauen will … aber das sind lebensferne Sachen, die mit 99.999% des Lebens der aller-aller-aller-aller-aller-allermeisten Menschen nix zu tun haben … nicht mal dann, wenn sie in ferne Laender reisen, weil man sich dort dann recht schnell auf ein anderes Messsystem einstellt. Und fuer den Rest reicht es, wenn man sich auf ein System einigt, das muss aber mitnichten das Metrische sein.
Wenn man hingegen das Leben besagter aller-aller-…-allermeisten Menschen bedenkt frage ich mich dann doch, ob das Maszsystem der USA nicht vielleicht doch besser (da lebensnaeher) ist.

Da faellt mir ein, dass ich dazu mal was zur Temperatur hatte, bei der die Experten lange Zeit meinten, dass das ueberhaupt nicht objektiv gemessen werden kann (und im Alltag tun wir das immer noch nicht … da geht’s nur um warm oder kalt bzw. darum ob die Brøtchen noch weisz oder schon angebrannt sind).

So viel Geschrieben und zum Abschluss kann ich leider nur sagen, dass mich diese Erkenntnis zum „Spielverderber“ macht. Ich lache (nicht mehr) ueber Sachen die viele andere Menschen in meinem Umkreis voll witzig finden … und dann kann ich meinen Mund nicht halten und møchte den Leuten zwar nicht ihren Spasz nehmen, ihnen aber gerne klar machen, warum es sich lohnt, sich in andere Menschen hinein zu versetzen … und sehr schnell haben die Menschen um mich herum keine Lust mehr auf, als Moralpredigten wahrgenommene, lange Monologe von mir und fangen an sich selbst zu zensieren wenn ich dabei bin und erzaehlen keine Witze mehr … und damit habe ich dann doch den ganzen Spasz verdorben … *seufz*.

So … damit das nicht so traurig endet hier ein Beispiel wie man sich-lustig-machen weglassen kann und dabei dennoch lustig bleibt:

Geklaut von hier … und ich bin zu faul um den urspruenglichen Erschaffer (bzw. Quelle) zu suchen (zumal ich ohnehin nicht denke, dass das von Erfolg gekrønt waere).

Witzig!

Ich wuensche erholsame Feiertage :) .

Ja genau! Das war der Typ der „die unsichtbare Hand des Marktes“ erfunden hat. Auszderm schrieb er das urst bekannte, urst wichtige (da urst einflussreiche), von mir aber nicht gelesene Buch „The Wealth of Nations„. Bei aller Kritik die ich gerne und oft am kapitalistischen System aeuszere, erkenne ich doch an, dass es doch auch fuer den viele Reichtum um mich drumherum, der mir das Leben unendlich viel einfach macht als vor 200 Jahren, verantwortlich ist. Und dieser Mann hat das zum ersten Mal systematisch analysiert und aufgeschrieben und damit ganz massiv Politiker und damit die Entwicklung der (nicht nur) westlichen Welt beeinflusst. In den „social sciences“ (das kann man nicht 1:1 auf die Sozialwissenschaften im dtsch. uebertragen; es kommt aber sehr nahe) ist es von allen vor 1950 publizierten Buechern, das am zweithaeufigsten zitierte. Haeufiger zitiert ist nur „Das Kapital“.

Apropos Marx … auch wenn er gerne ueber Vulgaerøkonomen und deren Machwerke schimpft, so zaehlt er Smith nicht zu denen und lobt die Erkenntnisse die dieser Mann hatte … auch wenn er sie oft genug (und oft scharf) kritisiert.

Lange Rede kurzer Sinn: es ist nicht verwunderlich, dass ich bei meinem Besuch in Edinburgh das Grab dieses Mannes …

… besuchte. Fetzt wa!

… (obligatorisches Video … .oO(sag mir wie alt du bist, ohne mir zu sagen wie alt du bist) … krass, wie „frisch“ das auch nach ueber 30 Jahren noch ist … hatten (haben) schon Talent die (damals) jungen Maenner … und das sag ich als jemand, der das damals nicht so dolle fand und der auch heute nicht solcherart Musik hørt … aber darauf wollte ich gar nicht hinaus und das hat nicht mal nur sehr sehr entfernt mit dem heutigen Thema zu tun.

Aber der Reihe nach.

Zunaechst verweise ich nochmals auf dieses, fuer die Welt das Universum so wichtige Werk:

Im Zeiten Teil — Willing, Kapitel 9 — Epictetus and the omnipotence of the Will, werden die Philosophien von Paulus (von Tarsus … JA! DER!) und Epiktet verglichen. Das ist an und fuer sich auch sehr spannend, aber mir geht es nur um diesen kurzen Abschnitt:

[…] they share an almost instinctive contempt for the body–this „bag“, in Epictetus words […]

… … … Wait! … … … WHAT?

An dieser Stelle MUSS ich wieder einmal auf den den mglw. von mir am øftesten verwiesenen Artikel (ist es doch eine Art Dreh- und Angel-, mindestens der erste, mehr oder weniger klar, artikulierte Ausgangspunkt, fuer viele, mein _ich_ betreffende Fragen) verweisen … denn diesem gab ich den Titel „Fleischsaecke“ … wait! … what?

