Der Bus haelt auf Bestellung, bei der naechsten sich bietenden Møglichkeit, wenn man den Haltwunschknopf drueckt. Wenn das Leben doch auch bei anderen Dingen so einfach waere.

Bus Haltewunschknopf

Just the Right Amount of Violence; der gute Mann konnte sich mglw. nicht entscheiden, ob er einen Film ueber die Beziehung zu seinem Vater dreht, oder aber er Entzug von Liebe durch das Verschicken von Kindern in „Erziehungscamps“ … oh ja … das klingt plausibel.
Die Kurzzusammenfasung klang jedenfalls interessanter als der Film dann letztendlich war.

Bei Spieltrieb  dachte ich eigentlich nur die ganze Zeit: „boah wie schrecklich langweilig und kuenstlich!“ Und so schlimm konventionel konzipiert, inszeniert und ausgestattet. Und diese fuerchterliche „Leistung“ der Schauspieler.
Der allerletzte Satz passte aber ganz gut auf meine derzeitige Situation. Das reicht aber bei Weitem nicht, um diesen Film mit gefuehlter Ueberlaenge zu retten.
Zu dem Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel verfasse (Mittwoch, vor dem letzten Film), die grøszte Enttaeuschung bisher.

Sepideh zeigt den Griff nach den Sternen.
Dies ist schwierig fuer Maedchen vom Lande … im Iran.
Wie immer, kamen mir die Traenen, als ich sah, wie jemand in den Weltraum flog. …

Was wuerdest du fuer diesen Traum geben? … … …

Hab den Film geschaut, weil die Kurzzusammenfasung (des Sternenthemas wegen) so klang, dass ich den Film ja schauen kønnte, wenn denn nichts interessanteres kommt.
Es kam nichts Interessanteres. Und es war eine Wohltat, nach dem schrecklichen Film von vorher, etwas Ehrliches zu sehen.
.oO(Ehrlich … im Film??? … tihihi … witzig)

Rigor Mortis ist ein Schreckfilm und die sind ja nicht so mein Ding.
Aber tolle Filme find ich gut. Mit schønen Portraits der Charaktere.
Und was fuer feine Charaktere das waren! Vor allem der Grosze, Hohe, mit den vielen Zimmern :)
– Anders –
Hollywood geht es nicht gut. Soweit ich weisz, sind es seit einigen Jahren eigtl. nur doch die alljaehrlichen Comicverfilmungen, die das dort alles am Laufen halten. Sehr besorgt bin ich deswegen nicht, Hollywood ging bereits durch mehrere Krisen und was darauf dann folgte war meistens oioioioioi :).
Jedenfalls diese Comicverfilmungen. Die fangen mich nicht mehr so richtig. Ich mag Comics. Ich mag Filme. Die allermeisten Comicverfilmungen sind sehr unterhaltende Filme. Mit adaequaten Geschichten, sehr guten und passenden Schauspielern und verdammt guten Inszenierungen.
Aber nach all den Jahren … irgendwie beruehrt’s mich nicht mehr so wie frueher.
Ich hatte den Eindruck, dass ich bereits das Meiste in diesem Genre gesehen haette. Und es geht nur noch „Høher, Schneller, Weiter, Laenger“. Dies liegt vermutlich an oben Gesagtem. Diese Filme muessen ein Erfolg sein. Da kann man sich nicht um die Frage kuemmern, wer bei einem Wettessen gewinnen wuerde … Batman oder Flash. (Diese Idee wurde schamlos geklaut vom jungen Mann, der bei mir wohnt … apropos junger Mann. Ab sofort gibt es wieder nur einen einzigen kleinen Mann. Genau du! Du weiszt, dass du gemeint bist, kleiner Mann. Denn ich habe beschlossen, den kleinen Mann der bei mir wohnte, ab sofort als den jungen Mann, der bei mir wohnt, zu bezeichnen. Wer begeistert Diablo III zocken darf, kann nicht mehr „klein“ sein … tihihi.)

Aber das hat eigentlich alles gar nichts mit Rigor Mortis zu tun.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass Rigor Mortis eine Comicverfilmung ist. Kønnte gut sein, aber ich hatte nicht den Eindruck.
Aber das, was ich zuerst zu diesem gar vorzueglichen Film schrieb … Mhm … ich wuenschte, die besagten, alljaehrlichen Comicverfilmungen wuerden sich grosze Teile davon abschauen.

… … …

Hach … … … so tolle Charktere :) . Und zwar ausnahmslos ALLE (!) in diesem Film. Das passiert ja auch nicht so oft. Und gar nicht zu reden von den tollen Kostuemen!
Der Koch bspw. rennt die ganze Zeit in Hemd, Shorts und mit Morgenmantel rum. Ohne, dass es als eine Kopie des Dude rueber kommt. Was ja an sich schon eine erstaunliche Leistung ist! Er ist uebrigens Vampirjaeger. Und nicht der Held der Geschichte. Denn Vampire gibt es ja gar nicht.

