Heute møchte ich gerne auf Hermann Rampachers „Gewissens- oder Verantwortungsethik? – Gemeinverständlicher Entwurf einer empirisch-normativen Risikoethik“ eingehen. Natuerlich wie so oft gespickt mit meinen eigenen Gedanken dazu.
Hier erstmal ein Link zur Gewissens- (oder auch Gesinnungs-) und ein anderer Link zur Verantwortungsethik.
Wenn nicht anders angegeben sind alle Zitate aus dem Rampacherschen Artikel; Hervorhebungen sind von mir.
Ein kurzer Abriss (ohne weiterfuehrende Links):
Für Moralphilosophie oder religiöse Versionen der Ethik hat Max Weber 1919 den Begriff „Gesinnungsethik“ geprägt. Ihn konfrontiert er mit dem der „Verantwortungsethik“. In seinem Vortrag „Politik als Beruf“ sagt Weber: Es ist „ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter der gesinnungsethischen Maxime handelt – religiös geredet: ‚Der Christ tut recht und stellt den Erfolg Gott anheim‚ – oder unter der verantwortungsethischen: dass man für die (voraussehbaren) Folgen seines Handelns aufzukommen hat.
Warum diese Hervorhebung ? Nun ja, deswegen:
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages […] sind […] nur ihrem Gewissen unterworfen.
Rampacher schreibt dann weiter:
Bei diesem Wortlaut wird offenbar der Gewissensethik dogmatisch ein Vorrang vor der Verantwortungsethik eingeräumt.
Nach den Vorstellungen der CDU/CSU, haben die also mit ihrer Politik alles richtig gemacht. Ihre Politik ist ihrem Gewissen unterworfen und ihr „Gewissen“ muessen sie nur vor ihrem gott verantworten und nicht vor ihren Waehlern oder gar der Nachwelt. … Schøne Scheisze!
Aber dazu nicht weiter.
Einen ganz anderen Zusammenhang hat das folgende Zitat:
Wir können nur jemand tadeln, er habe seine Pflicht nicht erfüllt, der körperlich, geistig, von seinen Kompetenzen und Erfahrungen her überhaupt in der Lage gewesen wäre, die gebotenen Taten auszuführen.
Seitdem ich dies realisierte (nicht erst nachdem ich diesen Artikel las; es war ein recht langer und langsamer Prozess) versuche ich weniger „giftig“ zu sein.
Wenn bswp. jemand einfach nichts ueber die Konsequenzen der „Teilens im Internet“ weisz, weil sie oder er nichts darueber gelesen hat, dann versuche ich da nicht mehr mit erhobenem Zeigefinger zu stehen und zu sagen, dass doch bitte das facebookkonto geløscht werden soll.
Das versuche ich wirklich.
Was ich aber machen kann, ist die nøtigen Informationen zu liefern, damit eben die „Kompetenz“ sich aufbauen kann, um gebotene Handlungen auszufuehren. Und dann sind Handlungsvorschlaege vøllig legitim.
Nun mal von der anderen Seite betrachtet. Was ist, wenn eben diese Kompetenzen und Erfahrungen vorhanden sind?
[…] Taten, die notwendig sind, Risiken zu reduzieren, die dem globalen Überleben drohen, sind denen pflichtmäßig geboten, die sie als Akteure aufgrund ihrer Kompetenzen, ihrer Erfahrung und der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ausführen könnten.“
Da stellt sich natuerlich die Frage, des Fleischkonsums und der Urlaubsreise. Andererseits steht dort ja nur „reduzieren“. Damit kann ich mich natuerlich rausreden.
Halte ich mich daueberhaupt selber dran? … mhmmmmm … gute Frage. Ich weisz es nicht. Deswegen bin ich immer dankbar fuer Kritik an meinen Aussagen und Handlungen.
Denn meine Handlungen hat kein anthropomorphes Ueberwesen so gewollt im „groszen Plan des Universums“. Ich bin i.A. selbst dafuer und somit auch fuer die Konsequenzen verantwortlich. Niemand anders. Natuerlich gibt es Aussnahmen, aber die sind von Fall zu Fall genau zu untersuchen.
Dort steige ich oft ab, wenn ich auf dem Weg zurueck aus Dtschl. nach Hause bin und das Flugzeug am Morgen fliegt.
Die haben dort so semi-øffentliche Toiletten fuer Leute die in deren Restaurant speisen.
Ob der Hahn zum Wasser laufen lassen ist, damit das urinieren leichter faellt? Immerhin laeuft das Wasser direkt in den Ablauf.
Eine Sitztoilette gibt es auch.
Und da ich dort ab und zu mal uebernachte, habe ich natuerlich auch ein Bild von einer Zimmertoilette:
Kein so richtig groszer Unterschied.
Vor einer Weile unterhielt ich mich mit meinem Opa. Es ging auch darum, dass ich versuche, den jungen Mann der bei mir wohnt, zum selbststaendigen Denken zu erziehen.
Als Beispiel benutze ich da immer rote Fuszgaengerampeln.