Ich erinnere mich noch vage, dass es mir damals schwer fiel einen Titel zu finden … weniger bewusst, als viel mehr „instinctive“ landete ich dann bei dem Gewaehlten. Und auch wenn ich es nicht direkt sage, so kønnte man aus den dort dargestellten angerissenen Ideen einen gewissen „contempt“ fuer meine sterbliche Huelle herauslesen. Sage ich doch (diesmal ganz direkt), dass diese ja eigentlich nur den kleinsten Teil dessen ausmacht, was (ich oder) andere „sehen“, wenn sie an mich denken.

Aber ich møchte mich hier nicht wiederholen. Vielmehr geht es mir darum, dass es mir nicht zum ersten Mal passierte, dass ich was von wem Beruehmtes lese und mich dann „aergere“, dass Gedanken und Ideen die mich selber auch (oft schon laenger) beschaeftigen schon vor Jahrzehnten, Jahrhunderten, oder gar Jahrtausenden von wem anders ausgedrueckt wurden.

Wobei der Gebrauch des Wortes „aergern“ hier erklaert werden muss. Es aergert mich natuerlich mitnichten, dass die besagten beruehmten Leute das (laaaaange) vor mir diskutiert haben. Ganz im Gegenteil, vielmehr freue ich mich urst drueber. Zum Einen, weil’s schmeichelhaft ist, dass viel viel wichtigere Menschen als ich das auch beschaeftigt hat. Zum Anderen, weil eben diese Menschen eine bestimmte Idee nicht nur besser ausdruecken, sondern auch VIIIIIEEEL besser durchdacht haben und mir mit meinen eigenen Gedanken und Herangehensweisen diesbezueglich oft unglaublich voran helfen.
Der „Aerger“ betrifft eher mich selbst. Ja, ich bin auf eine Idee auch von alleine gekommen und habe die Gedanken dazu unabhaengig gedacht (wenn auch laengst nicht auf so raffinierte Art und Weise). Ich muss mich da also nicht „unter’n Scheffel stellen„.
Gleichzeitig fuehle ich mich aber wie’n „Betrueger“ der nix Originelles macht … siehe, der Titel dieses Beitrags. Dem ist natuerlich nicht so, aber trotzdem: *seufz*.

Das Zitat ist ein besonders krasses Beispiel, denn es stellt nicht nur die gleiche (gar die selbe?) Idee an sich dar, sondern benutzt auch (beinahe) die exakt gleichen Worte. Da hab ich nach dem ersten kurzen „Aerger“ und vor allem groszer Verblueffung erstmal gelacht, darob dessen, dass das Universum ganz generelle Herausforderungen fuer die Menschheit parat hat, welche auch nach Jahrtausenden nicht geløst sind und vermutlich nicht løsbar sind … zumindest nicht auf dieser Ebene des Daseins … und mir sind andere (vulgo: spirituelle) Ebenen ganz grundsaetzlich versperrt … das entbehrt schon nicht einer gewissen Ironie.

Und nun wisst ihr, meine lieben Leserinnen und Leser das auch :)

Addendum: der Gedanke mit den „Fleischsaecken“ scheint sich uebrigens durch die Philosophie ganz von Anfang an zu ziehen. Im ersten Teil Teil des selben Buches — Thinking, Kapitel 10 — The intramural warfare between thought and common sense, paraphrasiert (und zitiert) Hannah Arendt Platos Gedanken von beinahe einem halben Millenium eher (ich lasse den Kontext mal weg):

[One desire of] [t]he „true philosopher,“ […] [is that] he may be free from all kinds of business and especially be rid of his body, which always demands to be taken care of, „falls in our way at every step … and causes confusion and trouble and panic,“ […].

Und gleich im naechsten Abschnitt wird René Descartes von Hannah Arendt zitiert, welcher mehr als 1 1/2 Jahrtausende nach Epiktet meinte (Kontext wieder wieder weggelassen) …

„[…] as long as the soul is attached to the body it may be bothered in its operations by the bad disposition of the body’s organs.“

Ich kann mich nur wiederholen: „[…] vermutlich nicht løsbar […]“.

Im Film Oppenheimer, den ich zum Zeitpunkt des Erscheinen dieses Artikels 24 Stunden im Kino und 3 Stunden zu Hause auf BlueRay…

… gesehen haben sollte, kann das zentrale Thema sehr stark vereinfacht, aber nicht unzulaessig, als „die Angst der Wissenschaftler die Atmosphaere zu entzuenden“ zusammengefasst werden. Das soll diesbezueglich hier und heute reichen und ich diskutiere das vielleicht nochmal genauer an anderer Stelle.

Mir geht es heute aber ganz konkret genau darum, dass die Wissenschaftler des Manhatten Projektes fuer eine Weile ernsthaft das Folgende diskutierten: unter der Annahme, dass eine auf Kernspaltung basierte Bombe, so viel Energie frei setzt, dass es zu einer Fusion (!) von Stickstoffatomen kommt, kann die durch die Fusion frei werdende Energie diese Reaktion in Gang halten?