Still Life ist unauffaellig.
Ganz nett dennoch, im positiven Sinne. Und zwar alles; der Film an sich, die Charaktere, das Thema, die Inszenierung, die Ausstattung.
Schade, wenn es nicht mehr zu sagen gibt zu einem Film, den man ruhig schauen kann.

Les beaux jours (Bright Days Ahead) ist ein (wie so oft) guter franzøsischer Film.
Hat mich aber ein bisschen zu sehr erinnert. An gewisse Mythen von denen ich mir lange Zeit versicherte, dass diese „richtig gesprochen“ waeren (um hier mal Valentin Michael Smith zu zitieren).
Das hat mich zwischenzeitlich unangenehm davon abgelenkt, dass der Film eigtl. eine gute Wahl war zu schauen.

… dieser jungen Dame auf diesem Bild:

Arcor2

Ist dieses Bild sexistisch?

In einem anderen Zusammenhang wurde die (oft) uebliche Darstellung von Frauen auf bedrucktem Papier, vor vielen Jahren sogar mal vor Gericht ausgetragen. Natuerlich mit dem ueblichen Hohn und Spott, denn wie auch heute wurde damals lauthals gesagt: „das war schon immer so und ueberhaupt ist das gar kein Problem!“

Aber auch hier wieder war es sinnvoll (und natuerlich auch wert), sich diesem Hohn und Spott der Medien und der Gesellschaft auszusetzen, denn auch wenn die Klage abgewiesen wurde, so meinte Henri Nannen (Chefredakteur des „Stern“ zu dieser Zeit) nach dem Urteil:

Die Klage hat uns nachdenklich gemacht. In redaktionsinternen Diskussionen nehme man die vorgebrachten Argumente durchaus ernst.

Das ist toll! Aber noch toller finde ich, was die Klaegerinnen meinten:

Juristisch ist jetzt mehr nicht zu erreichen, und bewusstseinsmäßig haben wir in diesen ersten vier Wochen schon mehr in Gang gesetzt, als wir es selbst bei drei Instanzen zu hoffen wagten.

Der Verusch eine kritische Diskussion des Bestehenden in Gang zu setzen um dadurch (hoffentlich) langfristig und nachhaltig etwas zu aendern. Nicht (!) um Recht zu bekommen.
That’s the spirit!

Und hat es was gebracht? Ich denke schon :)

Dieses Jahr gibt es keine so ausfuerhlichen Gedanken zu den Filmen wie im letzten Jahr.
Ihr, meine geehrten Leser duerft euch aber bei dem kleinen Mann bedanken. Ihm verdanke ich viel Motivation hier ueberhaupt zu schreiben.

Gloria; der Wuerfel hatte sich fuer diesen Film entschieden. Bløder Wuerfel!
Leider kein fulminanter Beginn des Festivals.
Zeitverschwendung.

Omar; was fuer eine positive Ueberraschung!
Wie faengt man in Afrika Affen?
Zunaechst wird Zucker ausgestreut und macht die Affen suechtig danach.
Dann buddelt man kleine Løcher, gerade grosz genug, dass der Affe mit der offenen Hand hinein reicht, und packt den Zucker dort hinein.
Wenn der Affe den Zucker herausholen will, klemmt sich die geschlossene Faust im Loch fest. Der zuckersuechtige Affe laeszt aber nicht los.
Die Affenfaenger kønnen dann ohne Eile ein Netz ueber den Affen werfen.

Was hat das mit Okkupation des Westjordanlandes zu tun?
So einiges, wie dieser Film zeigt.
Lohnt sich.

Gjenforeningen (Återträffen) … Warum wird man wohl nicht zum Klassentreffen eingeladen?

Weil man komisch war? Weil man den tollen Mythos nicht teilt, weil man das Mobbingopfer war und keiner dran erinnert werden will? Und weil man all dies mglw. mitteilt auf dem Treffen?
Was? Wie? Damals war man sich dem noch nicht so bewusst und wir waren doch nur Kinder?

Im ersten Teil des Films war ich den Traenen mehr als einmal nahe. Es ist ziemlich schwer sich selbst zu sehen.
Anna Odells schauspielerische Leistung ist Schuld daran. Aber dieser (ihr) Film ist ja auch (in den wichtigen Teilen) biografisch.
Am Ende kamen mir dann tatsaechlich noch die Traenen. Aber aus anderen Gruenden.