Anfangs habe ich natuerlich immer angehalten. Dies um ihm beizubringen, dass rotes Licht Gefahr bedeuten kann. Einige Monate bevor er in die Schule kam, fing ich damit an, auch bei Rot mit ihm ueber die Ampel zu gehen. Dies aber natuerlich nur wenn absolut und ganz sicher keine Gefahr bestand. Und (bis heute) mit Erklaerungen warum. Ebenso bestehe ich bis heute darauf, dass er selber auch immer nochmal schaut, ob auch wirklich keine Gefahr besteht.
Im Gegensatz dazu steht, dass ich aber auch lieber den naechsten Bus nehme, wenn die Ampel Rot und die Verkehrslage nicht eindeutig sicher ist.
Dies alles tue ich aus hauptsaechlich zwei Gruenden.
Zum einen der praktische Grund: irgendwann rennen die Kinder sowieso bei Rot ueber die Ampel. Und auch das besterzogenste Kind (was immer das auch sein mag) rennt den anderen Kindern hinterher. Mir ist sehr bewusst, dass ich da ueberhaupt keine Kontrolle drueber habe, egal wie oft und wie lange ich an einer roten Ampel mit ihm warte. Und ich denke, dass alle meine Leserinnen und Leser wissen, dass unreflektierte Verbote oft genug wenig wirksam sind!
Mit dem was ich tue hoffe ich aber, dass mein Sohn mit derartigen Situationen „bekannt“ ist und (semi)-automatisch das Ausschauen nach mglw. doch bestehender Gefahr stattfindet. Da habe ich natuerlich auch keine Gewissheit fuer, aber ich weisz mir nicht anders zu helfen. Und wenn er mal alleine vor faehrt scheint das bisher auch ganz gut zu funktionieren.
Der zweite Grund ist, dass ich møchte, dass mein Sohn lernt selber zu denken und Authoritaeten (insb. mich!) in Frage zu stellen.
Dies sage ich ihm auch ab und zu genau so; mache nicht nur etwas, weil ein anderer das sagt. Auch das scheint ganz gut zu funtionieren bisher.
Ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich Ampeln fuer sinnvoll und wichtig halte. Stehen diese doch an Orten potentiell erhøhter Gefahren. Deswegen ja auch das Extra-Gruendlich-Nach-Links-Und-Rechts-Schauen.
Und das oben Geschriebene gilt NICHT fuer motorisierte Vehikel! Ist doch die Sicht bspw. in Autos deutlich eingeschraenkt (eine Abschaetzung der Gefahr also nur bedingt møglich) und insb. kønnen damit betraechtliche Schaeden an uebersehenen Fuszgaengern angerichtet werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Bspw. Nachts auf Gelb gestellte Ampeln.
Nun zurueck zum Anfang des Artikels. Das Gespraech mit meinem Opa.
Er war damit ueberhaupt nicht einverstanden. Meinte er doch, dass ich meinen Sohn damit dazu erziehe eine Ordnungswidrigkeit zu begehen.
Ich bin mir unsicher, ob er meine Argumente verstanden hat.
Allerdings war er auch viele Jahre lang Polizist.
Wieauchimmer, brachte mich dieses Gespraech doch (mal wieder) dazu mal drueber nachzudenken, was ich da mache und vor allem warum.
Ich kamen zwar auf keine neuen Gedanken diesbezueglich, aber da Opa nicht mit besseren Argumenten kam, konnte er meine Beweggruende auch nicht entkraeften.
Und dann las ich neulich einen Artikel ueber die Ausbildung der Rechtsstudenten in Dtschl. Trotzdem ich eine allgemeine Leseempfehlung fuer ausnahmslos alle Artikel von Thomas Fischer geben wuerde (auch wenn diese fuer heutige Maszstaebe „lang“ sind und man sich teilweise ganz schøn anstrengen muss, um die zu verstehen), so wollte ich da eigentlich hier nichts darueber schreiben. Bis ich auf diesen Absatz gestoszen bin, wie Rechtsstudenten lernen zu denken:
[…] das Eintauchen in […] eine Welt der Unterwerfung und der Gewalt, der Ansprüche und Normen, der Herrschaft und der Abstraktion.
Es ist so, dass …
Wer Jura studiert hat, wird nie mehr auf die Idee kommen, man dürfe in der Fußgängerzone vor allem deshalb nicht Radfahren, weil das gefährlich für Fußgänger ist.
Also das was ich oben zu roten Ampeln schrieb. Die stehen dort aufgrund potentieller Gefahren, und diese Gefahren bestehen nicht immer und dann ist es erlaubt selber zu denken! Hingegen gilt ja (nicht nur fuer Rechtsstudenten) das im ersten Zitat Gesagte. Warum darf man nun also nicht in Fuszgaengerzonen Fahrrad fahren?
Der Grund ist vielmehr: Es wurde dort gemäß Paragraf X der Straßenverkehrsordnung in Verbindung mit Paragraf Y einer Kommunalen Satzung das Verkehrsschild Z aufgestellt.
Schauderlich, nicht wahr.