Neulich stiesz ich auf den Los Alamos National Laboratory Originalbericht dazu, von E. J. Konopinski, C. Marvin, und E. Teller aus dem Jahre 1946. Der entstand zwar erst im Nachhinein, aber fasst besagte Diskussion zusammen und ist ein wirklich gutes Beispiel dafuer, wie man informierte Entscheidungen selbst bei Abhandensein gewisser nøtiger Informationen machen kann, aufgrund von (notwendigerweise konservativen) Abschaetzungen.

Kurz (und vereinfachend) gesagt wird zunaechst berechnet, wie oft Stickstoffatome zusammenstoszen (denn meistens fliegen die aneinander vorbei) und fusionieren und wieviel Energie dabei pro Sekunde und Kubikmeter Luft produziert wird. Dabei wird vom schlimmsten Fall ausgegangen, dass alle Støsze frontal aufeinander sind (sehr unrealistisch) UND dass jeder Zusammenstosz eine Fusion zur Folge hat (auch sehr unrealistisch, denn andere Reaktionen, wie Emsission von Alpha Partikeln und so, sind viel wahrscheinlicher).
Dann wird berechnet, wieviel Energie verloren geht. Dies geschieht hauptsaechlich durch Bremsstrahlung; schnelle (vulgo: heisze) Elektronen werden gebremst und der Energieunterschied wird in Form von Strahlung … øhm … abgestrahlt. Diese Energie steht dann der Fusionsreaktion nicht mehr zur Verfuegung, denn es benøtigt „feste Partikel“ die gegen die Stickstoffatome „prallen“ um die aufzuheizen … nicht vergessen: Temperatur entspricht der kinetischen Energie der Teilchen und beim „Teilchenbilliard“ wird besagte Bewegungsenergie ja durch andere „Billiardkugeln“ uebertragen.
Bei all dem werden „Nebenprozesse“ weg gelassen. Oder anders: es wird (A) davon ausgegangen, dass die Energie immer auf die effektivste Weise produziert wird und (B) andere Prozesse die zu Energieverlust fuehren, werden nicht in Betracht gezogen (man nimmt also an, dass es die nicht gibt und die Energie somit nicht durch solche Nebenprozesse verloren geht).

Energieverlust und -produktion werden dann ins Verhaeltniss gesetzt und das ergibt den Sicherheitsfaktor, von dem man møchte, dass der grøszer als 1 ist. Der Strahlungsverlust soll also grøszer sein als die Energieproduktion. Und dem ist zum Glueck so.
Dummerweise sind alle Grøszen abhaengig von der involvierten Energie, also wie schnell die Stickstoffatome (und Elektronen) sind. Sehr kalte Teilchen haben keine grosze Chance zu fusionieren und dadurch wird nur wenig Energie produziert. Sehr schnelle Teilchen fusionieren zwar oft und produzieren viel Energie, aber der Bremsstrahlungsmechanismus wird dabei auch sehr effektiv und ueberkompensiert Ersteres. Brenzlig wirds mittendrin und wenn man aus Sicherheitsgruenden die konservativsten Annahmen trifft kommt der Sicherheitsfaktor mit einem Wert von 1.6 der eins ganz schøn nahe.
Solche „mittendrin“ Energien sind aber immer noch sehr hoch und konnten durch die beim Manhattan Projekt entwickelten Bomben nicht produziert werden. Auch Weiterentwicklungen seitdem schaffen das nicht wirklich (zumindest nicht in ausreichendem Masze).

Nur um sicher zu gehen, ging die Diskussion dennoch auf eine andere Art und Weise weiter und die Wissenschaftler beschaeftigten sich mit der folgenden Frage: wieviel Luft muss man initial heisz genug machen, sodass die Reaktion sich von alleine fortsetzen kann (unter der Annahme, dass der Sicherheitsfaktor kleiner ist als oben berechnet).
Der Hintergrund liegt darin, dass bei einer zu kleinen Kugel die Oberflaeche im Verhaeltniss zum Volumen sehr grosz ist und deswegen durch besagte Oberflaeche mehr Energie abgestraehlt, als im Inneren produziert wird. Das ist also der gleiche Effekt, warum Pinguine in Suedafrika kleiner sind als die Pinguine am Suedpol.
Die Antwort: solch ein (Kugel)Volumen muss einen Durchmesser von ueber 100 Meter haben. Um ein solches Volumen genuegend aufzuheizen, sodass die Partikel schnell (vulgo: heisz) genug sind fuer einen kleinstmøglichen Sichterheitsfaktor, wuerde man ueber 1 Million Kilogramm spaltbares Material brauchen … WENN Letzteres zu 100 % gespaltetet werden wuerde (und somit die entsprechende Energie frei wird). In der Realitaet sind die 100 % eher um nur ca. ein Prozent.

Als Letztes wird ein weiterer wichtiger Energieverlustmechanismus diskutiert, der die obigen Zahlen noch unrealistischer macht.