Im Anschluss an den Film hatte ich das Glueck, ihr persønlich fuer dieses gar wunderbare Kinoerlebnis danken zu kønnen.
Eine leckere Dame uebrigens; diese Dame :)

Trap Street (Shuiyin jie) … Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei uns im Westen Filme einfach nur gelobt werden, weil sie in China verboten sind.
Handwerklich ziemlich gut, aber es sind zu viele Baelle gleichzeitig in der Luft. Und dort bleiben sie dann irgendwie auch. Ueberwachung, geheime Regierungsprojekte, Korruption, alte Parteikader, keine Vaterliebe, Schwarzarbeit, Entfuehrung, Liebesgeschichte und was weisz ich noch alles.
Hinzu kommt, dass ja die bøsen bøsen Chinsen alle Einwohner ueberwachen und wie schlimm doch dort alles ist, waehrend vergessen wird, dass der norwegische Geheimdienst viel zu viele Millionen Dollar dafuer verschwenden wird, um verschluesselte Kommunikation ueberwachen zu kønnen.

Was in China (und ueberall sonst) geschieht, ist fuer mich so offensichtlich bøse. Deswegen konnte mich mich auf die Orte, an denen gedreht wurde konzentrieren. Und muss einraeumen,  dass es eine unglaubliche Leistung Chinas ist, so vielen Millionen Menschen innerhalb weniger Jahrzehnte einen solchen Lebensstandard ermøglicht zu haben! Etwas, was wir als sog. „Elite“ immer im Hinterkopf haben sollten.

Fazit: Film eher langweilig, die (mglw. ueberhaupt nicht beabsichtigte) „Message“ ist aber wichtig.

Upstream Color
Fantastisch!

… … …

… … …

… … …

Uh Oh … das geht mir zu sehr unter. Erwaehnte ich bereits, dass ich vollstsaendig begeistert bin von diesem fantastischen Film.

Wie so oft wage ich es kaum etwas dazu zu schreiben, da Dietmar schon alles sagte, was man dazu sagen kønnte.
Meine lieben Leser, bitte lest, was hinter dem Link versteckt ist. Wenn euch das nicht davon ueberzeugt, dass es sich absolut lohnt, dieses Meisterwerk zu schauen, dann vermag alles was ich dazu sagen kønnte dies auch nicht.
Eine Sache, da ich nach dem Film damit konfrontiert wurde. Schamlos geklaut aus Dietmars wunderbarer Rezension:

“Schöne Bilder“? Nein: Man würde ja auch keine überwältigend stimmige Musik für „schöne Noten“ loben.

Fuer mich der beste Film des diesjaehrigen Festivals.

Und das wusste ich bereits am 1. Tag, obwohl noch so einige wirklich tolle Filme folgen sollten.

Mir gefaellt der Titel ueberhaupt nicht, aber ist er dem Betitelungsdogma dieser Kategorie geschuldet. Auszerdem kann ich so gleich schreiben, warum es mir nicht gefaellt.

Ich bin der Meinung, dass wir uns Muehe geben sollte, Menschen mit Funktionshemmung(en) nicht als „Behinderte“ zu stigmatisieren. Oder wie Stefan Goethling, von „Mensch zuerst“ dies ausdrueckt:

Ich möchte nicht als „geistig Behinderter“ bezeichnet werden.
Das verletzt mich.
Dazu hat kein Mensch das Recht.

Ja, Menschen mit Funktionshemmung werden (!) behindert! Durch uns! Weil wir meistens nicht daran denken, dass nicht alle Menschen gleich gut lesen, laufen, zur Toilette gehen, lernen, reden, mit anderen Menschen interagieren etc. pp. kønnen.

Ich selber bin auf diese Problematik auch ueberhaupt erst drauf aufmerksam geworden, durch jahrelangen, direkten Kontakt zu einem Kindergarten, in dem Kinder mit, teils sehr schweren, Funktionshemmung ganz selbstverstaendlich mit einbezogen wurden in die Aktivitaeten.

Aber ich mag dies an dieser Stelle nicht vertiefen. Das waere der eigentlichen Intention dieses Beitrages wegen unangebracht. Bei Interesse empfehle ich diesen kurzen Abschnitt  in der wikipedia zu lesen.

… … … … …… … … … …… … … … …… … … … …… … … … … …

… kurze Pause um dieses ernste Thema verfliegen zu lassen …

… … … … …… … … … …… … … … …… … … … …… … … … … …

Da ich meiner Leserschaft schon øfter mal krasse Brueche im Stil und im Thema zumutete, und denke, dass diese mit sowas nicht ueberfordert ist, hier sofort meine Lieblingstoilette im Nova Kino hier in Trondheim (ein Urinal gibt es natuerlich nicht – warum eigtl. nicht?):

Nova Behindertenklo

Nichts Spektakulaeres, nur dass es zwei Klobuersten gibt.

