{"id":523,"date":"2009-07-28T11:52:08","date_gmt":"2009-07-28T09:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.soeren-in-norwegen.net\/blog\/?p=523"},"modified":"2009-07-28T11:52:08","modified_gmt":"2009-07-28T09:52:08","slug":"der-zorn-ist-verflogen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.soeren-in-norwegen.net\/blog\/2009\/07\/der-zorn-ist-verflogen\/","title":{"rendered":"Der Zorn ist verflogen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und ich moechte den heutigen Eintrag nutzen um kurz zu erklaeren, warum ich (<a title=\"Es ist mal wieder Zeit fuer die Frage: \u2026\" href=\"http:\/\/www.soeren-in-norwegen.net\/blog\/2009\/07\/es-ist-mal-wieder-zeit-fuer-die-frage\/\" target=\"_blank\">gestern wieder<\/a>) so gegen das dtsch. &#8222;System&#8220; wetter(t)e und warum ich die Sprache und &#8222;Stilmittel&#8220; derart drastisch waehle.<\/p>\n<p>Die ganze Entwicklung der letzten dreizig Jahre, aber deutlich verschaerft nochmal unter Gerhard Schroeder, fuehrte zu einer massiven Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Und ja, Studenten sind auch arm (in einem viel weiteren Umfang als nur die monetaeren Mittel betreffend)! Oder warum gibt es so wenige Studenten mit Kindern? Wieauchimmer, im Folgenden moechte ich gern vier (neuere) Beitraege von den <a title=\"nachdenkseiten.de\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/\" target=\"_blank\">nachdenkseiten.de<\/a> zitieren. Dabei handelt es sich um die zwei Artikel\u00a0<a title=\"Armut untergr\u00e4bt das Fundament der Demokratie\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4011\" target=\"_blank\">Armut untergr\u00e4bt das Fundament der Demokratie<\/a> und\u00a0<a title=\"Die gespaltene Gesellschaft - Arm und Reich im Konflikt\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4069#more-4069\" target=\"_blank\">Die gespaltene Gesellschaft &#8211; Arm und Reich im Konflikt<\/a> von Christoph Butterwegge, den Thesen f\u00fcr eine Podiumsdiskussion bzgl. des Themas <a title=\"Armut gef\u00e4hrdet unsere Demokratie\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3785\" target=\"_blank\">Armut gef\u00e4hrdet unsere Demokratie<\/a> von Wolfgang Lieb (besonders zu empfehlen, da dort viele Studien, diesbezueglich und zu stark verwandten Themen, genannt werden, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen mag) \u00a0und um den Beitrag von Johano Strasser mit dem Titel <a title=\"Armut als Politisches Problem\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3784\" target=\"_blank\">Armut als Politisches Problem<\/a>. Die Quellen werden bei den einzelnen Zitaten nicht erneut kenntlich gemacht.<\/p>\n<blockquote><p>In einer wohlhabenden Gesellschaft, die den Anspruch erhebt, sozial, gerecht und demokratisch zu sein, m\u00fcssen Armut [&#8230;] wie Reichtum \u00a0[&#8230;] \u00f6ffentlich gerechtfertigt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies geschieht in Dtschl. durch die Mythen des Neoliberalismus; Leistungstraeger sind eben wohlhabender als &#8222;Faulenzer&#8220; und &#8222;Sozialschmarotzer&#8220;. Man beachte bitte die Wortwahl (die ja auch vom ehemaligen Bundeskanzler (!) so aehnlich benutzt wurden).<\/p>\n<blockquote><p>Reichtum bedeutet die M\u00f6glichkeit, wirtschaftlich und politisch Macht auszu\u00fcben, wie Armut umgekehrt bedeutet, \u00f6konomische und soziale Ohnmacht zu erfahren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazu spaeter noch ein paar weitere Punkte.