Wir haben also:
– der Sicherheit wegen wird von extrem konservativen (vulgo: im Wesentlichen unrealistischen) Annahmen ausgegangen,
– der Sicherheitsfaktor bleibt trotzdem immer grøszer als 1,
– kommt fuer gewisse høhere Energien der 1 aber nahe,
– aber solche Energien kønnen nicht produziert werden,
– und selbst wenn solche Energien produziert werden kønnten und der Sicherheitsfaktor unter 1 fallen wuerde (die Berechnungen also nicht ganz richtig sind), wuerde man dafuer bei 100 % Effizienz absurd viel spaltbares Material benøtigen damit es zu einer fortlaufenden Reaktion kommen kann,
– und in der Wirklichkeit ist die Effizienz VIEL kleiner als 100 %.

Lange Rede kurzer Sinn: die von Edward Teller vorgebrachte Reaktion ist echt und ein Weltbrand kann daraus als Schlussfolgerung gezogen werden. Deswegen war die ausfuehrliche Beaschaeftigung mit dem Thema extrem wichtig. Eine SEHR konservative Abschaetzung zeigt aber deutlich auf, dass das nicht passieren wird.

Abschlieszend dazu noch ein Kommentar bezueglich den „Chances are near zero„. Das bezieht sich NICHT auf die obigen Rechnungen. Das ist also NICHT das was viele unter „Quantenmechanik“ verstehen. Es geht also NICHT darum, dass das Eintreten eines Ereignisses eine Wahrscheinlichkeiten ist und „near zero“ bedeuten wuerde, dass ein Ereignis irgendwie doch eintreten kann.
Das „near zero“ bezieht sich darauf, dass die Wissenschaftler, in typischer wissenschaftlicher Manier, es nicht ausschlieszen wollten, dass sie einen Fehler gemacht haben oder dass es nicht doch einen bisher unbekannten Mechanismus gibt, der eine fortdauernde Fusionsreaktion von Stickstoff erlaubt haette.
Mit den getroffenen extrem konservativen Annahmen waren besagte Wissenschaftler allerdings so ueberzeugt davon, dass ihr Bild von der Welt vom Universum richtig ist, dass sie dieser Møglichkeit eine „near zero“ Chance gaben.
Oder anders gesagt: das Universum sagte in Form der Physik, dass die Atmosphaere nicht entzuendet werden wird: Wahrscheinlichkeit gleich Null … aber die involvierten Menschen wollten nicht ausschlieszen, dass sich nicht vielleicht doch noch etwas (zum Thema relevantes!) hinter dem „Schleier“ versteckt von dem sie nix wissen. Letzteres kann man aber niemals in Formeln packen und deswegen auch nicht abschaetzen. Wie soll man eine Aussage ueber etwas treffen von dem man weder weisz ob es NICHT existiert noch ob es existiert? (Das geht in eine aehnliche Richtung wie Russels Teekanne.) Zu dem Zeitpunkt wusste die Menschheit allerdings bereits so viel ueber das Universum, dass die Wahrscheinlichkeit der Existenz einer solchen (zum Thema relevanten) Sache als „near zero“ eingestuft wurde.

Der Film macht da aus (nicht nur) dramaturgischen Gruenden ein viel grøszeres Buhei draus, als es in Echt wahr. Meiner Meinung nach ist es aber Christopher Nolans (filmtechnischer) Genialitaet zu verdanken, dass er diesen „Kniff“ (nicht abschaetzend gemeint) nicht nur erkannte sondern auch hervorragend (auf verschiedenen Ebenen) umzusetzen wusste.
Wie gesagt, dazu vielleicht (mglw. aber nicht) mehr an anderer Stelle. Fuer heute soll es genug sein.

Es ist zwar ein Stereotyp aber zum Glueck von der ganz milden Sorte: in Japan ist trotz der hohen Haeuser alles irgendwie kleiner kuerzer. Ich habe mir ein paar (wenige) Male den Kopf leicht gestoszen, weil ich unterbewusst annahm, dass eine Sache høher angebracht war, als sie es tatsaechlich war.

Zum ersten Mal ist mir das in der U-Bahn in Sapporo aufgefallen:

Mich duenkt die horizontale Stange zum dran festhalten … ich fass doch nicht die Haltegriffe an … da sind doch ganz bestimmt noch mehr Viren und Bakterien dran als an der besagten Stange (einfach, weil Letztere nicht von kurzen Menschen erreicht werden) … streng genommen fasse ich meistens nicht mal die horizontalen Stangen an sich an, sondern ich versuche mich an den, (meist) vertikal aus der Decke haengenden, Befestigungsmøglichkeiten fuer besagte Stangen festzuhalten … jaja … ich weisz, dass das nicht ganz rational ist … wo war ich … ach ja … ist in Europa etwas høher … ich kønnte mich da aber taeuschen.

Am Rande: Die Tuete enthaelt uebrigens urst leckere die weltleckersten Kekse aus der dortigen Schokoladenfabrik (mit angeschlossenem Vergnuegenspark).