Aber ganz besonders toll ist ein Toilettenutensil. Deswegen mal wieder ein Bild, auf dem kein Urinal oder Sitzklo zu sehen ist:

Nova Behindertenklo2

Ich finde diese Toilettensitzreinigerbox so toll, weil hier scheinbar den Empfehlungen Matthew Inmans gefolgt wurde.

Es gibt hier im schønen Norwegen echt tolle Regelungen fuer Leute wie uns, die den Kapitalisten ihre Arbeitskraft zur Verfuegung stellen.

Aber da hørt es nicht auf! Sogar Maschinen haben geregelte Arbeitszeiten:

Fahrstuhl mit Øffnungszeiten

Ubersetzung:
Kollektiver Personenfahrstuhl
6 Personen Last

Der Fahrstuhl ist geschlossen
Montag – Freitag: 17:00 Uhr bis 05:30 Uhr
Sonnabend bis Montag: 14:00 Uhr – 5:30 Uhr

Schon kurios dieses Norwegen.

Da ist er nun. Der lange erwartete B-Wing Starfighter. Hier zu sehen in Parkposition (auch wenn mir nicht bekannt ist, dass dieser Typ Angriffsjaeger auf Hoth stationiert war):

Parkposition

Damit meine Leserschaft auch die vielen Details bewundern kann, fuehrt ausnahmsweise wieder einmal Klick auf die Bilder dieses Beitrages zu einer Version mit høherer Aufløsung.

In der Atmosphaere kann dieses Vehikel auch fliegen. Dies geschieht dann mit eingeklappten Fluegeln.

Vorbreitung auf einen Angriff im Raum:

Vorbereitung

Mit vollstaendig ausgeklappten Fluegln sieht es von oben dann so aus:

von oben

Und nun – Attacke!

Angriff

Zum Abschluss dieser Miniserie noch ein paar technische Daten:

Platte

Ein interessantes Informationshaeppchen ist, dass (Admiral) Gial-„It’s-a-Trap“-Ackbar (damals noch als Commander) am Design des B-Wing Starfighters mitwirkte. Toll wa!

Zur ONS 2012 schrieb ich ja schonmal was. Deswegen kann ich diesen Beitrag wieder relativ kurz halten.

Natuerlich hatten die da auch Toiletten.

ONS 2012

Mich duenkt diese Urinale (und die Sitztoilette im folgenden Bild), waren in so einer Art Toilettenbude, welche auf dem Hof zwischen den Ausstellungshallen aufgestellt wurde.

Ich habe so ein bisschen den Eindruck, als ob das mittlere Urinal etwas schmaler ist als die zwei Aueszeren.
Die Form dieses Urinals erinnert mich ein bisschen an die Viercher aus Pitch Black.

Nicht so die Sitztoilette

ONS 2012 2

Der Spritzer Farbe durch die Toilettenbuerste, tut dem ganzen Arrangement aber sehr gut denke ich.

Den dritten Teil dieser Artikelreihe schloss ich mit einer horrenden Frage ab:

[…] [was] bedeutet [es], wenn man voraussagen kann, dass jemand eine Handlung begeht, von der er noch nichtmal selbst weisz, dass er die møglicherweise (oder auch nicht) begehen wird?

Diese Frage wurde gestellt mit dem Hintergrund einer algorithmisierten Gesellschaft. Dazu brachte ich im letzten Beitrag ein paar Beispiele.

Aber diese im NACHHINEIN (!) algorithmisierte Gesellschaft ist nur EIN Teil.

Der andere (und unmittelbarere) Teil, sind die in Echtzeit (oder beinahe in Echtzeit) algorithmisierten Handlungen der einzelenen Menschen.

Man beachte den wichtigen Unterschied: Auch wenn die vorher besprochenen Konsequenzen einer (im Nachhinein) algorithmisierten Welt, einen sehr direkt betreffen werden (bspw. durch høhere Versicherungspraemien), so funktioniert diese Algorithmisierung im Wesentlichen nicht mit einzelnen Menschen. Nur ueber grosze Gruppen kann man ein „Raster“ von „auffaelligen“ Algorithmen legen (bspw. Pizza und Cola im Kuehlschrank) und wer sich nach einem bestimmten Muster verhaelt, faellt eben durch das Raster durch und wird bestraft werden.
Das gesamte Konzept bricht zusammen, wenn man EINE Person betrachtet OHNE „externe“ Daten, also ohne den Vergleich mit anderen Menschen. Ein einzelner Mensch ist naemlich IMMER auffaellig. Bzw. kann das selbe Verhalten gleichzeitig als niemals auffaellig betrachtet werden, solange es nicht im Kontext betrachtet wird. Als Beispiel denke man sich jemanden, der jedes Mal ein Tischgebet fuehrt. Das finde _ich_auffaellig. Wenn das aber alle machen, so ist es das nicht mehr.
Diesen Kontext jedenfalls liefern die (vielen) Daten ueber die restliche Gesellschaft und das ueber viele Menschen ausgelegte Raster bestimmt erst, was nicht in die „Norm“ faellt.