<\/p>\n<blockquote><p>Breitet sich die Armut in einem reichen Land aus, wird ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung marginalisiert, die Menschenw\u00fcrde gleich massenhaft verletzt und den Betroffenen \u201estrukturelle Gewalt\u201c (Johan Galtung) angetan [&#8230;] w\u00e4hrend Politik, Staat und Verwaltung nicht selten die Armen anstelle der Armut bek\u00e4mpfen, statt f\u00fcr einen gerechten sozialen Ausgleich zu sorgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter heiszt es:<\/p>\n<blockquote><p>Die zunehmende soziale Spaltung erh\u00f6ht [&#8230;] das Konflikt- und Gewaltpotenzial der Gesellschaft [&#8230;] [es] kann sich eine latente B\u00fcrgerkriegsstimmung ausbreiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich denke die Wahl des Wortes &#8222;Buergerkrieg&#8220; ist durchaus gerechtfertigt. Sowohl als &#8222;Hinweis&#8220; darauf was Dtschl. moeglicherweise erleben wird (wenn auch nicht in dem Ausmasz wie bspw. im ehemaligen Jugoslawien), als auch bzgl. der &#8222;sozialen Stimmung \/ Sichtweise&#8220;, sowohl von &#8222;oben&#8220; nach &#8222;unten&#8220; als auch umgekehrt. Dazu zwei Beispiele<\/p>\n<p>1.: Der T-Shirt-Aufdruck: &#8222;Eure Armut kotzt mich an&#8220;<\/p>\n<p>2.: der Spruch: &#8222;Denkst du etwa du bist etwas Besseres wenn du studierst?&#8220;<\/p>\n<p>(Geistige und) Gesellschaftliche Abgrenzung fuehrt immer zu weniger Kommunikation, das fuehrt zu weniger Verstaendnis, das fuehrt zu mehr Vorurteilen &#8230; und letztlich fuehrt alles zur Gewalt untereinander. Dazu auch:<\/p>\n<blockquote><p>Wer die brisante Mischung von berechtigter Emp\u00f6rung, ohnm\u00e4chtiger Wut und blankem Hass auf fast alle P(arteip)olitiker\/innen unseres Landes kennt, wie sie wohl nur in Versammlungen von Hartz-IV-Bezieher(inne)n existiert, [&#8230;] kommt zu dem Schluss, dass innerhalb der Bundesrepublik l\u00e4ngst zwei Welten oder \u201eParallelgesellschaften\u201c existieren und die Br\u00fccken dazwischen endg\u00fcltig abgebrochen sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>bzw.:<\/p>\n<blockquote><p>Wo die Armut grassiert, wird die Demokratie automatisch paralysiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum das so ist:<\/p>\n<blockquote><p>[Demokratie] beinhaltet [mehr], als dass B\u00fcrger\/innen alle vier oder f\u00fcnf Jahre zur Wahlurne gerufen werden, [sondern auch] dass sie gleichberechtigt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen k\u00f6nnen. Hierzu m\u00fcssen sie \u00fcber die materiellen Mittel verf\u00fcgen, um auch in ferner gelegenen Orten stattfindende politische und Bildungsveranstaltungen [&#8230;] zu besuchen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazu weiter<\/p>\n<blockquote><p>Arme sind nicht nur sozial benachteiligt, vielmehr in aller Regel auch politisch weniger aktiv, skeptischer gegen\u00fcber der parlamentarischen Demokratie[&#8230;]. Hieraus kann eine Legitimationskrise der Demokratie erwachsen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und genau dies ist eigentlich der Kernpunkt meines Zorns, denn meine persoenliche Existenz ist so extrem abhaengig von der Meinungsfreiheit (und allem was daraus folgt). Diese kann (zur Zeit) allerdings nur in einer Demokratie gewaehrleistet werden; und dies war der entscheidende Grund warum ich Dtschl. verlassen musste, denn ich wollte meine Familie nicht in Gefahr bringen!<\/p>\n<p>Und ein weiterer Punkt warum Armut mehr bedeutet (und so schlimm ist) als &#8222;nur&#8220; kein Geld fuer Obst fuer die Kinder zu haben:<\/p>\n<blockquote><p>Vor allem in einem Land, das nach wie vor unter dem geistig-politischen Einfluss des Neoliberalismus steht und daher stark auf Leistung und \u00f6konomischen Erfolg setzt, bedeutet Armut nicht blo\u00df, dass ein Mangel an prestigetr\u00e4chtigen Konsumg\u00fctern besteht, sondern auch, dass hiermit ein Makel verbunden ist, der das Selbstwertgef\u00fchl davon Betroffener ersch\u00fcttert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und genau dort setzen die Nazis an!<\/p>\n<p>ABER (und den Punkt bringe ich auch, weil mir ein aehnlicher Vorwurf bereits gemacht wurde):<\/p>\n<blockquote><p>Es ist falsch, die Unzufriedenheit mit der demokratischen Praxis mit einem Verdruss \u00fcber die Demokratie als Staatsform zu verwechseln.<\/p><\/blockquote>\n<p>doch leider ist &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Die einzige Partei, welche die neuen Armen heutzutage bilden, [&#8230;] die Partei der Nichtw\u00e4hler; sie wird immer gr\u00f6\u00dfer, hat aber keine politische Kraft.