Auf diesem Bild sieht man einen Beinahezusammenstosz:

Dieser passiert im Regionalzug, auf dem Weg zurueck aus der Wueste.

Also: immer schøn den Kopf einziehen in Japan … das gilt natuerlich nicht fuer den kleinen Mann und andere kurze Menschen … SCNR :P .

Die Dinosaurierfuszspuren vom vorletzten Mal haben mich auf die Idee gebracht, dass ich ja mal ein paar von den typischen Søren-Dingsen die ich so in Urlauben gemacht habe vorstellen kønnte.

Das beruehmteste Søren-Dingens war wohl bei meinem Besuch in den USA, vor nun bald zwei Jahrzehnten, als ich anstelle des Grand Canyon lieber zum Meteor Crater wollte. Aber die Geschichte ist ja wohlbekannt.

Es gibt eine selbstgesetzte Einschraenkung fuer diese Miniserie: es muss ein Bild vorhanden sein, wie ich vor (etwas) stehe. Die ersten Beitraege in dieser Miniserie verbleiben in Schottland (einfach, weil ich die Bilder gerade noch bei Hand habe und nicht raussuchen muss) und los geht’s mit dem Grab von David Hume:

Cool wa! So nahe zu sein, einem der bedeutensten Denker, auf dessen Ideen (und Diskussionen mit anderen groszen Denkern der damaligen Zeit) so viel unserer heutigen (westlichen) Welt basiert!

Im Sommer ging’s nach Schottland und der Høhepunkt der Reise waren fuer mich ein typisches Søren-Dingens; naemlich Vertiefungen im Boden … auch genannt Pfuetzen. Das waren aber gar keine Pfuetzen sondern Fuszspuren von Langhalsdinosauriern! Und nicht nur irgendwelche sondern einige der weltweit am besten erhaltenen Fuszspuren … und das auch noch aus dem Mitteljura, einer Epoche der Erdgeschichte aus der wir (als Menschheit) bisher nur sehr wenige Fossilien gefunden haben.

Ich wusste, dass es Dinosaurierfuszspuren auf der Isle of Skye gibt, aber von diesen spezifischen wusste ich nix. Liegt vermutlich daran, dass an anderer Stelle welche von Theropoden zu finden sind, die mit ihren charakteristischen drei groszen Zehen nicht nur wie Pfuetzen aussehen … aber ich fand Sauropoden schon immer cooler :). Deswegen war ich sehr erfreut davon zu høren, als wir zunaechst das lokale Dinosauriermuseum besuchten.

An dem Tag waren uns die Gestirne hold, denn die Fuszspuren liegen bei Flut unter Wasser. Aber zunaechst hiesz es: suchen, suchen und nix finden. Ich wusste naemlich nur, dass die am Strand der dortigen Burgruine zu finden sind … der ist aber recht grosz. Also schaute ich mal im Internet und siehe da: es gab Berichte, sogar mit Fotos … das war fetzig, denn dadurch wusste ich wenigstens, nach was fuer Pfuetzen ich Ausschau halten muss (denn es gibt natuerlich noch viel mehr, die aber weniger spannenden Ursprungs sind). Anderweitig halfen mir diese Berichte aber nicht weiter, denn in keinem stand mehr als „geh an den Strand bei der Burgruine“ … verdammt.

Dann aber fiel mir ein, dass ich ja ’ne wissenschaftliche Ausbildung habe und dachte mir: .oO(Der Fund ist doch bestimmt in einem wissenschaftlichen Journal vorgestellt worden und da wuerde ich ’ne ordentliche Ortsangabe erwarten) … und siehe da, mit dieser Herangehensweise fand ich, dank einer Suchmaschine fuer wissenschaftliche Artikel, innerhalb kuerzester Zeit besagten Artikel. Der ist von Brusatte, S. L. et al. mit dem Titel „Sauropod dinosaur trackways in a Middle Jurassic lagoon on the Isle of Skye, Scotland„, verøffentlicht im Scottish Journal of Geology, 52 (1), 2016, pp. 1–9 … *hust*.
Wie erwartet, geben die Wissenschaftler eine nachvollziehbare Auskunft ueber die Lage …

… und schwuppdiwupp, fand ich die Pfuetzen … und stand damit an der gleichen Stelle wie’n Dinosaurier vor ca. 165 Millionen Jahren:

URST COOL, wa! Aus dem Artikel erfuhr ich dann noch, dass es sich bei dem vorbeistapfenden Urwesen wahrscheinlich um einen nicht-Neosauropoda gehandelt haben muss … also kein Brachiosaurus … der laeszt naemlich noch ca. 10 Millionen Jahre auf sich warten … sondern ein Urtier eher wie das hier:

Zby atlanticus, Quelle, Originalquelle, Autor: Nobu Tamura, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Mhmmmm …

… nee nee … bin ganz sicher NICHT enttaeuscht, denn dafuer sind Langhalsdinosaurier viel zu cool!