Nun aber zur in Echtzeit (bzw. Quasi-Echtzeit) algorithmisierten Handlungen.

Bei 17:40 wird dazu ein Beispiel gegeben. Ranga Yogeshwar erzaehlt ueber eine Software, welche das Verhalten der Augen algorithmisiert – eyeTrack. Die Augen druecken oft aus, was wirklich in uns Drinnen passiert. Am Beispiel des Luegens møchte ich dies verdeutlichen. Wenn wir luegen, so gilt im Allgemeinen, dass:
– man den Blickkontakt zum Gespraechspartner meidet,
– die Augen verdreht,
– haeufiger blinzelt (und die Augen dabei laenger geschlossen laeszt)
– weniger haeufig die Augen bewegt (starrer Blick), und
– die Pupillen sich vergrøszern.

Dazu dann auch bei 19:37, dass mit einer erweiterten Version dieser Software, welche dann auch das gesamte Gesicht und die Kørpersprache umfasst, man also vermutlich bald effektiv erkennen wird kønnen, ob jemand luegt.
Dies wird dann sicherlich erstmal eine „lustige Party-App“ werden.

— Kurze Pause und ganz generell mal ueber andere solche „Apps“ nachdenken. —

Dann wird es kurz darauf ernsthafter. Denn in einer Welt, in der bspw. sog. „Services“ wie facebook so unhinterfragt beliebt sind, bzw. selbt bei kritischem Betrachten, benutzt werden, ist das Kommen einer Technologie wie der google-Brille nicht aufzuhalten! Und wir alle werden diese Technologie benutzen. Denn es machen ja auch alle anderen und irgend eine Ausrede wird sich schon finden, sich nicht dagegen straeuben zu muessen. Wieder kønnte hier facebook derzeit als aktuelles Beispiel herangezogen werden.

Und so eine Brille (oder Hut, oder Ring, oder Pullover etc. pp.) kønnte einem dann gleich erzaehlen, ob der Gespraechspartner luegt. Und das laeszt sich auch super gut verkaufen! Denn das ist doch echt toll! Wir werden sehen, ob der Haendler uns ueber den Tisch ziehen will. Was werden wir alles an Geld sparen! Dafuer kann man doch ruhig ein bisschen Privatsphaere opfern.

Aber halt. Da denkt sich jetzt bestimmt jede Leserin: „Das war ja klar, dass das kommt! Aber so doof sind wir nicht, dass Ding mit der Privatsphaere ist doch total offensichtlich.“

Also hole ich etwas aus, denn aus der „lustigen Party-App“ wird nun bitterster Ernst. Ich wage naemlich zu behaupten, dass wir durch derartige Technologie die Realisierung des kategorischen Imperativs erreichen kønnten.

DAS ist doch was Tolles mag man meinen. Denn

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

hørt sich doch total gut an, nicht wahr.
Allgemeine und spezielle Kritik daran wurde von viel schlaueren Menschen als ich es bin geuebt. Møge die geneigte Leserin oder der geneigte Leser dies selbst nachlesen. Ich will im Zusammenhang mit bspw. solchen Brillen nur darauf hinaus, dass „du sollst nicht luegen“ darin enthalten ist.

Und ist eine Welt, in der man nicht mehr luegen kann, weil alle es sofort merken, erstrebenswert?

Wir luegen jeden Tag und die ganze Zeit!

„Hallo Chef“     …     .oO(Halt die Fresse du hast doch eh keine Ahnung)
„Ach, lass die Kinder doch toben“     …     .oO(Dumme Blagen! Naja, bei DEN Eltern kein Wunder.)
„Schøn dich nach so langer Zeit mal wieder zu sehen“     …     .oO(Hast ja doch ganz schøn zugelegt. Aber Sex haette ich trotzdem gerne mal mit dir.)
„Nett dich kennenzulernen“     …     .oO(GEILE TITTEN! Ich wuerde echt gerne mal in deinen Geburtskanal ejakulieren.)
etc. pp.

SO wird das naturlich nicht beim Gegenueber ankommen, denn das waere Gedanken LESEN. Aber die Intention kommt an, und deswegen waehlte ich diese drastische Sprache, um der Ernsthaftigkeit dieser Møglichkeit etwas Ausdruck zu verleihen.
Ich hoffe, dass die Schockwirkung einiger dieser Woerter doch immer noch vorhanden ist.
Ich denke soetwas naemlich durchaus wirklich. Aber natuerlich sage ich das nicht. … tihi … JETZT bin ich ja auf die Reaktionen gespannt, die ich bekomme, wenn ich die Leserinnen und Leser dieses weblogs irgendwann mal wiedertreffe. Wieder gilt, dass ja gerne vom Geschriebenen auf den Schreiber geschlossen wird ;) . Nun ja, mglw. ist das meiner Sache, die Ersnthaftigkeit der Lage klar zu machen, ja sogar zuarbeitend.