<\/p><\/blockquote>\n<p>und das ist gefaehrlich denn &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Es ist zu bef\u00fcrchten, dass sie exakt deswegen destruktive Energie entwickelt &#8211; <strong>weil n\u00e4mlich Demokratie nicht mehr gut funktionieren kann, wenn ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil der Gesellschaft nicht mehr dabei mitmacht<\/strong>. <strong>[!!!]<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Erinnert ihr euch daran was ich immer sage? Ich nenn mal nur die Stichworte &#8222;Gesellschaft&#8220; und &#8222;partizipieren am Staate&#8220;.<\/p>\n<p>Und bevor es wieder zu dem Spruch: &#8222;Mecker doch nicht rum, schlieszlich geht es dir gut, denn du koenntest ja auch in Afrika leben und dort verhungern&#8220; kommt:<\/p>\n<blockquote><p>Armut wird heute im Unterschied zu absoluter Armut gemeinhin in Relation zum gesellschaftlichen Umfeld definiert: Aus dieser Sicht ist arm, wer weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens in seinem Land zur Verf\u00fcgung hat. [&#8230;] Armut ist eben kein ganz und gar objektives, sondern auch ein subjektives Problem.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiter geht es mit:<\/p>\n<blockquote><p>Besonders schlimm ist die Lage, wenn sich Arbeitslosigkeit und Armut vererben.<\/p><\/blockquote>\n<p>In den naechsten zwei bis drei Jahrzehnten werde ich vermutlich genau dies bei meiner Schwester und ihrem Kind beobachten &#8230; dies entsteht hier also nicht aus irgendeiner verworrenen (und hauptsaechlich theoretischen) &#8222;Gutmensch&#8220;-Ecke heraus.<\/p>\n<p>Weiter im Text:<\/p>\n<blockquote><p>Zum Armutsproblem geh\u00f6rt auch die \u00f6ffentliche Armut. \u00d6ffentliche Armut, d.h. die mangelnde Ausstattung der \u00f6ffentlichen Institutionen mit Mitteln zur Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben, verst\u00e4rkt in aller Regel die individuelle Armut.<\/p><\/blockquote>\n<p>dazu weiter &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Ohne einen funktionierenden und finanziell abgesicherten \u00f6ffentlichen Sektor, der <strong>allen zug\u00e4ngliche \u00f6ffentliche G\u00fcter<\/strong>, z.B. Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Kultur, bereitstellt, kann es eine demokratische und zivilisierte Gesellschaft, in der jeder eine faire Chance hat, sein Leben in W\u00fcrde und Selbst\u00e4ndigkeit zu f\u00fchren, nicht geben.<\/p><\/blockquote>\n<p>und &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Armutsbek\u00e4mpfung ist Gesellschaftspolitik in dem ganz konkreten Sinn, dass sie die Voraussetzungen daf\u00fcr schafft und erh\u00e4lt, dass ein Zusammenleben in einem zivilen und demokratischen Gemeinwesen auf Dauer \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie ihr aber gestern gesehen habt, werden die Armen in Armut gehalten und das trotzdem &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit [&#8230;] die objektiven, die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen f\u00fcr die Befreiung der Arbeit, f\u00fcr die Angleichung der Lebenschancen, f\u00fcr die \u00dcberwindung von Hunger und Elend, f\u00fcr die nachhaltige Organisation des Stoffwechsels von Mensch und Natur so gro\u00df wie heute [waren].<\/p><\/blockquote>\n<p>Und deswegen zum Abschluss nocheinmal:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wachsende Armut f\u00fchrt zum Zerfall der Gesellschaft.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>EURER Gesellschaft!<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; &#8230; &#8230;<\/p>\n<p>Auch wenn dies in eurem kleinen sozialen Habitat vermutlich auf laengere Zeit nicht zu bemerken sein wird!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und ich moechte den heutigen Eintrag nutzen um kurz zu erklaeren, warum ich (gestern wieder) so gegen das dtsch. &#8222;System&#8220; wetter(t)e und warum ich die Sprache und &#8222;Stilmittel&#8220; derart drastisch waehle. 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