Ach ja … aus dem verlinkten Artikel lernte ich, dass solche Dinosaurier mglw. (zumindest teilweise) Wasserhabitaten zum Teil ihres Lebensraumes zaehlten. Dass die also mglw. doch (zumindest teilweise) so gelebt haben wie ganz frueher gedacht. Damals dachte man, dass das aufgrund der Grøsze so gewesen sein muss; eine Sichtweise die sich aber bereits vor ueber 50 Jahren als falsch herausstellte. Seitdem weisz man, dass es (wenn auch langsame und vermutlich wenig graziøse) an Land lebende Tiere waren.
Nun weisen die Spuren aber keine Austrocknungsmerkmale (wie Risse) auf. Die haben also IMMER unter Wasser gelegen. Auszerdem gibt es in dem Gebiet Fuszspuren in verschiedenen geologischen Ablagerungen mit laengeren zeitlichen Spruengen dazwischen.

The new prints from Skye provide interesting information on the environments inhabited by sauropods. They record multiple groups of sauropods living and moving within a marine–brackish lagoon environment. […]
Because of the sheer number of footprints, and their occurrence in three distinct stratigraphic layers, the Skye site suggests that sauropods frequented lagoon systems in Middle Jurassic Scotland, possibly over a long period of time. […]
It appears, therefore, that multiple generations of sauropod dinosaurs called the ancient lagoons of Skye home.

Aber Achtung:

Whether these sauropods merely passed through the lagoons quite frequently or were habitually resident within them is difficult to determine.

Wir sind also NICHT zurueck zur veralteten Sichtweise, dass diese wunderbaren Wesen sich im Wasser aufhalten mussten um nicht an ihrem eigenen Gewicht zu zerbrechen. Aber feuchte Umgebungen kønnten eine wichtigere Rolle als Habitat fuer solche Saurier gespielt haben, als nur als Wasserquelle.

Alles in allem ist das sowas wie die Apollosache von neulich. Auf den Mond kønnte ich zumindest theoretisch kommen, das Universum hat da prinzipiell nichts dagegen. Aber im Mitteljura Dinosaurier besuchen kann ich nicht mal theoretisch, da Universum hat da ganz prinzipiell was dagegen. Aber den Fuszspuren sei Dank, bin ich besagter Epoche und besagten urzeitlichen Tieren

[…] (im uebertragenen Sinne) nun ein gutes gigantisches Stueckchen naeher bin als die meisten Menschen … fetzt wa!

Geburtstagsbeitrag! … … … .oO(Hab ich’s doch nochmal geschafft) … … … Ihr, meine lieben Leserinnen und Leser wisst was das bedeutet … deswegen ohne weitere Umschweife: das hier ist eins der (fuer mich) allerwichtigsten Buecher welche ich jemals las:

Eigtl. hab ich es (fast) zwei Mal gelesen, denn es gehørt definitiv auch zu den allerschwersten Buechern welche mir untergekommen sind (und ich hab vor vielen Jahren zum Spasz ’n Buch ueber LASERtheorie gelesen!), weswegen ich ueber (sehr) viele Abschnitte mehrfach „gehen“ musste um die wenigstens halbwegs zu verstehen.
Davon abgesehen, dass Hannah Arendt ganz wunderbar schreibt (sprachlich, logisch, thematisch, strukturell … und sicherlich noch mehr Sachen, die extrem gute Buecher ausmachen), liegt ein groszer Reiz ihres Werkes fuer mich darin, dass sie einfach davon ausgeht, dass der Leser intelligent genug ist und ueber genuegend Hintergrundwissen verfuegt, um ihren Argumenten folgen zu kønnen … oder interessiert genug ist, um sich solche Kentnisse anzueignen. Letzteres geschah bei mir fuer wesentliche Punkte ihrer Argumentationen eher zufaellig, weil ich den „Vorgaenger“ …

… vor dem ganz oben gezeigten Buch las. Ein weiteres Buch, das zu den allerwichtigsten die ich jemals las gehørt … im Wesentlichen aus den selben, im naechsten Abschnitt naeher dargelegten Gruenden. Es sollte aber gesagt werden, dass es ist nicht wirklich der „Vorgaenger“ zu obigem Buch ist, da die Ideen aus „The Human Condition“ in „The Life of the Mind“ nicht in dem Sinne direkt (!) weiter diskutiert werden. Aber besagte Ideen sind oft grundlegend und werden auf eine Art und Weise INdirekt weiter diskutiert.

Dennoch waeren mir noch vor ein paar Jahren (insb. bevor ich anfing mehr ueber die Antike zu lesen), beide Buecher mglw. „zu viel“ gewesen … so war’s nur „80 % zu viel“ … und die restlichen (von mir halbwegs verstandenen) 20 % haben es voll krass in sich!
Vom erwaehnten wundervollen Schreibstil abgesehen schreibe ich so schwaermend, denn Sie beantwortet … oder vielmehr: Sie diskutiert (im Geiste) mit mir, viele der Themen, welche mich schon seit Jahren beschaeftigen und die sich im Wesentlichen in der mitnichten trivialen Frage „Wer bin ich?“ zusammenfassen lassen. Das hier ist der dazu gehørende „archetypische“ Beitrag den ich „immer“ verlinke (unter anderem, weil dieser auch schøn zeigt, wie lange mir das alles schon im Geiste herumgeht), aber derer gibt es viele, mehr oder weniger mit der Frage verbundene Beitraege … und bei manchen (vielen?) war ich mir beim schreiben dessen nicht mal selber bewusst … aber so ist das nun mal in der Entwicklung eines … Menschen … aber darum soll es heute nicht (schon wieder) gehen.