Dazu zum Abschluss nur noch kurz das Folgende. Die obigen Beispiele sind auf (mehr oder weniger) fremde Menschen gemuenzt. Leute also, bei der der raeumliche und zeitliche Abstand solche Faux pas auf lange Sicht weniger schlimm macht. Denkt man das aber bei der frisch gebackenen Schwaegerin oder Schwiegertochter, oder als Lehrer bzgl. eine seiner Schuelerinnen etc. pp., so wird man diesen scharlachrote Buchstaben nie wieder los.

Ich denke meine Leserschaft bemerkt, dass ich darauf hinaus will, dass eine Verwirklichung dieses Teils des kategorischen Imperativs etwas ist, was NIEMAND auch nur im Entferntesten wirklich will!

Oder kurz und knackig: Finger weg von der Realisierung des Kantschen Imperativs! (Mal davon abgesehen, dass der kategorische Imperativ bei ihm groszer, vor allem christlich gepraegter, Moralquark ist!)

Darum muessen wir das JETZT diskutieren! Nicht, wenn es zu spaet ist und keinen mehr interessiert, oder die Kritik niemanden mehr erreicht, weil alle derartige Technologie bereits benutzen.

Ein anderes Beispiel wird bei 18:48 gegeben. Es wird dort darauf hingewiesen, dass damit (aber auch mit deutlich einfacherer Technologie) Deutschlehrer sehen kønnen, welche Passagen ein Schueler im Pflichtbuch gelesen hat und welche nicht.
Was kønnte dafuer sprechen, meinem Kind nicht die gleiche, suesze Freiheit zu gewaehren, wie ich sie so sehr genossen habe? Diese Frage kann ich fuer mich nur mit „unendliche Arroganz, denn ICH habe schlieszlich die Intelligenz und Wahrheit mit groszen Suppenkellen gefressen“ beantworten.
Deswegen werde ich diese Entwicklung nicht undiskutiert zulassen!

Und bei 20:35 wird dann ganz konkret gesagt, dass all dies eine fundamentale Aenderung unserer Gesellschaft bewirken wird. Dass die Demokratie aufhøren wird zu exisitieren. Nicht, weil irgend ein Diktator das so will, sondern, weil die Leute dies so wollen, denn diese „Apps“ und „Services“ sind doch so nuetzlich und jeder macht es.

Eine Demokratie basiert grundlegend auf freien und geheimen Wahlen. Aber nicht luegen zu kønnen ist die Antithese zu „frei und geheim“.

Und auch deswegen MUESSEN wir darueber diskutieren und ganz deutlich machen, dass uns unsere Buergerrechte wichtig sind!

JETZT!

SOFORT!

Und auch mit Mutti und den Kollegen.

Irgendwie hatte ich nach den ersten zwei Artikeln keine Lust mehr weiter zu machen. Die urspruengliche Motivation, welche ich nach dem Høren des Gespraeches hatte, war verflogen. Nach all den Jahren und nachdem ich all dies schon dutzende Male sagte und immer wieder nicht mehr als ein Schulterzucken sah und schon gar keine Aenderung im Verhalten, vor allem nicht bei denen, die es eigtl. verstehen und besser machen muessten – da ist das wohl verstaendlich.

Dann aber las ich diesen Artikel. Und wenn wer Beruehmtes einem sagt „gut so! Mach weiter!“, dann motiviert das schon.
Nun ja, Bruce Schneier schrieb es etwas allgemeiner:

Generations from now, when people look back […], I hope they will not be disappointed in us. We can ensure that […] only if each of us makes this a priority, and engages in the debate. We have a moral duty to do this, and we have no time to lose.

Das mit der „moralischen Pflicht“ ist zu diskutieren, aber es geht ja um die Idee hinter dieser Phrase und der Stimme ich persønlich 100% zu (deswegen habe ich den Link dahinter auch so belassen).

Schneiers Artikel ist im Besonderen an die betreffenden Ingenieure gerichtet. Da kann ich leider nicht zu beitragen, mein Teil kann sich leider wieder nur auf dies beschraenken.

Und deswegen nun weiter mit dem, was ich im Zuge des Gespraeches zwischen Frank Schirrmacher und Ranga Yogeshwar alles sagen wollte.