Und dies gilt natuerlich nicht nur fuer Rechtsstudenten, sondern fuer leider viel zu viele Menschen. Auch hier in Norwegen.
Und deswegen bringe ich meinem Sohn bei, (sicher) ueber rote Ampeln zu gehen.
Think for yourself – Question Authority (siehe bspw. auch hier).
Vor einiger Zeit stolperte ich ueber dieses Bild bzgl. der Kostueme in (Computer)-Rollenspielen (aber nicht nur dort):
Und erstmal dachte ich „Hey, das ist super :) „.
Dann aber wollte ich einen kurzen Weblogartikel draus machen und recherchierte dem Bild hinterher. Waehrend ich nicht das Original finden konnte, so stiesz ich doch auf einen Artikel mit dem Titel „When Is It Sexist?: A Chart That Doesn’t Get It Quite Right„. Und der hat ein paar gute Argumente, die meinem weniger gut qualifizierten ersten Gedanken teilweise widersprechen.
So steht dort:
The first set is definitely sexist […] and the second set is definitely one of the better, non-sexist ways to go about creating armored characters […]
The third set of characters are supposed to be the non-sexist way […][of] “we have magic barriers and don’t need no stinking armor […]“ […].
Aber dann geht’s los:
The problem […] with the [third] picture, and with that whole mindset in general [!], is that the sexual objectification and sexiness aren’t equalized between the genders.
Wait, what? Mal schnell weiterlesen.
[…] clothing (or lack thereof) is not the end-all-be-all measure of sexual objectification.
Auch wenn Kleidung das offensichtlichste Merkmal bei dieser Diskussion ist, so gibt es doch andere Dinge, die auch dazu gehøren:
In this particular case, there are four distinct things that keep the sexualization unequal (and therefore sexist): pose, type of clothing worn, facial expression, and anatomy.
Das hørt sich interessant an, nicht wahr. Fangen wir mit der Anatomie an. Zunaechst der Mann:
[…] the man […] is very much idealized. […] [He] has a body that would only be attainable by a select few men in the real world […].
Bei der Frau hingegen ist es deutlich schlimmer:
The woman’s body, however, is not an idealized body, but a body that has been distorted out of normal proportions into a sexual object that approximates a hyper-real idea of what a ‘Sexy Woman’ looks like. Her body is not even physically possible for humans outside of some pretty radical surgery: she’s missing parts of her rib cage and her waist is smaller than her head. There is also something to be said for the fact that the woman’s breasts are very exaggerated […].
Ok, da waeren meine Leserinnen und Leser (und auch ich) mglw. auch selber drauf gekommen, wenn man das mal analysiert haette. Aber es geht ja nocht weiter:
[…] their poses, [are] also unequal. The man is in a passive pose that suggests sexual objectification, but he’s also still standing at the ready. The only thing the woman appears to be ready for is knee pain and toppling over at the slightest breeze.
Als drittes dann:
[…] the issue of clothing. […] the man is […] not wearing much of anything at all, but the woman’s outfit far out strips (ha!) him in objectification. The man’s outfit, […] still somewhat looks like actual armor with it’s studded belt, large shoulder guards, and normal boots.
Die Frau hingegen …
[…] has almost nothing approaching real armor […] but does have components that would actively get in her way during combat or any sort of vigorous movement: high heeled boots, long hair that hangs loose in and around her face, and that strappy contraption trying to pass as a bra.
Und fuer heute als Letztes die Gesichtsausdruecke:
The man has got some vague bored/nonchalant/neutral expression on his face. The woman is in the middle of having a… really nice time.
Mhm … schon interessant all diese Punkte, die so schwer wahrzunehmen sind.
Zusammenfassend kann gesagt werden …
[…] the man in this picture is being sexually objectified what with his lack of clothing, idealized body, and passive stance.
Aber …
[…] the woman is far more objectified because her body has been distorted to non-human proportions, she is wearing very little clothing that also restricts her ability to be active, and has an overtly sexualized facial expression.
Deswegen sind diese zwei Charaktere nicht gleich, und anders als es in der dritten Zeichung steht …
[…] this pairing is actually sexist as well.
Wenn auch nicht mal in der Naehe des ersten Zeichnung, aber …
[…] it definitely does still have some lingering sexism in it.
Interessant fand ich auch den Abschluss des Artikels:
[…] for the last panel of this chart to be true […] We would need to see a man in heels and a skimpy, flimsy loin cloth that lifts and separates his balls, posed in an odd, unbalanced way that best shows off his impossibly tiny hips and waist and perfectly sculpted pecs while making a face better reserved for the bedroom than the battlefield.
Das ist aber nicht so gezeichnet, denn …
[…] it would look freaking ridiculous, just like the woman already does.
Und hier kommt das Wichtige:
We’re just so used to ridiculously sexualized images of women that it doesn’t even register as such anymore.
So von wegen, wenn mal wieder ein Spinner behauptet, dass wir ja laengst Gleichstellung haetten.
Und wie immer noch mein eigenes Bild; sozusagen als (einfache) Hausfaufgabe:











