Archive for Dezember, 2025

Da dies der Silvesterbeitrag ist, konnte ich beim Titel nicht widerstehen … ansonsten hat das Thema dieses Beitrags herzlich wenig damit zu tun.

Wir verbleiben fuer einen weiteren Beitrag in Kagoshima. Und die heutige Kuriositaet faellt in ein Themengebiet, was auch hier bereits auftauchte — immer und ueberall praesenter Katastrophenschutz. „Kuriositaet“ ist natuerlich nicht als „komisch“ oder gar „lustig“, sondern im Sinne von „verblueffend“ bzw. „Neugier ausløsend“ gemeint. Was es fuer uns Mitteleuropaer, die wir in einer gelogisch ziemlich stabilen Region leben, tatsaechlich der Fall ist. Denn das Aufschieben der Alpen scheint z.Z. nicht so kraeftig vonstatten zu gehen … und ich hier in Norwegen lebe ja sowieso in einer der geologisch aeltesten, an der Oberflaeche befindlichen (!), leicht zugaenglichen (!) und ausgedehnten (!), geologischen Formationen. Bei mir zu Hause ist das also schon per definitionem geologisch stabil, denn ansonsten gaeb’s das hier alles gar nicht mehr. Jaja, es gibt noch sehr (!) viel aeltere Gesteinsformationen, manche davon sogar aus dem Hadaikum (!), aber das faellt dann alles aufgrund der zusaetzlich angegebenen Qualifikationen raus … das hab ich geschickt eingefaedelt, wa!

Aber ich schwoff ab. Denn eigtl. wollte ich sagen, dass Japan (geologisch gesehen ein Baby) nicht nur von Erdbeben, sondern auch von Vulkanen geplagt ist — liegt es doch im pazifischen Feuerring. Und weil Kagoshima direkt neben einem aktiven Vulkan liegt, versucht unser Planet diese Stadt (menschlich gesehen) langsam aber (geologisch gesehen) stetig zu begraben.
Besagte Menschen muessen die aus den Tiefen der guten alten Erde ausgespuckten Materialien dann wieder wegraeumen, denn wenn Mitglieder unserer Spezies erstmal ’n Platz gefunden haben, an dem es fetzt, lassen wir uns nicht so leicht vertreiben.
Oder anders: jede(r) muss die auf sein (oder ihr) Haupt gefallene Asche zwar selber auffegen, aber damit das dann nicht alle ins Meer kippen, wird das von den Steuerzahlern dafuer bezahlten Diensten an gekennzeichneten Sammelstellen abgeholt. Letztere sind durch solcherart Schilder …

… gekennzeichnet … und beim Spaziergang durch die Stadt, sind die mir altem Europaer sofort ins Auge gefallen, eben weil solche Zustaende fuer uns so unbekannt sind … OKOK … ich gebe zu, dass lag auch daran, weil da der Vulkan so prominent drauf abgebildet ist … wobei ich denke, dass ich auch ohne diese visuelle Hilfe nach ein paar Schildern versucht haette herauszufinden, was die bedeuten.

Ich lasse euch, meine lieben Leserinnen und Leser, damit natuerlich nicht alleine, deswegen hier die Uebersetzung:

So, genug dazu … ich wuensche einen guten Rutsch und ein fantastisches 2026.

Heute etwas ganz Besonderes, passend zur Weihnachtszeit und den herrschenden Temperaturen; naemlich das wirklich und wahrhaftig allererste Thermometer mit einer Celsiusskala:

Das kann man im Gustavianum (durchaus einen Besuch wert) in Uppsala (dito) anschauen.

Links ist noch der originale Draht mit dem Celsius (mit Vornamen Anders, nicht wie man mglw. denken mag „Grad“ … *kicher*) das damals, in der ersten Haelfte des 18. Jahrhunderts, an Sachen gehangen hat.

Aber das wirklich Interessante ist, natuerlich die Skala. Ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, solltet mal auf das Bild klicken und reinzoomen; die Skala ist naemlich falsch herum. Oder anders gesagt: zu Celsius Zeiten hat man sich im Winter verbrueht, wenn man raus gegangen ist … waren schon heftige Zeiten damals.

Celsius hat die Skala bis zu seinem Tode „falsch herum“ (fuer ihn natuerlich richtig rum) benutzt. Aber schon ein Jahr nach seinem (fruehen … 44 Jahre wurde Anders nur alt) Tod, hat Carl (ausnahmsweise nicht Marx, sondern Linneus) es nicht mehr ausgehalten und das ganze richtig rum gedreht.

Abschlieszend eine Sache, die man wohl nur Ironie des Schicksals nennen kann. Ich erwaehnte vor laengerer Zeit, wie schwer es vormals war Temperatur richtig zu messen. Entsprechend viele kluge Køpfe haben sich dran versucht. Und jeder hat sich natuerlich eine eigene Skala, mit anderen Referenzpunkten fuer Null und Einhundert (oder so) erdacht. Einer davon war Delisle (der hiesz auch nicht „Grad“ mit Vornamen sondern Joseph-Nicolas) und der hat die von ihm gebauten Thermomter an andere Natuerforscher geschickt, damit die das benutzen.
Eigentlich voll geschicktes Marketing, wenn man seinen Namen in Geschichtsbuechern sehen will … Anders nun dachte sich (wie alle anderen … Wortspielkasse), dass er auch seine eigene Skala will. Das ist natuerlich die Skala, die es bis in unsere heutige Zeit geschafft hat und die wir mit Celsius‘ Namen versehen haben … ganz ohne „Marketing“ und obwohl Joseph-Nicolas deutlich laenger lebte und eigtl. mehr Zeit hatte seine Temperatureinteilung zu verbreiten.

Ich wuensche ein frohe Weihnacht, mit hoffentlich viel Schnee, sodass ich zeitnah Slalom fahren kann.

Puuuh … jetzt ist deutlich ueber ein Jahr vergangen seitdem ich den abschlieszenden Beitrag dieser Miniserie versprach. Ich kann mich erstmal nur wiederholen:

Es waren dann erstmal andere Sachen zu tun und auch keine Lust vorhanden das hier zu schreiben.

Das ist halt ein Nachteil an der deutlich verminderten Beitragsfrequenz. Und dann kann ich mich gleich nochmal wiederholen:

Nun sitze ich aber gerade (und noch eine Weile) im Zug und habe zwar immer noch keine Lust … aber auch nix anderes zu tun. Selbstueberredung sei dank folgt dem ersten [zweiten] Teil endlich mal der zweite [abschlieszende] Teil.

Zur Erinnerung: bei der hier besprochenen Hormesis ging es darum, dass SEHR (!) niedrig dosierte radioaktive Strahlung mglw. (!), auf ganze Bevølkerungsgruppen gesehen (!), GANZ (!) leichte, krebsvorbeugende Wirkung haben kønnte (!).
Ich hatte einen møglichen Mechansmus vorgeschlagen (und lese gerade, dass ich in den groben Zuegen damit gar nicht mal so falsch lag). Ehrlich gesagt, nachdem ich jetzt ’n paar Artikel darueber gesichtet habe, bin ich ziemlich ueberzeugt, dass der Effekt echt ist.

Und hier geht’s dann los mit dem was ich eigtl. sagen will. Die potentiellen positiven Effekte sind so klein gemessen am nøtigen Aufwand, dass das praktisch einfach nicht umsetzbar ist. Wie zum Teufel soll man denn die gesamte Menschheit (sehr) leichter Strahlung aussetzen? Das Problem ist naemlich technischer (und damit menschlicher) Natur, denn man darf dabei zu KEINER Zeit Fehler machen, denn relativ wenige Fehler wuerden die recht kleinen positiven Effekte im Gesamtbild ziemlich schnell zunichte machen.
Oder anders (an einem Beispiel): leiche Strahlung muss ja irgendwo herkommen, ich sag jetzt mal aus ’nem Kasten aus Blei. Die Abschwaechung kommt im einfachsten Fall vom Abstand zur Quelle zustande … UND davon wie weit die Klappe des Kastens auf ist.
Und da geht’s schon los, denn wieviele Leute bekommen nicht mal die Heizung richtig reguliert? Das ist sicherlich zu machen, wenn man technisch geschultes Personal in speziellen, dafuer vorgesehenen Einrichtungen hat. Sowas gibt’s ja heutzutage laengst, wir nennen das nur radiologische Abteilung und benutzen es aus anderen Gruenden. Aber wir wollen das auf der Ebene ganzer Bevølkerungen machen. Das muss also in den Schulen und Bueros oder Wohnhaeusern sein. Und da obliegt das alles unter der Kontrolle von deutlich weniger gut geschultem Personal.
Ein Beispiel aus einem anderen Sektor sind Flugzeuge und Autos. Erstere sind „spezielle Einrichtungen“ (weniger als 10 % des Personentransports (Figure 2) in der EU geschieht mit dem Flugzeug) mit gut geschultem Personal auf allen Ebenen und entsprechend wenige Unfaelle gibt es. Jeder Depp darf hingegen Auto fahren (fast 80 %) und die Kompetenzen sowohl der Fahrer als auch der Konstrukteure und Instandhalter ist … ich sag jetzt mal: durchwachsen. Entsprechend gab es 2019 weltweit ueber eine Million Verkehrstote. Niemand wuerde mit dem Flugzeug fliegen, wenn dabei so viele Menschen umkommen wuerden. Und das sind nur die Todesfaelle. Die Zahl der (oft schwer) Verletzten bzw. die Zahl der Unfaelle ist deutlich høher.

Und wie kommt da jetzt der Kapitalismus rein … nun ja … eben habe ich die Flugzeugindustrie als gutes Beispiel angefuehrt. Das ist als das „Best Case Scenario“ anzusehen und deswegen nehme ich das her und verweise nur auf das Boing 737 Max Debakel (und dort weiterfuehrende Links). Viele der in diesem Fall begangenen Fehler (mit hundertfacher Todesfolge!)  haetten vermieden werden kønnen, haetten die haesslichen Seiten des Kapitalismus dem nicht entgegen gestanden … und nun stelle man sich das mit ueberall auf der Welt verteilten Kaesten vor, die radioaktives Material enthalten.

Nun habe ich schon wieder viel dazu geschrieben und noch nicht das gesagt, was ich sagen wollte. Denn eigtl. wollte ich den Artikel, der zu dieser Miniserie fuehrte, an sich kritisieren … oder vielmehr einen guten Anteil der Artikel die ich zu dem Thema gesichtet (aber nicht alle vollstaendig und im Detail gelesen) habe. Denn selbst wenn ich mittlerweile davon ausgehe, dass die Behauptung wahr ist, so liest der (die) Artikel sich an viel zu vielen Stellen wie Lobbyarbeit fuer die Nuklearindustrie, weil die einfach keine Lust haben ihren „Dreck“ ordentlich weg zu machen (Kapitalismus eben).
Oder anders: eigentlich ist die ganze Sache ja etwas voll Tolles und Interessantes und etwas das sich lohnt weiter zu untersuchen. Aber aufgrund der Komplexitaet des Sachverhalts (nicht nur technisch) kann (und meiner Meinung nach wird) eine all zu breites bekannt werden dieser Sache, all zu leicht missbraucht werden … *seufz*

Oder noch anders: man hørt all zu oft von den Atomspinnern, das Folgende: „die Deutschen fuerchten sich vor Strahlung, dabei haben wir doch ueberall Hintergrundstrahlung“. Damit sollen natuerlich die meiner Meinung nach (sehr!) berechtigten Bedenken bzgl. der Gefahren der Atomkraft laecherlich gemacht werden … Propaganda der Kapitalisten ueblichen Verdaechtigen eben. Der fetzige Sachverhalt spielt der besagten Propaganda dabei leider in die Haende und hilft keineswegs, dass so subtile „kleine (!) Strahlungseffekte“ vernuenftig diskutiert werden kønnten.

Lange Rede kurzer Sinn: meiner Meinung nach sind die positiven Effekte sehr leichter Strahlung echt. ABER diese Effekte sind ziemlich klein und auch diffizil zu betrachten und das ist alles so kompliziert, dass das nicht sinnvoll umsetzbar ist und wir als Gesellschaft beim linearen Modell (jedwede Strahlung ist schlecht) bleiben sollten. Und so wuenschenswert ich auch eine ordentliche und breite Diskussion dieser Sache finden wuerde, so denke ich, dass dies viel eher eine Buechse der Pandora ist, die unter den derzeitigen gesellschaftlichen Umstaende zum Wohle aller besser geschlossen bleiben sollte.

Und damit hab ich diese Miniserie endlich abgeschlossen.

Ich wollte doch eigentlich die Simulation der Entwicklung der Selbstreferenzen von einem Linklevel zum naechsten NICHT nochmal schreiben. Ich frage mich, warum ich solche Sachen immer noch behaupte? Am Ende mach ich’s doch sowieso.
Ein Grund fuer die Meinungsaenderung waren die zwei Programme, die mir grosze Teile der Diagrammerstellung abnehmen. Das reduzierte die „Hemmschwelle“ deutlich. Der andere Grund war, dass ich den zugehørigen Code dann doch ordentlich machen wollte … ein Projekt ordentlich abzuschlieszen (auch wenn das bei diesem Projekt dauert und dauert und dauert und dauert …) motiviert mich gewaltig, auch nicht ganz so spannende Sachen gruendlich zu machen.

Wieauchimmer, ich habe das dazu gehørende Programm nochmal neu geschrieben und dabei „entruempelt“. Letzteres bezieht sich vor allem auf den Anfangszustand, von dem die Simulation starten soll.
Damals hatte ich mir dazu viele Gedanken gemacht und mehr oder weniger viel (aber sicher unnøtig) komplexen Code geschrieben. So richtig zufrieden war ich damit nicht, denn mein Ansatz fuehlte sich zu sehr ad hoc an (was erstmal nicht schlimm ist), und gleichzeitig nicht aus „einem Guss“. Beides zusammen ist schon „schlimmer“, denn das heiszt im Prinzip, dass sich ein beliebiger anderer Ansatz haette „vom Haken“ nehmen lassen.
Auszerdem løste der Ansatz das Randproblem der „wenige Daten im langen Schwanz“ auch nicht, was sich dann natuerlich durch alle Simulationsergebnisse zog.

Die erste grosze Neuerung im neuen Code ist jetzt, dass ich einfach das erste passende „Messergebnis“ als Ausgangspunkt nehme. Das løst alle oben genannten Probleme auf einen Schlag.

Die zweite grosze Neuerung ist, dass ich jetzt fuer jede „Seite“ einzeln simuliere (vulgo: zufaellig zuordne), wieviele Selbstreferenzen die auf dem naechsten Linklevel hat. Vorher hatte ich das anteilsweise fest zugeteilt.

Am Ende habe ich das dann mit den selben relevanten Parametern und den 2020 Daten (NICHT die 2023 Daten, deswegen in dem Sinne KEINE Reproduktion) alles nochmal simuliert und das ist das Ergebnis:

Die blauen Punkte sind die Ergebnisse der neuen Simulation, die roten Quadrate sind die Resultate der alten Simulation, und die grauen Diamanten sind die 2020 „Messergebnisse“. Man sieht (hoffe ich, wenn nicht schaue man sich die originalen Artikel nochmal an), dass der lange Schwanz bei den blauen Punkten nicht mehr abgeschnitten wird. Damit „passt“ das diesbezueglich deutlich besser zu den „Messergebnissen“ als die alte Simulation.

Andernfalls sind die alte und die neue Simulation gleich in allen wichtigen Punkten — Amplitude und (zunehmender) Anstieg — und teilen auch die bereits damals diskutierten Unzulaenglichkeiten.

Da es nicht Ziel dieser „Uebung“ war alles besser zu machen, bin ich sehr zufrieden und froh, dass das jetzt auch endlich fertig ist.

Ich habe einen witzigen Nachtrag zum Spielverderber, der aber meinen dort hervorgehobenen Punkt doppelt unterstreicht:

Quelle … ich habe nicht versucht rauszufinden, wo das Original herkam und wer der originale Autor ist … das ist vermutlich ohnehin wenig erfolgsversrpechend.

Aber echt mal! … tihihi

Bei der Quelle denke ich zwar mittlerweile all zu oft, dass solche Interaktionen nicht echt, sondern gestellt sind, weil irgendwer damit „Internetpunkte ernten“ will.
Aber selbst wenn, so tut das der Witzigkeit in diesem Fall keinen Abbruch und wie oben gesagt, illustriert’s selbst im solch einem Fall sehr schøn mein Spielverderberargument.

In meinen Kopf nehm ich das aber als echt, einfach weil das Universum dadurch etwas lustiger wird :).