Bei 9:23 wird explizit das „digitale DU“ angesprochen. Ich denke, wir alle haben irgendwie eine mehr oder weniger diffuse Vorstellung, was hinter dieser Idee steckt.
Es wird auch gesagt, dass eben dieses „digitale Du“ viel eher beim luegen und betruegen erwischt wird, als die reale Person dahinter.
Ganz offensichtlich ist dies, wenn man sog. „Tauschbørsen“ benutzt – vulgo: Musik, Filme und Spiele aus dem Internet runter laedt, ohne dafuer zu bezahlen. Das ist damit natuerlich auch gemeint, aber das ist zu offensichtlich. Deswegen zwei Beispiel worauf ich hinaus will.
1. Wenn man am Arbeitsplatz mal 10 Minuten online Zeitung liest, dann ist das dokumentiert. NOCH werden diese Daten nicht an die Chefs verkauft, aber es ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand diese Geschaeftsidee aufgreift.
2. Wenn jemand eine Berufsunfaehigkeitsversicherung abschlieszt (oder so) und dort nicht angibt, dass er oder sie seit Jahren klettert, dann ist das schon ziemlich schlecht, dass bspw. amazon weisz, seit wie vielen Jahren man schon Kletterfuehrer kauft.

Derer Beispiele gibt es viele und man kann das alles auch noch persønlicher gestalten. Was fuer Suchbgriffe gibt man denn auf den Pornsites ein? Bei wikipedia schonmal nach Geschlechtskrankheiten geschaut? Gab es dafuer einen Grund, dem man niemanden mitgeteilt hat? Oder hat man vielleicht doch mal eins der Buecher dieses unsaeglichen Sarrazin gekauft und møchte lieber nicht, dass die irgendwie linke Laientheaterschauspielgruppe das erfaehrt?

Worauf ich hinaus will ist, dass jeder von uns irgendwas zu verbergen hat, oder lieber verschweigen møchte. Seien es die sexuellen Interessen oder die Krankheit, die man keinem mitteilen will, um niemanden unnøtig zu beunruhigen. Meinetwegen auch die irgendwie frauenfeindlichen oder neoliberalen Aeuszerungen, welche man mal vor ueber einer Dekade in einem Forum hinterliesz, weil man es da noch nicht besser wusste. All dies sind irgendwie „Luegen“. Und all dies weisz „das Internet“ (also google, amazon etc.), weil unsere „digitalen Ichs“ dies herausposaunen.

Aber mit dem „digitalen Ich“ ist mehr, als nur das Verhalten im Internet gemeint.

Es ist auch der Stromverbrauch (ich sprach dies irgendwie an dieser Stelle bereits an). Warum ist der denn in der Nacht so hoch?
Oder der so oft gepriesene Kuehlschrank, der einem mitteilt, dass die Milch schlecht ist und die dann automatisch neu bestellt. Aber warum ist denn da auch immer so viel Pizza im Kuehlschrank. Da sollte man mal vorsichtshalber die Versicherungspraemie hoch schrauben, denn da braucht bestimmt irgendwann mal jemand eine Herzoperation. Wird es niemals geben? Schwarzmalerei? Mhm … da muss ich mich wohl verhørt haben, vor ein paar Jahren, als ernsthaft diskutiert wurde, „Anreize“ zu gesundem Verhalten zu geben. Mit so einer Technologie kann das auch noch schøn ueberwacht werden.
Oder die (notwendige) automatische Ortung des Standortes des Telefons. Da weisz man doch gleich wo man ist. Ist doch super praktisch, insbesondere zusammen mit der neuen, Schritte zaehlende „App“, die einen gleich zu den richtigen Laeden im Einkaufszentrum leitet.

All dies wird euphemistisch als „Internet der Dinge“ bezeichnet. Bei ca. 37:13 kommt Frank Schirrmacher auf das Beispiel einer ueberwachenden Zahnbuerste zurueck. Dabei wird auch kurz darauf eingegangen, dass eben Anreize geschafft werden, um sich ueberwachen zu lassen.

Ich male mglw. etwas grau, denn dies alles  ist ja nicht notwendigerweise schlimm. Viele der potentiellen Funktionen sind eben WIRKLICH praktisch. Sei es der schnelle Zuckertest, oder die Ueberwachung des Pulses beim Lauftraining.
Immer her damit! Ohne Sarkasmus, meine ich, dass wir das wirklich gut gebrauchen kønnen. Auch eine gute Suchmaschine, oder von der Couch aus Einkaufen sind wirklich toll.

Aber aus all diesen Daten, setzt sich unser „digitales Ich“ zusammen. Und natuerlich aus noch viel mehr, wo wir im Traum nicht dran denken.

Wir kommen da nie wieder drum herum, dass wir alle „digitale Ichs“ haben und dass diese „digitalen Ichs“ schlimme Dinge ueber uns verraten, die wir mglw. gar nicht mal selbst (mehr) wissen.