Kann (und will) ich die Buecher empfehlen? Oh absolut! … Aber ich haette Angst, dass ihr Hannah Arendts Werk nicht genauso groszartig und wichtig findet wie ich … und deshalb lasse ich davon ab.

Genug geschwaermt … ganz konkret geht es mir heute nicht um das ganze Universum (im solipsistischen Sinne obiger nichttrivialer Frage), sondern darum, dass sie eine Frage die ich jahrelang hatte „im Vorbeigehen“ beantwortet. Die Frage ist einfach: „Wie kann ich einen freien Willen haben, Wenn Gott (keine Diskussion diesbezueglich an dieser Stelle!) alles weisz?“. Mehrere Dekaden lang stellte ich mir vor, dass das ein „Hab dich!“ gegenueber (insb.) christlichen Glaeubigen waere. Damit einher ging ein befriedigendes Gefuehl der Ueberlegenheit … nicht wissend, dass sich das (Hannah Arendt sei Dank) nochmal gegen mich wenden soll. Besonders kurios an der ganzen Sache ist, dass ich mir die Frage schon selbst beantwortet hatte … niedergeschrieben in einem frueheren Geburtstagsbeitrag.
Nur „legte“ ich die „Teile“ nicht zum Ganzen zusammen. Oder anders: das Gefuehl der Ueberlegenheit sollte bei „den Christen“ liegen, denn Augustinus von Hippo (JA! DER!) war mir diesbezueglich mehr als 1 1/2 Jahrtausende voraus.

Aber der Reihe nach und da es mein Geburtstagsbeitrag ist, erlaube ich mir heute lange Zitate (Hurra!) aus dem ganz oben vorgestellten Buch, denn in Hannah Arendts Worten klingt das alles nicht nur viel besser, sondern ist auch viel logischer dargestellt. Die folgenden Zitate finden sich alle ab S. 104 ff., des zweiten Teils des Buches (Willing) im Kapitel mit dem Titel „Augustine, the first philosopher of the Will“.

Zunaechst stellt sie das Problem konkret (und nicht so wischiwaschi wie ich) vor:

The divine author created the world of His own free will […] [a]nd He created man after His image, that is, endowed, too, with a free will. […] Insofar as God is omnipotent (He can overrule man’s will), and has foreknowledge, human freedom seems to be doubly canceled out.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich vor vielen Jahren (doch) mal versucht das mit ’nem Glaeuigen zu diskutieren. Aber ich hatte das Gefuehl, dass das Problem, dass sich Schicksal (und nichts anders bedeutet ein allwissender (und -maechtiger) Gott) und freier Wille, fundamental (also in JEDER unserer normalen, auf Alltagserlebnissen basierenden, Vorstellungen des Ablaufes der Zeit und wie Kausalitaet funtkioniert) ausschlieszen, wurde nicht so richtig verstanden. Hannah Arendt dazu:

The standard argument, then, is: God only foreknows; He does not compel. […]

[…] this reasoning always […] [ends] in contradictions and paradoxes.

Das von mir nur kurz erwaehnte Problem ist zeitlich zweigeteilt und Sie legt es rasiermesserscharf dar:

When you were sick, whether you would recover or not recover was predestined, hence why have called a doctor; but whether you called a doctor or did not call him was also predetermined, and so on. In other words, all your faculties become idle once you think along these lines without cheating. The reasoning relies on antecedent causes; that is, it relies on the past. But what you actually are interested in is of course the future. You want the future to be predictable–„it was to be“–but the moment you start arguing along these lines, you are up against another paradox: „If I can foresee that I am going to be killed tomorrow in an airplane crash, then I will not get out of bed tomorrow. But then I will not be so killed. But then I will not have correctly foreseen the future.“

Die Schwachstelle in der Argumentation (und der entscheidende Hinweis auf die Løsung des Paradoxons) liegt darin, dass …

[…] the first [argument] extrapolates the present into the past, the second [argument] extrapolates it into the future, and both assume that the extrapolator stands outside the sphere in which the real event takes place and that he, the outside observer, has no power at all to act–he himself is not a cause. In other words, since man is himself part and parcel of the temporal process, a being with a past […] he cannot jump out of the temporal order.

Das Argument fuer die Koexistenz eines allwissenden Gottes und des freien Willens der Menschen geht nun so (Hervorhebung von mir, Hannah Arendt zitiert hier Augustinus):

Human knowledge is of “various kinds”; men know in different ways things which as yet are not, things which are, and things which have been. [But] not in our fashion does He look forward to what is future, nor does He look at what is present nor look back at what is past, but in a manner far and profoundly different from the way of our thoughts. For He does not pass from this to that [following in thought what has changed from past to present to future], but He sees altogether unchangeably; so that all things which [for us] emerge temporally–the future which is not yet as well as the present that already is and the past which is no more–are comprehended by Him in a stable and sempiternal presence: […] [He does not see] in different fashion the now, the before, the later; for His knowledge, unlike ours, is not a knowledge of three different times, present, past, and future through whose variations our knowledge is affected. […] For He knows all times with no temporal notions, just as He moves all temporal things with no temporal movements.

Sie fasst das Argument zusammen:

In this context, one can no longer speak of God’s Foreknowledge; for Him, past and future do not exist. Eternity, understood in human terms, is an everlasting present. „If the present were always present … it would no longer be time but eternity.“ […]

[…] if one can assume that there is a person for whom the temporal order does not exist, the co-existence of God’s omniscience and man’s free will ceases to be an insoluble problem.

Oder anders: Gott ist ein mehrdimensionales Wesen … und genau so (wenn auch nicht mit diesen Worten) hatte ich im Wesentlichen im erwaehnten frueheren Geburtstagsbeitrag auch fuer eine, fuer mich unwiderlegbare (im Sinne eines starken (!) Agnostizismus), Existenz eines Gottes argumentiert.

Oder noch anders: man denke sich einen Wanderer, der sich in einer flachen (zweidimensionalen!) Ebene bewegt und pløtzlich an eine Barriere gelangt, die in die dritte Dimension reicht und unueberwindbar ist (vulgo: ein zu steiles Gebirge). Ich setze mich nun in ein Flugzeug und erlange dadurch die Møglichkeit mich in der dritten Dimension zu bewegen … eine Bewegung, die dem Wanderer nicht møglich ist. Dadurch kann ich den einen Pfad der durch besagtes Gebirge fuehrt entdecken. Ich erlange somit Wissen darueber, wie sich der Wanderer in der Zukunft bewegen wird, wenn er auf der anderen Seite der Berge ankommen will.
Dieses all zu vereinfachte Prinzip in die (mindestens) vierte Dimension erweitert fuehrt dann zur Antwort auf obige „Hab dich!“ Frage … siehe die Zitate. Wobei ich zugebe, dass ich mich da von meinem „Gefuehl“ bzgl. der Richtigkeit der (wissenschaftlichen) Verallgemeinerung fuehren lasse. Denn auch wenn die Zitat die Sache schon sehr klar machen, bekomme ich das im Detail nicht so richtig „verarbeitet“. Zeit ist fuer mich linear und vor allem NICHT „ueberschaubar“ und daran haengt mein (instinktuelles!) Verstehen des freien Willens meines „_ichs_“. Aber das waere ja nicht das erste Mal, dass die „Mathematik“ kontraintuitiv, aber dennoch (!) richtig, ist und wenn man ihr folgt, zu neuen Erkentnissen kommt … fetzt wa!

Und hier schlieszt sich der Kreis, denn nachdem ich das Zitierte gelesen hatte, konnte ich sofort die Verbindung zu meinen eigenen Gedanken diesbezueglich herstellen und war pløtzlich peinlich beruehrt. Haette ich die „Hab dich!“-Frage jemals so (insb. in Verbindung mit dem Ueberlegeneheitsgefuehl) einem schlaueren Menschen gestellt, waere dessen Reaktion so gewesen:

Und davor greuelt mir … ausgelacht zu werden (auch wenn es nur innerlich ist).

Unwissen (oder falsches Wissen) sind eine Sache. Sich aber „besser als Andere“ anzusehen (was ich ja gemacht habe), weil man sich zu fein war, oder keine Lust hatte, sich in das „Weltbild“ der Anderen hinzuversetzen und von deren Standunkt aus zu verstehen, rechtfertigt eine solche Reaktion … Pseudointellektuelle verdienen das … insbesondere (!) wenn es sich dabei um mich handelt und mich nur eine solche Reaktion dazu bringt mal laenger drueber nachzudenken, warum besagte Andere ’ne Sache so sagen wie sie die sagen.

Und da war der zweite Grund fuer den Titel dieses Geburtstagsbeitrags: die (zu meinen eigenen) orthogonalen „Weltdimensionen“ der Anderen verstehen und dadurch meine eigenen Ansichten und Argumente zu verbessern ist besser als „Hab dich!“-Fragen (oder Antworten) fuer das Ueberlegenheitsgefuehl … auch wenn (oder vllt. gerade weil?) sich Letzteres gut anfuehlt.

UND ACHTUNG: „eigene Ansichten verbessern“ heiszt NICHT, dass man die Ansichten der Anderen annimmt … Mitnichten! Das heiszt _nur_, dass man versucht sich in besagte Andere hinein zu versetzen, sich auf sie „einlaeszt“ um sie ehrlich (!) besser als Menschen, und warum sie so denken, zu verstehen.

Das soll genug sein fuer meinen diesjaehrigen Geburtstagseinrag … fein issa jeworden! Aber das Thema mit dem ich hier abschliesze werde ich anhand eines konkreten Beispiels an anderer Stelle nochmal aufgreifen.