Soweit erstmal zur Etablierung dieses Begriffes. Nun ist aber nicht zu vergessen, dass in einer algorithmisierten Welt; einer Welt, in der all unser Verhalten gespeichert und durch (unbekannte!!!) Algorithmen analysiert wird, diese „digitalen Ichs“ ploetzlich viel wichtiger werden, als die realen Ichs (13:58).
Und hier ist dann auch wieder die Zaesur. Dass nicht „wir“ unser „digitales Ich“ beeinflussen, sondern, dass „wir“ unser „digitales Ich“ werden.

Natuerlich gilt dies NICHT im Bekanntenkreis. (Wobei ich mir da eigtl. auch nicht so sicher bin.)
Aber fuer die Firmen, deren Sachen man kauft. Oder fuer die Buchverlage, deren Buecher man liest. Oder eben fuer die staatlichen Behørden.

Warum wird denn aber mit Hochdruck an der Etablierung einer solchen algorithmisierten Welt gearbeitet?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: um alles noch effizienter zu gestalten. Denn mit dem „Effizienzkriterium“ hat man uns bisher noch immer alles verkaufen kønnen und ich glaube, dass die Leute die dies predigen, dies sogar wirklich glauben.

Dumm nur, dass aus einer algorithmisierten Welt auch folgt, dass man zukuenftiges Verhalten voraus sagen kann. Und diese Vorhersagen sind bereits heute verdammt effektiv. Denn was sind denn die amazon-„Dies kønnte sie auch interessieren“-Empfehlungen anderes, als die Voraussage von Kaufverhalten?

Bei 11:30 wird dann auf sog. „Pre-Crime“-Programme in den USA eingegangen. Es werden also Personen festgenommen, von denen man annimmt, dass sie in der Zukunft Verbreche begehen werden. Und das funktioniert sogar. Dadurch wurde die Verbrechensrate um 25% gesenkt.
Ist doch toll! Nicht wahr! Weniger Verbrechen.
Mal davon abgesehen, dass dies katastrophal ist fuer die Buergerrechte eines jeden Einzelnen, møchte ich dazu sagen, dass dies NOCH nur bei Verbrechern gemacht wird.
Bei stetig klammen Budget aber, wird es den Staat sicherlich brennend interessieren, ob nicht jemand die Kuendigung „provoziert“ hat und dadurch kein Recht auf Arbeitslosenunterstuetzung hat. Und da ist es schon gut zu wissen, ob der Gekuendigte schon seit ein paar Wochen 10 Minuten spaeter aufsteht. Denn das kønnte als „Unlust zu arbeiten“ interpretiert werden und somit faellt dann der Anspruech auf das Geld weg.

 

Irgendwie habe ich mich ein klein wenig verzettelt glaube ich.

Worauf ich hinaus will ist: ALLE unsere Handlungen hinterlassen „Spuren“, ob wir das wollen oder nicht. Ich schrieb ein paar Beispiele nieder und kønnte viele weitere anfuehren. Bis vor ein paar Jahren war das vøllig ok, weil diese Daten nicht erhoben wurden (keine derartigen Sensoren bspw. im Telefon), nicht an irgendwelche Dienste weitergesendet wurden (keine permanente Internetverbindung) und selbst wenn, dies aufgrund fehlender Rechenleistung ueberhaupt nicht haette „ausgewertet“ werden kønnen.
All dies geschieht aber mittlerweile schon bzw. wird in nicht all zu ferner Zukunft eingefuehrt werden.
Dies wiederum bedeutet, dass niemand mehr eine real existierende private Zone haben wird. (Eine imaginaere Gedachte hingegen natuerlich immer noch.) Dies wird fundamentale Auswirkungen auf unsere Leben haben. Wir werden unser Verhalten aendern (muessen). Leider nicht selbst bestimmt, sondern fremd bestimmt. Und die positiven Auswirkungen dieser Entwicklungen werden die dadurch (høchstwahrscheinlich) auch entstehenden negativen Auswirkungen mitnichten ueberwiegen.
Da bisher niemand Wichtiges ernsthaft fuer eine bessere Alternative argumentiert befuerchte ich, dass dies die Welt werden wird, in der unsere Kinder die grøszte Zeit ihres Lebens verbringen werden. Und das macht mich sehr sehr traurig.

 

Bei 12:19 fragt dann Frank Schirrmacher auch, was es denn bedeutet, wenn man voraussagen kann, dass jemand eine Handlung begeht, von der er noch nichtmal selbst weisz, dass er die møglicherweise (oder auch nicht) begehen wird?

Mit dieser entsetzlichen Frage, møchte ich diesen dritten Teil dann auch abschlieszen.